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Episoden aus (m)einem Autofahrerleben (9)

Wir haben Winter. Echten Winter. Mit viel Schnee. Und vor allem bei der Parksituation merkt man: Autofahrer sind sich selbst am nächsten. Wer sein Fahrzeug bewegen muss und zurückkehrt hält riesengroße Sicherheitsabstände. So werden aus 50 möglichen Parkplätzen ganz schnell 30, 10 fallen zusätzlich durch die hochgehäuften Schneehafen weg … blöd, wer zu spät kommt und an den wenigen Autos mit großen Lücken entlangfährt, aber trotzdem keinen Parkplatz findet. Hm. Ich laufe ja gerne ein Stück! Auch ein weites Stück, aus einem ganz anderen Wohnviertel …

Was mir auffällt: Winterräumdienst ist nicht gleich „die Straßen werden geräumt, wenn Bedarf ist“. Da hat wohl jeder Beauftragte großen Interpretationsspielraum bzw. ein großzügiges Zeitfenster. Das ganz bestimmt nicht immer mit den Zeitfenstern der Verkehrsteilnehmer übereinstimmt.

Und ich wiederhole mein Mantra an mich selbst: ich habe es bei diesen Wetterverhältnissen nicht eilig, nehme Rücksicht auf unsichere Verkehrsteilnehmer und plane unvorhergesehene und vor allem dämliche Manöver ein. Und habe ab sofort immer Nachfüllspritzwasser dabei, das auch bei Minusgraden einsatzfähig bleibt …

Hoffnungsschimmer [*.txt]

p1110590„Tempo, die Damen. Ich habe ein dringendes Bedürfnis – dass ihr euch immer noch alle „erst mal anziehen“ müsst. Haaaallllooo!!!! ICH – WILL – RAUS – JETZT.

Diese Warterei macht mich fertig, dabei drückt es mich, ah, etwas kann ich schon Dampf ablassen. Wenigstens. Aber das reicht noch nicht. Endlich. Jetzt muss ich es noch über die ganze Wiese schaffen, da darf ich ja nicht – mein Hoffnungsschimmer: das nächste Feld ist nur 100 Meter entfernt. Also lass ich die lästige Herde gleich mal den Hang runterrutschen. Ha, ha, ha – da purzeln sie hinter mir her.

Normalerweise mag ich ja gar nicht, wenn mir jemand zuschaut, aber heute mach ich für euch eine Ausnahme …

Hui, das hat gut getan. Was ihr euch jetzt schon wieder aufhaltet mit Tüte, um meinen großen Berg in den Abfall zu schmeißen. Phhhh. Weeeeiiiiter gehts, ich muss meine Herde mal etwas antreiben. Also loooooos, flott.

p1110491Schnee ist ja schön und gut, aber wo bitteschön sind meine Zapfen. Ich muss mich da jetzt mal durchwühlen, weil so ganz ohne Zapfen. Langweilig … Und jetzt ist auch noch die mit der großen Kamera dabei, die permanent stehen bleibt. Haaaalllllooo, weiter – ich bin der Chef dieses Spaziergangs.

Endlich ein Hoffnungsschimmer, sie sammeln Zapfen in einer Tüte. Äh, also, ihr könnt mir auch gerne schon welche werfen, ich bin schon soooo ungeduldig. Ha, hab einen. Die Tüte hat ein Loch. Herde, Tempo, ich zieh mal, damit wir endlich zu meiner Zapfenwiese kommen. Mir ist soooooo langweilig …

Endlich da: laufen, schnappen, suchen – laufen, schnappen, suchen – laufen, schnappen, suchen – laufen, schnappen, suchen – laufen, schnappen, suchen – und von vorne. Nochmal. Dieses Schneedings scheint meine begleitenden Frauchen sehr vom Werfen abzuhalten. Weiter, los, los, los.

Wie, schon Schluss? Also, wenn ihr schon schlapp macht, dann such ich mir eben selber noch ein paar Zapfen, selbst ist der Hund. Jawoll. Und wenn ich muss, werf ich mir die sogar. So. Da schaut ihr, was? 

p1110533Brrrr. Ich muss mir die Eisklumpen aus den Pfoten beißen. Kann kaum mehr laufen. Und jetzt hab ich mich sicher schon xmal im Schnee gewälzt, damit das kalte Zeug von meinen Barthaaren und von den Ohren verschwindet. Aber das wird und wird nicht besser.

