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Paula und die Bratwurst – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Nicht mal auf den Christkindlmarkt können wir … so ein Mist,“ mault das große Nachbarsmädel. „Und das, wo der Opa so gerne Bratwurstsemmeln und Glühwein mag,“ schließt sich die Mittlere an. Die Jüngste schaut etwas irritiert zwischen den beiden hin und her, weil so ganz versteht sie nicht, worum es geht. Paula, die am Lieblingsplatz am Gartenzaun zugehört hat, rechnet kurz nach. Klar, die Kleine kennt das gar nicht. Beim letzten Christkindlmarkt war sie ja noch in Mamas Bauch.

Ach ja, seufzt das Hundemädchen. Alles anders. Weiter quatschen die Mädels, bis sie plötzlich ganz aufgeregt werden. „Stimmt,“ sagt die Große gerade, „Bratwürste und Glühwein können wir selber machen. Und wenn wir etwas improvisieren, könnten wir doch selbst eine Bude bauen.“

Gesagt, getan, die Mädels schleppen alles Mögliche, was im Garten rumliegt, zusammen und beginnen, eine Art Verkaufsstand zu bauen. Mit Unterstützung von Mama und Papa sieht das schon bald fast aus, wie eine echte Bretterbude. Am Abend belauscht Paula, wie die Mädels stolz wie Bolle den Großeltern vom eigenen Christkindlmarkt im Garten erzählen und sie zum Besuch einladen. „Nur ein paar Tannenzweige für die Deko müsstet ihr mitbringen …“

Und tatsächlich, kaum sind Oma und Opa ein paar Tage später angekommen, liegt der Duft von Bratwürstln in der Luft. Paula läuft freudig bellend zum Gartenzaun und sieht, wie der Opa sich den Bauch reibt, so gut schmeckt ihm die Bratwurstsemmel mit leckerem Senf. Auch den Glühwein lobt er sehr. Und die Oma strahlt, weil es sogar Original-Lebkuchen wie auf dem Weihnachtsmarkt gibt, sogar daran haben die Enkeltöchter gedacht. Hinter dem Verkaufsstand stehen 3 zufriedene Ersatzchristkindlmarkt-Organisatorinnen. Und da Paulas geheimer Lieblingsplatz gar nicht mehr so geheim ist fliegen sogar ein paar Hapse für sie über den Zaun …

Eine Hommage an Brunner’s Würstl – kulinarisch unterwegs auf der LaHO

Eine Besonderheit der Landshuter Hochzeit 1475 ist die detaillierte Dokumentation. Neben der Gästeliste liegen auch Aufzeichnungen über die Lebensmittel vor, die als Vorrat angeschafft wurden, die Verteilung und es gibt sogar Hinweise auf die Speisenfolge. Übrigens Unmengen, da der Herzog neben den offiziellen Gästen alle Einwohner der Stadt mehrere Tage lang eingeladen hat, alle durften essen und trinken, so viel sie konnten. Dem Hofschreiber ist indirekt zu verdanken, dass die Förderer die LaHo so detailgetreu wie nur möglich nachstellen können.

Für die Besucher sind auch heute noch die Speisen ein Augenschmaus, der ein oder andere bekommt von den Mitwirkenden auch mal einen Probierhappen gereicht. Köstlich. Ist aber nicht jedermanns Geschmack, schließlich ist die mittelalterliche Küche sehr fleischlastig …

Keine Frage, dass die rund 2.500 Mitwirkenden an den 4 Wochenenden gut versorgt werden. Einen Großteil der Essenszubereitung übernimmt die herzogliche Hofküche, zahlreiche Gruppen verpflegen sich aber an Feuerstellen selbst. Das Zubereiten und Verspeisen von so viel Essen macht natürlich auch vom Zuschauen hungrig (und durstig) – deshalb hab ich mich an den Verkaufsständen für die Besucher umgeschaut.

Rund um die beiden großen Biergartenbereiche auf dem Zehrplatz gibt es ausreichend „Versorgung“. Bei den heißen Temperaturen waren die Getränkestanderl heiß begehrt, Wein, Schorlen, Bier oder schnödes Wasser, ob in den beiden Zelten oder auf den tausenden Bänken unter freiem Himmel, überall schmeckte das kühle Bier, ein Festbier, eigenes gebraut alle 4 Jahre für die Hochzeit. Die Auswahl ist im Besucherbereich natürlich groß genug, da dürfen ja auch moderne Getränke auf die Karte. Und für den Absacker – gar nicht mal erst am späten Abend – bleibt immer die Ritterschenke mit Cuba (LaHo-Kultgetränk), Cocktails & Co.

Kulinarisch erwartet Zuschauer ein breites Potpourri von Gegrilltem (Steak, Würstel, Gyros), Spanferkel, Braten, Ochs und Hendl am Spieß, Steckerfisch, gesunden Salaten mit Tomaten, Ofenkartoffeln in vielen Varianten, klassische Brotzeiten wie Käse, Obazda oder Wurstsalat, dazu Semmeln, Brezen und und und. In diesem Jahr hab ich an einem Stand neben der Sau in der Semmel auch einen vegetarischen Gemüsetaler und vergan-gegrilltes Gemüse in der Semmel entdeckt. Nicht ganz mittelalterlich, aber nachgefragt. Dazu gibt’s süße Spezialitäten wie Auszogne oder andere Schmalznudeln, sogar wer Kaffee sucht wird fündig. Alles mit Sicherheit gut, frisch vor Ort zubereitet und empfehlenswert.

Kurzer Exkurs: Kaffee, Kartoffeln oder Tomaten gabs 1474 noch nicht in Bayern, wurden erst sehr viel später importiert 🙂

Für mich selbst ist die kulinarische Vorfreude auf die LaHo groß, ich schau mir alles an, lande aber immer bei „meinen“ Brunner Würstln. 2 Stück in der Semmel, immer mit mittelscharfem Senf und neuerdings mit etwas Sauerkraut. Köstlich. Auch 2017 vielfach getestet und einfach empfehlenswert.

Die gibts natürlich nicht nur zur Landshuter Hochzeit, sondern schon eigentlich immer. Und auf dem Landshuter Christkindlmarkt. Aber das ist anders. Also zumindest gefühlt. Für mich …

Warum die anders sind: es sind kürzere, dickere Würstel als andere Bratwürste. Und sie haben den für mich optimalen Geschmack. Für mich dürfen sie gerne ordentlich braun angegrillt sein und wie ihr seht: der garantierte Genuss siegt über die experimentierfreudige Neugierde 😉

Und falls das unklar sein sollte: ich mache keine Werbung, kenne außer den netten Mitarbeitern am Stand (nach 4 Wochenenden auf der LaHo „kennt“ man sich) niemanden, dem ich einen Gefallen tun müsste und bekomme auch sonst nichts für meine ehrliche Liebeserklärung. Hatte ja noch nicht mal Zeit für ein Foto, so versessen bin ich aufs Essen, das sagt eigentlich alles aus 😉