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100 Worte über Ordnung im Alltag

Kennt jeder: für wichtige Dinge oder Dokumente braucht man ein Aufbewahrungssystem, damit sie einfach zu finden sind. Als Pendler zwischen zwei Wohnungen habe ich dafür ein besonders zuverlässiges System konzipiert. Wichtiges wird ordentlich auf einem Regal gesammelt. Also auf zweien. Oder auf dem Tisch, oder in einer Dokumentenmappe, oder in der Handtasche oder oder oder…

Ja … so suchte ich also einen Gutschein, ein Geschenk, das Ende November eingelöst wird. Hat mich letzte Woche 4 Stunden gekostet. Ich hab ihn gefunden und andere Dokumente, die jetzt wieder den richtigen Platz in meinem ausgeklügelten System haben. 

Lohnt sich immer, das bisschen Ordnung.

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Beitrag zu Alltagsfragen in 100 Wörtern, ehrlicherweise ist mein Ordnungssystem kein nachahmenswerter Lifehack, also nicht wirklich als Tipp gemeint.

Mutmachgeschichte

Eine Familiengeschichte. Es ist nicht meine Geschichte, aber ich darf diese Familie als Freundin seit mittlerweile mehr als 2 Jahrzehnten begleiten. Noch länger ist der Krebs dabei, in Form eines inoperablen Gehirntumors. Täglich. Er hat das Leben einer damals jungen Familie auf den Kopf gestellt. Statt sich als junge Mutter um das dritte Kind zu kümmern, war Krankenhaus angesagt. Alle Rollen waren untypisch, ein Vater, der den Laden schmiss, Töchter, die ganz untypisch für ihr Alter Rollen im Familiengeschehen einnahmen, die kleine Schwester, die in dieser ganzen Konstellation ankam. Jeder musste sich irgendwie mit der Situation arrangieren …

Und natürlich immer die Krankheit, die Sorge, die Ungewissheit. Der Tumor war wie ein permanenter Begleiter, mal präsenter, mal weniger. Er ist nie weggegangen, musste immer wieder aus neuen Perspektiven betrachtet werden. Da waren sehr schwere Operationen, jedes Mal eine Entscheidung auf Leben und Tod.

Jedes Familienmitglied kommt mit der Konstellation bis heute anders klar, jeder hat sich seinen Weg gesucht. Ob krank oder gesund, die Gesamtsituation erfordert, dass man sich ihr stellt. Auch, wenn man sich hin und wieder freimacht, es gehört zur eigenen Entwicklung und prägt – nicht nur durch die lange Krankengeschichte – das Leben.

Es ist eine Familiengeschichte, die anderen Mut machen kann. Denn jeder kann davon lernen, nichts als endgültig zu sehen. Diagnose bedeutet nämlich nicht: so wird es ab sofort für immer bleiben. Im Gegenteil, es entsteht immer wieder eine neue Dynamik. Manchmal Stagnation, manchmal Rückentwicklung, auch Schritte vorwärts. Und ganz automatisch ist es auch eine Geschichte des Loslassens. Immer wieder und dann von vorne, sobald man sich an eine Situation gewöhnt hat, kann schon wieder alles neu und anders sein. Es bleibt spannend, das Leben bleibt spannend. Positiv wie negativ. Das habe ich gelernt. Wir können es nur annehmen und für uns gestalten. Wenn wir damit aufhören, dann hört auch unser Leben auf und wir warten aufs Ende …

Sandra alias Pink Mind sammelt Mutmachgeschichten.

Als ich zehn war

Lutz fragt, wie das war, als ich zehn war. Irgendwie ist das keines der Lebensjahre, das mir besonders in Erinnerung geblieben wäre, zu dem ich auf Anhieb etwas zu erzählen wüsste. Also eines kann ich sagen: damals hat es sich zumindest nicht sehr besonders angefühlt. Das, was wir heute aus unserer Erwachsenensicht als so einen wichtigen Meilenstein sehen, dieses erste Jahrzehnt, mit dem ein Stück Kindheit endet, man zum Teenager wird, Pubertät beginnt, Weichen für die Zukunft gestellt werden … Kam mir in meinem damaligen kindlichen Ich keineswegs wichtig noch erwähnenswert  vor.

An eins kann ich mich dann aber mit etwas Nachdenken gut erinnern: es handelt sich quasi um die erste „Irritation“ – nennen wir es mal so – mit einem Vorgesetzten. Mit meinem Klassenlehrer nämlich. Als Zehnjährige war ich Viertklässlerin und es ging  um den Übertritt ans Gymnasium. Waren meine Noten in der Dritten sehr gut gewesen hab ich in der Vierten gefaulenzt. Das konnte und wollte mein Lehrer, der gleichzeitig Schuldirektor war, nicht akzeptieren. Hat meine armen Eltern zu sich bestellt, um ihnen den Ernst der Lage klarzumachen. Mit wenig Erfolg, denn meine Eltern waren auch damals schon der Überzeugung: wenn sie nicht wirklich will, dann muss sie nicht. Sie kannten meinen Dickschädel schließlich ein paar Jahre länger.

