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Sonntagsfreude: Monsieur Firmling

Die Firmung oder besser gesagt der Glaube hat für viele Jugendliche heute keine Bedeutung mehr. Außer natürlich, dass es Geschenke gibt. Bei Monsieur ist das anders. Er geht gerne zur Kirche, ist tiefgläubig und begeisterter Ministrant. Seine Firmung war für ihn also nicht nur Mittel zum Zweck, sondern das Sakrament an und für sich nach Taufe und Kommunion der nächste bewusste Schritt in die christliche Gemeinde, all das hat für ihn eine große und wichtige Bedeutung.

Als Firmpatin hat er sich folgerichtig eine gläubige erwachsene Freundin aus dem engsten Kreis der Eltern ausgewählt, er ist mit den Jungs der Familie befreundet, hat aber auch einen sehr guten Draht zu den Eltern. Und hat damit sehr bewusst und sicher einen Menschen ausgewählt, der ihm in diesem für ihn so wichtigen Bereich seines Lebens kompetente Ansprechpartnerin und Stütze sein kann.

Im Vorfeld des Firmtages gab es einige Enttäuschungen, die Firmgruppe entpuppte sich als (zu) anstrengend für ihn, die Uninteressiertheit der Gleichaltrigen hat es für ihn zunehmend schwierig gemacht. Zudem hat ein Freund sich von ihm abgewendet, ohne Erklärung. Das war verletztend und enttäuschend. Dennoch hat er sich seinen Firmtag so gemacht, wie er es sich gewünscht hatte. Von den eingeladenen Gästen über die Wahl der Gaststätte zum anschließenden Feier bis hin zur Menüwahl.

In der rappelvollen Kirche wurde mir bewusst, dass auch für mich ein dritter wichtiger Tag im jetzt fast 13jährigen Leben von Monsieur ist. Ich hab mich über seine Einladung riesig gefreut. Dafür steh ich auch gerne 2 Stunden in der zugig kalten Kirche und lausche den diversen Ansprachen des Bischofs, der versucht, Gebet und Vertrauen auf Gott in unserem digitalen Zeitalter zu positionieren. Schön gesprochen, doch wohl für viele der Anwesenden zu abstrakt. Sie werfen lieber einen Blick auf ihre Smartphone-Timeline …

Ich lasse mich zugegebenermaßen ein Stück weit fasziniert von der Unruhe um mich herum ablenken, darf zum Glück trotzdem den unserem Firmling so wichtigen Moment miterleben. Er tritt vor den Bischof, auf die Namensnennung folgen persönliche Worte. Auch für die Patin, die als Zeichen der Unterstützung ihre rechte Hand auf seiner rechten Schulter ruhen lässt. Der Bischof legt ihm die Hände auf den Kopf, salbt ihm mit Chrisam ein Kreuzzeichen auf die Stirn und spricht dazu die Worte: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Der Firmling antwortet mit einem vernehmlichen „Amen“.

Richtig stolz waren wir alle, dass er sich am Ende des Gottesdienstes mit klar gesprochenen, von Herzen kommenden Worten im Namen aller beim Bischof bedankte.

Noch mehr, dass er beim anschließenden Abendessen alle seine Gäste in einer kurzen Ansprache begrüßte. „Ich wollte euch einfach nur sagen, dass es schön ist, dass ihr da seid.“ Finden wir auch. Und wir freuen uns, zu sehen, wie „erwachsen“ er seine Feier geplant hat. Sicher mit Unterstützung der Eltern. Aber die kulinarische Menüfolge war seine Wahl.

  • Maroni-Creme-Suppe mit Feigen
  • Lachs auf Kürbisgemüse mit Kartoffelstampf (mit frischem Meerrettich und Kräutern, das war „mehr lecker als ich hätte satt sein können“ …), dazu eine helle Sauce
  • Kalbsbraten auf Schwarzwurzelgemüse mit angeschmelztem Semmelknödel, dazu eine Pilzrahmsauce
  • Arme Ritter mit Apfelmus und Vanillesahne
Alles wurde in großen Schüsseln und Reinen, wie bei Familienessen üblich, auf dem Tisch platziert, so dass jeder sich selbst auftun und nachtun konnte. Und nein, das war alles andere als leichtes Essen 😉

Nicht nur für mich wird deutlich: es beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Das Baby, der kleine Junge, der Heranwachsende ist längst Teenager in bester Pubertiermanier, am Firmtag hat er aber mehr als deutlich gezeigt, dass er sich auf einem richtig guten Lebensweg befindet. Schön, dass wir engen Freunde der Familie auch diese Schritte mit begleiten dürfen.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.

