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Münchner Balkongeschichten 2017

Heute war ein langer Arbeitstag, der vorletzte für diese Woche und vor dem Urlaub. Das Perfektionisten-Ich hat das gechillte Sommer-Ich ausgestochen … deshalb sitze ich, pappsatt nach einer großen Portion Pasta randvoll mit abendlichen Glücks-Kohlenhydraten, auf meinem lauschigen Balkon. Zur Abwechslung bin ich nicht allein, tatsächlich zähle ich ganze 5 Mit-Draußensitzer. Schön, so, diese laue Sommernacht, die uns alle nach draußen treibt.

Doch … Moment mal: eine kleine Irritation gibt’s. Schließlich „kenne“ ich die Nachbarschaft. Im Haus mit Namen, im nahen Nachbarhaus die Gesichter. Und da sitzt der zwar noch neue, aber mir bekannte Herr Nachbar statt wie gewohnt mit der bekannten Frau Nachbarin mit einer mir Unbekannten. Sehr nett plaudernd, laut lachend.

Als die beiden mich bemerken verschwinden sie in der Wohnung, Rollos runter … vor etwa 20 Minuten verlässt die mir jetzt nicht mehr ganz Unbekannte das Haus. Vor so 10 minuten kam die mir Bekannte nach Hause. Jetzt sitzen die beiden mir Bekannten draußen. Schweigend.

Ich hab dazu auch nix zu sagen und konzentrier mich jetzt lieber auf den Abendstern, den sieht man so gut von meinem Balkon aus …

Auf meinem Weg

… es ist Sommer. Die Sonne scheint von morgens bis abends über den üppigen Feldern, alles grünt, unterschiedliche Nuancen, von saftig bis trocken. Alles schimmert, weich, gelbe Sprenkel. Darüber der Himmel. Sommer, Gefühle, Durchatmen, Freiheit.

… vor dem buddhistischen Tempel an der großen Straße eine Begegnung, eine Prozession. Ganz vorne wandelt der Mönch, schillernd orange. Ihm folgen in weiß gekleidete Menschen. Einer nach dem anderen. Sie folgen seinem Weg, dem Friedensweg. Über ihnen schweben die landenden Flugzeuge, aus aller Welt.

… am Horizont zeichnen sich deutlich die Berge ab, die ganze nördliche Alpenkette strahlt in den Himmel hinein. Vorne die Kulisse der Weltstadt mit Herz, der Olympiaturm, die Frauenkirche, … Oder ein See. Oder eine Bilderbuchlandschaft. Ein schöner Ort. Eine schöne Stimmung.

Der Weg ist das Ziel. Es fühlt sich gut und richtig an, auf der Welt und achtsam zu sein, wertschätzend mit dem Leben umzugehen.

Spruch zum Wochenende: Zuhören

11263128_10153282799391800_2082985228151541120_oDiese Woche hat mir eine liebe Freundin diesen Text als kleines Dankeschön fürs Zuhören geschickt. Ich freu mich so, dass ich das hier teilen muss – und es erinnert mich immer wieder daran, wie glücklich es mich macht, wenn ich auf einen Menschen treffe, der mir zuhört, mich raushört und spürt, offen für alles ist, was zwischen den Worten steckt, mir hilft, meine Gedanken und Gefühle zu strukturieren. Schön, wenn ich das auch für andere sein kann, eine gute Zuhörerin.

„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte – nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. “ (Michael Ende / Momo)

Aus der Spur

Montag vor einer Woche hab ich ihn das erste Mal bemerkt: ein junger Typ, irgendwie ungepflegt. Lief zum Supermarkt. Es wirkte, als würde er schwanken. Ich hatte ihn längst vergessen, dann ein paar Tage später, selbe Stelle, gleiche Klamotten, als ob er einen Baum umarmte. Gestern muss er stundenlang auf dem Parkplatz gestanden haben. Bewegungslos. Hat auf Fragen nicht reagiert. Viele Passanten haben sich gekümmert, er wollte keine Hilfe. Hat sich lediglich eine Flasche Wasser schenken lassen. Heute morgen hab ich mein Auto auf dem Parkplatz abgestellt, da sah ich ihn, von Polizisten umkreist. Die ihm Fragen stellten. Hinterher hat sich herausgestellt, dass er die Nacht im Bürogebäude verbracht hatte. Im Treppenhaus … Er ist verwirrt, antwortet auf Fragen unzusammenhängend, will nicht sagen, wer er ist. Aber er will alleine sein. Nicht so einfach, in einem Bürogebäude mit viel Publikumsverkehr. Eben wurde er abgeholt, er wird an einen Ort gebracht, wo er kompetente Hilfe bekommen wird. Und die gewünschte Ruhe. Denn irgendwie ist klar, dass ihn – was auch immer – vollkommen aus der Spur gebracht hat.