Gut, ich habe einen Hoffnungsschimmer: zuhause wartet meine – eigens für mich gekaufte, superbequeme Matratze vor dem großen Westfenster auf mich. Da ists immer sooo schön warm. Da tau(ch) ich gleich ab — Määädels, Tempo, ich will jetzt heim. Was die immer mit schöner Wintersonne und so haben. Heim gehts …. wuff.“

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Der Ich-Erzähler dieses Beitrags zum ersten [*.txt]-Beitrag 2017 – das erste Wort lautet „Hoffnungsschimmer“ – ist Herr Frodo, mein großer Hunde-Spaziergehfreund, mit dem ich öfter mal durch die heimischen Wälder streifen darf. In Begleitung seines Frauchens. Ihm begegnen unterwegs viele Hoffnungsschimmer – uns auch, aber da er der Chef-Gassigeher ist hab ich die selbstverständlich ausgeblendet.

S’is wieder Sommer, Sommer in der Stadt

München ist eine Draußen-Stadt, sobald die ersten Sonnenstrahlen hervorlugen sitzen wir ebenda: draußen. 12 Monate im Jahr gibt’s vor Cafés und Kneipen Plätze im Freien, die Biergärten sind bei schönem Wetter geöffnet. Eines aber, das ist im Sommer hier einfach noch mal ganz ganz anders: Diese lauen Münchner Sommernächte, in denen wirklich jeder unterwegs ist. Nachbarn bevölkern Gärten und Innenhöfe, auf der Terrasse wird gegrillt, auf den Balkonen und Dachterrassen sitzen wir Bewohner der Stadt bis tief in die Nacht, genießen dieses Gefühl, die nördlichste Stadt Italiens zu sein. Überall auf den Straßen lassen sich die Menschen treiben, ganz unterschiedlich gekleidet übrigens, von leichten Sommerkleidchen über Shirts und Shorts über lange und weite Baumwollhosen (die auch ungebetene Mücken und Fliegen abwehren sollen) über Hemden bis hin zu Wollpullovern. Jeder schwitzt hier halt anders …

In den Häusern ohne Balkone sind die Fenster weit geöffnet. Wer kann, ist unterwegs, bleibt im Biergarten sitzen, auch wenn das letzte Bier schon lang ausgeschenkt ist. Vor dem Sarcletti und am Ballabeni bilden sich gefühlt endlose Schlangen, wir radeln zum Tollwood und zu Kino-Openairs, an der Isar und am Schlosskanal entlang, danach ziehen wir weiter oder beobachten die Sterne von einer Parkbank aus. In Parks und Grünanlagen sitzen Menschen auf Picknickdecken oder Handtüchern, wir hüpfen um Mitternacht verbotenerweise barfuß in die Brunnen der Stadt – Nachhausegehen? Können wir später, wenn’s etwas abkühlt. Und überall erklingt Musik, eigene oder die der Nachbarn, im Idealfall mag sie jeder. Wundervoll finde ich, dass sich über die Sommermonate viele Musiker in die Stadt verirren, ihr Instrument auspacken und im Park, am Stachus, unter schattigen Bäumen oder in der prallen Hitze selbstvergessen spielen.

Am aller-allerschönsten ist es übrigens, in diesen lauen Sommernächten ein klitzekleines bisschen verliebt zu sein. Mindestens in seine Stadt, aber so unterm Sternenhimmel knutschen, da schauen sogar die Ordnungshüter mit einem Lächeln zu bzw. weg … Der Ort ist vollkommen egal, das klappt überall in Minga.  Hach, ich freu mich, denn jetzt gerade ist Sommer – Sommer in meiner Stadt.

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Dankeschön an münchen.de für den Impuls, über das Besondere am Sommer in meiner Stadt nachzudenken. Und: ich freu mich über Kommentare hier oder eure Gedanken zum Nachlesen in der Blogparade.

Musik am Mittwoch: Italienische Momente

Als mir die Mama des Großen mit glänzenden Augen erzählte, wie sie Montag Nachmittag zu zweit das „richtig gute“ Übertrittszeugnis aufs Gymnasium gefeiert haben, mit einem „echt“ Münchner Spaghetti-Eis, da hatte ich spontan den perfekten Soundtrack zu diesem Bild eines italienischen Moments in der nördlichsten Stadt Italiens im Ohr. Oder? Bei den Klängen sieht man die beiden doch schier einträchtig je eine Riesenportion der weiß-roten Köstlichkeit genießen, auf dem Sonnenplatzerl vor irgendeiner Eisdiele der Stadt, im Münchner Südosten. Natürlich ist es die beste, wie so viele, die diesen Titel für sich in Anspruch nehmen. Und natürlich trägt die Mama eine große Sonnenbrille und die Männer pfeifen der „bella bionda“ hinterher …Solche Momente sollte man niemals vergessen. Per me, per sempre.