Schlagwort-Archive: buch

Warum ich mir manchmal die gute alte Zeit zurückwünsche

Ich bin gerne Patentante, nur: was die Vorbereitungen auf Geburtstage, Namenstage, Weihnachten und weitere „Schenktage“ angeht bin ich mal mehr, mal weniger mit mir zufrieden. Dieses mal war ich – im Vorfeld – sehr sehr glücklich mit mir: mit der Frau Mama hatte ich bereits abgestimmt, dass der Große ein Buch meines liebsten Schriftstellers Erich Kästner bekommen mag. Dieses wurde im Internet bestellt und wird von einem netten Boten bestimmt rechtzeitig persönlich angeliefert. Dachte ich mir so. Bin mir aber grade nicht mehr so ganz sicher … Dazu ist mir kürzlich ein Brief meines kleinen großen Mannes an mich in die Hände gefallen. Und ich hatte die Idee für einen besonderen, zeitgemäßen Geburtstagsglückwunsch per WhatsApp: ein Vorher-Nacher-Bild. Das Original mit weiterer künstlerischer Ausgestaltung durch mich – an ihn zurück. (Die Idee hatte ich übrigens, bevor ich im Süddeutschen Magazin über diesen wunderbaren Papa gelesen habe, der das auch sehr viel professioneller macht, als ich als Laie und Patentante das schaffe ;-))

20131210-100118.jpg

Gesagt getan: am Wochenende hab ich mich, mit meinen etwas unzureichenden Malstiften (Frau in meinem Alter hat anscheinend keine Buntstifte oder Malkreide mehr, obwohl ich mir ganz sicher war, dass in den Untiefen meines Schreibtisches noch etwas schlummert. Muss ich wohl tatsächlich in einem Anfall von Aufräumeritis entweder beim letzten Umzug entsorgt oder hoffentlich wenigstens an einen heranwachsenden Künstler weitergereicht haben?), aber gut Stabilos in allen Farben sind zumindest vorhanden. Persönlich bin ich mit dem Resultat meiner künstlerischen Aktivität zufrieden. Vorher hatte ich mit dem iPhone schon das Vorher-Bild gemacht, anschließend unser gemeinsames Kunstwerk noch nett mit Happy-Birthday-Geschenkpapier mit Piraten, Schatzsuchern und Zauberern verschönert, Bild gemacht. Fertig!

20131210-100148.jpg

Gestern dann der langersehnte Moment am Nachmittag, ich mache eine späte Mittagspause, stecke das iPhone ein, um in Ruhe zu telefonieren und beim persönlichen Geburtstagsgruß das Kunstwerk anzukündigen. Ich wähle, freue mich, das iPhone? Tut gar nix. Keinen Saft mehr. Kein Ladekabel dabei. Ich komme erst spät nach Hause – zu spät. Ich ärgere mich seit gestern. Über mich. Über die Technik. Darüber, dass keiner ein Ladekabel dabei hatte, das er mir hätte leihen können. Ach, über die moderne Welt so insgesamt. Ich will alles wieder so, wie es früher mal war. Die gute alte Zeit. Ohne Handys, ohne Internet, ohne Flatrates, ohne Skype, ohne Facebook, ohne WhatsApp. Fürs nächste Jahr verlass ich mich wieder auf die gute alte Post – und schicke einen handgeschriebenen Brief. Und Punkt.

Alles Liebe zum Geburtstag mein kleiner Großer, ich kanns kaum glauben, wie schnell die Jahre, vor allem, wie schnell dieses Jahr verflogen ist. Ich freu mich mit dir auf dein neues Lebensjahr, auf all die spannenden Momente, die vor dir liegen!

