Archiv der Kategorie: sonst vergess ichs

Ein „Liadl“

Meine bezaubernde Nichte und ich müssen bei jedem Besuch bei den Großeltern in die Kirche. Auch wenn sie mein Patenkind ist hat das jetzt nicht das Geringste damit zu tun, dass ich das möchte. Nein, Mademoiselle verbindet Kirche mit Gesang. In der wunderschönen Dorfkirche sucht sie dann zielstrebig eine Bank aus, natürlich immer eine andere. Nimmt zwei Gotteslob, einen für mich, einen, in dem sie ganz aufgeregt blättert: „Ich such uns ein Liadl aus …“. (Sonst spricht sie ja eher „weniger“ bairisch :-))

Wie eine Erwachsene studiert sie Seite für Seite, bleibt dann willkürlich auf einer Seite hängen: „Das singen wir!“. Gut, also ich kann aus meiner langen langen sonntäglichen Kirchgangs- und Kirchenchorzeit schon vieles und bin auch in der Lage nach Noten zu singen. Aber manches Lied, bei aller Liebe … Sie erlöst mich dann immer ganz schnell: „Warte, schnell, ich such uns ein anderes Liadl aus. Das, das singen wir jetzt!“ Keine Frage, die Tante singt brav, das Kind natürlich nicht, denn es ist längst wieder beim nächsten Tagesordnungspunkt angekommen: sie fixiert fasziniert die kleinen und größeren frei zugänglichen Glöckchen im Altarraum, „Komm, wir müssen klingeln!“ Und kichert dabei diebisch. Ja, meine Nichte ist sehr musikalisch 🙂

Planschbecken

Mein rechter oder linker Platz ist leer und ich wünsch mir gerade dringend das Planschbecken meiner bezaubernden Nichte her. Das wir am Wochenende bei wahrhaft pool-geeigneten Konditionen eingeweiht haben. Was für eine herrliche Erinnerung: Königliche 3 Meter auf 1,50 Meter. Kühles Nass. Herrlicher Sonnenschein. Eine blendend gelaunte Zweieinhalbjährige, der es auch nach gefühlten Stunden immer noch einfach nur Spaß gemacht hat, mich mit ihrem Sandspieleimer ausgiebigst mit Wasser zu bespritzen.

Man, das hätte ich gerade gern: im kühlen Wasser sitzen, immer wieder einen Arm ausstrecken, sie schüttet Wasser drüber und würde sich am liebsten kringeln vor Lachen. Dann den anderen Arm, nacheinander die Schultern, den Rücken … Am schönsten war natürlich ihr Strahlen, das pure Glücklichsein im Hier und Jetzt. So schön.

Noch mal, vielleicht klappts ja: Mein rechter und linker Platz ist leer, ich wünsch mir jetzt das Planschbecken her … Schönen Sommerabend 🙂

Vom in den Himmel kommen

Letzte Woche war meine Schwester, Mutter des liebreizenden Kindes, auf einer Fortbildung, beim Zurückkommen wurde sie mit einer neuen Weisheit ihrer 2einhalbjährigen Tochter konfrontiert: wenn jemand stirbt, dann kommt er in den Himmel. Meine Nichte beschäftigt sich aktuell mit Tod und in den Himmel kommen. Welche Gedanken sie dabei bewegen kann man nicht erschließen, aber wenn am Straßenrand ein totes Reh liegt ist jetzt die logische Erklärung: das Reh ist gestorben und im Himmel.

So weit so gut. Auf ihre Frage, wo denn meine Oma sei, habe ich erklärt, dass die Oma, also ihre Uroma, gestorben ist. Antwort: „Dann ist die im Himmel!“ Und auf ihre Frage, ob denn ihre Oma auch tot sei, konnte ich mit nein antworten. Was sie sichtlich erleichtert hat, auch wenn der Himmel ein guter Ort zu sein scheint – die beiden Omas sollen sich so oft möglich und ausgiebig mit ihr beschäftigen, anstatt im Himmel zu sein. Gesunder Egoismus, den ich ganz mit ihr teile!