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Betroffen

Es gibt Schicksale, die ich einfach so – mir fällt kein wirklich passendes Wort ein, vielleicht trifft es „unfair“ am besten? – finde: Vor einem knappen Jahr hatten wir auf der Baustelle einen neuen Mitarbeiter eines Bauunternehmns, der für uns am eigentlich betriebsgeschlossenen Brückentag gearbeitet hat. Um uns aus der Patsche zu helfen. Denn er musste den Kamin abtragen und neu aufmauern, damit am folgenden Montag die Arbeiten am Dach beginnen konnten. Ein netter Kerl Mitte 40 aus Polen. Dort gab es keine Arbeit für ihn, deshalb war er seit kurzem bei uns im Dorf. Am Wochenende darauf kam seine Familie nach, Frau und 3 Kinder. Das Bauunernehmen hat ihm neben einem Job auch ein Haus organisiert. Ich hab ihn zwar die letzten Monate selten gesehen, aber beim Blick aufs Dach hatte ich immer einen dankbaren Gedanken an ihn. Jetzt hab ich heute Vormittag erfahren, dass er vergangene Woche tödlich verunglückt ist, auf einer Baustelle. Das macht mich sehr betroffen … 

Steine

Sehr faszinierend, wie viele Menschen gerade beim Vorbeigehen stehen bleiben, Radfahrer, die am Zaun halt machen, Autos, Roller- und Motorradfahrer, die verlangsamen oder stoppen – um sich das gerade so nackte Mauerwerk unseres Hauses anzusehen. Wundert mich nicht, ich selbst stehe permanent ehrfürchtig und staunend. Beobachte, wie die Steine gesetzt wurden. Wo die alten Fenster waren, wie sie zugemauert wurden. Staune, wie viel Steine damals verwertet wurden, ein moderner Baustein von heute enthält etwa 8 von damals? Was für eine Geschichte das Haus einfach nur aufgrund der Mauern erzählt: wie es ursprünglich gebaut wurde, dann ein paar mal zweckmäßig umgebaut wurde. Angebaut wurde, für den Hopfenbaubetrieb. Sieht man alles, kann man anhand der Steine jetzt nacherzählen. Irgendwie begeistert so eine Renovierung nicht nur die Bewohner, das ganze Dorf und zufällige Passanten lächeln, wenn sie vorbeikommen. Schön.

Macht’s Spaß?

Die letzten Tage geht es auf der Baustelle wieder richtig los, es waren große Aufgaben, viel Dreck. Nicht alles fühlt sich gut an. Wenn dann zwischendurch die bezaubernde Nichte vorbeischaut, dann hat sie für Arbeiten null Verständnis. Hält alles vom Spielen ab. War im letzten Sommer noch hin und wieder was dabei, für das man sie begeistern konnte, ist das ein Jahr später schlicht anders. Na gut, mit viel Glück machen wir in ein paar Monaten auch wieder ganz andere Sachen zusammen. Bis dahin bereitet ihr zumindest eins diebisches Vergnügen: sie läuft mit Oma, Opa oder Mama am Arbeitenden vorbei, bleibt kurz stehen, schaut skeptisch und fragt: „Macht’s Spaß?“ Und amüsiert sich königlich, wenn der Gefragte genervt die Augen verdreht …

Short Stories Jahreszeiten

Bine fragt, wie es so ist, mit den Jahreszeiten und mir. Gute Frage, denn dieses Jahr sehe ich viele jahreszeitlichen Phänomene unter ganz neuen oder besser „anderen“ Gesichtspunkten:

Wer ein neues Dach braucht sehnt die ersten warmen Tage des Frühjahrs anders herbei, ärgert sich über Regen, weil noch nichts dicht ist. Die Handwerker waren schnell, es hat trotzdem eingeregnet – aber hinterher konnte durch die Wärme, ja Hitze des späten Frühlings alles wieder gut trocknen. Ein Glück!

 An den heißen Tagen hab ich in unserer „Dachbodensauna“ schwer geschwitzt, da wären mir die aktuellen Temperaturen sehr viel lieber gewesen. Gab ja durchaus schon Sommer mit kühlen 15-20 Grad … Hm. Lief gut sonst, bis August – wenn alle Handwerker Betriebsurlaub machen. Und die Baustelle dadurch stilllegen.

Die Herbstwochen brachten viel zusätzliche Arbeit, weil wir uns notwendigerweise entschieden haben, 4 weitere Zimmer und einen großen Gangraum neu zu verputzen. Jetzt gerade wären die angesagten warmen Herbsttage bitter nötig, damit der Putz trocknen kann. Und überhaupt alles, vor allem der Estrich, denn wenn erst mal die Fliesen drin wären …

Ja, dann ist bald Winter. Mich beruhigt, dass die Heizung funktionsfähig ist. Insofern: noch 1000 kleine Kleinigkeiten zu tun, so ein Haus renoviert sich leider überhaupt nicht von selbst. Aber wir sind schon weit gekommen. Jetzt wäre etwas warmer Oktober goldrichtig, gerne gefolgt von einem milden November und Dezember. Ja, Wunsch versus Wirklichkeit …

Und nächstes Jahr? Freu ich mich auf alle vier Jahreszeiten, um sie aus dem Blickwinkel des Dann-hoffentlich-nicht-mehr-Renovierers sehr intensiv und viel draußen zu genießen 😉