Der erste Schnee

Heute oder spätestens morgen ist es soweit: der erste Schnee kommt. Für mich ist das jedes Jahr ein besonderes Erlebnis. Kann mich gut erinnern, als vor Jahren der erste Schnee der Jahres am 25. September ganz sacht vom Himmel fiel … Klar, das ist sogar mir zu früh. Und auch ich kann mich dann nicht ganz von dem Gedanken an schmierige Straßen, Sommerreifen, Staus und vielleicht auch überflüssige Unfälle freimachen. Aber spätestens wenn die Flocken da sind find ichs einfach nur faszinierend. Und ist euch schon mal aufgefallen, dass alles leiser wird, richtig ruhig ist die Welt, wenn Schnee fällt? Gerade beim allerersten Schneefall ist das so ein wirklich besonderes Gefühl, das einen überkommt. Das ist ganz so ein Empfinden von: die Welt hält jedes Mal bei Schnee ein Stück weit den Atem an, alles wird zugedeckt, alles verlangsamt sich, alles kommt ein Stück weit zur Ruhe.

Ich bin nicht dafür, dass der erste Schnee im September fällt, wie vor Jahren an besagtem Wiesn-Donnerstag, wo sich jeder eine höllische Erkältung eingeholt hat und vor allem die nassen Füße auf dem Heimweg einfach nur unangenehm waren.

Ich brauche auch noch keinen Schnee im Oktober, wenn meine Winterreifen noch nicht auf dem Auto sind und ich mich innerlich schon darauf einstelle, nicht nur langsam und vorsichtig zu fahren, sondern einmal mehr mit dem 360-Grad-Radar unterwegs zu sein, weil es zu viele Autofahrer gibt, die auch ohne winterliche Straßenverhältnisse besser einfach zu Hause geblieben wären.

Ich brauche auch noch keinen Schnee im November, da möchte ich gern noch etwas den Herbst verlängern, ich hätte gerne Sonnenschein, klare Tage und kühle, sternklare Nächte.

Aber im Dezember, da mag ich Schnee. Gerne viel, so dass er eine Chance hat, liegenzubleiben. Es darf ein paar Tage richtig durchschneien, so wie in dem Jahr, in dem meine fabelhafte Nichte geboren wurde. In einer richtig winterlichen Zeit war das. Mit viel Schnee, sogar Eis, die Welt war leise und ruhig, viele sind gern zu Hause geblieben, der Rest stand im Stau. Das hab ich in meiner Erinnerung ganz tief abgespeichert, es war einfach ein toller Winter. Ich hab mich irgendwann mal auf den Weg zu meiner Schwester und Familie gemacht, als echtes Schneechaos herrschte – aber ich mag sowas. Und bei der Ankunft gabs tiefblauen Himmel und Sonnenschein – und eine herrlich glitzernde Schneelandschaft 🙂

Das ist nämlich das Tolle am Schnee: wenn es auch ein paar Tage chaotisch ist, weil alle Räumfahrzeuge trotz Wettervorhersage ganz unerwartet mit dem Schnee zu kämpfen haben und die meisten Verkehrsteilnehmer schlicht nicht unterwegs sein sollten: sobald die Straßen frei ist, der Schnee über der Landschaft liegt, die Temperaturen kalt bleiben und die Sonne scheint: was bitteschön ist gegen eine tiefverschneite, herrlich ruhige Landschaft einzuwenden? Und das darf von mir aus gerne den ganzen Winter dauern, also von Dezember bis März.

PS: in meiner Kindheit waren die Winter ein herrliches Abenteuer, mit richtig viel Schnee! Höhlen graben, Schneemänner bauen, Schneeballschlachten an der Bushaltestelle, Schlittenfahren, Engel fliegen lassen …. ja, ja, ja, weiß schon: das wird nach dem ersten Schnee dieses Wochenende nicht klappen, aber da tuts auch etwas warm eingemummelt durch Schneegriesel zu stapfen und die Ruhe zu genießen? Den Rest planen wir dann, wenn es richtig Winter ist!!!!

Geschwister-Duett

Liebe Patenkinder,

eben hat mir euer Papa zur Einstimmung auf den heutigen Abend ein kleines Video geschickt, darauf zu hören und zu sehen: ihr zwei beim nachmittäglichen Geschwister-Duett.

