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Spruch zum Wochenende: Sonne im August

Passend zu diesem Gefühl von Endlos-Sommer und dem wirklich wundervollen August hab ich ein Gedicht gefunden, ich finde es zauberhaft:

„Gleich einer Symphonie in Grün durchpulst von Licht und Duft und Glanz ziehn Wiesen sich und Hügel hin erfüllt von buntem Blumentanz.
Die Wege liegen lang im Wind, und alle Birken neigen sich.
Und wenn die Gärten verlassen sind, dann sind sie es nur für mich.
Die Bänke stehen wartend da, die Gräser wiegen her und hin, und manchmal scheint der Himmel nah, und lange Vogelschwärme ziehn.
Und alles ist tief eingetaucht in Lächeln und in Einsamkeit.
Mit Gold ist alles angehaucht, und eine Elster schreit.“
(Selma Meerbaum-Eisinger)

Sonntagsfreude: Raureif

Gestern und heute morgen ist es klirrend kalt, Sonnenschein, aber keine Weitsicht. Das Licht ist besonders, ein bisschen „verdeckt“, nicht klar, nicht strahlend.

Bevor ich losfahre muss ich mein Auto erst mal von einer dicken Eisschicht befreien. Ich starte im Sonnenschein, sehe aber schon, dass mein Ziel unter diesigen Wolken hängt. In der kleinen Friedhofskirche verabschiedet sich die Familie und der engste Freundeskreis endgültig vom Papa der besten Freundin. Am Grab Worte eines engen Freundes, über fast 60 Jahre miteinander und wie wertvoll diese Erinnerungen sind. Dieses Mal fließen die Tränen ungehindert, die liebste Freundin küsst die Rose, ehe sie auf die Urne gelegt wird …

Die bittere Kälte vertreibt mich vom Friedhof, ich gehe ein paar Schritte, mir fällt ein, dass ich nach einer neuen schwarzen Jacke schauen wollte. Ich laufe ins Städtchen meiner Jugend, staune, wie viel sich verändert, aber auch, wie viel verfällt … komme erfolgreich sogar mit 4 neuen Teilen zurück. Am Friedhof ist jetzt nur noch der Mann vom Beerdigungsunternehmen beschäftigt. Ich werfe noch mal einen Blick über dieses Plätzchen der Ruhe, bestaune einmal mehr die jahrhundertealten Grabsteine an der alten Kirche.

Dann erreicht mich eine SMS, eine Freundin schreibt, dass ihr Lebensgefährte Freitag Nacht ausgezogen ist. „Und ich hab das Gefühl, meine Kraft reicht nicht mehr, hochzukommen. Ich kann nicht aufhören zu weinen … fühl mich, wie der einsamste Mensch auf der Erde“. Ich mach mich auf den Weg, damit sie nicht allein ist. Auch hier muss ein Abschied betrauert werden. Später werden wir eine Runde mit dem Hund gehen, die Sonne genießen, sogar gemeinsam lachen. Und staunen, wie sich der Raureif über den ganzen Tag gehalten hat …

„Am Ende ist es gut, und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ (Oscar Wilde)

Ich wünsch euch allen einen schönen 2. Advent. Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita, ihr Text hat diese Woche auch ein bisschen mit Loslassen zu tun.

Glückspilz-Momente (2)

