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Später

Kennt ihr auch so unendlich viele Situationen, in denen ihr Wünsche, Pläne, Ideen usw. auf „später“ verschiebt? Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass mir durch das hohe Arbeitspensum, das ich hatte, immer mehr die Kraft für das Jetzt gefehlt hat. Und passend zu meinen Gedanken sind mir diese Worte begegnet – hört es euch an. Da steckt viel Stoff zum Nachdenken drin:

Wie ein Regenbogen, aber eben keiner

Ein Phänomen, das uns Mädels bei einem Ausflug an den Starnberger See an einem sehr klaren, fast schon heißen Herbsttag vor Jahren sehr begeisterte, waren regenbogenfarbene Wolken am Himmel. Also kein Regenbogen, sondern wirklich nur eine Art „Regenbogenloch“ im Himmel in allen Farben … Wir haben damals stundenlang nach oben  geschaut und gestaunt. Seitdem beobachte ich ein ähnliches Phänomen hin und wieder bei Vollmond. Oder an besonders farbintensiven Abendhimmeln. Und die Erklärung ist so einfach wie spannend: das sind sogenannte irrisierende Wolken, die durch die Beugung von  Lichtstrahlen an Wassertröpfchen oder Eiskristallen entstehen. Und in allen Farben erstrahlen. (Originalbilder von damals muss ich nachliefern, meine Ordnung muss es irgendwohin verschoben haben, wo ich es gerade aktuell nicht finde, hmpfff?!?)
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Kathie fragt, was uns in der Natur zum Staunen bringt. Ich hab mich über ihr Projekt sehr gefreut, und finde, da sind ein paar schöne Wunder der Natur dabei, auch einige, die ich überhaupt nicht kannte. Und die ich schon deswegen zum Nachlesen empfehlen möchte.

Rockoper in München

Wenn mir eines nicht bewusst war, dass die Ballade „I Don’t Know How to Love Him“ aus „Jesus Christ Superstar“ stammt, umso größer war meine Gänsehaut, als die bezaubernde Maria Magdalena ihre Gefühle für Jesus besang. Jetzt hab ich genau dieses Stück selbst so oft gesungen und den Kontext wirklich immer anders interpretiert … Ja, ein Theaterbesuch kann lehrreich sein. Ich muss auch gestehen, dass ich Andrew Lloyd Webbers Musical-Welterfolg bislang nicht kannte. Der Leidensweg Christie also – Unterhaltungen im Foyer zufolge bin ich nicht die einzige, die gedanklich Vergleiche mit der Oberammergauer Passion anstellt. Kein Wunder, auch diese Inszenierung spielt mit der Macht des Bildes, beim Einzug nach Jerusalem tanzen die Jünger und sogar ein Kinderchor aus der Nachbarschaft rund um den Messias-Superstar, die Nacht auf dem Ölberg zeichnet ihn ganz allein mit all seinen Zweifeln. Erneut ein wahres Wunder, dass das Bühnenbild mit all seinen Facetten auf die vergleichsweise kleine Bühne des Deutschen Theaters passt. Musikalisch hat mich der Abend sehr an die donnernden Rockbands der wilden 70er erinnert, die Sänger beherrschen die lauten Töne ebenso wie leise Balladen. So kreischt Hauptdarsteller Glenn Carter die Händler sehr schrill aus dem Tempel, um ein paar Takte später sehr weich über seine Zweifel zu singen. Für seinen lang ausgehaltenen Ton gabs sogar Szenenapplaus …

Musikalisch haben mich „Everything’s Alright“ und „Could we start again please“ sehr beeindruckt, wunderschön, wie die Stimmen von Rebekah Lowings und vermutlich Carl Lindquist miteinander verschmelzen, auch der tiefe Bass von Steve Fortune als Hoherpriester Cajaphas hat mir richtig gut gefallen. Auch dem Orchester hat es hörbar Spaß gemacht, der Ton war mir nur passagenweise zu donnernd, also schlicht zu laut. Gesungen wird übrigens auf Englisch, eine Kurzzusammenfassung wird auf Deutsch eingeblendet, davon hab ich mich aber schnell gelöst. Denn was passiert ist ja bekannt.

Und dann sitz ich so auf meinem Platz und beobachte das Publikum um mich rum, scheint, als ob ganze Schulklassen da sind? Und muss doch schmunzeln und an meine eigene Teenagerzeit zurückdenken. Ja, in dem Alter hätte ich auch den am Coolsten gefunden, der die Wartezeit mit einem pinken Riesenkopfhörer an seinem auch etwas überdimensionierten Smartphone überbrückt. Und der in der Pause Fastfood für alle besorgen geht, obwohl ich mich auch im tadelnden „Ehrlich, das ist scheiße, hier jetzt essen, so. Wir essen nach der Vorstellung, klar?!!!“ wiedererkenne. Neben mir hat eine Dame im Großmutteralter diese Szene beobachtet und musste genauso in sich hineingrinsen. Schön, so ein Abend im Theatersaal, egal, wie alt man ist. 

Übrigens: die Rockoper läuft noch bis 24. April im Deutschen Theater. Am 18. April gibt es sogar Führungen hinter die Bühne.

Verstehen [*.txt]

Mit dem Verstehen ist es so eine Sache – denn zum Verstehen braucht es gemeinsame Grundlagen. Das identische Verstehen von Sprache zum Beispiel, die Bedeutung oder auch Interpretation von Wörtern. Von Sätzen. Von einer Aussage.

Einer sagt: „Es geht mir gut.“ Der andere versteht: ich fühle mich wohl. Ich bin gesund. Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden. Es geht so …

Einer sagt: „Ich habe viel zu tun.“ Der andere versteht: ich habe zu viel zu tun. Ich habe keine Zeit.  Ich mag nicht. Mir fällt gerade keine Ausrede ein, aber ich habe keine Lust …

Einer sagt:“Ich melde mich bei dir.“ Der andere versteht: du hörst von mir. Ich rufe dich bald an. Ich melde mich später bei dir. Du hörst noch heute von mir. Ich brauche Zeit, bevor ich mich bei dir melde. Ich melde mich irgendwann bei dir, gerade hat alles andere Vorrang …

Einer sagt: „Es geht mir nicht gut.“ Der andere versteht: Ich habe Probleme. Ich brauche Hilfe. Ich brauche dich. Ich möchte gerne, dass du mir zuhörst. Anderen geht es besser als mir. Ich bin krank. Ich fühle mich nicht gut …

Kommunikation setzt, sofern es sich nicht um ein Selbstgespräch handelt, immer voraus, dass man sich unterhält, also rückfragt, wenn man nicht versteht.

Manchmal versteht das Herz, die Seele, mehr, als der Verstand jemals erfassen kann.

Manchmal verstehen die Augen, eine aufmerksame Beobachtung so viel mehr, als Worte jemals erklären könnten.

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Ein verspäteter Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 13. Wort lautet „Verstehen“.