Sich mal wieder wie 13 fühlen

Darf man, egal wie alt man ist. Macht am meisten Spaß mit einer lieben Freundin. Und am besten haben gerade alle beide Liebeskummer, sind frisch verliebt, schwärmen unsterblich für einen Musiker, Schauspieler, oder oder oder. Ganz wichtig ist: wenn man sich wie 13 fühlt ist nichts peinlich. Man kann gemeinsam lachen, sich alles vorstellen, alles ist möglich, alles kann passieren. Die Welt steht offen, es gibt keine Grenzen, der Phantasie wachsen Flügel. Man fühlt sich unschlagbar. Freundschaften werden für immer geschlossen. Das ganze Leben liegt vor uns, dennoch ist heute wichtiger als alles andere. Das Hier und Jetzt ist so unglaublich groß!
Wieder mal 13 sein ist wichtig, man sollte sich dafür nie zu erwachsen sein, im Gegenteil. Es tut irre gut, öfter mal alles zu fühlen, zu erleben, zu entdecken, wie mit 13.

Einen Vorteil hat es allerdings, sich wie 13 zu fühlen, auch wenn man etwas älter ist: die Elternentscheidungen verlieren an Einfluss 🙂

Die Welt vom Riesenrad aus

Ich bin kein Fan von Fahrgeschäften. Das darf jeder halten, wie er mag – für mich ist Looping, über-Kopf-hängen und alles, was sich einfach nur schnell dreht, nichts. Ich hab Höhenangst – oder eher Kontrollverlustangst? In jedem Fall ist das einzige Ergebnis einer Fahrt in einem typischen Jahrmarktsfahrgeschäft, dass mir übel ist. Alles ausprobiert, an der Tatsache ändert sich nichts, deshalb verzichte ich seit Jahren einfach drauf und hab Spaß am Leben.
Nur auf eines möchte ich nicht verzichten: auf die alljährliche Fahrt im Riesenrad auf der Münchner Wiesn. Da denke ich nicht an meine Höhenangst. Das ist mir heilig. Schon beim Einstiegen werde ich wieder ganz klein, bin Kind, darf mit großen, neugierigen Augen in die kleine Kabine. Es gibt noch ein paar Halts, bis alle Fahrgäste eingestiegen sind. Am schönsten ist der Moment, wenn man ganz oben ist und die Gondel stillhält. Dann schaue ich, sauge alles, was ich sehe, in mich auf, genieße den Blick von oben auf die kleine Welt zu meinen Füßen. Die vielen Menschen werden winzig, wie Ameisen. Die großen Zelte, die Fahrgeschäfte, alles leuchtet bunt, aber auch einfach nur warm und hell. Der Trubel, den man unten manchmal so gar nicht genießen kann wird so weit oben nebensächlich. Es kommt auf diesen Ausblick an.
Am einen Ende der Oktoberfestwiese thront die Bavaria, nachts hell beleuchtet. Ganz weit hinten die Paulskirche, wo in den 16 Wiesn-Tagen so ziemlich jeder Besucher einmal vorbeikommt. Die beiden und das Riesenrad könnten wahrscheinlich Milliarden von Geschichten erzählen, so viel haben sie schon gehört und beobachtet? Oben bin ich meist ziemlich still, andächtig, sauge jeden Blick in mich auf – genieße diese ganz besonderen Aus- und Augenblicke. Ich bin dankbar, dass ich das erleben darf, klar. Aber auch irgendwie größer und weiter als normalerweise. Wenn man so über allem schwebt ist es, als ob die Welt größer wird. Oder die Perspektiven sich verschieben?

Ganz egal, mir gefällts. Und es ist – jetzt mal gemessen an dem, was sonst so im Angebot ist – eigentlich nicht gefährlich. Und das gefällt mir sogar noch besser. Und meine Bitte an alle, die darüber jetzt schmunzeln, weil sie selber viel mutiger sind als ich: fahrt bitte auch in Zukunft alles andere, dann muss ich am Riesenrad nicht lange anstehen 🙂

Das ist meine schöne WiesnZeit! Falls ich zu mehr komme dann wirds hier zu lesen sein!

Was mich beschäftigt und was ich meinen Patenkindern gerne erzählen würde

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