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Impressionen unterwegs vom Oktoberfest

Die Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr sind zur Wiesn-Zeit innovativ, einfallsreich und beweisen einen umsichtigen Humor. Versteht natürlich nicht jeder, diese bairische Witzigkeit. Trotzdem ist es hochwillkommen, wenn Ansagen Münchner und Besucher aus aller Welt vor allem darüber informieren, dass der Bahnsteig weit länger ist, als die denken, die direkt nach dem Treppenabgang am U-Bahnhof Theresienwiese stehenbleiben… Oder auch mal eine Band bitten, ihre Musikeinlage mindestens um 100 Meter mittig zu verlegen, „die Herren, die auf der Bank eingeschlafen sind, würden sich über schöne Musik als Wecker freuen, wollen schließlich heimkommen, um im eigenen Bett selig den Mordsrausch auszuschlafen“.
Mein Applaus gilt den charmanten Ansagen – wieder mal herrlich untypisch, für die sonst als drecksfad, also entsetzlich langweiligen unkreativen, geltenden Verkehrsbetriebe. Daumen hoch!

Kinderleichte Leibspeise

Bevor es in Vergessenheit gerät möchte ich den Besuch bei den Patenkindern vor knapp 2 Wochen festhalten. Endlich geht wieder, was aufgrund der Entfernung in den letzten Jahren unmöglich war: ich komme abends auf einen Sprung vorbei und wir machen gemeinsam Brotzeit. Auf dem Tisch Brot, Käse, Butter, Gurke, Tomate – und die neue Leibspeise des Großen: Kartoffelkäs. Oder eigentlich bairischen Erdäpfelkäs. Hat er am Abend zuvor bei Freunden frisch kennengelernt und hätte sich am liebsten mitten in den großen Topf gesetzt. Den Rest gabs an diesem Abend. Damit er das neue Leibgericht in Zukunft selber frisch anrühren kann hier ein Rezept, ist „kinderleicht“.

Etwa 500g Kartoffeln kochen, abkühlen lassen, schälen und grob stampfen. Eine große Zwiebel fein würfeln und in etwas Butter glasig anschwitzen, mit der Kartoffelmasse und einem Becher Schmand verrühren. Einen Schuss Sahne dazu, mit Gewürzen (Salz, Pfeffer, Muskat, Kümmelpulver, Cayennepfeffer) abschmecken. Oben drüber gehören frische Schnittlauchröllchen. Fertig. Dazu sollte es gutes Landbrot geben. Oder für meine Patenkinder eine Menge Knäckebrot (auch gerade sehr in) 🙂

Guten Appetit!

Nachhilfe: ich spreche also „südhochdeutsch“?

Meine bezaubernde Nichte bewegt sich zwischen vielen Dialekten: der Papa spricht irgendwas zwischen Hochdeutsch und fränkischen Einschlägen, die Mutter dasselbe mit bairischen Elementen. Die Großeltern väterlicher- wie mütterlicherseits irgendwas in Richtung Lieber-nicht-Dialekt-mit-ihr-also-wahrscheinlich-Hochdeutsch. Im Urlaub ist mir aufgefallen, dass sie mit mir manchmal ganz nett im Dialekt quatscht, allerdings ist sie auch noch durch die Kindergärtnerin aus dem Bayerischen Wald eingefärbt. Eine sehr lustige Komposition an Sprache entwickelt sich da, auch grammatikalisch (ihr wisst wahrscheinlich, dass die bairische Grammatik manchmal höchst sonderbare Formen findet?)
Hin und wieder bring ich ihr besondere Worte bei, heute kaum mehr im Sprachgebrauch – aber ich find sie gut, kenne sie noch und geb das weiter. Eins dieser Wörter ist „luren“, also schauen. Und was man dann so findet, wenn man in unserem allwissenden Internet nach der überlieferten Bedeutung recherchiert: luren = südhochdeutsch. Wieder was gelernt, ich spreche nicht bairisch, sondern südhochdeutsch. Das ist fürwahr eine Überraschung für mich waschechte Holledauerin 😉