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Das mit den Geschwisterkindern

Auch wenn zwei Geschwister dieselbe Mama und denselben Papa haben, im gleichen Haushalt leben und entsprechend ein Erziehungssystem genießen, auch wenn also quasi identische Rahmenbedingungen herrschen: das bedeutet niemals nicht, dass sie „gleich“ sind. Großer Bruder, kleine Schwester, umgekehrt, Päarchen, weitere Geschwister. Jeder ist einmalig, bringt sich, sein Sein und Wesen, seine Interessen ein. Fällt mir bei den bezaubernden Nichten und Mademoiselle und Monsieur immer wieder an Kleinigkeiten auf.

Ganz auffällig beobachten konnte ich den Unterschied vor einiger Zeit an einem Geschwisterpaar bei einem gemeinsamen Besuch auf dem Reiterhof. Die kleine Schwester war nicht zu bremsen, wollte, obwohl jünger, direkt in den Sattel, konnte kaum erwartet, dass das Pony reitbereit war. Sie saß stolz wie Bolle, grinste, war eins mit der Bewegung, keine Sekunde Unsicherheit oder gar Angst. Selbstbewusst, hier gehör ich hin.

Beim Wechsel fiel direkt auf, dass beim großen Bruder alles genau andersherum war. Er war unsicher, hing eher im Sattel, starrte ängstlich, fast verkrampft auf das Pony, das entsprechend – Tiere spüren sowas ja sofort – tänzelte, ebenfalls erst mal unruhig unter ihm war. Wir konnten ihm schnell Tipps geben, die Pferdefreundin hat schließlich schon viele Kids Probereiten lassen. Aber es hat gedauert. Und definitiv fühlte er sich auf dem Boden sicherer.

Mal sehen, manchmal stacheln sich Geschwister schließlich auch gegenseitig an? Vielleicht werden die zwei ja zumindest irgendwann mal wiederkommen und ihre Ponyfreundin im Stall besuchen? Die kleine Schwester will „auf jeden Fall“.

Später

Kennt ihr auch so unendlich viele Situationen, in denen ihr Wünsche, Pläne, Ideen usw. auf „später“ verschiebt? Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass mir durch das hohe Arbeitspensum, das ich hatte, immer mehr die Kraft für das Jetzt gefehlt hat. Und passend zu meinen Gedanken sind mir diese Worte begegnet – hört es euch an. Da steckt viel Stoff zum Nachdenken drin:

Wie ein Regenbogen, aber eben keiner

Ein Phänomen, das uns Mädels bei einem Ausflug an den Starnberger See an einem sehr klaren, fast schon heißen Herbsttag vor Jahren sehr begeisterte, waren regenbogenfarbene Wolken am Himmel. Also kein Regenbogen, sondern wirklich nur eine Art „Regenbogenloch“ im Himmel in allen Farben … Wir haben damals stundenlang nach oben  geschaut und gestaunt. Seitdem beobachte ich ein ähnliches Phänomen hin und wieder bei Vollmond. Oder an besonders farbintensiven Abendhimmeln. Und die Erklärung ist so einfach wie spannend: das sind sogenannte irrisierende Wolken, die durch die Beugung von  Lichtstrahlen an Wassertröpfchen oder Eiskristallen entstehen. Und in allen Farben erstrahlen. (Originalbilder von damals muss ich nachliefern, meine Ordnung muss es irgendwohin verschoben haben, wo ich es gerade aktuell nicht finde, hmpfff?!?)
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Kathie fragt, was uns in der Natur zum Staunen bringt. Ich hab mich über ihr Projekt sehr gefreut, und finde, da sind ein paar schöne Wunder der Natur dabei, auch einige, die ich überhaupt nicht kannte. Und die ich schon deswegen zum Nachlesen empfehlen möchte.

Rockoper in München

Wenn mir eines nicht bewusst war, dass die Ballade „I Don’t Know How to Love Him“ aus „Jesus Christ Superstar“ stammt, umso größer war meine Gänsehaut, als die bezaubernde Maria Magdalena ihre Gefühle für Jesus besang. Jetzt hab ich genau dieses Stück selbst so oft gesungen und den Kontext wirklich immer anders interpretiert … Ja, ein Theaterbesuch kann lehrreich sein. Ich muss auch gestehen, dass ich Andrew Lloyd Webbers Musical-Welterfolg bislang nicht kannte. Der Leidensweg Christie also – Unterhaltungen im Foyer zufolge bin ich nicht die einzige, die gedanklich Vergleiche mit der Oberammergauer Passion anstellt. Kein Wunder, auch diese Inszenierung spielt mit der Macht des Bildes, beim Einzug nach Jerusalem tanzen die Jünger und sogar ein Kinderchor aus der Nachbarschaft rund um den Messias-Superstar, die Nacht auf dem Ölberg zeichnet ihn ganz allein mit all seinen Zweifeln. Erneut ein wahres Wunder, dass das Bühnenbild mit all seinen Facetten auf die vergleichsweise kleine Bühne des Deutschen Theaters passt. Musikalisch hat mich der Abend sehr an die donnernden Rockbands der wilden 70er erinnert, die Sänger beherrschen die lauten Töne ebenso wie leise Balladen. So kreischt Hauptdarsteller Glenn Carter die Händler sehr schrill aus dem Tempel, um ein paar Takte später sehr weich über seine Zweifel zu singen. Für seinen lang ausgehaltenen Ton gabs sogar Szenenapplaus …

Musikalisch haben mich „Everything’s Alright“ und „Could we start again please“ sehr beeindruckt, wunderschön, wie die Stimmen von Rebekah Lowings und vermutlich Carl Lindquist miteinander verschmelzen, auch der tiefe Bass von Steve Fortune als Hoherpriester Cajaphas hat mir richtig gut gefallen. Auch dem Orchester hat es hörbar Spaß gemacht, der Ton war mir nur passagenweise zu donnernd, also schlicht zu laut. Gesungen wird übrigens auf Englisch, eine Kurzzusammenfassung wird auf Deutsch eingeblendet, davon hab ich mich aber schnell gelöst. Denn was passiert ist ja bekannt.

Und dann sitz ich so auf meinem Platz und beobachte das Publikum um mich rum, scheint, als ob ganze Schulklassen da sind? Und muss doch schmunzeln und an meine eigene Teenagerzeit zurückdenken. Ja, in dem Alter hätte ich auch den am Coolsten gefunden, der die Wartezeit mit einem pinken Riesenkopfhörer an seinem auch etwas überdimensionierten Smartphone überbrückt. Und der in der Pause Fastfood für alle besorgen geht, obwohl ich mich auch im tadelnden „Ehrlich, das ist scheiße, hier jetzt essen, so. Wir essen nach der Vorstellung, klar?!!!“ wiedererkenne. Neben mir hat eine Dame im Großmutteralter diese Szene beobachtet und musste genauso in sich hineingrinsen. Schön, so ein Abend im Theatersaal, egal, wie alt man ist. 

Übrigens: die Rockoper läuft noch bis 24. April im Deutschen Theater. Am 18. April gibt es sogar Führungen hinter die Bühne.