Als „Strafe“ für mein Leistungstief hat er mir mehrfach in der Klasse meine verschlechterten Noten vorgehalten – weder meine Mitschüler noch ich konnten wirklich nachvollziehen, wieso eine 2 in Deutsch (Vorjahresvergleich 1) oder eine 3 in Mathe (einen Test vorher eine 2) ihn in solche Aufregung versetzte. Teil 2 seiner Maßnahmen war dann,  dass ich bei der Verabschiedung des äußert beliebten Pfarrers nicht wie geplant ein langes Gedicht allein aufsagen musste, sondern halb-halb mit meiner damals besten Freundin. Hm. Also, er hat es zumindest als Bestrafung „verkauft“. Eigentlich hat er mir damit natürlich einen riesengroßen Gefallen getan.  Denn so standen wir zu zweit vor einer ganzen Halle, gefüllt mit Erwachsenen, alle sich wichtig nehmenden Gästen. Wir beide, ordentlich aufgebretzelt, im farblich aufeinander abgepassten Dirndl, mit zurechtgemachten Haaren … Allein hätt ich mir in die Hose gemacht, zu zweit haben wir das recht gut hinbekommen. Jawoll.

Im nachhinein ist mit klar: er hat als Erster erkannt, dass mir vieles zufliegt, ich also in manchen Bereichen nicht so viel lernen musste wie andere. Mir aber der Ehrgeiz fehlt, das in meine schwachen Fächer zu investieren, um dort besser zu werden. Interessant, dass mich mein „nur“ gutes Übertrittszeugnis dann selbst gewurmt hat, zum Jahresende hab ich die Grundschule mit einem Einser-Schnitt verlassen. Aber wie auch im seitherigen Leben: Vorgesetzte finden selten die passenden Methoden, meine Leistung zu verbessern. Das muss aus mir selber kommen.

Danke für den schönen Impuls zum Zurückdenken, hier und hier finden sich gesammelte lesenswerte Erinnerungen von so ganz unterschiedlichen Zehnjährigen.

Kindheitserinnerungen #4: Kindergartenzeit

Als Dorfkind war meine Kindergartenzeit geprägt durch das Autofahren, also den Transport. Ein paar Kinder aus dem Dorf, meistens die gleichen, alle gemeinsam im hellblauen VW Käfer meiner Eltern. Oder wahlweise in anderen Kleinfahrzeugen, wie das damals eben „normal“ war. Wir hatten zwar schon so was wie Sitzkissen, die aber eh nie für alle ausgereicht hätten. Deshalb Tür auf, Sitz nach vorne kippen, alle hinten rein, einsteigen und die paar Kilometer nach Hause fahren. Wenn’s zu voll auf dem Rücksitz wurde durften auch mal einer oder zwei auf den Beifahrersitz, yeah! Alle stiegen bei uns im Hof aus und liefen nach Hause. Ja, die Kinder liefen auch einfach raus aus dem Kindergarten, es gab kein Klingeln, keinen angekündigten Abholer, wenn die anderen Eltern noch nicht da waren fuhr eben einer mehr mit …

Ich habe nicht mehr viele konkreten Erinnerungen, außer an meine ersten beiden Tage, über die ich hier schon mal geschrieben habe. Und an einen Tag, an dem es alle besonders eilig hatten, rauszukommen. Zum Kindergarten ging’s eine steile Treppe hoch, wer rauswollte, musste da runter. An diesem Tag war ein großes Gedränge und Gerangel, ich hatte Probleme beim Schuhe wechseln und war plötzlich mittendrin. Wurde selber geschubst und bin gestolpert, blieb aber irgendwie auf beiden Beinen. Eine meiner Kindergartenfreundinnen hatte nicht so viel Glück, sie ist die vielen Stufen heruntergefallen, kam auf dem Unterkiefer auf, hat übelst geblutet und sich zwei (Milch-)Zähne ausgeschlagen. Aua. Mich schüttelts heute noch, war auch damals pures Mitleid.

Und noch an eins erinnere ich mich: als Kindergartenkinder und auch in den Grundschuljahren durften wir mit auf Wallfahrt gehen. Jedes Jahr laufen aus allen Dörfern der Gemeinde Gruppen zu einem kleinen, uralten Wallfahrtskirchlein in der Nähe, ich glaube, Termin ist der Montag nach Fronleichnam. Der Fußmarsch dauert etwa eine Stunde, das schaffen auch Vierjährige-Plus. Nur: so lange und vor allem die ganze Zeit beten? Langweilig. Insofern war unsere sonst immer lächelnde Kindergartenschwester „etwas“ geplagt. Vor allem, als wir vom Weg rechts in den Wald abdrifteten, natürlich immer paarweise, so, wie wir eben nebeneinander her gehen sollten … aber das war nun mal zu verlockend. Oder quatschen, kichern, sich Beobachtungen zuflüstern. Oder beim Überqueren der Straße Dummheiten machen. Zum Glück hat die Andacht am Ziel nicht zu lange gedauert und dann waren auch schon die Eltern da, um uns am kleinen, begleitenden Jahrmarkt in Empfang zu nehmen. Sonst hätte die Ärmste sicher komplett die Kontrolle über ihre Kindlein-Schar verloren. Kindlein hat sie uns immer so liebevoll genannt, also nicht nur meinen Jahrgang, sondern alle ihre vielen Gruppen, die sie noch bis ins hohe Alter betreut hat. Ich mochte sie, richtig gerne, und hab mich immer gefreut, sie zu treffen und mit ihr zu ratschen, sie war eine ganz liebevolle Ordensfrau, hatte mich auch als Erwachsene noch ein Stück weit in ihr Herz geschlossen. Und durfte sie verabschieden, als das Kloster aufgelöst wurde.

Ja, so war sie, meine Kindergartenzeit, unbeschwert und mit zwei Jahren zum Glück überschaubar. Ich bin gerne hingegangen, war dann aber auch froh, als es nach den großen Ferien mit der Schule losging. Und freue mich, dass Nina dieses Mal in ihrer Rubrik „Kindheitserinnerungen“ nach diesem Lebensabschnitt fragt.