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Paula und der kranke Nachbar

Heute ist Paula nachdenklich. Auf der morgendlichen Gassirunde mit ihrem Herrchen Andi haben sie eine Nachbarin getroffen. Die war sehr traurig und hat Andi erzählt, dass ihr Mann jetzt Wochen im Krankenhaus war, weil er krank war. Zweimal sei er operiert worden. Jetzt sei er schon wieder eine ganze Woche daheim. Aber so schwach und immer müde. Und Appetit habe er auch nicht.

„Am schlimmsten ist aber, dass ihn keiner besuchen darf. Denn dadurch, dass er so schlapp ist, ist er jetzt auch noch Risikopatient für das Virus,“ hat sie Andi und Paula erklärt. Ja, das kann Paula verstehen. Das mit dem sich gegenseitig nicht besuchen können, das macht ja grad alle unglücklich. Ihr Herrchen Andi und Frauchen Karin bekommen kaum Besuch, die Nachbarsmädels sind immer allein zu Hause …

Doch über das Nachdenken hat Paula eine Idee. Schließlich sind die Nachbarsmädels für sie ja auch gerade sowas wie der Ersatz für die Enkelkinder von Andi und Karin, die gerade nicht oft da sein können. Da war doch das kleine Loch im Gartenzaun hinüber zu Nachbars Garten. Mit viel Mühe zwängt sie sich hindurch und pirscht sich an die Nachbarsterrasse heran. Tatsächlich, da sitzt der kranke Nachbar im Ohrensessel und blickt traurig hinaus.

Paula läuft schwanzwedelnd auf die Terrasse. Als er sie sieht, blickt er erst erstaunt, dann lächelt er. „Oh wie schön, ich hab Besuch. Das ist aber lieb von dir, ich freu mich, Paula.“ Und Paula zeigt, was sie kann, sie läuft hin und her, hüpft, rollt, macht alle Kunststückchen, für die sie normalerweise ein Leckerli bekommt. Und sie wird lange nicht müde. Mit einem Nasenstupser an die Glastür der Terrasse verabschiedet sie sich schließlich fix und fertig – und verspricht kläffend, recht oft wiederzukommen.

Auf dem Rückweg ruft sie den paar Vögeln, die sie trifft, zu: „Bitte, besucht den Nachbarsgarten, da sitzt ein kranker Mann, der keinen Menschenbesuch empfangen darf und ihm ist schrecklich langweilig. Wenn er uns sieht, dann kommt die Freude in sein Leben zurück …“ Gesagt, getan. In den kommenden Tagen ist vor dem großen Terrassenfenster beim Nachbarn immer etwas zu sehen, auch die Nachbarskatzen, ein paar Eichhörnchen und sogar die Igel machen mit vollem Einsatz mit.

Und am meisten freut sich Paula, als sie und Herrchen Andi bei der Gassirunde am Wochenende das Nachbarsehepaar treffen. Er geht noch langsam und mit Stöcken, aber er zwinkert Paula fröhlich zu.

Sonntagsfreude: Sommerfrische

1d05c551-7ab3-48d5-a5b1-123696b7ea19Einst ein wundervoller Brauch: wir fahren in die Sommerfrische.

Die letzten Tage hatte ich so das Gefühl, dass ich ein bisschen besser verstehe, wie sich unsere Vorfahren dabei gefühlt haben mögen. Von Tag zu Tag sind die Temperaturen gestiegen. In der Stadt unerträglich heiß – wie glücklich bin ich jedes einzelne Mal, wenn ich mich Freitag nach der Arbeit (und das ist ja seit meinem Jobwechsel wirklich Freitag am Nachmittag :-)) auf den Weg aufs Land hinaus mache. Gefühlt ist das für mich jedes Mal: ab in die Sommerfrische. Auch wenn es durchaus gar nicht kühler ist, draußen auf dem Dorf.

Freitag sind auch schon die Nichten angereist, bedeutet: das Planschbecken war bereits befüllt und da herrschte Hochbetrieb. Gestern hab ich dann die noch etwas kühlere Morgenstimmung genutzt, um die Hälfte des Lavendels im Beet zu schneiden (in der Hoffnung, dass er im Herbst noch mal eine zweite Blüte einlegt). Die zweite Hälfte reicht noch locker aus, um tausende und abertausende von brummenden Pollensammlern mehr als glücklich zu machen.

Lang war ich nicht allein, schon saß Nichte 2.0 auf der Treppenstufe und hat mich beim Arbeiten beaufsichtigt. Trotz schweißtreibenden Temperaturen wurden wir zu dritt zum Einkaufen geschickt. Beim letzten Mal wollte 2.0 noch im großen Einkaufswagen sitzen, mittlerweile schiebt sie „meinen ganz eigenen“ Kindereinkaufswagen. Etwas herausfordernd, denn dass da auch andere Menschen sind stört sie nicht besonders … Egal, wir haben die Tour durch den Supermarkt ohne größere Blessuren überstanden. Beim Metzger musste sie plötzlich „schnell Pipi“. Puh, Tanten sind mit so was überfordert!!!! Gut, dass da auch gut organisierte Mamas unterwegs sind, die wissen, dass die Eingangstür zum Italiener und damit der Weg zum Klo offen ist.

Danach haben wir uns in den Schatten verkrümelt, Picknickdecken ausgelegt und viel Zeit im und ums Planschbecken vertrödelt. Gut, dass ich das riesengroße Wasser-Glas mit ein paar Brombeeren und Wasser gefüllt habe. So gabs immer Nachschub, weil „irgendwann muss das ja mal nach Brombeere schmecken“, oder?

