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Ich gehe langsam

„Ich gehe langsam aus der Welt heraus, in eine Landschaft jenseits aller Ferne, und was ich war und bin und was ich bleibe geht mit mir, ohne Ungeduld und Eile, in ein bisher noch nicht betretenes Land.

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus, in eine Zukunft jenseits aller Sterne, und was ich war und bin und immer bleiben werde geht mit mir, ohne Ungeduld und Eile, als wär ich nie gewesen oder kaum.“ (Hans Sahl)

Gestern ist der Holzner Opa gestorben, der Großvater meiner Schwägerin in Spe. Der Freundin meines kleinen Bruders. Ein Hundertjähriger, der gerade seinen runden Geburstag mit einer großen Gesellschaft gefeiert hat. Mit vielen schönen Worten und Werken, seine eigenen haben eine ganze Ausstellung gefüllt. Seit er aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekommen ist hat er sich seinem Hobby, der Schreinerei, gewidmet. Viele Möbel, besondere Einzelstücke und einen Altar hat er in seinem Leben gemacht. Die schönsten Werke konnte man bei der Geburtstagsfeier wie in einem Museum bestaunen. Er selbst hat sich gefreut, war aber ganz bescheiden, ist schließlich nur sein Hobby gewesen, also alles nichts besonderes. In seiner Werkstatt hatte er seine Ruhe, hat das Hörgerät ausgeschaltet und mit dem Holz gearbeitet. Dinge erschaffen, die bleiben. Und ewig an ihn erinnern werden, wie die Holzkiste meiner Eltern, das Leiterwagerl der bezaubernden Nichte …

Tagebücher – 100 Jahre alt

Wir leben im Jahr 2014 – vor 100 Jahren war die Situation bedrohlich, beängstigend, unsicher, unplanbar.  So unmittelbar stand der 1. Weltkrieg bevor. Der so unglaublich viel verändert hat. Immer wieder erschrecken mich die Bilder der Mobilmachung, die jungen Männer mit blumengeschmückten Gewehren, geradezu umjubelt zogen sie durch die Straßen. Als ob sie mal eben als Team bei einer Sportveranstaltung antreten wollten. Und die Abschiedsworte von so vielen waren: Spätestens Weihnachten sind wir wieder daheim …

Ich habe vergangene Woche zufällig eine  TV-Dokumentation gesehen, die unter der Überschrift „14 – Tagebücher des Ersten Weltkriegs“ über die Vorgeschichte und den Aufbruch, von der Front, aus der Heimat und vom Kriesgende berichtet. Das sind keine Geschichtsbücher, die neutral über politische Geschehnisse und deren Folgen erzählen. Das ist gelebte und erlebte Geschichte. Aus privaten Tagebüchern, von Menschen aus ganz Europa, mit ihrer Sichtweise, ihren Gefühlen, Ängsten, Träumen, Sehnsüchten und Befindlichkeiten … Mir fehlt noch die letzte Folge, das, was ich bislang gesehen habe, macht mich nachdenklich, beschäftigt und bewegt mich – auch wenn es Vergangenheit ist – sehr!

Habe eben eine Seite gefunden mit den Hintergründen – alle 4 Folgen sind noch bis zum 4.6. verfügbar. Vielleicht hat noch jemand Interesse. Sind hier abrufbar. Und es gab schon vor Wochen 6 Beiträge im Radio, mehr kann man hier nachlesen/hören.

Mensch ärgere dich nicht

Leichter gesagt, als getan: nachdem ich seit einigen Wochen wieder das Gefühl habe, dass ich in meiner Wohnung nicht immer Warmwasser und vollen Wasserdruck habe, heute morgen in einem – nach einigen Minuten dann erfreulicherweise zumindest – lauwarmen Rinnsal geduscht habe UND mein Geschirrspüler kein heißes Wasser produziert, mein Geschirr ergo schmutzig bleibt … war die Zeit reif, meinen Vermieter anzusprechen. Kurzer Exkurs: ich hatte in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit Wasser. Das gipfelte in morgendlichen Duschen, bei denen das Wasser innerhalb einer hundertstel Sekunde von warm auf eiskalt, brühend heiß, dann wieder kalt schaltete. Nicht sehr angenehm? Hat mir im November auch eine bös expoldierte Ader im Auge beschert. Also kontaktiere ich vormittags meinen Vermieter, schildere meine Probleme und biete an, ihn bei der Lösung des Problems konstruktiv zu unterstützen, wo ich kann. Seine Reaktion: „Liegt nicht nur an den Wasserhähnen, die vielleicht verkalkt sind?“ … Ja, nein, sehr gerne werde meinen Abend damit verbringen, das gründlich zu überprüfen. Mensch ärgere dich nicht …

Wann hab ich das eigentlich zum letzten Mal gespielt? Sollte ich vielleicht heute abend dann nach dem Check machen. Da kann man sich so herrlich aufregen, lachen, über sich selbst, über andere. Welcher Typ seid ihr? Gewinner oder Verlierer? Locker oder relaxed? Ich bin Spieler, will zwar gewinnen, wenn ich keine Chance sehe habe ich aber schon längst mit der aktuellen Runde abgeschlossen. Und bin gedanklich weiter, in der nächsten Chance. Als Kind kann ich mich erinnern, dass meine Schwester durchaus mal das Brett vor lauter Wut leergefegt hat, wenn jemand anderes gewonnen hat. Mensch ärgere dich nicht hat übrigens Geburtstag, eigentlich ein guter Anlass, das mal wieder aus dem Schrank zu holen, oder?

Ach ja: Rinnsal sei Dank hab ich heute einen total verkorksten Bad Hair Day – Mensch ärgere dich nicht?