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Gewohnheiten

Meine Mutter ist nach 3 Wochen Kur-Auszeit wieder zu Hause. Endlich. Ja, ja, vieles hat sie durchaus sehr genossen. Also eigentlich fast alles. Das Programm hat gut getan, das schöne Zimmer mit Sonnenbalkon ganz für sich alleine, dass sie sich nur an den Tisch setzen musste und dann gabs leckeres Essen, dass sie keinen Haushalt an der Backe hatte … Aber eines, das hat sie sehr vermisst: ihr Waschbecken im Bad zu Hause. Auf Kur hatte sie nur ein kleines und das hing auch so doof, dass sie sich unmöglich darin die Haare waschen konnte. Da musste sie das doch glatt unter der Dusche tun – und das mag sie so gar nicht. 3 Wochen Gewohnheiten ändern war wirklich mehr als genug. Endlich kann sie sich wieder kopfüber unters Waschbecken hängen und ihre Haare so waschen, wie sie das schon immer macht. Punkt. 🙂

Sonntagsfreude: Messezeit

Diese Woche ist mir aufgefallen: meine Messezeit hat sich verändert. War klar, aber das, was sich ändert, ist nicht einfach nur der Zeitraum. Es ist auch der zeitliche Aufwand, den ich investieren muss. In meinem früheren beruflichen Leben war Weihnachten, und dann war bis März Messezeit. Für die eine, alles umfassende Messe im Jahr. In meinem neuen beruflichen Leben beginnt die Messezeit im November und endet im Mai – ja, die letzte Woche war vorbereitungsintensiv, denn ich werde die kommenden Tage auf der Messe sein. Aber das war jetzt gerade mal eine Woche, trotzdem bin ich abends – zwar etwas später – nach Hause gekommen. Und es waren für den Umfang „normale“ Arbeitszeiten. Und „normaler“ Aufwand. Manchmal bin ich eben noch dankbarer für meine – für mich immer noch neue – Umwelt.

Die Nichten haben trotzdem Zeitlang und quengeln, schließlich haben sie mich schon ewig nicht mehr gesehen. Also planen „wir“ jetzt schon mal das nächste Mädelswochenende. Mein Argument, dass man mir evtl. ein paar freie Tage zur Erholung nach dem Messewahnsinn gönnen möge? Wurde zwar zähneknirschend gehört, ob akzeptiert? Mal sehen. Bis dahin trainieren die beiden. Schließlich läuft im TV Skispringen. Da sind sie wie der Rest meiner Familie große Fans. Und wie einst meine Geschwister – iiiich war natürlich viiiiel zu erwachsen für so was – haben sie sich im Wohnzimmer eine weitläufige Skisprungschanze gebaut und springen fleißig miiiiiiit 😉

Das mit der Non-Konformität

Non-konform, nicht angepasst, anders, individuell, besonders.

Monsieur ist mit seinen 11 Jahren noch sehr kindlich, dabei aufmerksam, er orientiert sich gerne an Erwachsenen, mag seine Lehrer, spricht sie an, trägt Unterrichtsmaterial, engagiert sich. Dazu redet er gerne mit Mädchen, hat gute Noten, antwortet auf Fragen, steht zu dem, was er tut, … und wird durch all das, was ihn ausmacht gerade zum zweiten Mal in seinem Leben zum Außenseiter.

Zum ersten Mal war es das Nichtbeherrschen der französischen Sprache beim Umzug in die Schweiz. Als Deutscher hat es lang gedauert, bis er dort akzeptiert wurde. Jetzt ist es die neue Schule, in seiner Klasse wird er gemobbt. Von den anderen Kindern, vor allem von den selbsternannten coolen Jungs … die alles andere als cool sind. Sie nutzen ihre gemeinsame Masse und die dadurch entstehende Schlagkraft. Gegen ihn, den vermeintlich Schwächeren.

Der Übertritt ans Gymnasium ist für die meisten Kinder – und wie ich mich so umhöre, hat sich da seit meinen Zeiten in den 80ern nichts geändert – eine Herausforderung. Nicht nur schulisch werden andere Leistungen, ein deutlich erhöhtes Lernniveau und -Pensum sowie ganz generell Veränderung gefordert.

Im konkreten Fall hat die Schule den Eltern meines Patenkindes geraten, dass sich das Opfer eine dickere Haut zulegen müsse. Schließlich sei es in der heutigen Zeit in der Gesellschaft wichtig, frühzeitig Verletzungen, Schmähungen, Kränkungen an sich abprallen zu lassen. Das Opfer soll sein Verhalten ändern, sein anerzogenes und bereits selbst weiterentwickeltes Weltbild, bestehend aus Toleranz, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit nicht leben, weil es nicht zeitgemäß ist. Er muss an seiner Sensibilität arbeiten, um heute bestehen zu können …

Etwas irritierend, dass von Schulseite aber keineswegs ein Coaching für die Täter angedacht wird, die könne man nicht ändern: wohlstandsverzogen. Vom Elternhaus, wo sie falsche Werte mitbekommen haben. Das würde also bedeuten, dass Täter nicht zur Verantwortung gezogen werden können, weil es eh nichts nützt. Zudem ist aktuell wohl auch nicht geplant, mit den anderen Eltern zu sprechen. Auch da scheint die Erwartungshaltung ohne Aussicht auf Erfolg? … Ja, das macht nicht nur die Eltern des betroffenen Kindes fassungslos, sprachlos und wütend.

Vor allem aber nachdenklich, ja, ich denke auch, dass Monsieur lernfähig ist, finde wichtig, dass er künftig mit der Schulpsychologin an seinem Selbstbewusstsein arbeiten soll, um künftig die Verletzungen besser verarbeiten zu können. Leider wird nicht ausbleiben, dass er sich dadurch verändert, aber das ist in meiner Sicht der Welt dennoch besser, als dass er durch das Mobbing gebrochen wird … vielleicht kann er durch seine Sensibilität Wege finden, die keine Waffen sind, eben andere Möglichkeiten, um der gnadenlosen Boshaftigkeit der anderen Kinder etwas entgegenzusetzen. Denn dass er böse und gemein wird? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.

Und in einem widerspreche ich dem Rat seines Lehrers: ja, Kampfsport könnte ihm gut tun, um sich körperlich zu fördern, um sich auszupowern, um eine andere Körperspannung- und Haltung aufzubauen und diese auch auszustrahlen. Aber nicht, um zurückzuschlagen, wenn er getreten wird. Sondern um sich zu verteidigen …