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Eine weitere Episode aus der Serie: Autofahren

Neverending story: heute morgen wurde ich auf dem Weg in die Arbeit von einem Ehepaar im gehobenen Alter zunächst am Fahren behindert, dann verfolgt. Habt ihr schon mal Hass durch die Karosserie eures Autos gespürt? Richtigen, tiefen Hass? Gespiene Worte, eine Schimpftirade nach der anderen? Und zwischen zwei Stoßstangen so wenig Raum, dass ihr den Aufprall förmlich schon spüren könnt? Lieber Senior am Lenkrad nebst der zauberhaften Dame an Ihrer Seite: wären Sie von Haus aus so gefahren, wie Sie mich hinterher verfolgt haben, wir beide wären nie aufeinander getroffen …

Keine Frage: ich verstehe durchaus, dass Ehepaare im Rentneralter morgens in der Rush Hour irgendwohin fahren müssen (sind ja schon wach), sich Zeit lassen , wenig Verkehr um sich haben wollen, von allem um sich rum genervt sind, keinen Blinker setzen, Chancen ausnutzen, schnell mal eben, nein halt, doch lieber ohne Gas, wir haben doch Zeit … Nur das mit dem Zeitfaktor trifft für die dazwischen, die auf dem Weg in die Arbeit sind, pünktlich dort sein möchten, nicht zu. Die wollen ohne Behinderungen zügig vorwärts kommen, ohne Unfall, ohne sich unnötog zu gefährden, ohne die zugelassene Geschwindigkeit zu übertreten, ohne an der Ampel stehenzubleiben, weil der vor ihnen Fahrende es nicht schafft, zu bemerken, dass grün ist. Ohne permanent 360 Grad schauen zu müssen, weil der links oder rechts neben ihnen Fahrende ohne Blinkzeichen langsam rüberdriften könnte.

Ich fühle mich meistens einfach sicherer, wenn ich vor Ihnen fahre. Das müssen Sie mir einfach lassen. Ohne zu schimpfen wie ein Rohrspatz. Ohne mich dann zu bedrängen, aufzufahren, ja, sogar beinahe auf mich draufzufahren. Und für Ihre Nerven ist es wahrscheinlich viel schonender, später am Vormittag einkaufen zu fahren. Da sind schon alle in der Arbeit – und Sie haben die Straßen für sich.

Kurzer Exkurs zu heute nacht (meine Erlebnisse im Straßenverkehr sind gerade reichlich): eigentlich steht nachts ja gerne die Polizei auf meinem Heimweg, um mir diesen etwas kurzweiliger zu gestalten. Und wo sind die Gesetzeshüter, wenn ich auf einer innerstädtischen Straße von einem Mercedes mit Paderborner Kennzeichen so schnell überholt werde, dass mir die Ohren vom Fahrtwind schlackern? Das waren gut und gern mehr als 100/120 Stundenkilometer? Innerstädtisch? Mitten in München? Tja, liebe Verkehrsüberwachung, der ist euch wieder mal durch die Lappen gegangen. Aber freut euch: es dauert bestimmt nicht lange, dann dürft ihr euch wieder über mein amüsiertes Geplauder freuen, wenn ihr mir meine Lieblingsfrage stellt: „Schönen guten Abend, Verkehrskontrolle, wo kommen Sie denn um diese Uhrzeit her? …“

Spruch zum Wochenende: Glück gehabt

Was genau Glück bedeutet liegt im Auge des Betrachters. Gestern abend waren meine beiden Cousins in einem Auto unterwegs. Ihnen kam ein junger Mann entgegen, der einen LKW überholt hatte und dabei die Kontrolle über sein Auto verloren hat. Es kam zu einer Kollision, einem Frontalunfall. An dieser Stelle kann man nicht von Glück sprechen, denn die beiden waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber die Geschichte geht „zum Glück“ weiter: bei dem Unfall wurden alle Beteiligten verletzt, zwei davon leicht.Und hier beginnt die glücklichere Zeitrechnung, denn meine beiden lieben Cousins sind leichtverletzt, gehen einigermaßen heil aus dieser Situation heraus. Sie wurden behandelt, kommen wohl mit Prellungen, Schleudertrauma oder was auch immer davon. Aber sie sind nicht schwer verletzt worden. Und das nenne ich Glück.