Freunde bleiben

Gar nicht so einfach grad, mein Freund zu sein – denn ich konzentriere mich auf mich. Hab ich so „extrem“ noch nie, ist also bestimmt für alle Beteiligten neu. Manchmal fühl ich mich noch so ein klein wenig unruhig dabei – jetzt gerade zum Beispiel. Wär an diesem traumhaften Sommerabend gerne mit Freundin und Hundefreund durch die Holledauer Wälder gestreift. Bin aber erst vor 10 Minuten vom Baugerüst gestiegen. Jetzt muss ich mich erst mal auslüften, denn hoch oben ist es sehr heiß gewesen, netter Nebeneffekt: ich Erde mich. Dann geh ich duschen, essen, trinken – und dann komm ich zur Ruhe. Nach einem arbeitsintensiven Tag. Spazierengehen wär schon schön, machen wir bestimmt auch wieder. Irgendwann. Aber gerade ist meine Zeit zu kostbar, als dass ich mich durch verpasste Gelegenheiten stresse …

Dabei leitet mich ein Bauchgefühl, das mir auch sagt: es werden die Freundschaften bei mir bleiben, die sich mit mir entwickeln. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben …

Ein paar Gedanken zum heutigen Tag der Freundschaft – und ein kleines großes Dankeschön an alle, die sich angesprochen fühlen: es ist schön, begleitet zu werden.

Tag der Freundschaft

Gestern war der Tag der Freundschaft – und ich habe ja schon viel darüber geschrieben, wie wichtig mir Freundschaften ist, wie glücklich ich bin, dass ich echte Freunde in meinem Leben habe. An meiner Seite, die mich je nachdem auffangen und loslassen, Nähe oder Freiheit geben. Die mich mögen, wie ich bin. Mir auch mal den Kopf waschen, wenn ich total aus dem Ruder laufe, mir zuhören, ihre Gedanken mit mir teilen …

Freundschaften verändern sich, wie das Leben selbst. Die Geschichte einer Freundschaft verläuft in Phasen, von manchen Freunden entfernt man sich, anderen kommt man näher. Manche verliert man, von manchen verabschiedet man sich ganz bewusst. Je älter wir werden, desto wertvoller werden Menschen, die uns schon lange begleiten, die mehr Facetten unseres Lebens kennen, nicht nur den Jetzt-Ausschnitt. Aber: auch neue Freundschaften, die nichts von der Vergangenheit wissen, die auf Gegenwart und Zukunft ausgerichtet sind, können wunderbar sein. Mit Freunden teilt man alles, also auch Ängste, Sorgen und Nöte. Aus unseren Freundschaften entstehen manche Impulse, die für unser Leben essentiell sein können. Ein Freund kann einem einen Spiegel vorhalten, wie es kein Therapeut schafft. Einen Freund verletzen: auch, wenn man das unter allen Umständen nicht möchte – es kann so leicht geschehen.

An alle lieben Wegbegleiter, ob nah oder fern: ich möchte euch ein kleines Dankeschön schreiben, denn ich weiß sehr wohl, ihr musstet mit mir die guten wie die weniger guten Zeiten durchmachen. Die lieben Menschen, die ich Freunde nennen darf, müssen sich so manches aus meinem Leben anhören – in unendlichen Wiederholungsschleifen. Meistens geht es um irgendeine dummgelaufene Männergeschichte. Unterschiedliche Namen und Situationen. In dem Moment soooo wichtig, im nächsten … Meine beste Freundin hat mich irgendwann gefragt: „Muss ich mir den Namen merken?“ Wie wahr. Auch daraus habe ich gelernt. Wie aus den vielen Gesprächen zu den wichtigen und weniger wichtigen Themen, die uns alle tagtäglich beschäftigen. Es bleibt spannend, und das ist gut so. Denn in meinem Freundeskreis wird, so Gott will, nie der Gesprächsstoff ausgehen.