10 Fragen – meine 10 Antworten

Suse hat mich für eine Bloggeraktivität nominiert, die erste Einladung, mein „erstes Mal“. Ich bin etwas nervös, denn mir fällt fast tagtäglich auf, dass ich in dieser Bloggerwelt Neuling und absoluter Spätzünder bin. Insofern: ich werde mein Bestes geben. Und bin neugierig. Vor allem auf Suses Reaktion, denn ich möchte ja doch wissen, ob sie mich so eingeschätzt hat 😉

Wenn du eine 2. Chance hättest, würdest du etwas in deinem Leben ändern?
In der Praxis nein. Wenn ich über die Theorie nachdenke würde mir das ein oder andere einfallen, was ich gerne nicht gemacht hätte, weil es einen anderen Menschen verletzt hat, oder wo ich gerne bereits im Vorfeld gewusst hätte, was ich heute weiß. Aber ich habe aus allem in meinem Leben lernen können. Und deshalb bin ich auch sehr glücklich und zufrieden mit diesem meinem bisherigen Leben.

Wie oft meldest du dich bei deinen Eltern, ohne schlechtes Gewissen?
Oft und gerne. Ich mag meine Eltern, bin ihnen für vieles sehr dankbar – und habe zu beiden ein gutes Verhältnis. Da ich nicht weiß, wie lange ich sie noch in meinem Leben haben darf bin ich viel und gerne bei ihnen.

Erinnerst du dich an deine erste Single (oder LP) und was war es?
Es war eine klassische Aufnahme, unter anderem das Ave Maria, gesungen von der großartigen Callas.

Singst du laut wenn du alleine bist?
Klar, und ich summe eigentlich immer, auch wenn ich nicht alleine bin. Und es soll auch vorkommen, dass ich in einem Konzert bin und mitsinge, summe, laut …

Welches Buch liegt auf deinem Nachttisch?
Ausgelesen habe ich gerade eine Leihgabe meiner lieben Freundin Claudi, Vanessa Blumhagens „Jeden Tag wurde ich dicker und müder. Mein Leben mit Hashimoto“. Angelesen liegt seit einem Sonnentag im September Ken Follets „Sturz der Titanen“, leider habe ich den Anschlussroman schon vorher gelesen, und tue mich etwas schwer mit dem Weiterlesen. Ich weiß schon an vielen Stellen, wie es aus/weitergeht. Hm.

Bist du mit deinem Vornamen zufrieden?
Total. Kurz. Zwei Silben. Habe trotzdem in meinem Leben immer wieder charmante Abkürzungen dafür bekommen, aus Doris wurde Dörte (nach dem Schaf, das so gern röhrte), Dorle, Dosis oder nach dem Riesenerfolg des kleinen Clownfisches ein Dori.
Meine bezaubernde Nichte weiß übrigens ganz genau wie ich heiße, hat aber eine Coco aus mir gemacht 😉

Du hast frei und viel Zeit. Die Sonne scheint. Was tust du?
Ich bin draußen, von morgens bis abends. In der Natur. Garten. Badesee. Wald. Berge.

Du hast frei und viel Zeit. Es ist usselig. Was tust du?
Kommt drauf an. Ich kann mich gut einen Tag mit einem guten Buch, Zeitschriften oder auch guten Filmen auf die Couch legen. Für eine Season Sex and the City braucht man etwa einen halben Schmuddeltag. Manchmal zieh ich aber auch einfach Gummistiefel an und stapfe trotz Regen durch den Wald. Da ist es nämlich immer schön.

Käse, Eier, Milch, Speck, Tomaten. Mehr gibt dein Kühlschrank nicht her. Was machst du daraus?
Der Speck bleibt im Kühlschrank, aus dem Rest gibts ein Omelett mit oben drübergestreuten Tomatenminiwürfeln (Kerngehäuse wird rausgeschnitten) ein paar frische Kräuter vom Balkon – lecker!!!

Es schenkt dir jemand 1000 Euro. Wofür gibst du sie aus?
Jetzt gerade für einen Flug nach Brasilien. Um meine liebe Freundin Marina zu besuchen. Ganz allgemein für eine Reise, einen Urlaub. Hin und wieder auch mal für eine Autoreparatur oder um etwas zu ersetzen, was kaputtgegangen ist. Soll ja hin und wieder mal vorkommen …

So liebe Suse, was meinst du: hast du jetzt mehr und vor allem etwas Neues über mich erfahren?