Der große Bruder: Text und Melodie

Die kleine Schwester: Percussion und 2. Stimme

Sooooo süß! Das war eine wunderbare Idee an einem Tag, an dem ich trotz Traumwetter nicht so richtig in meinen Tag gefunden habe. Und jetzt freu ich mich auf den Abend, auf hoffentlich tolle Stimmen, nette Überraschungen und wunderbare Musik! Dankeschön an euren Papa, der mich damit auch an einen Sommernachmittag im letzten Jahr erinnert hat: auf eurer Terrasse mit Blick über den Genfer See, wir alle drei ausgerüstet mit einem dicken Buch voll mit Kinderliedern. Das hat – zumindest mir – riesengroßen Spaß gemacht. Sollten wir bald mal wieder in Angriff nehmen? Und da ihr in der Schule nur französische Lieder singt müssen wir schließlich auch mal die deutschen Highlights üben? 🙂

Ach ja, nicht zu vergessen: der Mont Blanc war damals nicht zu entdecken und ich halte es weiterhin für ein Gerücht, dass man den von eurer Terrasse aus sieht. Da hilft auch Photoshop nicht wirklich!

Und jetzt einen schönen Abend an alle, unabhängig davon, ob ihr mit mir The Voice kuckt oder nicht!

Entwicklungschancen

Hatte gestern ein Seminar, wie so oft in Trainings geht es um Status, Stärken, Entwicklungschancen, Analysen, Auswertungen, praktische Übungen, Besinnung und Neuentdeckungen. Etwa zur Halbzeit, also bevor der lange Nachmittag startet und man, respektive ich, mit Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat, brachte die Trainerin einen Spruch, der bei mir einen Denkprozess in Gang gesetzt hat: „Jeder Erwachsene sollte diese Eigenschaften (also z.B. Denker oder Fühler) als Entweder-Oder haben. Natürlich kann man sich noch in die eine oder andere Richtung entwickeln, aber es ist nicht wie in der Kindheit, wo alle Optionen offen sind. Die Anlagen sind geprägt. Man muss sich aktiv und bewusst bewegen, um sich zusätzliche Eigenschaften anzueignen. Man sollte nicht vorhandene Eigenschaften dabei immer unter dem Aspekt betrachten, ob es von anderen als Schwäche ausgenutzt werden kann.“

Als Kind entwickelt man sich täglich, ohne Strategie, ohne Stärken-Schwächen, ohne Swot-Analyse, man wird von vielen Faktoren beeinflusst, aber beeinflusst die Entwicklung der wichtigsten menschlichen Grundanlagen wie Persönlichkeit und Charakter nicht nach Karriere- oder Performance-Zielen. Und trotzdem bewegt sich da richtig was. Wenn ich es so reflektiere, dann klappts bei den meisten Kindern ganz ordentlich? Auch unter Anleitung, die Eltern, Kindergarten, Schule, Lehrer, ältere Freunde, Geschwister …. Bei Erwachsenen – na ja. Kommt immer darauf an? Trainer und Coaches sind auch Wegbegleiter, hochbezahlt. Die über einen gewissen Zeitraum begleiten, führen, leiten, zum eigenen Weg verhelfen. Aber bleibt das Erlernte bestehen? Hab bislang selten Führungskräfte erlebt, die sich nach einem Coaching, nach Trainings und Seminaren wirklich langfristig und mit nachvollziehbaren Ergebnissen positiv weiterentwickeln konnten? Bewusstsein geschaffen ja, aber spürbar verbessert?

Ich bin heute zu fertig, hab nicht so die gedankliche Analysestaerke, deshalb vertage ich das Thema einfach, greife es bei passender Gelegenheit wieder auf – und sag für heute: einen schönen Tag euch allen. Und vielleicht hilft es oft am meisten, nicht nur seinen eigenen engsten Kosmos im Auge zu behalten, sondern offen für die Umgebung zu sein. Loslösen vom Kalender und von den Verpflichtungen – und auch mal kurz darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist? Kann man ja zumindest nie oft genug klarmachen, dass jeder Tag im Leben genau einmal stattfindet. Heute wird nicht so mein Tag werden, aber ich mach trotzdem das beste draus – oder?

