Warum besondere Augenblicke immer schnell vorbei sind

So ist das doch immer, vor allem, wenn man sich auf etwas riesig freut: der Tag, die Veranstaltung, die Urlaubswoche, endlich da – und schon wieder vorbei. Kaum, dass man alles so richtig mitbekommt? Ich kann mich erinnern, wie ich als Kind meinen Geburtstag über Wochen und Monate herbeigesehnt habe: alle Geschenke nur für mich. Ein Tag, an dem sich alles nur um mich dreht. Je älter ich wurde, desto mehr Vorfreude. Je mehr ich wusste, was mich alles an diesem einen besonderen Tag im Jahr erwartet, desto wow. Und schon war der Tag wieder rum – und die 365 Tage Vorfreude waren wieder da.

Der erste Schultag, kaum, dass ich mich daran erinnern kann. Aber die Aufregung, die Erwartung war riesengroß. Und der Tag hat in meiner Erinnerung nicht mal den Bruchteil einer Sekunde gedauert. Alles war irgendwie vorbei, bevor ich es richtig aufnehmen konnte. Und schon war es der zweite Schultag, der dritte – irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Dann der erste Schultag am Gymnasium: auch nicht mehr Zeit, schon waren 13 Jahre Schule rum. Wie nervös ich an meinem ersten Tag an der Uni war, schon wars Gewohnheit. Plötzlich auch wieder vorbei. Der allererste Arbeitstag, der erste Kuss, das erste Mal, das erste Date, der erste Urlaub, undsoweiter undsoweiter.

Dabei müssten besondere Tage oder Situationen, auf die man sich so lange freut, doch eigentlich wenigstens genauso lange dauern, wie die Vorfreude. Oder?

Mittlerweile habe ich gelernt, dass Vorfreude etwas ganz Besonderes ist: ich genieße die Vorfreude, die Aufregung, die Nervosität heute fast mehr, als den Tag selber. Der ist ohnehin schnell vorbei. Aber die Vorfreude kann tatsächlich 365 Tage im Jahr einnehmen. Immer wieder ein kleiner Gedanke, ein paar Minuten träumen, was alles passieren könnte. Jedes Mal malt man sich den besonderen Tag etwas anders aus, das eine Mal vielleicht gar nicht sehr realistisch, eher im Schnellvorlauf. Das nächste Mal mit vielen Wiederholungen von Einzelsequenzen. Wie schön ist Vorfreude – sie kann irre lang andauern. Wenn ich mich auf etwas wirklich aus ganzem Herzen freue, es herbeisehne, dann gibts eigentlich kaum eine Wirklichkeit, die meine Vorstellungen übertreffen kann.

Aber manchmal eben doch, und dafür ist es jede Sekunde Warten wert. Das Schönste ist nämlich, dass es durch diese klitzekleine Unsicherheit gar nicht mal mehr so schlimm ist, wenn man sich mal sehr lange vorgefreut hat und der Tag/das Erlebnis dann viel zu schnell wieder vorbei war: es gibt entweder ein nächstes Mal oder eine andere Gelegenheit, die für alles entschädigt.

Liebe kleine Schwester, ich hab mich sehr gefreut, heute morgen mit dir zu telefonieren 🙂 Jetzt weiß ich, dass du aktuell schwimmst wie ein Fisch, dir Schwimmen soooooo viel Spaß macht – manchmal muss man einfach nur telefonieren, um die kleinen Dinge mitzubekommen und sich daran zu freuen? Wie spannend dein Leben ist, ich denke, du freust dich schon ganz doll auf das nächste Mal Schwimmen? 🙂

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Der eine Wunsch ans Universum

Es gibt die wunderbare Phantasie, dass eine gute Fee vorbeikommt und einem 3 Wünsche erfüllt. Nun ist es meistens im Leben ja so, dass man sich bei 3 gar nicht beschränken kann! Was aber, wenn man gefragt wird, was der eine Wunsch ist, das, was man sich – egal wie, aber mit jeder Faser des Körpers, mit jedem Gedanken, jedem Atemzug – herbeiwünscht, herbeisehnt, an nichts anderes denken kann.

Ich kann mich gut an die Wünsche (man beachte den Plural) meiner Kindheit erinnern: ich wollte den verborgenen Schatz auf dem Dachboden entdecken. Meine Familie sollte ein altes Adelsgeschlecht sein. Wir würden in ein Schloss übersiedeln. Reichtum (also viel Geld, so viel, dass man alles kaufen kann).

Später hatten die Wünsche ans Universum dann männliche Vornamen, waren einige Christians, Mikes, Tommys oder Stefans dabei.

Dann wollte ich das Abitur bestehen, das Studium abschliessen, mein Praktikum in der Agentur bekommen. Später zum zweiten Mal die weibliche Hauptrolle in einem Theaterstück spielen ….
Viel davon hat geklappt, das Universum hat mir viele einzigartige, besondere Wünsche erfüllt. Nicht alle – nur die, die ich selbst beeinflussen konnte. Alles, wozu ich selbst – und nur ich selbst – beitragen konnte, hat, wenn ich so zurückblicke, geklappt. Was ich mir nicht zugetraut habe hat auch nicht funktioniert. Und manche Herzenswünsche sind zwar meine, aber es gehört noch jemand dazu, ein zweiter Mensch, der ebenfalls seinen Wunsch ans Universum schicken müsste. Und das Leben lehrt: da reicht ein Mensch nicht. Das müssen beide wollen!

