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Spruch zum Wochenende: Familie

Jahre ist es her, da wachte ich frühmorgens auf und setzte mich bockig auf eine Treppenstufe. Vater und Oma lächelten mich glückstrahlend an, um mir vom Familienzuwachs zu berichten. „Du bist jetzt eine große Schwester.“ Mein 3jähriges Ego-Ich wollte keine kleine Schwester haben. „Mir doch egal, ich will meine Mama, jetzt und hier, sofort!“ Ich war keines dieser Kinder, die ein neues Geschwisterchen jubelnd begrüßten – im Gegenteil. Wie sich die Dinge doch ändern können. Wie glücklich ich jeden Tag bin, eine große Schwester zu sein, meine Geschwister zu haben. Meine Familie hatte es nicht immer leicht mit mir, aber heute bin ich mir sehr bewusst: „Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.“ (Dietrich Bonhoeffer) Bin richtig gerne Schwester, Tante, Tochter, Schwägerin, Nichte, Cousine …

Die große Cousine

Am Sonntag war die bezaubernde Nichte bei ihrer Cousine Marie eingeladen. Eigentlich bei der ganzen Familie, Tante, Onkel, Cousin – aber entscheidend ist, dass sie endlich mal wieder mit ihrer großen Cousine Zeit verbringen durfte. Wenn ich so nachdenke, höre ich eigentlich jedes Mal, wenn wir uns sehen, von Marie. Die Erzählungen sind allumfassend, meine Nichte findet ihre große Cousine tolltolltoll. Sie ist auch quasi immer dabei: Spielen wir Lego und bauen einen Bauernhof, dann ist eine reitende Spielfigur Marie. Setzen wir eine Mütze auf, dann nur die mit den bunten Streifen, die ist nämlich von Marie. Wenn wir uns in die Luft radelnd aufs Bett legen (tolle Erfindung der Tante, auf die ich total stolz bin, denn das kann man stundenlang spielen und es wird niemals nicht langweilig) und einen imaginären Ausflug unternehmen, wen holen wir als Erstes ab …? Richtig: Marie. Irgendwie schon toll, wie diese „große“, weil doppelt so alte, Verwandte grade die Gedanken der kleinen Dame beschäftigt?

Und ich kann mich erinnern: obwohl wir ja mehr als eine  Cousine haben fanden auch wir Schwestern im Kindesalter zwei unserer „großen Cousinen“ ganz schön toll. Bei Besuchen haben wir uns ihnen an die imaginäre Rockschürze geklemmt. Und haben mit Sicherheit genau so oft von ihnen gesprochen und erzählt, wie eben jetzt meine Nichte. Witzig, wie sich das wiederholt …

Familienzeit

Als Teil einer Großfamilie ist man an Trubel zu Weihnachten durchaus gewöhnt. Das Schöne am Erwachsensein ist: man bleibt gerne zu Hause, genießt diese Stunden. Ohne Stress, ohne das permanente Gefühl, woanders mit anderen Menschen in einer anderen Umgebung sein zu wollen. Daheim ist ein Wort, das wohl mit den Jahren an Wert gewinnt?

Für meine bezaubernde Nichte und ihre Eltern gilt das nur für den Heiligen Abend, an den Weihnachtsfeiertagen besucht man jeweils Ona und Opa. Ist also unterwegs und on the road. Da gibts dann noch mal Geschenke für alle, die alle vom 3jährigen Geschenke-Chef-Auspacker vom Papier befreit werden wollen. Um die Geschenke selber geht’s dabei gar nicht so sehr, Hauptsache, viel zu tun. Der gestrige Tag war ansonsten himmlisch harmonisch. Nichte und Tante ein eingespieltes Chaos-Team mit vielen kleinen Geheimnissen, die keiner sonst mitbekommt. Was haben wir gezwinkert und gekichert. Der Opa endlich mal voll gefragt, kurz vor dem Mittagessen beim Malen mit Wasserfarben (bleibt angesichts der Interessen meines Papas wohl einmalig und muss deshalb hier unbedingt festgehalten werden) und später im Stall beim Kühefüttern und versorgen. Es gab eine wohlverdiente Ruhepause, denn alle haben den Mittagsschlaf genutzt, um sich vom schweren Festmahl zu erholen. Danach eine kurze Mädelsrunde in die Dorfkirche, Kripperl schauen und ein paar weihnachtliche Liadl singen. Der Herr Papa war zwar auch dabei, ihm wurde aber sehr schnell das Liedbuch weggenommen und der Oma vorgelegt, „du kannst besser singen“. Und ja, gestern haben zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder 4 Frauenstimmen, 3 Sopran und eine glockenhelle Kinderstimme, unsere Dorfkirche zum Klingen gebracht. Und ob Kling Glöckchen Klingelingeling ein Kirchenlied ist oder nicht war mal sehr nebensächlich – V. kann jeden Ton und alle Strophen.