Jetzt ist es an mir, Fragen zu stellen. Das fällt mir nicht leicht. Klar habe ich immer mal wieder Fragen im Kopf, aber die jetzt finden, bündeln, richtig und gut formulieren … Gut, genug gejammert, hier sind meine 10 Fragen:

1 … Wie lange dauert deine älteste Freundschaft und wo hast du diesen Freund kennengelernt?

2 … Bald ist Weihnachten: was war dein schönstes Geschenk zu Weihnachten in deiner Kindheit?

3 … Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – hast du eine liebste Jahreszeit? Und wenn ja warum?

4 … Wie gestaltest du deine Freizeit am liebsten und warum?

5 … Was zeichnet dich – und nur dich – in beruflicher Hinsicht aus?

6 … Was beschreibt dich und deinen Musikgeschmack am treffendsten?

7 … Der Tag hat 24 Stunden, was ist deine liebste Tageszeit und warum?

8 … Dein Freundeskreis: alle in deinem Alter? Oder querbeet von 0 bis 100? Woran liegt das?

9 … Lieber unauffällig angepasst oder extravagant auffallend? Warum?

10 … Bitte fertigschreiben: beim Bloggen habe ich …

Ich würde mir wünschen, dass einige von euch meine Fragen beantworten, da ich nicht so viel Erfahrung mit dem Nominieren habe lade ich euch alle, die ihr hier immer mal mitlest, ein, mit mir an diesem wunderbaren Tisch Platz zu nehmen, mit Blick auf den zauberhaften Bayerischen Wald im Herbstlicht

20131029-145952.jpgund mit mir zu plaudern. Wer mag, darf mein Bild auch gerne in seinen Blogbeitrag einbinden, wir bekommen bestimmt eine Tasse Milchkaffee und ein leckeres Stück Kuchen serviert.

So geht 10 Fragen, 10 Antworten:
Ich wurde getagt von Suse, die mich zum weitermachen eingeladen hat und deren Blog allemeineleidenschaften ich hier verlinke. Wer mehr über mich erfahren mag liest einfach mit, ich schreibe über kleine Beobachtungen und andere Dinge, die ich für Wert befinde, sie mitzuteilen. Vor allem meinen Patenkindern, die auf diesem Wege irgendwann mal einiges aus der Gedankenwelt ihrer Patentante nachlesen können. Ich habe Suses 10 Fragen zu beantworten und muss mir selbst 10 neue Fragen ausdenken. Die ich wie oben beschrieben an euch alle weitergebe. Viel Spaß damit.

Mein Babysittertag

Heute morgen war ich durch wunderbaren Herbstnebel und Sonnenstrahlen unterwegs zu meiner Nichte. Wir haben zum ersten Mal knapp 10 Stunden allein verbracht, mit Ablaufplan, versteht sich. Den haben wir im Eifer des Gefechts zwar nicht mehr gefunden. Aber den Tag dennoch sehr gut, sehr harmonisch, mit sehr schönen innigen Momenten gemeistert. Natürlich hat sie mich um den Finger gewickelt und immer mal wieder ihren Kopf durchgesetzt. Aber: ich auch. Und darauf kann ich mit Recht stolz sein. Und wir haben es immer aufs Klo geschafft, es ging kein einziges Mal was daneben. Wir haben genug gegessen und getrunken, der Mittagsschlaf war problemlos, sie ist nach wenigen Minuten eingeschlafen. Gut, mit Schnuller, aber trotzdem …

Wir haben so viel erlebt, die Schafe gefüttert, Maiskolben gesammelt, den Spielplatz ganz für uns gehabt. Ruhig gespielt, gekichert, uns gekitzelt, mit dem Doktorkoffer alles untersucht. Nach dem Mittagsschlaf wars etwas eng, denn um halb 4 war Kinderturnen. Eine ganze Meute von geschätzt 2- bis 5-Jährigen wuseln, rennen durch die Turnhalle, alle hatten Mamas dabei, die mich als brave Tante sehr nett aufgenommen haben. Ok, wahrscheinlich eher verwechselt, wer uns selten sieht meint immer, meine Schwester und ich würden uns soooo ähnlich sehen. Am Anfang ist Madame oft etwas schüchtern, am Schluss hat sie so aufgedreht, als ob alles nach ihrer Pfeife tanzt. Und die beste Freundin Anna war natürlich auch dabei, das nennt man echte Liebe. Was Anna macht macht meine bezaubernde Nichte auch. Und umgekehrt. War mal wieder der gelebte Spruch: zu zweit geht alles besser.

