Archiv der Kategorie: sonst vergess ichs

Luftballons

Meine bezaubernde Nichte spricht mit gerade mal 2 Jahren ausgezeichnetes Deutsch. Man kann sich schon richtig gut mit ihr unterhalten (sofern sie bereit ist, den Schnuller aus dem Mund zu nehmen …). Nur an manchen Stellen merkt man dann eben doch, dass sie eine eigene kindliche Sprache hat, wie gestern: sie kommt mit einer Dose voll Luftballons an „kannst du die aufblasen?“ Und freut sich riesig über alle, die sie durch die Luft fliegen lassen kann. Als wir später eine Folge der Sendung mit der Maus gucken hat die Protagonistin einen Fuß in Gips, Krücken und humpelt zum Herz zerreißen. Ihr Freund der blaue Elefant kommt und zaubert einen Luftballon mit Herz ans Bein seiner Freundin, die ab sofort leichtfüßig weiter schwebt. Frage meiner Nichte: was macht der mit dem „Luftaball“? 🙂

Was heißt wohl „Daumenlutscher“ …?

Heute hab ich Stunden damit verbracht, zu versuchen, mit meinem gar nicht mal so schlechten Schulfranzösisch AGBs in französischer Sprache zu entwirren – hat mich aber eher verwirrt. Und ales kleine Entspannungsübung zwischendurch hab ich dann mal – liegt bei so viel französisch ja nicht ganz fern – allen Ernstes darüber sinniert, was man in der Schweiz wohl sagen würde, wenn man einen kleinen Daumenlutscher vor sich hat? Der Google Übersetzer hat kein Ergebnis für Daumenlutscher, zum Thema Finger in den Mund stecken gibts auch keine wirklich gute Idee … Wie ich darauf komme? Der Gedankenweg ist zugegebenermaßen nicht ganz leicht nachvollziehbar:

Im südlichen Teil der Schweiz spricht man französisch. Meine Schweizer Patenkinder bekomme ich aufgrund der Entfernung nicht so oft „in natura“ zu Gesicht. Klar gibts Skype und WhatsApp, aber das ist für 2einhalb-Jährige bei weitem nicht abwechslungsreich genug, um sich der Patentante stundenlang in allen Facetten zu präsentieren. Insofern sind meine Live-Erlebnisse selten und äusserst kostbar! Hin und wieder bekomme ich mal einen Anruf, in dem auch ein paar Brocken französische Sprache einfließen.
Zum Jahresende war die ganze Familie zu Besuch in der alten Heimat, für die Jüngste in der Familie ja eigentlich gar nicht, denn sie hat hier nie gelebt. Dennoch scheint sie sich in der Umgebung genauso wohl zu fühlen wie der Rest der Familie. Um etwas Energie abzuleiten hab ich mir angewöhnt, mit ihrem großen Bruder nicht nur zu toben, sondern ich versuche immer, ein paar Yoga-Übungen einzubauen, damit der wilde Übermut verbissen versuchen muss, im Gleichgewicht zu bleiben. Gar nicht so einfach – wir gehen ins Dreieck, der Große findet’s sogar ganz schön schwer. Rücken strecken, Fersen auf den Boden, geht gar nicht bei ihm.

Plötzlich ein überraschter Ausruf des uns beobachtenden Herrn Papas: S. macht’s nämlich ohne Anstrengung, mit natürlicher Eleganz und kindlicher Begeisterung macht sie einfach mit. Das muss auf Foto gebannt werden … Danach ist sie mächtig energiegeladen, sehr positiv, doch irgendwann schläft sie – selig am Mittel- und Ringfinger nuckelnd – im Buggy ein. Finger im Mund haben auf den kleinen Sonnenschein eine herrlich beruhigende Wirkung 🙂 Hoffentlich hat’s später auch geholfen, denn sie hört in der fremden Umgebung ungewohnte Geräusche – und hat Angst, dass ein Elefant in die Wohnung eindringen könnte….

So süss, wie selbstbewusst und gleichzeitig ängstlich Mademoiselle ist. Und es erinnert mich an ein anderes kleines Mädchen, das permanent am Daumen gelutscht hat. Und wer jetzt immer noch nicht nachvollziehen kann, wie sich meine Gedankenschleife dreht: ich wollte einfach mal wissen, was Daumenlutscher auf französisch heißt 🙂

Das erste Faschingskostüm

Kürzlich kam meine Schwester, die weltbeste Mama, um mich, die weltbeste Tante, um tatkräftige Mithilfe zu bitten: meine Nichte hat nämlich ihre erste Faschingsveranstaltung. In der Kita. Mit einem Motto. Natürlich. Und ebenso natürlich haben sich die Eltern ein ganz großartiges Motto ausgedacht, das da lautet: auf dem großen weiten Meer …

So, was fällt uns dazu spontan ein? Da werden wohl einige Piraten, Schiffsjungen, Traumschiffkapitäne usa. am Start sein? mein wirklich sehr kreativer Vorschlag war, ein Inselkostüm zu machen. Bequem, einen großen Sack, darauf eine Palme, evtl. Sand drumrum… Wurde von den Eltern dankend abgelehnt. Jetzt wird meine Nicht ein Fisch. Und zwar nciht irgendein Fisch, ein Regenbogenfisch. Fast einen ganzen Sonntagnachmittag haben wir in mühevollster Kleinarbeit Regenbogenschuppen- und flossen auf ein T-Shirt aufgenäht. Das mit dem Kleben war zwar ein guter Gedanke, in der Praxis hätten die Schuppen nämlich dann nicht mal das Anziehen überstanden.