Der Tag war rum wie nix … Viel zu schnell, so schön war die Zeit. In meiner Kindheit war es übrigens auch der erste Feiertag, damals sind wir zu den Großeltern gereist. Wie alle anderen Geschwister meines Vaters nebst Familien auch. Ruhig wars da eher nicht, in meiner Familie väterlicherseits redet „man“, viel und laut. Wir Kinder waren meist schnell wieder raus aus der Küche, Cousinen und Cousins versammelten sich im Wohnzimmer. Spielen, später auch Fernsehen. Highlight des Nachmittags: die Oma-Weihnachtstüte, für jeden der über 20 Enkel identisch befällt, Geld, Nikolaus, Mandarinen, Erdnüsse, Plätzchen. Und die Brotzeit, mit hartgekochten Eiern und Essiggurken. Und danach wollten wir auch nur noch heim. Komisch, aber diese Nachmittage waren auch mal viel zu lang, und manchmal auch ganz schön langweilig ….
Schlimmer war immer der 2. Feiertag, die Einladung zu den Großtanten, Schwestern meiner Oma mütterlicherseits. Da gabs eine ordentliche Kaffeetafel, oft Torte, Kaffee, Kuchen. Wir Kinder mussten leise und gesittet sein – äh ja, genau. Es gab außer nach draußen gehen keine Spiele, und da durften wir nicht in den Dreck, weil sonst geschimpft wurde… Ach, was waren wir froh, wenn Weihnachten endlich rum war? Kaum zu glauben!

Freu mich heute sehr auf den Abend, leckeres Essen (was sonst?) und einen kleinen Kreis liebster Menschen. Weihnachtszeit ist so kostbar!

Geschwisterliebe und -hiebe

Nirgendwo auf der Welt sitzt tiefe Liebe und bodenloser Hass so eng aufeinander wie in einer Familie. Zwischen Geschwistern. Ich kenne kein Geschwisterkind, das Bruder/Schwester im tiefsten Inneren nicht heiß und innig liebt – und trotzdem sind wir in der Kindheit (und vielleicht nicht nur da?) zu niemandem so fies, so grenzenlos gemein, so gnadenlos, wie zu den eigenen Geschwistern. Habe am Bergwochenende mit 6 Kindern viele kleine Beobachtungen gesammelt, da waren Geschwister dabei, aber auch Cousin/Cousine. Man kennt sich gut, trotz des unterschiedlichen Alters von 7 bis knapp 13 kommen alle gut miteinander aus. Im Großen und Ganzen. Nur wenn man dann mal genauer hinschaut:

  • ist die große Schwester dauergenervt vom kleinen Bruder
  • machen die großen Jungs auf beste Kumpels und erteilen dem Jüngsten doofe Befehle – amüsieren sich dann aber noch nicht mal köstlich
  • ärgert die kleine Schwester ihren großen Bruder permanent, wehe aber, er rächt sich, dann geht das Kämpfen und das Geheule los
  • manchmal sinds kleine versteckte Hiebe, meistens aber schlicht verletztende Worte, „mein Bruder ist so blöd“, „die kann ja nix dafür, ist halt ein Mädchen“, „groß ist gleich doof“, „der bekommt immer eine Extrawurst“, und das war alles jetzt lang nicht das Schlimmste, was ich so mitgehört habe
  • wehe, jemand anders ärgert den kleinen Bruder/die kleine Schwester, dann werden die größeren Geschwister zu tapferen Löwen, stellen sich schützend vor denjenigen, den sie noch vor Minuten selber getriezt haben
  • Mädels gegen Jungs, schon klar – aber wenns dann wirklich ernst wird, dann halten doch die Geschwister zusammen wie Pech und Schwefel
  • manchmal hilft es nur, sich gegen den Willen der Eltern zusammenzurotten, auch wenn das in dem Moment ganz doof ist, weil man auch seinen Bruder/seine Schwester grade gar nicht leiden kann, aber: lieber diesen Schatten überspringen, als am Ende vor den Erziehungsberechtigten klein beizugeben
  • das kindliche Ego ist ein grausiges Ding, weil es so vollkommen irrational ist: schon ein Biss von einem Schokoriegel kann zu stundenlangem Bocken führen, ja, am Berg war hin und wieder ein ganzer Schwarm einheimischer Bockkäfer unterwegs, zum Glück wurden sie immer schnell abgelöst von munteren schmetterlingsgleichen Wesen, die lachend, gackernd, schnabulierend und scheinbar mühelos immer weiter in die Höhe tanzten 😉

Schön ist, wenn Geschwister aufeinander nicht neidisch sind oder sein müssen. Wird vielleicht erleichtert, wenn Eltern weniger „Das kann deine Schwester aber viel besser als du…“ oder „Unser Erstgeborener ist ein geborener Siegertyp, seine kleine Schwester, tja, da haben wir unsere Erwartungen schon sehr zurückgeschraubt…“ sagen? Keine Ahnung, ich geb auch immer ganz offen zu: als Kind fand ichs nicht sooo toll, Geschwister zu haben. Wäre jahrelang gerne ein Einzelkind gewesen. Das hat sich gründlich geändert: heute weiß ich, was ich an jedem meiner Geschwister hatte und habe. Wenn es drauf ankommt halten wir zusammen wie Pech und Schwefel, sidn füreinander da. Können uns aber auch gut loslassen. Manchmal gibts auch heute noch Hiebe in Form von spitzen Bemerkungen, aber so sind wir eben, das wird nicht übel genommen, zumindest nicht lang. Und ich möchte es nicht missen, keine Sekunde meines Lebens.