Schlagwort-Archive: backstage

The times they are a-changing

Gibts hier Bob Dylan Fans? Ich gehöre jetzt nicht so klassisch dazu. Mir gefallen manche seiner Werke, aber er stünde keinesfalls auf der Liste meiner bevorzugten Musiker. Und trotzdem hab ich vor ein paar Wochen fasziniert dem Backstage-Talk rund um „Den Mythos Bob Dylan“ gelauscht. Zugehört, wie ein Musiker, Regisseur und Komponist (und noch so vieles mehr in einer Person), ein Hauptdarsteller, ein Musikjournalist und ein Autor, vor allem aber Fan, wie sich also 4 Männer mit einem jeweils ganz unterschiedlichen Zugang über Leben, Werk und Interpretationen des „größten“ Singer-Songwriters ausgetauscht haben. Und ich gebe zu: Feuer gefangen, denn was da zur Show erzählt wurde, die nächste Woche München-Premiere feiert, das hat mich neugierig gemacht. 20 Songs, gar nicht mal die bekannten Dylan-Klassiker, an einem Abend. Und Darsteller Florian Hertweck, der alles andere als ein Musical-Sänger ist, auch gar nicht versucht, wie Bob Dylan zu klingen, sondern sich seinen eigenen Weg gesucht hat, die Stücke zu interpretieren. Die Kostproben waren richtig gut, deshalb werd ich nächste Woche eine Aufführung besuchen und mir selbst meine Meinung bilden. Wer noch Interesse hat: vom 29. Juli bis 2. August. Weitere Infos gibts hier.

Ein Abend mit Elisabeth

#ElisabethMusical
#ElisabethMusical

Ihre Geschichte begleitet – bestimmt nicht nur mich – mein Leben lang: Elisabeth, Kaiserin von Österreich, genannt Sisi. Die Sissi-Filme zu Weihnachten war jahrelang gesetztes Programm für mich und meine Schwestern.

Elisabeth im Sternenkleid
Elisabeth im Sternenkleid

Das Musical habe ich zwar nie gesehen, die Musik aber kenne ich in- und auswendig. Der Komponist wohnt mit seiner Familie übrigens in der Hallertau, quasi „ums Eck“ von meinem Heimatort. Zum Komponieren für das erfolgreiche Musical hat ihn laut Medienberichten seine Frau überredet, die ein Faible für Elisabeth hat. In allen Facetten, keinesfalls romantisch verklärt wie im Film, in dem die hübsche Prinzessin Kaiserin und geliebte Ehefrau ihres Franzl wird. Wo die Film-Trilogie mit Happy End endet, legt sich das Musical erst richtig ins Zeug. Zeigt im Zeitraffer, wie unglücklich dieses majestätische Erbe sie machte.

In der Garderobe hat alles seinen festen Platz, beim Umziehen hat keiner Zeit, lange zu suchen ...
In der Garderobe hat alles seinen festen Platz, beim Umziehen hat keiner Zeit, lange zu suchen …

Wie wenig ihr am Ende das bedeutet hat, was eigentlich wichtig hätte sein können. Wie traurig sie war, wie sehr die Grabenkämpfe mit einer unbeugsamen Schwiegermutter und die Erwartungshaltung einer Gesellschaft sie ausgezehrt haben. Aber auch, was für ein Egoist sie dadurch wurde …

Der Blick in den Orchestergraben #DeutschesTheaterMünchen
Der Blick in den Orchestergraben #DeutschesTheaterMünchen

Jetzt habe ich das Musical zum ersten Mal live erlebt, auf Einladung des Deutschen Theaters. Beim #Tweetup. Eine Premiere für fast alle Beteiligten. Eine bunte Truppe von Menschen, die auf unterschiedlichen Kanälen online kommunizieren. Twitter, Facebook, Blogs – 10 wurden ausgewählt, ich gehöre dazu.

Partitur
Partitur

Ein paar große Fans, sogar echte Musical-Experten, die nicht nur diese Inszenierung in München schon gesehen hatten, sondern das gleich mehrfach. Die anderen Darsteller schon erlebt haben. Wow, da bleibt mir nur, meinen Eindruck wiederzugeben, für mich ist es eine Premiere.Hinter den Kulissen lagert alles, was im Verlauf des Stücks benötigt wird, etwa Sissis Reisegepäck

Hinter den Kulissen lagert alles, was im Verlauf des Stücks benötigt wird, etwa Sissis Reisegepäck

Im Vorfeld wurde auch Kritik geäußert, so eine Gruppe störe sicher das restliche Publikum, es gäbe einen Grund, wieso Aufnahmen verboten seien. Und was genau soll so eine Veranstaltung eigentlich bringen? Gute Frage. Hab ich mich im Vorfeld auch gefragt. Kann ich das? Also gleichzeitig erleben, alles aufnehmen – und das twittern? Wie oft? In welchem Abstand soll man…? Verpasse ich dann nicht wichtige Szenen?

