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Unterschied

Es gibt einen Unterschied, zwischen Freiheit und Verantwortungslosigkeit – den erklärt Florian Schroeder recht gelungen. Da steckt viel Wahrheit drin – wahrscheinlich wird sein Anliegen deshalb erst recht spät „erkannt“. Ich finds gut, deshalb poste ich es hier:

Und möchte in diesem Fall noch mal auf einen kleinen, entscheidenden Faktor hinweisen: durch mein vorsichtiges, rücksichtsvolles Verhalten schütze ich nicht in erster Linie mich, sondern meine Mitmenschen. Was genau ich tue? Vor allem und wie immer gründlich Hände waschen. Und wenn ich in der Öffentlichkeit, zum Beispiel beim Einkaufen oder an einer Tankstelle, auf einen oder eine Gruppe Menschen treffe, dann trage ich eine Maske. Und halte Abstand. Das alles schränkt mich kaum ein. Ich bewege mich viel, bin unterwegs, halte mich aber nach wie vor wo möglich von großen Ansammlungen fern. Auch das schränkt mich kaum in meiner Freiheit ein.

Und ich hoffe, dass ich dadurch nicht zum Überträger werde. Das ist es nämlich, was für mich viel schlimmer wäre, als selbst zu erkranken: einen anderen Menschen anzustecken …

Paula und Frau Igel: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Paula macht sich Sorgen, den ganzen Winter über hat sie nichts von ihrer liebenswerten Nachbardame Frau Igel gehört. In den letzten Jahren hatte die sich im unbewohnten Nachbarsgarten unter einem aufgetürmten Haufen alter Äste, Zweige und Tonnen von warmem Laub häuslich niedergelassen. Jetzt wohnen aber schon den zweiten Winter die Nachbarsmädels samt Familie nebenan. Und zumindest in den warmen Monaten tollen die lautstark und ohne Rücksicht durch den Garten. Der große Haufen hinten im Eck ist einer Schaukel gewichen. Wo mag nur die nette Igeldame hingezogen sein?

Da endlich, eines schönen Frühlingstages hört sie das altvertraute Husten. Hört sich nach einem alten Kettenraucher an. „Da sind sie ja wieder, Frau Igel,“ ruft Paula erfreut rüber. „Wie ist es Ihnen ergangen? Und wo wohnen Sie denn jetzt?“

Die Igeldame kommt langsam und gemächlich zum Zaun gelaufen. „Hallo Paula, schön Sie zu treffen. Ja, ich bin umgezogen. Die Mädels verbreiten mir im Garten zu viel Hektik. Und der Vater hat meinen ganzen schönen Haufen mit so einem komischen Teil zu winzig kleinen Stückchen gehäckselt … Aber wissen Sie was: unter der Terrasse, da liegt so viel rum. Da hab ich mir eine schöne neue Höhle ausgesucht. Eigentlich sehr luxuriös sogar. In einem roten Rohr hab ich es mir gemütlich gemacht. Das hat genau meine Größe.“

Jetzt kommt Frau Igel sogar richtig ins Schwärmen: „Ich hab sogar einen kleinen Vorhof und Möbel aus anderen Utensilien, die beim Bau übrig geblieben sind. Ein gelbes Teil nutze ich als Sofa, ein Stein ist mein Bankerl in der Sonne, und stellen Sie sich vor: ich hab sogar eine Hängematte. Da schaukle ich so gern. Den ganzen Winter über hab ich in meinem neuen Zuhause wirklich himmlisch geruht. Nicht mal die Spinnen und Käfer verlaufen sich bis zu mir. Ha. Für heute verrate ich nicht, wo genau – aber Sie hören mich ja husten.“

Und über die Tage treffen sich die Hunde- und Igeldame wieder wie gewohnt morgens und abends am Zaun für einen ausgiebigen Plausch. Über alles, was so in den Nachbarsgärten vor sich geht, die zwei sind schließlich aufmerksame Beobachterinnen. Wie es sich gehört natürlich, die beiden halten sich an das, was vorgegeben wird – mit ausreichend Sicherheitsabstand.

Spruch zum Wochenende: Zeit

Ein französisches Sprichwort lautet: „Man muss der Zeit ihre Zeit lassen.“ Und so ist es. Normalerweise sind 4 Wochen viel Zeit, ein langer Urlaub, genug Auszeit. Wenn man so lange zu viel gearbeitet hat, reichen 4 Wochen gerade mal, ein bisschen runterzukommen. Ich merke erst jetzt nachhaltig, wie sehr Körper und Geist gestresst waren. Insofern werde ich der Zeit noch Raum geben, um irgendwann in der Erholung anzukommen …

Distanz [*.txt]

Einen Meter, mindestens, manchmal auch mehr – brauche ich, zwischen mir und Menschen, die ich nicht kenne. Diese Distanz hilft mir, erst mal anzutesten, ob ich den anderen „riechen“ kann. Mit seiner Energie klarkomme. Näher sollte mir ein Fremder besser nicht kommen. Das ist mein persönlicher Abstand. Und ich respektiere das auch bei anderen. Näher kommen kann man sicher immer noch. Später. Wenn man sich schon beschnuppert hat. Oder auch nicht.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 16. Wort lautet “Distanz”.