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Wehwechen oder: Elegant anlegen …

… geht anders: da sitz ich bei wunderbarem Abendlicht entspannt vorne auf dem Boot, das Tau in der linken Hand, bereit zum Sprung. Ein netter Holländer bietet an Land seine Hilfe an. Unser Kapitän entscheidet um, er dreht noch mal, fährt einmal ums Inselchen auf die andere Seite. Ich bleibe gelassen sitzen. Wir sind fast da, ich springe … Zu früh! Hab die Bewegung des Schiffs unterschätzt, komme zwar knapp an Land, krache aber unsanft auf den Boden. Mein letzter Gedanke: scheiße! Dann knallt der Kopf auf den Boden – und gleich wieder hoch. Aua.
Ich spüre erst mal nichts, aber ich denke noch. Also leb ich, gut. Versuche, mich langsam aufzusetzen. Scheint zu klappen. Alles noch dran. Da werde ich von Bord angeschrien, los, Aufstehen, Seil festmachen, auf geht’s … Hab ich natürlich gemacht. Dann erst wieder meine Umgebung wahrgenommen, ziemlich verschwommen alles so. Hauptsache, das Schiff legt jetzt mal an. Etwas kompliziert so ein Hinfaller? Hm, genau.
Am Fenster steht plötzlich meine Nichte, wir sind beide vollkommen irritiert. Sie sollte eigentlich längst schlafen, kein Wunder, dass sie bei dem Gebrüll neugierig schaut, was los ist. Zum Glück steh ich zwischenzeitlich stabil – und so rein vom Körpergefühl her ist nichts gebrochen. „Nur“ geprellt also. Herzlichen Glückwunsch! Das eigene Körpergewicht plus die Geschwindigkeit vom Schiff, ich mal mir meine nächsten Tage in schillernden Blautönen aus. Als das Schiff stabil liegt lässt mein Schockzustand langsam nach, erst komm ich noch überall hin, bin beweglich, alles gut. Dann schwillt das Knie an, der Kopf beginnt zu dröhnen, im Nackenbereich erste Spannungsgefühle. Homöopathische und schulmedizinische Behandlung, eine erste unruhige Nacht mit Kühlpacks auf dem Knie. Immerhin ist die Schwellung morgens fast weg, das Knie ist rechts ordentlich aufgeschürft, obwohl die Hose ganzgeblieben ist, komisch?
Jetzt folgen Tage, an denen ich mich mittags hinlegen muss, die Nächte sind unruhig. Langsam wird’s, aber echt zu blöd. Und schlicht vollkommen überflüssig. Ich hab mich verschätzt, sollte man auf einem Boot besser niemals. Hätte dümmer laufen können, beim Anlegen zwischen Boot und Ufer ins Wasser zu fallen … Ja genau. Insofern Glück im Unglück, das Knie werd ich wohl noch mal einem Mediziner zeigen, da wandert ein Bluerguss. Und ansonsten ruh ich mich wieder zu Hause noch etwas aus, so eine Prellung ist einfach verdammt schmerzhaft. Und nicht zum Nachmachen geeignet, falls jetzt jemand auf dumme Ideen kommen sollte. Und Punkt.

Wartezimmer-Philosophie

Dieses Mal ist’s keine simple „3 Tage kommt sie, bleibt sie, geht sie“ Erkältung. Hab mir einen hartnäckigen grippalen Infekt eingeholt, war heute noch nix mit wieder arbeiten gehen. Dafür durfte ich ins Wartezimmer beim Landarzt. Und hab mir einen Denkanstoß abgeholt. Da saßen mit mir 5 Menschen unterschiedlichster Altersstufen. Jeder hatte in den letzten Wochen, 3 an Weihnachten, eine Lungenembolie. Einer ist Mitte 40, letztes Jahr Herzinfarkt ohne Vorzeichen. Musste wiederbelebt werden, nach 3 Wochen Koma und mehreren Monaten Auszeit geht er seit November wieder 2 Tage arbeiten. Es wurde zu viel, an Weihnachten Lungenembolie. Ein Rentner in den 70ern fühlte sich topfit, wurde im Dezember gegen Magenschmerzen behandelt. Kurz vor Weihnachten Notoperation, im Krankenhaus wurde eine Lungenembolie konstatiert. … Ok, den dezenten Hinweis des Schicksals hab ich verstanden. Nichts überstürzen, ich brauche eben etwas mehr Zeit zum Gesundwerden. Erziehe mich grade vom Ungeduldsbolzen zum geduldigen Patienten. Dauert, aber ich hab sonst grad nichts Wichtigeres vor. Und Punkt.