Fernsehwelt, in der wir leben

Kürzlich habe ich einen Abend mit einer Folge von „How met your mother“ auf der Couch verbracht – und plötzlich kam mir der Gedanke: ob wohl meine Patenkinder in 20 Jahren mit ihren oder besser vor ihren Eltern sitzen, und sich über die Suche nach dem richtigen Partner aufklären lassen müssen? Und dabei die sexuellen Abenteuer Revue passieren? Nicht nur die eigenen, sondern auch die der Wegbegleiter der Eltern – ähm, das wäre dann ja wohl unter anderem ich, die Patentante?

Denke ich zurück an meine Kindheit, gabs noch eine ganz andere Fernsehwelt – insofern werden meine Patenkinder unter Umständen in 20 Jahren gar nicht mehr wissen, wovon „How I met your mother“ handelt. Dann wirds neue Serien oder noch schlimmer Doku-Soaps geben. Aber ich hoffe, dass ich meinen Gedanken nicht vergesse und zumindest immer mal nachfrage – denn es ist spannend, seine Eltern mal aus dieser Perspektive zu sehen? So wie heute sicher viele glücklich verheiratete Paare die Serie anschauen und mit Lily und Marshal schmunzeln, weil sie an ihre eigene partnersuchende Vergangenheit zurückdenken? So mancher Mann, der sich wünscht, an die Quote eines Barney heranzukommen, so manche Frau, die gerne mit Robin tauschen würde – und wie viele Single-Frauen wohl in den letzten Jahren auf der Suche nach Ted nach NY geflogen sind, um im McLarens als Frau seines Lebens auf ihn zu warten?

Hm, ich mag die Serie, ich mag die Figuren, mag das Skript, kann mich in vieles hineinversetzen, über vieles lachen, finde es wunderschön, dass ein Freundeskreis wie Familie auf engstem Raum lebt, sich täglich sieht, eine Stammkneipe hat. Kurz ich mag dieses freundschaftliche Miteinander. Wir leben in einer von Singles geprägten Zeit, in der es gar nicht mal so einfach ist, einen, geschweige denn, den richtigen Partner zu finden. Im Gegenteil verabschiedet sich die Gesellschaft gerade ein Stück von der Idealvorstellung?

In irgendeiner Frauenzeitschrift stand kürzlich in der Kolumne sinngemäß: mit fast 40 nehmen wir einen nicht besonderen Mann. Oder suchen doch lieber weiter …?

 

 

Schon wieder Single, Herr Bachelor?

Über diese Schlagzeile auf bild.de musste ich heute morgen so schmunzeln, wie überraschend: schon wieder eine Staffel, in der zwei Herzen zueinander finden sollten, und schon wieder hat es nach der Sendung nicht für den Alltag gereicht … Aha! Damit schafft es das Thema dann auch auf Welt Online  …

In den letzten Wochen habe ich es geschafft, ein einziges Mal die aktuelle Staffel des Bachelor zu sehen, die erste Folge. Seitdem haben mich die wöchentlichen Schlagzeilen beinahe gespamt – ich war dementsprechend über alle Leiden und Unsicherheiten des männlichen Protagonisten, der sich zwischen einer Fülle von bezaubernden, nervigen, anstrengenden oder einfach richtig netten Mädels eintscheiden musste, bestens informiert. Neuerdings muss ich gestehen, dass ich ob all der Bauern, die eine Frau suchen, Schwiegertöchtern, nach denen im TV gefahndet wird, schwer verliebten Jungs und Mädels und dem leckeren Bachelor einen neuen Berufswunsch verspüre:

Ich will Drehbuchautorin werden – von genau solchen TV-Formaten. So einfach, so vorhersehbar, so spontan die Dialoge zu sein scheinen, ich glaube, dass es ganz große Kunst ist. Nehmen wir den Bachelor: jeder Frauentyp aus der Gruppe von 20 war nicht nur optisch unterschiedlich (auch wenn auf den Bildern ca. 10 schon sehr ähnlich auf den ersten Blick scheinen). Da gibt es die schüchterne, die burschikose, das Luder, die Mutter, …. das muss sich ja auch alles in unterschiedlichen Dialogen spiegeln. Geht nicht, einfach nur lauter Zicken mit Ellbogen zu skizzieren, nein, es braucht Charaktere, die sich in den Dialogen widerspiegeln, die auffallen, die spritzig sind, es vielleicht auch mal schaffen, eine Schlagzeile zu bekommen – das ist eine echte Herausforderung.

