Archiv der Kategorie: sonst vergess ichs

Der einheimische Bock-Käfer

Es gibt Tage, da freut man sich als Kind so richtig drauf, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu viel? So ein Tag war gestern für meinen kleinen Großen: ich war nämlich als Besuch angekündigt. Die ganze Familie besucht nach Weihnachten das alte Zuhause, die Tage sind randvoll mit Besuchen bei Oma und Opa, bei lieben Freunden und dann kommen auch noch ein paar Erwachsene zu Besuch, das ist SOOOO toll. Und dann das: der angekündigte Besuch kümmert sich nicht nur um die eigentliche Hauptperson, den siebenjährigen Dreh- und Angelpunkt seines Daseins, sondern beschäftigt sich auch noch mit der kleinen Schwester. Und mit den nervenden Eltern. …

Ohne Worte, teilen ist nicht einfach. Und dann kommt es schnell dazu, dass aus all der überwältigenden Vorfreude überschäumende Wut wird, dass der ganze Tag ein einziges Auf und Ab der Gefühle wird, man in einer Sekunde lacht, sich freut, ganz verschmust ist, in der nächsten verärgert, traurig, wütend, heult, vor lauter Grimm die ganze Welt anschreien könnte. Und vor allem mit dem Fuß aufstampfen muss – was den nächsten Ärger mit den Eltern in einer Wohnung mit hellhörigem Parkett und direkt darunter wohnenden Mitbewohnern schon wieder heraufbeschwört.

Und trotz diesem Gefühlschaos habe ich die Stunden mit meinen beiden Patenkindern und deren Eltern gestern so sehr genossen, etwas Ironie und sich selbst nicht ganz so wichtig nehmen hilft in den Momenten des erbosten Zorns zum Glück weiter. Belohnung sind die sonnigen Momente an der Isar, die man mit einem Lächeln ganz tief aufsaugen kann, die Ausblicke auf glückliche Münchner, die genau wie wir das Wetter und das Zusammensein in der frischen Luft genossen haben, die gelöste Stimmung. Dazwischen kleine liebevolle Umarmungen, Kuscheln und auch mal ein paar Heimlichkeiten, die mir ins Ohr geflüstert werden.

Ich hoffe, dass der Große sich an seine bockigen Attacken (daher die Überschrift, denn von seiner Mama wurde der kleine Zornbickl, wie man ihn in Bayern nennen würde, bei seiner Entdeckung im Isarwald in den „einheimischen Bock-Käfer“ umbenannt, um ihn nicht mit dem sonst so süßen Blondschopf zu verwechseln :-)) nicht lang erinnert und statt dessen die wunderbaren Momente an der Isar im Kopf behält. Den Fluss, die Stromschnellen, die Brücken, den Friedensengel, die Konstruktionen und alles, was wir sonst noch so gesehen und bewundert haben. Und ich freu mich auch aufs Wiedersehen – ganz bestimmt irgendwann im neuen Jahr!

Zu zweit Schneeräumen

Vor meinem Fenster räumen seit einer knappen Stunde zwei Männer Schnee – einer ohne Schippe und ohne Kraftaufwand, dafür mit einem kleinen Fahrzeug, vorne dran die Schaufel. Und er fährt eine Spur nach der anderen, sein Kollege muss die Haufen mit der Schaufel nach hinten verteilen, weil irgendwie ist zwar der Hauptweg frei, aber die Haufen sind alle im Weg. Die beiden reden nicht wirklich miteinander, der eine fährt und häuft auf, der andere schippt und machts wieder weg …

Ob da System drinsteckt? Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?

Und trotzdem hab ich gerade die Erinnerungen an meine Kindheit: ich im dicken Schneeanzug, sehr gut eingemummelt mit Schal, Mütze und viel zu großen Handschuhen, Papas bester Mitarbeiter. Natürlich gabs für mich eine eigene Schaufel und ich hab wahrscheinlich ähnlich wie die beiden gerade im Hof nicht unbedingt koordiniert mitgeholfen. ABER ich habs geliebt, mein Vater hat die hohen Haufen aufgeworfen und ich hab auch etwas aus dem Weg geräumt. Vor lauter Anstrengung hatte ich bestimmt hochrote Backen (noch heute mein unverwechselbares Markenzeichen …) und bei so viel Anstrengung wars ganz schön warm. Nur bei uns war hinterher der Weg frei und die Haufen lagen ordentlich auf der Seite. Na ja, die beiden haben ja noch ein paar Stunden Zeit bis morgen früh 🙂

Es wird Winter: 5 Tipps an die Autofahrer

Tip 1:

Liebe Geschlechtsgenossinnen, die ihr bei diesem Wetter Schiss habt, mit dem Auto unterwegs zu sein: lasst es einfach zu Hause stehen. Und seid anders mobil.

