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Der Bademantel

Es gibt Tage, da ist ein Bademantel das wichtigste Kleidungsstück. Frau muss nicht viel überlegen, was sie tragen will, denn wer ein Wohlfühlwochenende im Wellnesshotel bucht weiß: ich bekomme im Hotel einen hoffentlich flauschig weichen, kuschligen Bademantel. Bin ja sonst nicht so der Mensch, der gerne oder viel Zeit in diesem Kleidungsstück verbringt. Ich könnte mir nicht vorstellen, zum Beispiel morgens am Frühstückstisch im Bademantel zu sitzen … Aber im Wellnesshotel reihe ich mich ohne Meckern in das einheitliche Erscheinungsbild ein, trage das gleiche Modell wie alle anderen. Mein Bademantel unterscheidet sich nicht von den anderen, die vor den Saunen in Reih und Glied am Haken sauber aufgehängt werden. Auch die Handtücher unterschieden sich nicht. Mir ist es ein Rätsel, aber offensichtlich findet jeder sein Exemplar immer zielsicher wieder. Was mich froh stimmt, denn ich möchte schon meinen eigenen haben. Nicht in einem herumlaufen, in dem vorher schon mal jemand anders gesteckt hat. Deshalb nehm ich auch manchmal gern meinen eigenen Bademantel mit, ein auffällig rotes Exemplar. Unverwechselbar. Die letzten Tage hab ich darauf verzichtet, ein eigener Bademantel bedeutet mindestens eine höhere Koffergröße oder eine separate Tasche, und mich in ein wunderbares Exemplar unseres Gastgebers, des Hotels Mooshof bei Bodenmais, gehüllt. Sehr kuschlig. Nur ohne großen Wiedererkennungswert. Und dann die große Ratlosigkeit nach dem Saunagang: ich komme aus dem Frischluftbereich zurück und suche „meinen“ Bademantel. An den Haken Hängen zig Exemplare, einer unterscheidet sich nicht vom anderen … Hilfe? Geschätzt der 10. Versuch war ein Treffer, gut, dass alle anderen Saunagänger ein unverwechselbares Erkennungszeichen angebracht hatten. Meiner war der einzige ohne – gefunden.

Zapfig kalt in London

Eigentlich wollte ich heut mal wieder etwas durch London spazieren, vielleicht sogar einen neuen Stadtteil zu Fuß erlaufen? Oder zumindest etwas an der Themse entlang schlendern? Oder durch Notting Hill schlendern, in Läden stöbern, … egal, so weit zum Plan. Die Wirklichkeit war anders, weil es hier zapfig, zapfig kalt ist. Meine letzten Aufenthalte in Englands Hauptstadt haben ja immer all jene Lügen gestraft, die behaupten, hier regnets IMMER, es hat IMMER Nebel, einfach IMMER schlechtes Wetter. Wenn ich die letzten Jahre nach London gereist bin hatte ich IMMER tolles Wetter: einmal im Januar sogar einen strahlend kalten, dafür supersonnigen Morgen auf dem Weg zum Meeting, klare Sicht beim Teamausflug im London Eye, am nächsten Tag beim Rückflug freien Blick auf ganz London. Ein anderes Mal Sommerfeeling Ende April, im T-Shirt durch Soho, Eis schleckend im Hyde Park, Sonnenbrillenalarm.

Hm, dieses Mal also – zumindest heute – alles anders. Es ist wirkliches Shietwetter, kein Regen, dafür schneidend kalter Wind. Ist mit Erkältung nicht ohne, insofern hab ich alle guten Vorhaben schweren Herzens sein lassen, mich mit Mütze, Handschuhen und warmem Schal ausgerüstet. Und zumindest die knapp 2 Meilen von Victoria Station zu meinem Hotel zu Fuß zurückgelegt. Um mich erstmal etwas rund um den Buckingham Palace in die falsche Richtung zu verlaufen. Blöd aber auch – dann einfach umgekehrt und immer Richtung Chelsea Bridge bis in mein Hotel. Unterwegs gabs genug Flair, ein wunderschönes altes Pub, tolle Häuserzeilen im typisch englischen Stil, auch ein paar alte Häuser, die heute so gar nicht mehr in eine Metrolpole zu passen scheinen. Schööööön! Und das letzte Stück um die Brücke gings an zwei wunderschönen Parkanlagen entlang. Wenigstens etwas London eingeatmet.

Ansonsten war heute ein Tag der Premieren: ich nutze mein Hotelzimmer, genieße den Luxus einer eigenen Badewanne, um die Kälte aus den Gliedern zu bekommen. Liebe meinen Bademantel und das superflauschige Handtuch, das zum Kuscheln einlädt. Habe zum ersten Mal in meinem Leben Room Service geordert – natürlich ein Club Sandwich, what else? Und überlege, ob es in englischer Zeit nicht echt zu früh ist, zu schlafen. Aber ich bin so müde …

Noch ein paar Fragen, die ich mir in London immer stelle, weil sie einfach immer aktuell sind:

  • warum tragen die Mädels hier immer Ballerinas und frieren sich anscheinend nicht den Arsch ab bei den Temperaturen?
  • warum brauchen die Engländer immer eine Extrawurst? Linksverkehr, Pfund, …
  • gibts in England eigentlich Bauaufseher, die sich eine Baustelle auch mal daraufhin anschauen, was abenteuerlustige Kinder hier alles finden können?
  • warum gibts hier so viele wirklich auffällige Charakterköpfe?
  • verstehen sich Engländer untereinander, also versteht jeder jeden Dialekt?
  • kann man London wirklich wie seine Westentasche kennen?
  • und die aktuelle Frage dieses Tages aus aktuellem Anlass: glaubt ein Engländer wirklich, dass in diesem Klima die wunderschönen, frisch gepflanzten Olivenbäume in seinem Vorgarten eine Überlebenschance haben? Ist das eigentlich vorsätzlicher Mord an diesen so wunderschönen Pflanzen?

Happy evening