Kitsch
Kitsch

Mein Eindruck war: es fühlt sich genauso an, wie wenn man als „normaler“ kritischer Berichterstatter eine Aufführung erlebt. Die Tweets sind nicht nur durch die 140 Zeichen ohnehin kurz, es ist, als ob man „sich“ ein paar Notizen macht. Bilder durften nur in bestimmten Szenen gemacht werden – und natürlich ohne Blitz. Das war also sicher nicht störend. Meine Aufnahmen sind zwar auch entsprechend unscharf, aber egal. Nach der Aufführung wurde ich übrigens von einer Zuschauerin angesprochen, die nachfragte, ob wir das offiziell machen. Und die fand es toll, „da wär ich auch gern dabei gewesen, schöne Sache“.

Die "Pferdchen" für die Lippizaner-Parade der Regierungsvertreter mit Erzherzogin Sophie
Die „Pferdchen“ für die Lippizaner-Parade der Regierungsvertreter mit Erzherzogin Sophie
Die Puppen aus dem Kinderzimmer - können nicht ersetzen, dass der kleine Rudolph seine Mama vermisst
Die Puppen aus dem Kinderzimmer – können nicht ersetzen, dass der kleine Rudolph seine Mama vermisst

Besonders waren die kleinen Zusatzprogrammpunkte, also die Erklärung der Bühne und der Blick hinter die Kulissen. Wir haben uns auf der Drehbühne im Kreis bewegt, in den Orchestergraben gespäht, die Bühnenbilder bewundert, waren in den Garderoben, haben Perücken und Kleider bestaunt … Und ja, es macht einen Unterschied, ob man die Puppen aus dem Spielzimmer des jungen Rudolph vorher schon mal nah gesehen hat. Oder weiß, wo der Schirm hängt, mit dem sich Elisabeth bei der Begegnung am Meer vor der Sonne schützt. Besonders beeindruckt waren wir alle von Elisabeths Haaren, die mehrfach gewechselt werden müssen, sehr schwer sind – und mit alten Heizscheren gelockt werden, weil moderne Lockenstäbe nicht heiß genug werden.

P1030565
Alles hat seinen Platz, damit später nur ein Handgriff notwendig ist – mit dem Schirm spaziert Elisabeth am Strand

Besonders in Erinnerung bleibt mir die Ensembleleistung, man merkt, wie sehr das ein Team ist. Keine Einzelkämpfer, einige können für jede Rolle flexibel eingesetzt werden. Wunderbar, wie die Darsteller das Altern, also andere Perücken, graues Haar, auch stimmlich umsetzen konnten. Die Stimme von Elisabeth ist zu Beginn mädchenhaft und wird immer schwerer, bei Franz Joseph dachte ich sogar, es wären 2 Schauspieler, das liegt natürlich auch an den Stücken. Ja, Gesang ist so sehr Geschmacksache, deshalb ganz kurz: mich hat jede einzelne Leistung sehr überzeugt. Etwas überraschend war „Boote in der Nacht“, das Duett des Kaiserpaares, mein absolutes Highlight, ein echter Gänsehautmoment.

Wenn der Dirigent im Spiegel zu entdecken ist
Wenn der Dirigent im Spiegel zu entdecken ist

Und gefreut habe ich mich, als ich während „Wenn ich dein Spiegel wär“ den Dirigenten im Spiegelbild entdeckt habe und für Minuten absolut im Takt war. Ein Lob an das Orchester, das auch in den schrillen Passagen nicht übermütig wird – und sich in der Lautstärke sehr dem Raum anpasst. Meine große Bewunderung gilt denen, die hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf sorgen, Garderobe, Licht, Technik. Die Bühne des Deutschen Theaters ist nicht sehr groß, da muss jeder Handgriff sitzen. Das Publikum soll ja nicht sehen, wenn die Kulissen vorbereitet und wieder verstaut werden.