Tip 2:

Liebe Autofahrer, die ihr heute morgen im Radio gehört habt, dass in Bayern chaotische Straßenzustände herrschen: haltet die Augen offen, prüft den Zustand der Straßen und verhaltet euch entsprechend. Die Nachrichten haben leider die Tendenz, nicht zu erwähnen, wo es nicht spiegelglatt ist.

Tip 3:

Liebe Autofahrerinnen und Autofahrer (nicht nur in München): es reicht nicht, den Scheibenwischer zu betätigen und nach einigen Kilometern dann wirklich aus dem Auto rauszusehen.

Tip 4 – hat nichts mit dem Wetter zu tun:

Liebe Fußgänger: warum steht wohl an manchen Straßen ein riesengroßes Schild mit der Aufschrift „Hier kein Übergang!“ mit einem Hinweis, dass auf der anderen Seite der Kreuzung ein Fußgängerübergang ist? …?

Tip 5 – an mich, muss ich selbst beherzigen:

An Tagen wie diesen hab ich es nicht eilig, in die Arbeit zu kommen, ich bin höflich und rücksichtsvoll zu allen anderen Verkehrsteilnehmern und lasse mir die Laune auch von denen nicht verderben, die es offensichtlich darauf anlegen, mich und andere mit ihrem Verhalten zu provozieren. So, das ist mein neues Mantra, hoffe, es wirkt bald!!!

Milchzahn

Da stolpere ich doch gestern abend über das Bild einer süßen Zahnlücke:

Ja, der erste Milchzahn ist raus – jetzt heißt es für mein liebes Patenkind Abschied nehmen. Als wenn man sonst nicht schon genug Ablenkung im Leben eines fast 7jährigen hätte. Kann mich gut erinnern, wie ich stundenlang an den noch gar nicht locker sitzenden Zähnen gewackelt hab, bis sie immer noch nicht rausfielen, aber man sie mit der Zunge schon fast so weit hatte. Ich glaube nicht, dass ich für meine Milchzähne einen Zahnarzt konsultieren musste? Hab ich alle selbst „erledigt“.

Einmal sogar mit einem grausigen Versuch: Bindfaden um den Zahn, der immer noch viel zu fest saß, ein Ende am Zahn, ein Ende um die Türklinke, und dann die Tür weit aufgeschmissen … Hat natürlich nicht auf Anhieb und eigentlich auch gar nicht funktioniert, möglicherweise, weil ich dem Faden „gefolgt“ bin? Egal, die Oma hat dann schon nachgeholfen, im Zweifelsfall waren da noch andere Familienmitglieder, die mit Hand anlegen konnten. Und liebe Patenkinder: das ist keine Anleitung zum Selbstversuch, klappt nämlich meistens nicht! Sagen zumindest meine Rückfragen im Freundeskreis.

Den legendären ersten Milchzahn hat  Mama dann in einem Kästchen aufbewahrt, ob alle anderen da auch reingewandert sind? Weiß ich nicht mehr, die Spannung und Aufmerksamkeit lassen im Verlauf der ausfallenden Zähne wohl etwas nach … Ich hatte es zumindest schon sehr weit in meiner Erinnerung zurückgedrängt, aber heute muss ich natürlich wieder dran denken. Eine große Zeit war das. Was man doch alles in dieser Phase des Größerwerdens erlebt: Wachsen, Zähne austauschen, Lernen, unabhängiger von den Eltern werden, …?

Man, wenn man so zurückdenkt, wird einem doch gleich noch bewusster: das Leben als Erwachsener ist eigentlich ganz schön langweilig … 🙂