Wartezimmer-Philosophie

Dieses Mal ist’s keine simple „3 Tage kommt sie, bleibt sie, geht sie“ Erkältung. Hab mir einen hartnäckigen grippalen Infekt eingeholt, war heute noch nix mit wieder arbeiten gehen. Dafür durfte ich ins Wartezimmer beim Landarzt. Und hab mir einen Denkanstoß abgeholt. Da saßen mit mir 5 Menschen unterschiedlichster Altersstufen. Jeder hatte in den letzten Wochen, 3 an Weihnachten, eine Lungenembolie. Einer ist Mitte 40, letztes Jahr Herzinfarkt ohne Vorzeichen. Musste wiederbelebt werden, nach 3 Wochen Koma und mehreren Monaten Auszeit geht er seit November wieder 2 Tage arbeiten. Es wurde zu viel, an Weihnachten Lungenembolie. Ein Rentner in den 70ern fühlte sich topfit, wurde im Dezember gegen Magenschmerzen behandelt. Kurz vor Weihnachten Notoperation, im Krankenhaus wurde eine Lungenembolie konstatiert. … Ok, den dezenten Hinweis des Schicksals hab ich verstanden. Nichts überstürzen, ich brauche eben etwas mehr Zeit zum Gesundwerden. Erziehe mich grade vom Ungeduldsbolzen zum geduldigen Patienten. Dauert, aber ich hab sonst grad nichts Wichtigeres vor. Und Punkt.

Outing

Wenn man mit grippalem Infekt zu Hause rum liegt langweilt man sich schnell, außer dem Bücherregal, neuen Blogposts und TV-Programm gibts grad nicht so sehr viel Abwechslung. Dafür durfte ich gestern gefühlt fast live das Outing eines ehemaligen Bundesliga- und Nationalspielers miterleben. Ein großer Tag. Für den deutschen Fußball. Und für die Gesellschaft. Ich freu mich sehr über die vielen positiven Reaktionen. Immerhin ist es der erste männliche deutsche Fußballprofi, der sich outet. Der damit, glaubt man den Medien, eine Lawine lostritt. Wirklich? Das bleibt abzuwarten. Jetzt ist das Thema raus. Zu einem sehr guten Zeitpunkt für die öffentliche Wahrnehmung. Das ist aber mit vielen wichtigen Themen so. Sie bestimmen die Schlagzeilen. Manchmal Tage. Manchmal Wochen. Und geraten danach wieder in Vergessenheit. Beziehungsweise ist es ja in diesem Fall eher so, dass es für eine Mehrheit der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin eben kein Thema, vollkommen normal, nicht der Worte wert ist. Denn wir leben in der Überzeugung, dass jeder Mensch so leben soll und darf, wie er es möchte. Ob in einer Beziehung mit dem Partner für den man sich entschieden hat, ob ohne, ob mit Kindern oder ohne.
Ist es das nicht? Theorie und Praxis sind nicht für jeden Menschen identisch. Jeder kann in der Theorie leben, wie er möchte. In der Praxis gibt es einen Grund, warum ein Outing auch im Jahr 2013 nicht selbstverständlich und vor allem nicht einfach ist. Ich bewundere Thomas Hitzlspergers Mut, habe aber mehr als Verständnis, dass er sich professionelle Hilfe holt, dass eine PR-Agentur seine Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Auch wenn der Schritt wohlüberlegt und der Wunsch nachvollziehbar, als Mann mit einem Mann auch öffentlich Zusammenleben zu wollen, auch wenn jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Andere mit Vorbereitung über eigene Emotionen und Gefühle sprechen zu lassen ist ein Selbstschutz. Um nicht zu viel aus dem Privatleben auszuplaudern. Was man später bereuen könnte. Dazu gibt es Homophobie, die man nicht einfach außen vor lassen sollte. Sie ist genauso da wie Normalität und Toleranz. Und braucht genauso Beachtung und Zeit zur Reflexion.

