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Sonntagsfreude: Fotowalk durchs „Heimatdorf“

2018-06-09Vor ein paar Monaten hatte mein alter Kumpel seit Jugendtagen einen runden Geburtstag – und als Geburtstagsgeschenk ist mir etwas „Besonderes“ eingefallen: wie ich immer wieder erwähne schenke ich am liebsten gemeinsame Zeit (denn die haben wir in der Gegenwart ja viel zu selten). Und ich hab mich an eine junge Historikerin erinnert, deren Vortrag mich bei einer Jubiläumsveranstaltung meines Heimatortes sehr begeistert hat. Hab sie einfach gefragt, ob sie mit uns einen „Fotowalk“ durch die Gemeinde oder besser die Hauptstraßen des Marktes machen würde … und war sehr gespannt, was wir gemeinsam erleben würden.

Und es war noch viel besser als ich es mir ausdenken hätte können. Keine Frage, auch kleine Orte oder Dörfer haben so unendlich spannende Geschichten zu erzählen, man muss nur genau hinschauen und nachfragen. Hochschauen, in die Ecken spähen, etwas forschen, gründlich lesen und sich über Wortneuschöpfungen wundern … das war gestern tatsächlich spannend, abwechslungsreich, und wir haben nicht mal einen Bruchteil geschafft 🙂

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

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In den Medien

Abkochgebot für Trinkwasser im Landkreis Freising … so wenig glamourös kann es also sein, wenn der eigene Heimatort in den Medien ist. Gut, immerhin ist es „nur“ ein Keimbelastung, meine Eltern müssen – hoffentlich nur vorübergehend – alles an Wasser abkochen, was verwendet wird. Mit etwas Erklärung der Situation und etwas Aufklärung haut das durchaus hin.

Gewundert habe ich mich, dass das Ganze so lautlos abläuft. Früher sind zum Beispiel bei Stromausfall große Fahrzeuge mit Lautsprechern über Land gefahren, um zu informieren. Heute verlässt sich das Gesundheitsamt sehr darauf, dass Menschen sich online oder audiovisuell informieren. In der Samstagszeitung gabs noch keine Hinweise. Ich bin aber überzeugt, dass auf den Dörfern nicht jeder im Internet ist oder Radio hört. Unseren Nachbarn beispielsweise hats am Samstag mittag mein Papa erzählt – und einige Dorfbewohner haben es wohl erst beim Sonntagsgottesdienst erfahren …

Na ja, sind ja „nur“ Coli-Bakterien, die zu Durchfall und Erbrechen führen. Ob sich da jemand gedacht hat, auf ein paar mehr oder weniger kommt es um die Jahreszeit auch nicht an …?

Theaterfreu(n)de

Wenn ein langjähriger Freund Theater spielt und es sich terminlich ergibt, dann kehrt Frau (statt in den sonst in Freising üblichen Asamsaal) an zweckentfremdete Stätten ihrer Jugend zurück: für die Dauer des mehrjährigen Umbaus ist in der Luitpoldhalle eine Konstruktion geschaffen worden, die zwar anders, aber doch sehr funktional für die Laienbühne ist. So wurde ich für einen Abend in „eine kleine, verträumte Kleinstadt ins Königlich Bayerische Amtsgericht“ versetzt. Und da merkt man mal wieder: jede Rolle lebt von ihrem Darsteller, vom pflichterfüllten Wachtmeister über die gstandene Wirtin, vom naiven Dirndl hin zur tratschenden Pfarrersköchin, vom pfiffigen Totengräber bis hin zum rechtssprechenden Amtsgerichtsrat. Wie auch bei der bayerischen Kultserie nach einer Idee von Georg Lohmeier ist die bairische Gerechtigkeit manchmal nicht für alle Beteiligten fair, aber immer für ein paar Lacher gut.