Der kleine Gedanke hat mir nämlich als wirklich faschingskostüm-erfahrene-kreative-Umsetzerin gefehlt: alles, was wir Erwachsene problemlos hinbekommen und was wir schon irgendwie aushalten macht eine Zweijährige nicht mit. Sie will weder schön sein, noch findet sie es toll, ein ausgefallenes Kostüm zu tragen, im Gegenteil: wenn sich was abrupfen lässt wirds abgerissen. Wenn es die Bewegungen nicht mitmacht, dann gehts eben kaputt.

Aber klar, ich denke zurück an meine ersten Kostüme, Mama hat mir ein pinkefarbenes Prinzessinnenkostüm für den Kindergarten genäht, das war wirklich toll. Später, mit Sicherheit eins meiner liebsten Kostüme, ein Cowboy: Jeans, Schnurrbart, Hut und eine Knarre. Beim Schießen musste ich nur jedes Mal blinzeln, tja. Indianer war ich auch mal. Später hatte ich eine Phase, in der wir uns wirklich sehr ausgefallene Kostüme ausgedacht haben, das war immer besonders: als Raben mit echten Federn und einem Schnabel, der kurz vor dem Abend mit Pattex geklebt werden musste und uns den ganzen Abend in einen Ausnahmezustand versetzt hat (kann ja auch keiner damit rechnen, dass das so lange dauert, bis die Wirkung nachlässt!), als Rokokodamen (wohl unser aufwendigstes Kostüm), als halb-halb-Brautpaare, bei der wir unsere weibliche und männliche Seite ausspielen konnten. Als Hexen, so schön hässlich, mit Warzen und porofessionell geschminkt, scharze, vergammelte Zähne, richtig eklig! Und ganz auffällig waren wir als Rindviecher, lange vor den vielen lila Milka-Kühen. Das war ein legendäres Kostüm, weil wir einfach sehr authentisch waren.

Einfallsreichtum ist toll, ich finde den Fisch ganz besonders toll, passt auch super zum Motto im Kita-Fasching. Und als brave Tante hoff ich natürlich, dass sie bis dahin wieder gesund ist und ich und die Mama als Angler dem bunten Treiben im Meer geruhsam zuschauen können 🙂

Meine alte Freundin, die Diskokugel

An diesem Wochenende hat meine alte Kindergartenfreundin ihren Geburtstag gemeinsam mit ihrem Mann gefeiert. Die beiden sind beinahe gleich alt, knapp 20 Tage Unterschied. Im Telefonat eine Woche vorher hatte sie schon prophezeit: es wird bestimmt spiegelglatt oder total verschneit. So wars dann auch, was die Anreise – sagen wir mal – zumindest erschwert hat. Also auch meine, ich hab auch kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, abzusagen. Weil so im bayerischen Hinterland, mit den kleinen Straßen, Hügeln, überall Verwehungen … Mit 20 konnte uns das Wetter nicht davon abhalten, überall dahin zu kommen, wo wir hinwollten. Hm, selbst ich werde älter , … egal, ich hab mich trotzdem auf den Weg gemacht, es war stellenweise ganz schön glatt, aber ich bin heil angekommen.

Die Party fand ganz gediegenen, wunderschön dekorierten Raum statt. Nach draußen sanftes Licht, große Fenster, alles also gut einsehbar, sehl hell und einladend. Die beiden Geburtstagskinder standen zur Begrüßung in einem Meer von Sektkelchen, haben wirklich jeden Gast persönlich begrüßt. Im Raum dann 3 lange Tischreihen, sauber aneinandergereiht. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich innerlich schon auf einen langen, langweiligen Abend eingestellt habe, denn die anderen Gäste, die bereits brav Platz genommen hatten, und die Raumaufteilung hat eben schon eine gewisse, nennen wir es mal so, konservative Signalwirkung.

Zum Glück hab ich sie dann entdeckt: mitten im Raum, genau über der mittleren Tischreihe, funkelte und glänzte meine alte Freundin, die Diskokugel. Ich musste also nur das Essen und die anschließenden Stunden überstehen, bis das gesetztere Publikum sich verabschiedet hat – und dann wars wieder meine Welt: an der Bar, mit guter Musik, mit richtig netten Menschen, mit toller Stimmung.

Und am Ende bin ich wieder mal viel zu spät nach Hause gekommen (geschlittert, denn es war in den Morgenstunden dann tatsächlich spiegel-spiegel-glatt), nach einem Abend voll ganz außergewöhnlich schöner Überraschungen: ein tolles Gespäch mit einem seelenverwandten Musiker, eine wunderbare Wiederbegegnung mit der Cousine meiner Kindergartenfreundin, die eigentlich auf Mallorca lebt, aber gerade zu Besuch war, und das Kennenlernen des neuen Lebenspartners einer alten Bekannten, die sich für die Liebe und damit gegen Zuhause entschieden hat. Und jetzt in Tirol glücklich ist! Und dazwischen waren einfach so viele funkelnde, glänzende Augenblicke, so viele Momentaufnahmen, so viel Lachen, so viel Genuss, so viel Spaß. Ich freu mich immer noch, dass ich nicht abgesagt habe und dass ich mitgefeiert habe, denn vor allem die Stunden nach Mitternacht haben wir alle (auch und vor allem meine Kindergartenfreundin samt Ehemann) mit unserer gemeinsamen alten Freundin, der Diskokugel, einfach nur abgefeiert, wie in alten Zeiten! Bis zum nächsten Mal 🙂