Wie beim liebevollen Rinderzüchter, dem einfühlsamen Schafzüchter oder dem einsamen Ackerbauern … Oder bei den Schwiegertöchtern, da waren einige Kandidatinnen dabei, die nicht mal vom Blatt ablesen konnten. Das ist echt eine Herausforderung für einen Drehbuchautoren, da eine Spannungskurve hinzubekommen? Also: ich werde mich jetzt bewerben, muss nur noch entscheiden, ob bei RTL oder Sat1, am besten gefällt mir ja eigentlich die österreichische Version von Bauer sucht Frau auf ATV …

Das kleine große Lächeln

Es gibt diesen magischen Moment, in dem ein Kind aus übervollem Herzen lächelt, weil es sich so freut, weil etwas gut gelungen ist, weil es in diesem Moment ganz und gar eins mit sich selbst und der Welt ist. Das ist wunderbar!

Manchmal bin ich ein Auslöser dafür – wenn meine Patenkinder zu Besuch sind, in dem Moment, wo sie mich sehen zum Beispiel (man muss schon sagen: das ist ohnehin ein perfekter Moment, da ich die kleinen Menschen ja viel zu selten zu Gesicht bekomme). Oder wenn wir etwas so spielen, wie es die Kinder haben wollen. Oder wenn wir uns ein Geheimnis zuflüstern, das die Eltern nicht wissen sollen/dürfen. Und ich natürlich strengste Geheimhaltung gelobe. Und sie auch einhalte, denn versprochen ist versprochen. Zur Belohnung gibts für mich ein glückseliges Lächeln, eine Sekunde nur, dann geht das Leben auch schon weiter.

Dieses kleine Kinderlächeln ist etwas ganz Großes, so unbeschwert, so leicht. Es fliegt über das Gesicht, bringt alles zum Strahlen. Unbezahlbar – mich machts unsagbar glücklich!

Liebe kleine Schwester, gerade hast du am Telefon glücklich in Richtung Decke gekuckt und übers ganze Gesicht gestrahlt, ein kleines großes Lächeln, das durchs Telefon problemlos ein paar hundert Kilometer überwunden hat, vielen Dank dafür!

Schneegedanken

Draußen schneit es, so richtig schön weiß – und drinnen mach ich mir mal wieder Gedanken, heute zum Thema: Warum uns manchmal so was von fiese Spitznamen für Menschen einfallen…? Meine Chefin zum Beispiel bezeichnen wir meistens als magersüchtiges Frettchen. Ja, das ist der Spitzname –  und die Aussage. Sehr treffend, allerdings kennt sie diesen Namen nicht. Ein Kollege von mir ist die Fahne im Wind, so viel hat er sich in all den Jahren in alle Richtungen gedreht, verbeugt und nie eine eigene Meinung kundgetan. Nicht sehr schmeichelhaft, weil wir anderen das erkannt und ihn damit belegt haben.

Aber ein Spitzname ist auch manchmal ganz anders gemeint, als es die Aussage vermuten lässt: Den Mann, der mir in meinem Leben öfter mal das Herz gebrochen hat und den ich heute eigentlich nur bedaure, manchmal auch so was wie verachte, bezeichne ich in Gesprächen als meinen Traummann. Eigentlich ein äußerst schmeichelhafter Spitzname? Aber eben ähnlich wie meine derzeitige Lieblingsschlagzeile zum TV-Bachelor: unecht, vielleicht was zum träumen, aber nicht realitätstauglich?

Es ist ja in der Regel so: manche Spitznamen verleiht man sich selber, würde gerne so genannt werden, ist stolz, wenn der Name quasi eine Auszeichnung ist, eine Fähigkeit oder eine Eigenschaft positiv belegt. Spitznamen oder Kosenamen können ja auch ein Kompliment ausdrücken. Nur gibts auch die fiesen Exemplare, die, die man jemandem heimlich verleiht, weil es eben passend ist – und alle genau wissen, was der Erfinder damit ausdrücken möchte. So wie beim magersüchtigen Frettchen, was einerseits eine körperliche Konstitution beschreibt, andererseits aber das Wesen skizziert, Eigenschaften eines putzigen Tierchens, das ganz schnell gefährlich werden kann.

Was mich beschäftigt und was ich meinen Patenkindern gerne erzählen würde

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