Insofern widme ich meinen Spruch zum Wochenende dieses Mal dem Glück: „Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war.“ (Francoise Sagan) Auch wenn mir lieber gewesen wäre, wenns nicht passiert wär, ich denke, die beiden hatten Glück. Und natürlich hoffe ich, dass auch der Unfallverursacher Glück hat und sich bald erholt.

Ein kleiner Nebengedanke, da ich ja oftmals sehr über Facebook grummle und hin und wieder nicht so toll finde, wieviel Menschen hier von sich preisgeben: gestern abend war ich heilfroh, dass mein Cousin seinen simplen Eintrag „Da will man nur eben mal mit dem Auto nach X fahren und wird mit dem Heli nach Y geflogen…“ auch noch vielfach kommentiert, erklärt, auf Zeitungsartikel verwiesen hat. Muss man mal so sagen, das nimmt auch viel Ungewissheit und Unsicherheit raus, dieses Online-Leben, wenns für so einen positiven Zweck ist 🙂

 

Lieber BMW-Fahrer, der gerade in die Münchner Innenstadt fährt:

Der morgendliche Weg in die Arbeit. Kein Zuckerschlecken, vor allem, wenn wir Autofahren. Ich habe also durchaus Verständnis für die ein oder andere Eigenart im Fahrstil jedes einzelnen mich umgebenden Autofahrers.

Ich kann akzeptieren, dass Sie weder einen Rück- noch Seitenspiegel nutzen, dass Sie so vom Verkehr neben und hinter sich nichts ahnen – auch wenn ich es nicht besonders gut finde, dafür bin ich umso aufmerksamer. Ja, ich und die meisten anderen Fahrer nehmen Rücksicht, auch oder vor allem auf Autofahrer wie Sie. Ich kann akzeptieren, dass Sie einen Sicherheitsabstand zum Fahrzeug vor Ihnen halten, auch wenn das an der stehenden Ampel zwei Autolängen sind. Das mag für Sie der angebrachte Abstand sein. Vielleicht ist es tatsächlich sicherer, wenn Sie nicht näher auffahren? Für das vor Ihnen stehende/fahrende Auto? Hm. Was ich gerade noch verstehe, ist, dass Sie mit Ihrem Fahrzeug größerer Bauart auf einer zweispurigen Straße stadteinwärts gut über der Linie zur nächsten Spur fahren, ist halt etwas breiter? Und wahrscheinlich fühlen Sie sich so sicherer, mit viel notwendigem Abstand zur bedrohlichen Bordsteinkante. Gut: neben der Spur des neben Ihnen fahrenden Autos sind geparkte Fahrzeuge. Aber klar, Sie wissen ja auch gar nicht, dass neben Ihnen kein Auto fährt, weil Sie ja nur noch vorne blicken. Alles klar!

Aber: dass Sie im fließenden Verkehr freihändig fahren, um sich mit Blick in den Rückspiegel zu kämmen und mit der anderen Hand noch mal drüberzustreichen? Nein, das akzeptiere ich nicht. Es kann sein, dass, als Sie ihren Führerschein gemacht haben, weniger Verkehr war, dass Sie sich als sicherer Fahrer fühlen, vielleicht fallen Ihnen noch viele andere Begründungen ein? Die akzeptiere ich alle nicht, denn ich muss mit Ihnen auf denselben Straßen unterwegs sein. Und fühle mich nicht sicher, im Gegenteil: ich fühle mich durch Sie massiv gefährdet. Sie haben eben nicht mal wahrgenommen, dass ich da war, neben Ihnen, versucht habe, Sie auf mich aufmerksam zu machen …

Ich wünsche Ihnen gute und sichere Fahrt – und hoffe, dass ich mir Ihr Kennzeichen merke, denn ich werde Ihnen in Zukunft weiträumig ausweichen