Und wie mutig die Knirpse sind. Und wie trittsicher. Wie ausbalanciert. Und wie temperamentvoll. Auch wenn hin und wieder ein Tränchen fließt, heulen, und weiter geht’s. Ich war wie immer das größte Kind, hab mit leuchtenden Augen beobachtet, alle angefeuert. Und versucht, unauffällig zu unterstützen, denn „nein, nein, nein, das kann ich allein, niiiiiiiicht festhalten …“ Schisser, ich!
Zum Abschluss eines goldenen Oktobertages waren wir noch an der Pferdekoppel und haben den stolzen Tieren beim Grasen zugesehen. Mit wunderschönen Lichtspielen im Fell.

Und jetzt: bin ich fix und fertig! Babysitten ist ein echt harter Job 🙂

Tod eines Literaturpapstes

Wenn ein Literaturpapst stirbt: Wird dann ein Nachfolger gewählt? Von wem, wer gehört zum Litertur-Konklave? Vom Alter her ist das alles ja durchaus vergleichbar, also müsste man sich wohl in der Altersklasse 75+ umsehen? Und wenn ein Nachfolger gefunden ist: weht dann auch farbiger Rauch aus einem Schornstein? Aus welchem? Und welche Farbe würde wohl für den Nachfolger gewählt werden?

Eine meiner ersten Erinnerungen an Marcel Reich-Ranicki stammt, wie wohl bei vielen meiner Alsterklasse, aus dem Literarischen Quartett. Unsere liebe Inge, Kursleiterin des Deutsch-LKs (=Leistungskurs) hatte uns als Hausaufgabe mitgegeben, am Abend das Literarische Quartett zu verfolgen, da ein Buch besprochen werden sollte, das wir lesen sollten. Ironischer Weise kann ich mich bis heute nicht erinnern, welches Buch besprochen wurde. Dagegen weiß ich, wie fasziniert und schockiert zugleich ich von diesem kleinen, schon damals alten Mann war. Mit welcher Resolutheit sein Wort über allen anderen stand, wie engstirnig und konsequent er anderen Argumenten gegenüber war. Wie er mit seiner nasalen Stimme auf seinem Wort beharrte, der ganze Körper mitsprach, Hände und Füße seine Worte untermalten. Damit möchte ich übrigens nicht sagen, dass er mit seiner Meinung nicht recht hatte – im Gegenteil: seine Aussagen haben oft sehr genau getroffen. Nur seine Art und Weise, anderen ins Wort zu fallen, ihre Meinung nicht ernst zu nehmen, Aussagen ins Lächerliche zu ziehen. Ich habe das Literarische Quartett viele Jahre begleitet, mich im Lauf der Zeit an die Kontroversen gewöhnt, vor allem die heißen Diskussionen mit Sigrid Löffler – später hat Hellmuth Karasek ihre Rolle übernommen – in denen die beiden nicht nur unterschiedliche Standpunkte hatten, sondern jeder schlicht auf seinem beharrte. Alles mit Humor, aber manchmal doch auch mit einem gewissen Mangel an Diplomatie – für die Zuschauer-Quote?

Wie auch immer, ich erinnere mich zum heutigen Todestag mit einem Augenzwinkern und Begeisterung an den Literaturpapst meiner Schul- und Studienzeit und möchte ihn zum Abschied mit seinen treffenden Worten zitieren: „Wir werden über Bücher sprechen, und zwar, wie wir immer sprechen: liebevoll und etwas gemein, gütig und vielleicht ein bisschen bösartig, aber auf jeden Fall sehr klar und deutlich. Denn die Deutlichkeit ist die Höflichkeit der Kritik der Kritiker.“ (Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett am 18. März 1993 aus Wikipedia).