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„Ladies“ zu Besuch


„Hä? Wir sind doch keine Ladies?“ Ja, damit haben die bezaubernde Nichte und ihre beste Freundin gar nicht mal unrecht. Trotzdem wurden die beiden 6jährigen Besucherinnen heute öfter von mir so genannt. Hat immerhin ihre Aufmerksamkeit geweckt …

Gar nicht so einfach nämlich, so als eine Tante zwei Mädels glücklich zu machen. Beschäftige ich mich zu viel mit der einen wird die zweite schnell übellaunig … aber mit etwas Kreativität lassen sich ausreichend Aktivitäten finden, um beide in Balance zu halten. Nach der umfassenden Schneckensammelaktion im Garten – der leider viel mehr zarte, jetzt zertretene, Blümlein zum Opfer gefallen sind, als die Tierchen jemals hätten vernichten können – haben wir Löwenzahn-Blüten gesammelt, die sonst unter den Rasenmäher vom Opa gekommen wären. Zum Glück ist in der Viehweide noch mehr als genug Nektar zum Sammeln für die eifrigen Bienen vorhanden.

Nach dem Mittags-Spargel-Gelage (Speiseplan an Besuchstagen bestimmt ja immer das jüngste Familienmitglied, und mit ihrer Wahl waren heute alle mehr als zufrieden) haben wir dann die alte Holzkiste vom Heuboden geholt, gründlichst gesäubert und dann mit Leinöl frisch eingelassen. Die darf demnächst als „Schatzkiste“ wieder ins Haus einziehen. Gefüllt mit Spielsachen, Kissen, Decken … was kleine Besucherinnen halt so brauchen.

Die ganze Aktion haben die beiden besten Freundinnen fast ohne Streit, Gemotze und Zickenallüren geschafft … und mir dabei tatsächlich total geheime, geheimste, allergeheimste beste Freundinnen-Geheimnisse anvertraut. Schön, eine große Vertrauens-Freundin sein zu dürfen. Mit Informationen, die die beiden Mamas niemals nicht erfahren dürften. Selbstverständluch bleiben die in meinem Erinnerungsspeicher als solche verwahrt!

Und der krönende Abschluss war die Traktorrunde mit dem Opa, die scharfen Augen der Mädels haben grad mal 20 Meter entfernt im Dickicht ein Reh entdeckt … große Freude. 

Jetzt sitzen sie mit Butterbrot und hundemüde im Auto nach Hause, der besten Freundin der bezaubernden Nichte wünsch ich, dass sie heut Nacht trotz Wachstumsschmerzen gut schlafen kann, der bezaubernde Nichte, dass der dämliche Wackelzahn „aber eeeeendlich“ mal ausfällt …

Schon nicht ohne, dieses 6 sein, „aber echt“!

Das mit dem Maibaum


Gestern hat die Dorfjugend den neuen Maibaum auf seinen Platz befördert … hinten fuhr ein großer Traktor verkehrt herum, vorne weg ein mir nicht näher bekanntes Fahrzeug, das nicht sehr manövrierfähig schien, deshalb mussten viele junge Männer mitlaufen, um den Baum entlang der nicht ganz gerade verlaufenden Dorfstraße immer wieder in die richtige Richtung zu schubsen. Anschließend haben 2 mit Hobeln geschält, während bestimmt 10 andere herumstanden, um fachkundig zuzuschauen, zu kommentieren und zu diskutieren … immer wieder kam jemand, auf dem Dorfplatz war was los. Als ich gegen Mitternacht auf dem Heimweg vorbeikam saßen fast 50 am Lagerfeuer, in dieser herrlich sternklaren Nacht.

Maibaumwache, das weckt Erinnerungen. Als etwa 13jährige war ich bei der Gestaltung des damaligen Maibaums dabei. „Unser“ Baum lag an einem geheimen Speicherort, auch wir haben ihn am Vortag zum Dorfplatz gebracht und ab da rund um die Uhr bewacht. Vor den bösen Maibaumräbern. Kamen auch ein paar vorbei. Das gehört schließlich auch zum Brauchtum, dass die Jugend aus anderen Ortschaften versucht, den Maibaum zu stehlen. Um ihn anschließend in Verhandlungen, meist gegen eine stattliche Brotzeit oder andere lösbare Aufgaben, rechtzeitig wieder auszulösen.

Um ehrlich zu sein: aus der Perspektive meines 13jährigen Ichs traten die Gefahren eines möglichen Maibaum-Klaus weit hinter die Attraktivität eines „gegnerischen“ Besuchers zurück. Mit dem ich in der auch damals zwar kalten, aber sternklaren Nacht lange geredet und viel gelacht habe …

Zurück zum Thema, auch heute wird der Maibaum dann nach einer romantischen gut bewachten Nacht von den Männern des Dorfes – da kommen dann auch die erfahrenen Älteren dazu und geben fachkundige Tipps – gemeinsam aufgestellt. Von ein paar, die das sogenannte „Irxenschmalz“, also die notwendige Muskelkraft, mitbringen, die anpacken, statt über das wie zu reden.

Und das bei blauweißem Himmel und Sonnenschein … schon schön, das alte Brauchtum rund um den 1. Mai.

Dinge von früher

Pixabay Public Domain
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Kürzlich ist mir im Dorf meiner Kindheit beim Vorbeilaufen der alte Kaugummiautomat aufgefallen, der scheinbar immer noch im Hof der längst nicht mehr betriebenenen Dorfwirtschaft hängt. Hab ich viele Jahre nicht bemerkt, obwohl dieses Teil in Kindertagen so regelmäßig frequentiert wurde. Da waren nämlich nicht nur Kaugummis drin, in den Plastikkugeln steckten Autos und viel anderer Krimskrams, den man entweder selber „brauchen“ oder mit den anderen Dorfkindern tauschen konnte. Einmal wurde mit einem „edelsteinverzierten Verlobungsring“ um meine Hand angehalten – der stammte aus ebendiesem Automaten. Muss wirklich mal ausprobieren, ob der noch funktioniert? 🙂