 Als die beste Freundin vor Wochen meinte, sie könne sich an meinem Geburtstag freinehmen und Zeit mit mir verbringen, hab ich mit Freude ja gesagt. Weil oft haben wir das ja nicht, also mal mehr als ein paar Stunden am Stück. Unser ursprünglicher Plan klappte nicht, wir haben eine andere Idee realisiert: eine Auszeit an einem Kraftort im Chiemgau, auf der Fraueninsel im Chiemsee. Im Kopf hatten wir in den ersten Apriltagen natürlich – wie vor einigen Jahren auch wunderbar erlebt – mit Frühlingssonne satt gerechnet, Blick auf den spiegelnden See vor der Bergkette und strahlend blauem Himmel. Hmnaja, nicht so ganz. Die Wettervorhersage meinte Regen, den hatten wir nicht. Dafür bedeckten Himmel, aber was solls. Bei der kurzen Schifferlfahrt von Gstaad zur Fraueninsel lerne ich von den Profis, „die können An- und Ablegen“, und wie. Wir laufen über den  Steg brav auf der Mittelspur an Land, merklich wenig los. Nur ein paar Meter und wir haben unser Quartier erreicht, auf der Website steht zu lesen: „Seit über 600 Jahren lädt das altehrwürdige Inselhotel zur Linde mit seinem Charme und seiner schlichten Eleganz zur Einkehr. Vom höchsten Punkt der Fraueninsel grüßt diese Oase der gepflegten Gastlichkeit, als eines der ältesten Wirtshäuser Bayerns.“ Am Eingang eine kurze Irritation: „Heute geschlossen“. Neeeeeiiiiin. Wir gehen trotzdem rein, denn wir haben doch reserviert. Und werden herzlich begrüßt. „Sind Sie meine Gäste?“ Ja, also ja. Wir erfahren, dass ein hinterlistiger Virus das System lahmgelegt hat, aber: „ich hab Ihnen im Zimmer schön eingeheizt. Das Restaurant öffnet Sytembedingt leider nicht, aber ich könnte Ihnen eine Brotzeit richten. Oder Sie essen beim Klosterbräu? Und für nachher heiz ich Ihnen den Kachelofen ein …?“ Echt jetzt? Himmel. Wir sind im Himmel. Unser Zimmer mit Himmelbett. Klar.  Die nächsten Stunden erleben wir Herrenchiemsee menschenleer, kaum andere Lebewesen, nur Vögel. Ruhe, Stille, Zeit, Gespräche – ohne Ablenkung, ohne Ausweichen. Vollkommen für uns. Auch die Fraueninsel lässt uns auf einer abendlichen Runde zur Ruhe kommen, kein Wunder, dass Menschen seit Jahrhunderten hierher pilgern. Im Klosterbräu verwöhnt uns das aufmerksame Team mit köstlichem Saibling, frischem Meerrettich und Preiselbeeren, vor allem frischen Kräutern mit etwas Butter auf König-Ludwig-Brot. Die Herren am Stammtisch haben neben den Fußballexpertengesprächen immer wieder verstohlen zu uns heulenden Mädels geschielt, lag wirklich daran, dass der Kren seeeeeehr frisch war … Pappsatt spazieren wir in unser hellerleuchtetes Zuhause für die Nacht. Das wir fürs uns ganz allein haben, uns erwartet der wunderbare grüne Kachelofen, ein Flascherl Wein und etwas Käse zum Schnabulieren. Und ein Brieflein, das uns einen gemütlichen, entspannten Abend wünscht. 

  Nicht nur, dass wir genau den verbracht haben, wir sind schon zwei riesengroße Glückspilze: den schönsten Platz im Hotel, nur für uns. Das war ein Geschenk, kostbar, mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Wir sind überglücklich und mit einem kleinen Schwipps, vom Wein und vom endlich mal ganz auf uns fokussierten Gedankenaustausch ohne Ablenkungen ins Bett. Und da fühlt man sich im Himmelbett doch etwas wie eine kleine Prinzessin? Noch mehr am nächsten Morgen, als im Wintergarten – nur für uns – Frühstück, das jeden, wirklich jeden Wunsch erfüllt, aufgebaut ist. Wir haben ein komplettes Küchenteam, nur für uns. Muss mal geschrieben werden: das ist nicht selbstverständlich. Schließlich waren wir die einzigen Gäste. Und das System lief auch am zweiten Tag Virus-bedingt nicht. Trotzdem haben wir uns jede Minute königlich gefühlt. Und wenn man dann noch ein Gespräch aufschnappt, in dem man als liebe, zufriedene Gäste erkannt wurde …. Herz, was willst du mehr? Und weil es gesagt werden muss: Vielen lieben Dank an alle, die unsere Zeit so sehr bereichert haben. Das war wirklich ein sehr besonderes Geschenk, und so unverhofft …

  Achso, alles richtig gemacht, Freitag regnete es, war zwar noch weniger los, aber es hat doch deutlich mehr Spaß gemacht, trocken über die menschenleeren Chiemseeinseln zu spazieren. In der Klosterkirche konnten wir Freitag Vormittag ganz allein Kerzerl für unsere Lieben entzünden und nochmal eine tiefe Ruhe in uns aufnehmen. Und als kleines Geburtstagsgeschenk hab ich mir aus dem Klosterladen „Die Gärtnerin von Versailles“ mitgenommen, passt sooo gut. Und die beste Freundin und ich müssen „bald mal“ einen DVD-Abend planen. Und in Rosenheim bekamen wir sogar noch Schuhe … Hach!
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Ein Beitrag zu den Glückspilz-Momenten im April 2016. Danke an die Initiatorinnen Petra, Maire und Mel für den schönen Impuls, das in dieser so treffenden Rubrik festhalten zu dürfen.

#Sonntagsfreude: Einsamkeit

Das war ein Sonntag, an dem ich mich bewusst gegen beliebte und stark frequentierte Münchner Ausflugsziele entschieden habe, statt dessen war ich bei Spätsommer-Sonnenschein unterwegs im herbstlich eingefärbten Wald. Die ersten beiden Stunden mutterseelenallein – unterwegs hatte ich tatsächlich nur Begegnungen mit Schmetterlingen und Marienkäfern. Und so viel Ruhe um mich. Das hat richtig gut getan. Danach kamen auch im Voralpenwald Ausflügler an, fast alle bewaffnet mit Eimern, um die letzten Pilze zu sammeln. Da hab ich mich auf den Heimweg und es mir mit einem guten Buch in der Sonne bequem gemacht. Perfekt!
Mehr Sonntagsfreude bitte hier nachlesen.