Schön, dennoch bin ich zuversichtlich: was ich wirklich will kann in Erfüllung gehen. Und oft ist es so, dass man im Rückblich ehrlich zu sich sein muss: das wollte ich wohl nicht wirklich, nur halbherzig, ich habe nicht alles getan, um es mir zu erfüllen. Jeder von uns hat sein Leben, und zwar nur sein eigenes, in seiner Hand. Es liegt an uns, was wir daraus machen. Es gibt Wegbegleiter, wenige wertvolle Menschen, die mal mehr, mal weniger Einfluss auf die Richtung, Kurven, Umwege usw. haben. Aber keine Ausreden: nur ich kenne meinen Wunsch ans Universum – also muss ich mich darum kümmern, dass er in Erfüllung geht!

Und keine Sorge meine lieben Patenkinder: ihr seid nicht allein. Es gibt viele liebe Wegbegleiter, die euch freundschaftlich unterstützen werden, euch mit Fragen und Antworten helfen, wenn ihr sie braucht, und euch vertrauen, wenn ihr entscheidet 🙂 Ihr seid heute schon wunderbare kleine Menschen und ich freu mich darauf, eure Wünsche ans Universum kennenzulernen und mich mit euch zu freuen, wenn sie in Erfüllung gehen!

Sich mal wieder wie 13 fühlen

Darf man, egal wie alt man ist. Macht am meisten Spaß mit einer lieben Freundin. Und am besten haben gerade alle beide Liebeskummer, sind frisch verliebt, schwärmen unsterblich für einen Musiker, Schauspieler, oder oder oder. Ganz wichtig ist: wenn man sich wie 13 fühlt ist nichts peinlich. Man kann gemeinsam lachen, sich alles vorstellen, alles ist möglich, alles kann passieren. Die Welt steht offen, es gibt keine Grenzen, der Phantasie wachsen Flügel. Man fühlt sich unschlagbar. Freundschaften werden für immer geschlossen. Das ganze Leben liegt vor uns, dennoch ist heute wichtiger als alles andere. Das Hier und Jetzt ist so unglaublich groß!
Wieder mal 13 sein ist wichtig, man sollte sich dafür nie zu erwachsen sein, im Gegenteil. Es tut irre gut, öfter mal alles zu fühlen, zu erleben, zu entdecken, wie mit 13.

Einen Vorteil hat es allerdings, sich wie 13 zu fühlen, auch wenn man etwas älter ist: die Elternentscheidungen verlieren an Einfluss 🙂

Die Welt vom Riesenrad aus

Ich bin kein Fan von Fahrgeschäften. Das darf jeder halten, wie er mag – für mich ist Looping, über-Kopf-hängen und alles, was sich einfach nur schnell dreht, nichts. Ich hab Höhenangst – oder eher Kontrollverlustangst? In jedem Fall ist das einzige Ergebnis einer Fahrt in einem typischen Jahrmarktsfahrgeschäft, dass mir übel ist. Alles ausprobiert, an der Tatsache ändert sich nichts, deshalb verzichte ich seit Jahren einfach drauf und hab Spaß am Leben.
Nur auf eines möchte ich nicht verzichten: auf die alljährliche Fahrt im Riesenrad auf der Münchner Wiesn. Da denke ich nicht an meine Höhenangst. Das ist mir heilig. Schon beim Einstiegen werde ich wieder ganz klein, bin Kind, darf mit großen, neugierigen Augen in die kleine Kabine. Es gibt noch ein paar Halts, bis alle Fahrgäste eingestiegen sind. Am schönsten ist der Moment, wenn man ganz oben ist und die Gondel stillhält. Dann schaue ich, sauge alles, was ich sehe, in mich auf, genieße den Blick von oben auf die kleine Welt zu meinen Füßen. Die vielen Menschen werden winzig, wie Ameisen. Die großen Zelte, die Fahrgeschäfte, alles leuchtet bunt, aber auch einfach nur warm und hell. Der Trubel, den man unten manchmal so gar nicht genießen kann wird so weit oben nebensächlich. Es kommt auf diesen Ausblick an.
Am einen Ende der Oktoberfestwiese thront die Bavaria, nachts hell beleuchtet. Ganz weit hinten die Paulskirche, wo in den 16 Wiesn-Tagen so ziemlich jeder Besucher einmal vorbeikommt. Die beiden und das Riesenrad könnten wahrscheinlich Milliarden von Geschichten erzählen, so viel haben sie schon gehört und beobachtet? Oben bin ich meist ziemlich still, andächtig, sauge jeden Blick in mich auf – genieße diese ganz besonderen Aus- und Augenblicke. Ich bin dankbar, dass ich das erleben darf, klar. Aber auch irgendwie größer und weiter als normalerweise. Wenn man so über allem schwebt ist es, als ob die Welt größer wird. Oder die Perspektiven sich verschieben?

Ganz egal, mir gefällts. Und es ist – jetzt mal gemessen an dem, was sonst so im Angebot ist – eigentlich nicht gefährlich. Und das gefällt mir sogar noch besser. Und meine Bitte an alle, die darüber jetzt schmunzeln, weil sie selber viel mutiger sind als ich: fahrt bitte auch in Zukunft alles andere, dann muss ich am Riesenrad nicht lange anstehen 🙂

Das ist meine schöne WiesnZeit! Falls ich zu mehr komme dann wirds hier zu lesen sein!

Was mich beschäftigt und was ich meinen Patenkindern gerne erzählen würde

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