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Sonnentag

An einem Tag wie heute geht man gern zum Friedhof. Farbenfroh mit warmen Sonnenstrahlen find ich den alljährlichen Besuch der Gräber schön. Auf dem kleinen Buchsbaum am Familiengrab saßen unzählige Marienkäfer im Sonnenbad. Alte Freunde sehen, selten gewordene, deshalb so kostbare Momente. Den Onkel drücken, der kürzlich mehr Glück als Verstand hatte, die schmerzhafte Kraft eines Stahlseils zu spüren bekommen hat. Und schon wieder einen frechen Spruch auf den Lippen hat. Zum Glück! Später durfte ich auf der Fahrt zur besten Freundin in der Spätnachmittagsstimmung die Föhn-Alpenkette, in den Tälern ein paar erste Nebelschleier bewundern. Eben sind wir bei Halbmond unter klarem Sternenhimmel durch die Kleinstadt gebummelt. Viele Veränderungen – und manches bleibt, wie es immer war.

Die Zwiebelturm-Romantik des Voralpenlandes

Manchmal versteh ich Reisende aus aller Welt noch besser als sonst, warum sie alles tun, um Urlaub in meiner Heimat zu machen. Und bereit sind, dafür viel Geld zu bezahlen. Heute morgen hab ich mich von der Hallertau aufgemacht ins schöne Isental. Unterwegs sachte Nebelschwaden über einem fast herbstlich goldenen Hügelland, im Hintergrund durch den Föhn deutlich die gesamte Alpenkette plus die Ausläufer des Bayerischen Waldes. Weiß-blauer Himmel, ein paar Wolken, heller Sonnenschein. Da werde ich sehr klein, fast schon andächtig. Nehme den Weg als Ziel. Fahre langsam genug, um die Ausblicke tief in die Seele aufzunehmen. Genieße sehr die Besonderheiten unterwegs, das imposante Moosburger Kastulusmünster, kleine Dörfer mit zauberhaften Zwiebelturmkirchlein in Orten, die alle auf „lern“ enden. Einige ganz schlicht, gerade viele mit Gerüst, andere mit baulichen Rafinessen, unterschiedlichen Ebenen. Manche schlank und hoch, andere kugelrund und eher niedrig. Grinse mal wieder beim Gedanken, dass die Münchner ihren Flughafen ins Erdinger Moos gebaut haben, bekannt für die flache Ebene inmitten der Hügellandschaft – und als Nebelloch.
Komme schließlich in Isen an, die Kirche lässt von außen nicht erahnen, dass sich im Inneren bairische Pracht entfaltet, Bordüren und Engel, wohin das Auge blickt. Wie in einem Dom gibt es einen Vorraum, danach kommt man in einen Raum mit zwei Seitenschiffen. Ich bin verblüfft ob der Größe, mitten in einer Landgemeinde. Und bewundere die Akustik, wie mir heute eingefallen ist, hab ich da vor Jahr(Zehnt)en schon mal gesungen. Und eine Baukunst, die den strahlenden Sonnenschein durch die großen Fenster ins Bauwerk leitet und das Gold im Inneren weich und wunderschön zum Glänzen gebracht hat.
Auf der Heimreise (ich war da zu einer Beerdigung) hatte ich dann all die mit auf meiner Strecke, die dem kilometerlangen Heimreisestau auf der A8 ausgewichen sind. Ob sie es nur eilig hatten oder auch den ein oder anderen Blick in die wunderschöne Region geworfen haben? Und sich überlegt haben, das nächste Mal hier Zwischenstation zu machen?

Kleiner Exkurs: meine Nichte kennt neuerdings den Unterschied zwischen Zwiebelturm- und Spitzturmkirchen. Kann sie auch mit Bausteinen nachbauen: Spitzturm ist klar, langes Bauteil plus Dreieck. Zwiebelturm: langes Bauteil plus „ich brauche eine Zwiebel, kannst du mir eine holen!“

Farbiger Tag

Was war das heute für ein farbenfroher bunter Tag? Ich hoffe, ihr wart alle draußen und habt diese traumhaften Farben genossen? Schon beim ersten Blick heute morgen – war ziemlich früh, ich bin immer noch krank, huste  morgens meistens irgendwann so, dass ich davon dummerweise aufwache … – war ich einfach nur fasziniert, konnte mich an den Farben kaum sattsehen. Die Sonne, ein glühender Ball inmitten von verschiedensten Rottönen, fein abgestimmt mit orangenen und den ersten warmen Gelbtönen. Im Lauf des Vormittags dann das warme Strahlen der Sone, das die Welt eigentlich immer in etwas ganz Besonderes verwandelt? Wenn das so zum Fenster reinscheint taucht es auch die Zimmer, das Haus, jeden Raum in etwas ganz besonderes, verändert die Welt auch innen von Minute zu Minute.

Und den Nachmittag hab ich zwar wieder zum Teil verschlafen, aber das was ich gesehen habe, war schlicht TOLL: ein ganz feiner Schleier über der Landschaft, aber satter blauer Himmel, und darunter die eigentlich karge Winterlandschaft, die trotzdem in vielen Farben erstrahlt. Ich war ganz fasziniert, das sich vor allem am späten Nachmittag im beginnenden Abendrot die komplette Alpenkette abgezeichnet hat. Ganz deutlich sogar. Und wie schon die letzten Tage war das Abendrot nicht ein Farbton, sondern irre viele unterschiedliche Nuancen – an Tagen wie heute müsste man Maler sein? Oder zumindest die Kamera permanent im Anschlag haben, um  jeden Farbton einzufangen?

Obwohl: manchmal probier ich das ja aus und ganz oft stelle ich fest, dass die Natur es doch um Klassen schöner gezeigt hat. Also besser beide Augen auf und jeden Augenblick ganz tief in die Seele aufsaugen.