Und im schattigen Garten, mit Hängematte, Liegen, Picknickdecken, Rutschen, Schaukeln und viel Platz – da fühlt es sich einfach herrlich nach Sommerfrische an. Das waren 24 Stunden, die sich ein klitzekleines bisschen wie Urlaubstage angefühlt haben.

Passt schon

… passt eben nicht immer. Wie gut, dass wir die Tragödien, die uns in der Kindheit einen Tag so richtig vermiesen können, dann später ganz einfach vergessen. Als ob das alles nie passiert wäre. Das hat die Natur meine ich ganz gut einrichtet?

Gut ist aber auch, dass auf das ein oder andere Besuchswochenende mit den Nichten, das irgendwie eben nicht so ganz gepasst hat, dann wieder eines folgt, an dem alles passt:

  • die Oma hat den Schweinsbraten auf den Punkt so zubereitet, dass er den kleinen Damen so köstlich mundet, dass sie nicht mal loben können, so sehr sind sie mit Genießen beschäftigt.
  • die bezaubernde Nichte macht tolle Bilder mit ihrer Kamera.
  • Nichte 2.0 unterstützt bei der Motivsuche und ist total begeistert bei der Sache.
  • auch wenn die Lamas, die wir eigentlich besuchen wollten, nicht da waren, können wir uns auf den Plan, „einen Termin vereinbaren“ einigen und es gibt statt Enttäuschung einfach nur gaaanz viel Vorfreude
  • der viiiiiiel zu frühe Abschied fällt nach dem ganzen Fangen spielen im Hof zwar ein bisschen maulig aus, aber die Brotzeit auf dem Heimweg schmeckt und man kann ja auch noch ein bisschen von den vielen Abenteuern des Tages erzählen
  • das übertönt dann sogar das Weinen von Nichte 3.0 – die hat schließlich nix von Omas Schweinsbraten abbekommen und die Brotzeit der beiden großen auch nicht – ja, „das ist unfair“ 😉

„Passt schon“ ist übrigens aktuell das meistgehörte Zitat beider Nichten (sagen sie dummerweise recht häufig im Kontext mit irgendwas, was nicht so ganz klappen mag …).

„Das ist unfair“ ist ein sehr häufig angebrachter Satz von Nichte 2.0 – passt nicht immer, aber aus ihrer Perspektive ist es oft nicht fair, dass ihre große Schwester oder eigentlich egal wer irgendwas darf, „nur“ sie nicht …

Und ja: meine Nichten bestellen bei der Oma in der Regel Schweinsbraten, wenn sie anreisen. Auch das einen Eintrag wert, wer weiß schließlich, wann die nächste vegetarische, flexitarische oder vegane Phase beginnt.

Paula und der Schmetterling: Vorlese-Geschichten aus der Nachbarschaft

An sonnigen Tagen kann Paula es schon am frühen Morgen kaum erwarten, in den Garten zu kommen. Dort läuft sie der Sonne hinterher, schnappt nach den Strahlen und lässt sich die Wärme auf den Pelz scheinen. Hach, Sonnentage liebt Paula sehr. Und an sonnigen Tagen bekommt sie auch immer besonders viel Besuch im Garten. Denn jedes Mal, wenn die Sonne scheint, kommen alle Schmetterlinge weit und breit bei Paula vorbei. Die lieben nämlich den lilafarbenen Flieder, den Paulas Herrchen Andi jedes Jahr im Frühling radikal zurückschneidet. Trotzdem treibt der immer wieder und spätestens ab Mai explodieren die Blüten.

Und die Schmetterlinge geben sich den guten Tipp natürlich weiter. Deshalb kommen nicht nur die Falter aus dem Viertel, sondern aus der ganzen Stadt den weiten Weg geflogen, um den leckeren Nektar von Andis Schmetterlingsflieder zu kosten. Und jeder nimmt sich Zeit, nicht nur schnell seine Mahlzeit einzunehmen, sondern alle tanzen für Paula. Ja, das ist wirklich besonders schön, wenn sich Schmetterlinge mit ihren zarten Körpern und dem sachten Flügelschlag über die Wiese nähern. Sie schillern in allen Farben des Regenbogens. Jeder sieht anders aus, aber alle bewegen sich so anmutig …

Ach, Paula seufzt. Das würde sie auch zu gerne können. Als ein Zitronenfalter angeflogen kommt nimmt sie sich ein Herz und fragt ihn: „Sag mal, kannst du mir mal zeigen, wie du tanzt? Vielleicht kann ich das ja auch?“ Der Schmetterling freut sich, dass Paula seinen Tanz zum Nachmachen schön findet. Also zeigt er ihr jede einzelne Bewegung und gibt sich viel Mühe … nur irgendwie will und will das nicht klappen. Vor allem zeigt sich, dass Paula zu groß ist und weil sie ja auch keine Flügel hat. Und ihre Ohren sind irgendwie immer im Weg. Sie hüpft und dreht sich, hoch und nieder, aber irgendwie …

Als Frauchen Karin aus der offenen Terrassentür schaut ruft sie Herrchen Andi zu: „Andi, bitte schau mal, ich glaub, Paula ist gestochen worden. Unser armer Hund hüpft sich wild drehend und mit rausgetreckter Zunge durch den Garten …“. Andi rennt raus und schnappt sich Paula. Der Zitronenfalter fliegt elegant davon, Andi aber kann ja gar nichts finden…

Aber Paula ist vom vielen Üben auch vollkommen erschöpft. Den restlichen Tag verbringt sie dösend mit Blick auf den Schmetterlingsflieder. Das Tanzen überlässt sie lieber denen, die das mühelos richtig gut können.