Archiv der Kategorie: sonst vergess ichs

Elstern vor dem Bürofenster

Seit etwa 10 Minuten fühlte ich mich etwas beobachtet, hab sogar immer mal wieder um mich gesehen, aber da war aber keiner. Dann entdeckte ich beim Blick aus meinem Bürofenster meine heimlichen „Spanner“: 2 wunderschöne Elstern. Die sich im Hof eine elegante, unaufgeregte Verfolgungsjagd lieferten. Und immer mal wieder auf einem Baum sitzen blieben oder sich auf die Brüstung zur Tiefgarage setzten – um neugierig in unser Büro reinzukucken. Das dauerte dann wohl schon etwas länger?

Spätestens, als ich neugierig zurückgucke wirds für die beiden aber offensichtlich langweilig, oder der Zauber des Heimlichen war verflogen? In jedem Fall gings noch ein oder zwei Runden durch den Hof, noch mal ein Zwischenstop, schnell ins Fenster schauen – Mist, die schaut immer noch! – und schon sind beide wie auf ein geheimes Zeichen um die Ecke davongeflogen. Hoffentlich haben meine Kollegen auf der anderen Seite des Gebäudes sie noch nicht entdeckt. Ich gönne den beiden dieses kleine unentdeckte Vergnügen, auch wenns mir gerade gut getan hat, mich diebisch mitzufreuen 🙂

Dreikönigstreffen

Wenn anderswo Parteifreunde aufeinandertreffen, reden, sich über politische Ideen, Vorschläge und auch sonst so allerlei austauschen kommen bei meinen Eltern alljährlich die Geschwister meines Vaters zusammen. Mit Ehefrau oder Ehemann im Schlepptau. Meine Mutter macht sich schon Wochen vorher daran, Kochbücher zu studieren, die liegen dann wie Prüfungsunterlagen kurz vor Termin mit Einmerkungen solange offen überall verstreut, bis sie sich auf ein Menü festgelegt hat. Das meistens noch ein paar Mal leicht abgeändert wird – zum Beispiel wurde die Anzahl der Beilagen von vier auf dann doch nur drei reduziert. Zwar nur zähneknirschend, aber nach mehrmaligen Hinweisen auf die Thematik des Seniorentellers meinerseits hat sie dann doch klein beigegeben. Und es wurde in diesem Jahr auch tatsächlich keine Suppe oder sonstige Vorspeise gereicht. In den vergangenen Jahren mussten die armen Tanten und Onkel dann doch das ein oder andere mal abwinken, ob der Massen an Nahrungsmitteln, die ihnen da nach den Weihnachtsfeiertagen auf den Teller geladen wurden. Und das findet dann sogar meine Mama schade, wenn was weggeworfen werden müsste …

Auch beim alljährlichenh Familientreffen wird politisiert, es werden Geschichten ausgetauscht … In einer Lautstärke, die kein Kindergeburtstag toppen kann, egal welches Alter, egal wie viele Kinder. Dennoch setze ich mich gerne dazu und höre etwas rein. Schließlich werden gerade bei solchen Anlässen manchmal wahre Schätze der Erinnerung aufgerissen, zufällig erzählt man sich alte Geschichten. Vieles davon kann ich mir dann auch tatsächlich merken. Vieles ist vielleicht heute nicht wichtig, aber später – wenn man nicht mehr fragen kann – dann wüsste man es gerne.

Ich hätte meine Großeltern gerne vieles gefragt, sie hätten sicher nicht alles erzählt, denn die Kriegsgeneration hat über manche Dinge einfach nur geschwiegen. Ich war und bin dennoch neugierig und durchs Zuhören erfährt man auch immer viel über den Erzählenden, über seine Sicht, seine Weltanschauung, die nicht immer die meine sein muss – die aber immer dafür sorgt, dass der eigene Blickwinkel erweitert wird. Insofern: ich werd auch bei den nächsten Driekönigstreffen dabei sein, auch wenns die nächsten Jahre noch lauter werden wird, irgendwie ist das Klingen in den Ohren trotzdem jedes Mal wert!