Neue Abkürzung gelernt: PANK – kinderlose, kinderliebe Profi-Tante

Kürzlich habe ich beim Studium der Süddeutschen Zeitung eine neue Abkürzung kennengelernt: PANK – kinderlose, kinderliebe Profi-Tanten. „Sie lieben die Kinder anderer Leute: Beruflich erfolgreiche Singlefrauen, die Zeit und Geld in ihre Nichten, Neffen und Patenkinder investieren.“
Oder auf Englisch: professional aunt no kids, was mal schnell mit „Profi-Tante ohne Kind“ übersetzt wird. Bin ich eine dieser Damen, die zumindest von Werbemachenden für sehr real, definitionswürdig und kaufkräftig gehalten werden?

Die Checkliste
Kinderlos und kinderlieb: ja und meistens ja.
Profi-Tante: wär ich gern, wenns da Trainings gibt bin ich sehr interessiert.
Investieren Geld und Zeit mit Leidenschaft in den Nachwuchs anderer Leute: Hm, Geld ist relativ. Zeit ja, gerne, aber in Maßen, je nach Energiereserven und nicht unendlich. Und es sind nicht irgendwelche Leute, sondern Geschwister und Freunde …
Von Beruf Tante: definitiv nicht. Manchmal würd ich sogar sagen: leider nicht.
Beeinflussbar durch eine Community für coole Tanten: meine eigene Kreativität und Phantasie ist ganz gut, manchmal wünsch ich mir aber ein Forum für Zeitmanagementsystem oder einen sinnvollen Ideengeber für tolle Tantentricks für Berufstätige 😉 auf der im Artikel empfohlenen Community werd ich also mal vorbeischauen
Größter Fan am Spielfeldrand: da muss ich nicht lange überlegen – sollte eines meiner Patenkinder sportlich aktiv werden oder sonstwo Publikum brauchen, vollkommen klar, dass ich nach zeitlicher Möglichkeit in der ersten Reihe sitze!!!

Ähnlich, wie der Artikel sich kritisch mit dem „Trend“ auseinandersetzt kann ich nur schlussfolgern: mag sein, dass man unter dem Begriff eine breite Zielgruppe zusammenfassen kann. Ich sehe mich aber nur in Randschnittmengen. Ja, ich bin ganz schön gerne Tante und Patentante, definiere das aber am liebsten als große oder erwachsene Freundin. Mit Pflichten, aber auch Rechten. Und am liebsten ist es mir immer noch, wertvolle Zeit mit meinen kleinen Freunden zu verbringen. Dazu brauchts meist kein Investment an Geld, keine ausgefallenen, lange geplanten Events. Es reicht, ein Nachmittag mit Zeit. Und ich fühl mich danach manchmal ganz schön egoistisch, weils mir am meisten Spaß macht? …

Freiwillige Feuerwehr

Gerade war Alarm. Die Sirene ist auf dem Land bei meinen Eltern noch wie in alten Zeiten am Schulhaus befestigt, mittendrin und ganz schön laut, um Dorfbewohner und Umland gleichermaßen zu alarmieren. Da ich krank im Bett rumliege und mir langweilig ist sonst nicht viel passiert hab ich mitgezählt, vom Alarm bis zu den ersten ankommenden Feuerwehrlern hat es keine 2 Minuten gedauert, bis das erste Mannschaftsauto abfahrbereit war keine 7 Minuten. Das ist wirklich unglaublich, denn die Helfer kommen aus einem Umkreis von etwa 5 Kilometern, machen das freiwillig, opfern ihre Freizeit, helfen aus Überzeugung, nicht weil sie dafür bezahlt werden. Finde ich immer wieder bewundernswert, denn das ist eben nicht selbstverständlich. Die waren vielleicht gerade zu einem netten Abend unterwegs, hatten es zu Hause kuschlig oder lagen schon im Bett, weil sie morgen früh arbeiten müssen. Und trotzdem beeilen sie sich, versuchen, schnell zu helfen. Macht mich irgendwie dankbar. Das wollt ich mal geschrieben haben.

Was mich beschäftigt und was ich meinen Patenkindern gerne erzählen würde

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