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Schatz [*.txt]

„Hallo mein Schatz.“ Ich hab noch heute die Stimme im Ohr. Gruslig. Der Mann, Partner, Freund, Lebensabschnittsgefährte seit Monaten. Der sich vorher geschäftsmäßig mit vollem Namen und hochmotiviert am Telefon gemeldet hatte. Dann, nachdem er mich als Gesprächspartner ausmachte, dieses Kosedings. Dieses „bezeichnet werden“. Zugeordnet werden. Kategorisiert, klassifiziert. Trotz meines Widerwillens, meines eindeutigen Einspruchs und der Bitte, mich beim Namen zu nennen. Zumindest nicht „Schatz“ wollte ich sein. Weil dieses beliebige Kosewort war mir schon immer zuwider, nicht erst seit „Schatzi, schick mir dein Foto“ fühle ich, dass Schatz jeder und jede ist ….

Irgendwann hab ich – da waren wir längst glücklich getrennt – mal einen Gedanken verschwendet, darüber zu grübeln, was das war, dieses mich gruseln. Dieses Nicht-Schatz-Sein-Wollen. Die Erkenntnis, dass es keinen Unterschied machte, mit wem er sprach? Dass ich genauso beliebig wie jeder andere in seinem Leben mit der gleichen oberflächlichen Aufmerksamkeit gestreift wurde, die gleiche schnelle Begeisterung abbekam? Denn daran ändert auch ein Titel nix. Bin sehr zufrieden, kein „Schatz“ zu sein.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 10. Wort lautet „Schatz

Weiß [*.txt]

Weiß ist eine edle Farbe, neben Reinheit symbolisiert sie Vollkommenheit. In allen Regionen der Welt kennt man den Kontrast schwarz-weiß. Sie ist die Farbe, die alle anderen Farben in sich birgt, da sie ohne das Lichte, Helle nicht wahrzunehmen wären … Strahlend, aufmunternd und friedlich, dabei auch sachlich und klar. Und vieles mehr wird weiß dargestellt, ob die Erfinder eines besonders elitären Dinners  – Dinner en blanc, White Dinner oder eben weiße Nacht genannt – das alles in Betracht zogen, als sie den Namen so gewählt haben? Die Idee eines überraschenden Picknicks, an besonderen Plätzen, mitten in den spannenden Metropolen unserer Welt. Aber auch viele kleine Städte haben das Modell adaptiert, bauen in sonst privaten Gärten oder Hinterhöfen für einen Abend lange Tafeln auf. Die Veranstalter bewerben den Abend weltweit als „magisches Picknick unzähliger Menschen mit Stil und Geschmack unter freiem Himmel an außergewöhnlichen Orten“. Alle kleiden sich in weiß und nehmen an weiß eingedeckten langen Tischen oder Tafeln Platz. An besonderen Plätzen, wie dem Münchner Marienplatz, vor dem Louvre in Paris, in der Hamburger Hafencity, im Berliner Lustgarten oder im Hudson River Park mit spektakulärem Blick auf die Skyline von New York – der Ort ist immer aufregend, top secret, wird erst sehr kurzfristig bekanntgegeben. Irgendwie weckt das eine besondere Begehrlichkeit, da möchte man dabeisein, dazugehören? Vor ein paar Jahren hab ich mich ergo auch ganz in weiß auf den Weg gemacht – vor Ort dann die Erkenntnis: Zu weiß. Für mich. Ich mag Farbe. Bunte Vielfalt. Weiß ist schön, aber pur auch etwas blass. Zum Glück kann jeder genau so feiern, wie er möchte – bei mir eben lieber kunterbunt, mit wunderbaren Menschen, fröhlich, lieber ausgelassen als zu stilvoll, ohne Anfang und Ende. Meine liebsten Feste leben  von gutem Essen, lachenden Menschen, guter Stimmung und vielen Farben, die sich vermischen und zum genussvollen Augenschmaus werden …

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 6. Wort lautet weiß.

Berg [*.txt]

Bergwelt.

Eins. Der Berg Arbeit, der vor uns liegt. Berge von Wäsche – waschen und bügeln. Ein Berg von Aufgaben auf dem Schreibtisch, der sich nicht von selbst erledigt. Ein Berg von To Dos auf der Liste, alle Prio 1 . Ganze Berge von Essen auf dem Tisch, so viel übrig … Berge von Freizeit? Berge von Spaß? Nö, zu viel zu tun, zu niedrig die Lust.

Zwei. Ganze Berge von Müll, an Land und zu Wasser. Werden nicht kleiner, bauen sich nicht ab. Keine Berge, auf die wir klettern wollen. Keine Berge mit atemberaubenden Ausblicken. Überflüssige Berge.

Drei. Kommen wir noch mal zu Freizeit. Spaß. Erholung. Selten, aber wenn es in die Berge geht, dann tut das immer so unendlich gut. Frische Luft. Ausblicke, die Herz und Seele streicheln. Und wie gut das schmeckt, wenn man vorher eine Anhöhe erklommen hat. Wie gut man schlafen kann, wenn man vorher etwas gekraxelt ist …Wertvolle Berge.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 2. Wort lautet “Berg”.

Ruhig [*.txt]

Ich wünsch mir was, einen ruhigen Tag. Ohne Lärm, ohne Stress oder Aufregung. Ohne Angst oder Unsicherheit. An einem kleinen, unscheinbaren Ort, eine stille Umgebung. Wo es gelingen kann, innerlich zur Ruhe zu kommen.

Ich wünsch mir was, eine ruhige Zeit. Ohne Aufgaben, ohne Erledigungen. Ohne Termindruck, ohne schlechte Gefühle. Wie lange? Wenns nach mir geht: für immer.

Ich wünsch mir was, einen ruhigen Geist. Nicht nur für mich, sondern für alle Menschen. Zufriedenheit im Herzen, Frieden in der Seele – und in der Welt.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 17. Wort lautet “Ruhig”