Kostüme, Kostüme, Kostüme - eine Unmenge an Kostümen
Kostüme, Kostüme, Kostüme – eine Unmenge an Kostümen

Und das mit den Kostümen und Perücken: Elisabeth wechselt allein 14 mal das Outfit. Die Ensemble-Mitglieder verwandeln sich in Hofdamen, Kaffehausgäste, Kammerzofen, Volk, Hofstatt, Regierung, Hochzeitsgäste, Reisegesllschaft … Da muss man sich blind aufeinander verlassen können. Und wissen, wo was liegt. Geordnete Handgriffe, sonst leidet das Stück.Zum Schluss hätte ich durch die angeregte Plauderei mit der Zuschauerin beinahe die beiden Hauptdarsteller Roberta Valentini und Mark Seibert an der Bühne verpasst – hab aber doch noch dazu gefunden. Wär schade gewesen, denn das Meet & Great war so richtig herzlich, offen, interessiert. Schön, dass wir hier zwei echte Stars zum Anfassen erlebt haben. War ziemlich sympathisch, dass sie sich Zeit für uns genommen haben. Dazu auch noch mal ein großes Dankeschön an das Team vom Deutschen Theater, das die Idee zum #Tweetup hatte, alles vorbereitet und uns durch den Abend begleitet hat. An Mona, die uns auf (und über) die Bretter, die die Welt bedeuten, geführt hat. Und ein riesengroßes Dankeschön an alle Darsteller, Musiker und diejenigen, die im Hintergrund wirken, es war ein ganz schön toller Abend. Den ich so schnell nicht vergessen werde! Das finde nicht nur ich, die anderen Teilnehmer waren ähnlich begeistert, wie ihr hier im Überblick nachlesen könnt.

Das Musical ist übrigens noch bis 7. Juni 2015 im Deutschen Theater in München zu sehen, danach geht es nach Linz, Frankfurt, Berlin und Hamburg, Karten bei den bekannten Verkaufsstellen.

 

Auf den Wiesen? Max, du brauchst Bairisch-Nachhilfe

Lieber Max Giesinger,

deine Stimme ist unverkennbar. Gestern abend hab ich deinen Humor und dein Selbstbewusstsein live auf der Bühne sehen dürfen, deine Musikalität genießen. ich bin froh, diesen Abend mit dir im kleinen Rahmen, anstatt mit tausenden feierwütigen Oktoberfestbesuchern verlebt zu haben. Das Publikum im Backstage war klein, aber fein. Deine Musik großes Kino. Ich habe deine Stimme mit den Coverversionen bei TVOG und auf youtube lieben gelernt. Deine eigenen Songs zu hören ist ein Quantensprung, du kommst live so gut rüber, das Weiche an deiner Stimme, das besondere Timbre hat mich einmal mehr gefangengenommen, deine Balladen sind gefühlvoll, die rockigen Sequenzen: Hammer! Danke, dass du bist, wie du bist, dich nicht verbiegst, dein eigenes Ding machst. Ganz ehrlich, das klappt auf kleinen Bühnen wie im Backstage genauso wie vor tausenden von Menschen. Das bist du – und das macht großen Spaß. Noch ein Gedanke zum Thema Gitarrespielen: ja, du spielst auch richtig gut Gitarre. Und bestimmt würde dir so ein Gitarrenkonzert, so ganz ohne Singen, total viel Spaß machen. Egal welche Musikrichtung, könntest du alles. Aber machs nicht, bleib bei der Kombi, deine Musik wirkt, auch und vor allem durch deine Stimme. Und das mit dem Tanzen ist auch ausbaufähig 🙂

Max Giesinger & Band @ Backstage München
Max Giesinger & Band @ Backstage München

Liebe Band,

ihr seid der Wahnsinn. Ich bin hingerissen von einem Bassisten, der den ganzen Abend kaum lächelt, vollkommen in seinem Instrument versinkt und grandios spielt. Den Bass. Den Unterbau der Musik. Paul, Musiker und Barbesitzer des Hagestolz in Mannheim. Mit auf Tour sind außerdem Klaus (verschnupft und angeschlagen, aber dennoch grandios) am Piano, Lars am Schlagzeug (und echt ganz schön gut) und Steffen an der Gitarre. Spielt er sehr, sehr gut, noch besser hat mir fast seine Stimme gefallen. Die sich wunderbar mit der von Max mischt. Tolle, weiche Töne, schöner Klang.

Ja, ich bin begeistert. Und hab gerne einen Wiesn-Abend sausen lassen, um mit euch „In dieser Stadt“ zu feiern. Das mit dem „auf den Wiesen gehen“ (was noch viel schlimmer ist: ihr hättet dort wahrscheinlich „eine(n) Maaaß“ Bier bestellt? ;-)) habt ihr heute morgen wahrscheinlich aus Vernunftgründen sein lassen. Und seid entspannt ohne Umwege nach Stuttgart weitergefahren, wo ihr bestimmt ein ähnlich grandioses Konzert spielen werdet. Habt eine gute Zeit und Dankeschön für einen tollen Konzertabend!!!

xxx

Zum Reinhören