Autofahren

Ich liebe Autofahren – aber erst, seitdem ich erwachsen bin und selbst der Fahrer bin. Als Kind hab ichs gehasst. Und zwar so richtig. Meine ersten Erinnerungen an Autofahren stammen natürlich aus einer Zeit, in der es keine Kindersitze gab. In der man auf der Rückbank liegen, sitzen, stehen – was auch immer  – konnte. Im alten Käfer meiner Eltern haben wir kaum weite Strecken zurückgelegt. Die Fahrt zu den Großeltern ein paar Kilometer, zum Einkaufen maximal 20 Kilometer. Vom Land nach München knappe 60 Kilometer. Und trotzdem mochte ich nicht gerne Autofahren – oder besser im Auto mitfahren.

Ich hatte als Kind alle Anzeichen von Reisekrankheit, mir war übel, ich bekam Kopfschmerzen, mir war schnell fad, ich mochte es nicht, dass man im Auto so ein Gefühl von eingesperrt sein hatte. Ich mochte den Geruch im Auto nicht, mochte aber auch kein offenen Fenster wegen dem Zug. Spätestens als meine Geschwister mit unterwegs waren war es selbstverständlich auch immer zu eng, wir mussten uns später anschnallen, irgendwann gab es erste Sitze … ich konnte unterwegs sein mit dem Auto nie wirklich leiden.

Wenn ich mir anschaue, mit welchem Komfort Kinder heute im Auto unterwegs sind – schon anders! Ein komplettes Bespaßungsprogramm an Spielzeug hängt vor den hochmodernen Kindersitzen, die auch noch bequem auf die Körpergröße abgestimmt sind, man sieht sogar nach draußen. Alles ist griffbereit, Essen, Trinken, Lieblingsstofftiere, Bücher. Und trotzdem glaube ich, dass ich, wäre ich heute Kind, genauso wenig gerne im Auto längere Strecken zurücklegen würde – wie meine Nichte, die nicht gerne im Auto fährt. Zumindest meistens. In dem Alter versteht man sicherlich nicht, dass der Weg zum Ziel führt, das Raum-Zeit-Verständnis fehlt. Klar steigt sie gerne ins Auto ein, wenns zu Oma und Opa geht – aber dann dauerts. Und man sitzt hinten drin und wartet. Die Vorfreude ist längst da, wann sind wir endlich da?

Und so ein Stück weit langweilig bleibt es aus Sicht eines Kindes wohl doch auch im modernen Zeitalter?

Aber – und das ist aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel das Gute daran – heute liebe ich Autofahren. Seit ich den Führerschein habe fahre ich  wenn möglich selber, genieße es, das Tempo vorzugeben, die Route zu wählen. Mir wirds nur noch übel, wenn ich hinten mitfahren muss und jemand, na ja, nennen wir es mal so: nicht so gut Autofahren kann. Und heute genieße ich jede Sekunde, die ich fahren darf. Für mich ist der Weg das Ziel. Ich genieße die Strecke, die Ausblicke unterwegs. Das kann herrlich entspannend sein!

So wie gestern, als ich aus dem etwas nebligen Norden in den supersonnigen Süden hineingefahren bin. Von München aus ein freier Blick auf die komplette Bergkette, herbstliche Wälder, der Sonneneinfall so, dass man rund um sich eine wunderbar bunte Landschaft zu sehen bekommt. Darüber zwei Heißluftballone, die Fahrer haben aus luftiger Perspektive den Spätsommertag genossen. Der Vorteil, wenn man an einem Sonntag erst spät in Richtung Berge fährt: man steht nicht im Stau, sondern genießt die freie Fahrt vorbei an den Rückkehrern vom Starnberger See. Dann nimmt man eine Ausfahrt und verlängert das Genießen noch um ein paar Kilometer beim Autofahren. Der Weg ist das Ziel – außer wenn man bei lieben Freunden ankommt, herzlich willkommen geheißen wird und sich einfach nur rundum wohlfühlt! Dann vereint sich Weg und Ankommen und Einfach-Da-Sein.

Danke für die Einladung an Claudia&Andi, es war ein so schöner, intensiver Abend, Lenas BIld hat schon einen Ehrenplatz bekommen 🙂

Was mich beschäftigt und was ich meinen Patenkindern gerne erzählen würde

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