Der einheimische Bock-Käfer

Es gibt Tage, da freut man sich als Kind so richtig drauf, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu viel? So ein Tag war gestern für meinen kleinen Großen: ich war nämlich als Besuch angekündigt. Die ganze Familie besucht nach Weihnachten das alte Zuhause, die Tage sind randvoll mit Besuchen bei Oma und Opa, bei lieben Freunden und dann kommen auch noch ein paar Erwachsene zu Besuch, das ist SOOOO toll. Und dann das: der angekündigte Besuch kümmert sich nicht nur um die eigentliche Hauptperson, den siebenjährigen Dreh- und Angelpunkt seines Daseins, sondern beschäftigt sich auch noch mit der kleinen Schwester. Und mit den nervenden Eltern. …

Ohne Worte, teilen ist nicht einfach. Und dann kommt es schnell dazu, dass aus all der überwältigenden Vorfreude überschäumende Wut wird, dass der ganze Tag ein einziges Auf und Ab der Gefühle wird, man in einer Sekunde lacht, sich freut, ganz verschmust ist, in der nächsten verärgert, traurig, wütend, heult, vor lauter Grimm die ganze Welt anschreien könnte. Und vor allem mit dem Fuß aufstampfen muss – was den nächsten Ärger mit den Eltern in einer Wohnung mit hellhörigem Parkett und direkt darunter wohnenden Mitbewohnern schon wieder heraufbeschwört.

Und trotz diesem Gefühlschaos habe ich die Stunden mit meinen beiden Patenkindern und deren Eltern gestern so sehr genossen, etwas Ironie und sich selbst nicht ganz so wichtig nehmen hilft in den Momenten des erbosten Zorns zum Glück weiter. Belohnung sind die sonnigen Momente an der Isar, die man mit einem Lächeln ganz tief aufsaugen kann, die Ausblicke auf glückliche Münchner, die genau wie wir das Wetter und das Zusammensein in der frischen Luft genossen haben, die gelöste Stimmung. Dazwischen kleine liebevolle Umarmungen, Kuscheln und auch mal ein paar Heimlichkeiten, die mir ins Ohr geflüstert werden.

Ich hoffe, dass der Große sich an seine bockigen Attacken (daher die Überschrift, denn von seiner Mama wurde der kleine Zornbickl, wie man ihn in Bayern nennen würde, bei seiner Entdeckung im Isarwald in den „einheimischen Bock-Käfer“ umbenannt, um ihn nicht mit dem sonst so süßen Blondschopf zu verwechseln :-)) nicht lang erinnert und statt dessen die wunderbaren Momente an der Isar im Kopf behält. Den Fluss, die Stromschnellen, die Brücken, den Friedensengel, die Konstruktionen und alles, was wir sonst noch so gesehen und bewundert haben. Und ich freu mich auch aufs Wiedersehen – ganz bestimmt irgendwann im neuen Jahr!

Zu zweit Schneeräumen

Vor meinem Fenster räumen seit einer knappen Stunde zwei Männer Schnee – einer ohne Schippe und ohne Kraftaufwand, dafür mit einem kleinen Fahrzeug, vorne dran die Schaufel. Und er fährt eine Spur nach der anderen, sein Kollege muss die Haufen mit der Schaufel nach hinten verteilen, weil irgendwie ist zwar der Hauptweg frei, aber die Haufen sind alle im Weg. Die beiden reden nicht wirklich miteinander, der eine fährt und häuft auf, der andere schippt und machts wieder weg …

Ob da System drinsteckt? Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?

Und trotzdem hab ich gerade die Erinnerungen an meine Kindheit: ich im dicken Schneeanzug, sehr gut eingemummelt mit Schal, Mütze und viel zu großen Handschuhen, Papas bester Mitarbeiter. Natürlich gabs für mich eine eigene Schaufel und ich hab wahrscheinlich ähnlich wie die beiden gerade im Hof nicht unbedingt koordiniert mitgeholfen. ABER ich habs geliebt, mein Vater hat die hohen Haufen aufgeworfen und ich hab auch etwas aus dem Weg geräumt. Vor lauter Anstrengung hatte ich bestimmt hochrote Backen (noch heute mein unverwechselbares Markenzeichen …) und bei so viel Anstrengung wars ganz schön warm. Nur bei uns war hinterher der Weg frei und die Haufen lagen ordentlich auf der Seite. Na ja, die beiden haben ja noch ein paar Stunden Zeit bis morgen früh 🙂