Schlagwort-Archive: abschied

Spruch zum Wochenende: Abschied

Es ist Zeit, viel zu früh, wenn auch seit langem erwartet. Zeit, in diesen herbstlichen Novembertagen zu hoffen, dass er noch mal Sonne und Farben und gelebtes Leben tief in sich aufnehmen darf, auf dass ihn  ein paar Sonnenstrahlen kitzeln und zum Lächeln bringen. Zeit, den Papa meiner besten Freundin los zu lassen, ihn und sie und alle seine Lieben auf den letzten Metern zu begleiten, gedanklich. Leider habe ich sein „kimmst wieder“ wohl zum letzten Mal gehört, aber wir werden es uns ganz in seinem Sinne tief im Herzen bewahren. Beziehungsweise fortführen. Und einmal mehr muss ich bemerken, wie nahe wir uns in solchen Zeiten kommen können. Diesem Gedanken widme ich meinen Spruch zum Wochenende: „Abschied ist die innigste Weise menschlichen Zusammenseins.“ (Hans Kudszus)

Bye, bye, Kindergartenliebe

Meine Patenmädels verbringen ihre letzte Tage im Kindergarten. Vor den großen Ferien heißt es endgültig Abschied nehmen von den gewohnten Räumen und Menschen, den liebevollen Kindergärtnerinnen – auch von einem Teil der Freunde und Spielkameraden, weil ja nicht alle Vorschulkinder waren. Beide können es selbstverständlich nicht erwarten, endlich in die Schule zu gehen … dabei: das kommt nie wieder. Kindergartenzeiten. Aus und vorbei. Zum Abschluss gibts ein Fest, die zukünftigen Erstklässler durften einen Tag lang voll Stolz ihren Schulranzen rumschleppen, damit die Kleineren recht neidisch werden. Und es auch gar nicht erwarten können. Dass sie endlich in die Schule dürfen. Nur das Tantenherz, das hätte sich durchaus noch länger über den Kindergarten gefreut – seufz. Na ja, vielleicht bin ich nur etwas melancholisch, weil natürlich auch ich damals kaum erwarten konnte, endlich in die Schule zu gehen. Und dann – dann folgten 13 Jahre. Mehr oder minder erfolgreich (ist schließlich Ansichtssache). Aber vor allem Ernüchterung … Keine Sorge, ich tue natürlich alles, damit die Mädels sich auch weiterhin so was von freuen. Und werde spätestens in ein paar Jahren auch geduldigst das Gemotze über nervende Hausaufgaben ertragen. Seufz 🙂

Irgendwie anders

Dieses Wochenende waren die beiden Patenmädels etwas, na ja, nennen wir es mal irritiert: die bezaubernde Nichte hat sich mit den neuen Bedingungen rund um die Baustelle bestens arrangiert. Nur dass ich da jetzt arbeite, anstatt mit ihr zu spielen, dafür reicht das Verständnis definitiv nicht. Am Samstag reiste sie nebst der Mama an – es gab das bestellte Mittagessen und die Oma als Entertainment-Programm. Trotzdem wurde gemotzt. Lautstark. Ok, ich wollte auch noch unbedingt was fertigbekommen, und das hat gedauert … Wir haben also eine zeitliche Vereinbarung getroffen, sie durfte als kleine Belohnung – das dürfen kleine Kinder nämlich eigentlich nie nicht – mit auf den Dachboden klettern und beim Fenster hinausspähen. Ganz schön tief. Später gab es dann ausgedehntes Schaukeln, Fangen und Verstecken spielen – und sogar Besuch ist zum Prinzessinnen-Picknick auf der Frühlingswiese vorbeigekommen. Kuchen und Kekse von Prinzessinnen-Tellern. Und eine neue Freundin, die schon etwas älter ist und toll malen kann. Und auf alle Anweisungen reagiert, also zumindest fast. So schnell ist die Welt dann wieder ziemlich in Ordnung?

Für Mademoiselle war die Kommunion des großen Bruders in der Theorie ok, denn die geliebten Großeltern und alle möglichen anderen Menschen kommen. Und bringen Geschenke. Nur nicht alle hatten etwas für sie dabei. Ich ehrlich gesagt auch nicht, das hab ich einfach vergessen … Aber: es gab eine großartige Hello-Kitty-Tasche, passend zur einen Strickjacke (es mussten eine in blau und eine in rosa eingepackt werden, sie will für jede Gelegenheit passende Outfits dabei haben) mit viel Glitzer. Da passten die Kekse und die beiden Spielpackungen rein, die sie bekommen hat. Aber so ein kleines bisschen war ihr die Enttäuschung dann doch anzumerken, dass nicht jeder an sie gedacht hat. Entschuldigung! Und mein Herz hats schon etwas zerrissen, dass der Trennungsschmerz dieses Mal beide Patenkinder erwischt hat, beim Großen war ich vorbereitet. Aber auch bei der kleinen Schwester flossen die Tränen in Strömen über die Wangen, als es ans große Pfiade-Sagen ging. Das war echt traurig!

Gut, dass das nur einzelne Tage sind und längst wieder Alltag herrscht …

Kimmst wieder

Manches bleibt, wie es immer war, manches ändert sich: zu Weihnachten gehörte in früheren Jahrzehnten, dass wir am späteren Abend in die Kneipen der kleinen Stadt zogen. Um dort Freunde zu treffen und die Nacht zu feiern. Getroffen haben wir uns im Elternhaus meiner besten Freundin, nicht ohne etwas Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, nett zu ratschen, viel zu lachen. Wir waren herzlich willkommen – und zum Abschluss hat ihr Papa uns immer mit den Worten „Kimmst wieder“ verabschiedet, was gleichzeitig ein Danke für den Besuch und eine Einladung für ein baldiges Wiedersehen war.

Seit einer schweren Erkrankung vor Jahren sind die Dinge anders. Er, der jahrzehntelang die Geschicke der Familie gelenkt hat, stark war und voll Lebensfreude, ist heute auf Hilfe angewiesen. Er wird fürsorglich umsorgt und merkt, dass er von Liebe umgeben ist. Nur kann er leider sonst wenig mit Gegenwart oder jüngerer Vergangenheit anfangen, vergisst, zieht sich schnell zurück. Hat er sich früher in Gesellschaft wohlgefühlt sind ihm viele Menschen heute schnell zu viel. Da reicht schon einer, den er nicht mag … Ich bin dankbar, denn wenn ich komme bleibt er. Und fragt er, wie es mir geht. Bietet mir etwas zu trinken an. Und verabschiedet sich wie früher mit einem liebevollen“Kimmst wieder“. Nur bedeutet es mir heute viel mehr – und ich bewahre den Moment tief drin im Herzen auf …