Mein Highlight des Abends: ein gnadenloser Regisseur. Nachdem eine seiner Mitspielerinnen vorher im Stück ihren Schlusssatz gründlich versemmelt hatte bekam sie nach dem Schlussapplaus auf seine Veranlassung hin die Chance, ihre Pointe aus dem Leichenbitter jetzt korrekt zu wiederholen. Auf die Frage, warum sie ihren Mann dazu angestiftet hat, einen falschen Sterbefall zu verkünden, wo es doch ein Leichtes gewesen wäre, eine Hochzeit zu erfinden, antwortet sie also resigniert im Kontext: „Oh mei, Herr Rat: dass einer stirbt, das glaubt ihnen ein jeder, aber dass einer so dumm ist und heiratet – das glaubt Ihnen nicht ein jeder …“.

Hat sie bravourös gemeistert, wobei sie auch sonst die Lacher auf ihrer Seite gehabt hätte, denn wie heißt es so schön im Abspann zum Königlich Bayerischen Amtsgericht, wenn sich alle mit einer Mass frisch gezapftem Bier versöhnen: „…auf die Guillotin hat unser Herr Rat eh niemanden geschickt.“

Dorfleben an einem Sonntagvormittag

Wer regelmäßig mitliest weiß, dass ich meine Wochenenden auf dem elterlichen Bauernhof sehr genieße. Da ist es meist schön ruhig und erholsam. Wobei, dieser Sonntag vormittag wird unvergessen bleiben. Gegen halb 10 Uhr klingelte das Telefon, dran eine Nachbarin. „Ihr müsst mal auf der Weide nach dem Rechten schauen, sieht so aus, als ob eine ausgebüchst ist …“. Sie konnte gar nicht aussprechen, so schnell waren meine Brüder und ich aus dem Haus.

Tatsächlich graste die Ausreisserin friedlich im Garten des anderen Nachbarn. Bis wir kamen – dann trabte der Kuhteenager, erst ganz langsam, dann immer schneller davon. In die Freiheit, denn oberhalb der Weide ist meilenweit Ackerland und Wald. Erst mal blieb sie noch in der angrenzenden Stillegung stehen, um von den köstlichen Kräutern zu naschen. Als wir sie auch dort wieder fast eingekreist hatten machte sie sich in wilden Bocksprüngen auf und davon …

Hui, zum Glück brüllten die beiden zurückgebliebenen Pubertiere ganz laut nach der Nummer 3, sodass sie doch nicht in die große weite Welt mit gefährlichen Straßen und noch viel gefährlicheren Fahrzeugen davongelaufen ist, sondern über den Feldweg zurückgaloppiert kam. Wir konnten sie durch Nachbars und unseren Gemüsegarten (übrigens mitten durch Mutterns Tomatenhäusl-Spezialkonstruktion) irgendwann in eine Weidefläche treiben. Große Erleichterung, sie ist unverletzt, wir auch.

Das Loch im Weidezaun ist längst repariert – und sehr schnell war auch wieder Strom drauf. Das war nämlich eigentlich die Ursache, dass die junge Dame überhaupt türmen konnte. Normalerweise lernen die Weidetiere, dass sie die Nase nicht durch den Zaun stecken sollten, um draußen zu schnabulieren – wenn aber natürlich seit Tagen keine Elektrik  drauf ist, funktioniert das Gelernte schnell nicht mehr.

Jetzt ist es bei uns ja familiär immer so, dass keiner schuld gewesen ist. Also hat „keiner“ den Stromstecker gezogen. Und nicht mehr eingesteckt. Vor allem der nicht, der Mitte letzter Woche die eine Weidefläche abgemäht hatte und dazu alles ausgesteckt hatte … der saß Sonntag vormittag, wie es sich für männliche Dorfbewohner im besten Alter gehört, beim Frühschoppen und hat den ganzen Spaß verpasst. Na gut, die Nachbarn werden ihm sicher erzählen, wie seine Familie der Kuh nachgejagt ist … zum Glück waren wir alle grad da, weil ob meine Eltern das allein bewältigt hätten?