Autofahren

Ich liebe Autofahren – aber erst, seitdem ich erwachsen bin und selbst der Fahrer bin. Als Kind hab ichs gehasst. Und zwar so richtig. Meine ersten Erinnerungen an Autofahren stammen natürlich aus einer Zeit, in der es keine Kindersitze gab. In der man auf der Rückbank liegen, sitzen, stehen – was auch immer  – konnte. Im alten Käfer meiner Eltern haben wir kaum weite Strecken zurückgelegt. Die Fahrt zu den Großeltern ein paar Kilometer, zum Einkaufen maximal 20 Kilometer. Vom Land nach München knappe 60 Kilometer. Und trotzdem mochte ich nicht gerne Autofahren – oder besser im Auto mitfahren.

Ich hatte als Kind alle Anzeichen von Reisekrankheit, mir war übel, ich bekam Kopfschmerzen, mir war schnell fad, ich mochte es nicht, dass man im Auto so ein Gefühl von eingesperrt sein hatte. Ich mochte den Geruch im Auto nicht, mochte aber auch kein offenen Fenster wegen dem Zug. Spätestens als meine Geschwister mit unterwegs waren war es selbstverständlich auch immer zu eng, wir mussten uns später anschnallen, irgendwann gab es erste Sitze … ich konnte unterwegs sein mit dem Auto nie wirklich leiden.

Wenn ich mir anschaue, mit welchem Komfort Kinder heute im Auto unterwegs sind – schon anders! Ein komplettes Bespaßungsprogramm an Spielzeug hängt vor den hochmodernen Kindersitzen, die auch noch bequem auf die Körpergröße abgestimmt sind, man sieht sogar nach draußen. Alles ist griffbereit, Essen, Trinken, Lieblingsstofftiere, Bücher. Und trotzdem glaube ich, dass ich, wäre ich heute Kind, genauso wenig gerne im Auto längere Strecken zurücklegen würde – wie meine Nichte, die nicht gerne im Auto fährt. Zumindest meistens. In dem Alter versteht man sicherlich nicht, dass der Weg zum Ziel führt, das Raum-Zeit-Verständnis fehlt. Klar steigt sie gerne ins Auto ein, wenns zu Oma und Opa geht – aber dann dauerts. Und man sitzt hinten drin und wartet. Die Vorfreude ist längst da, wann sind wir endlich da?

Und so ein Stück weit langweilig bleibt es aus Sicht eines Kindes wohl doch auch im modernen Zeitalter?

Aber – und das ist aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel das Gute daran – heute liebe ich Autofahren. Seit ich den Führerschein habe fahre ich  wenn möglich selber, genieße es, das Tempo vorzugeben, die Route zu wählen. Mir wirds nur noch übel, wenn ich hinten mitfahren muss und jemand, na ja, nennen wir es mal so: nicht so gut Autofahren kann. Und heute genieße ich jede Sekunde, die ich fahren darf. Für mich ist der Weg das Ziel. Ich genieße die Strecke, die Ausblicke unterwegs. Das kann herrlich entspannend sein!

So wie gestern, als ich aus dem etwas nebligen Norden in den supersonnigen Süden hineingefahren bin. Von München aus ein freier Blick auf die komplette Bergkette, herbstliche Wälder, der Sonneneinfall so, dass man rund um sich eine wunderbar bunte Landschaft zu sehen bekommt. Darüber zwei Heißluftballone, die Fahrer haben aus luftiger Perspektive den Spätsommertag genossen. Der Vorteil, wenn man an einem Sonntag erst spät in Richtung Berge fährt: man steht nicht im Stau, sondern genießt die freie Fahrt vorbei an den Rückkehrern vom Starnberger See. Dann nimmt man eine Ausfahrt und verlängert das Genießen noch um ein paar Kilometer beim Autofahren. Der Weg ist das Ziel – außer wenn man bei lieben Freunden ankommt, herzlich willkommen geheißen wird und sich einfach nur rundum wohlfühlt! Dann vereint sich Weg und Ankommen und Einfach-Da-Sein.

Danke für die Einladung an Claudia&Andi, es war ein so schöner, intensiver Abend, Lenas BIld hat schon einen Ehrenplatz bekommen 🙂