Archiv der Kategorie: sonst vergess ichs

Das erste Faschingskostüm

Kürzlich kam meine Schwester, die weltbeste Mama, um mich, die weltbeste Tante, um tatkräftige Mithilfe zu bitten: meine Nichte hat nämlich ihre erste Faschingsveranstaltung. In der Kita. Mit einem Motto. Natürlich. Und ebenso natürlich haben sich die Eltern ein ganz großartiges Motto ausgedacht, das da lautet: auf dem großen weiten Meer …

So, was fällt uns dazu spontan ein? Da werden wohl einige Piraten, Schiffsjungen, Traumschiffkapitäne usa. am Start sein? mein wirklich sehr kreativer Vorschlag war, ein Inselkostüm zu machen. Bequem, einen großen Sack, darauf eine Palme, evtl. Sand drumrum… Wurde von den Eltern dankend abgelehnt. Jetzt wird meine Nicht ein Fisch. Und zwar nciht irgendein Fisch, ein Regenbogenfisch. Fast einen ganzen Sonntagnachmittag haben wir in mühevollster Kleinarbeit Regenbogenschuppen- und flossen auf ein T-Shirt aufgenäht. Das mit dem Kleben war zwar ein guter Gedanke, in der Praxis hätten die Schuppen nämlich dann nicht mal das Anziehen überstanden.

Der kleine Gedanke hat mir nämlich als wirklich faschingskostüm-erfahrene-kreative-Umsetzerin gefehlt: alles, was wir Erwachsene problemlos hinbekommen und was wir schon irgendwie aushalten macht eine Zweijährige nicht mit. Sie will weder schön sein, noch findet sie es toll, ein ausgefallenes Kostüm zu tragen, im Gegenteil: wenn sich was abrupfen lässt wirds abgerissen. Wenn es die Bewegungen nicht mitmacht, dann gehts eben kaputt.

Aber klar, ich denke zurück an meine ersten Kostüme, Mama hat mir ein pinkefarbenes Prinzessinnenkostüm für den Kindergarten genäht, das war wirklich toll. Später, mit Sicherheit eins meiner liebsten Kostüme, ein Cowboy: Jeans, Schnurrbart, Hut und eine Knarre. Beim Schießen musste ich nur jedes Mal blinzeln, tja. Indianer war ich auch mal. Später hatte ich eine Phase, in der wir uns wirklich sehr ausgefallene Kostüme ausgedacht haben, das war immer besonders: als Raben mit echten Federn und einem Schnabel, der kurz vor dem Abend mit Pattex geklebt werden musste und uns den ganzen Abend in einen Ausnahmezustand versetzt hat (kann ja auch keiner damit rechnen, dass das so lange dauert, bis die Wirkung nachlässt!), als Rokokodamen (wohl unser aufwendigstes Kostüm), als halb-halb-Brautpaare, bei der wir unsere weibliche und männliche Seite ausspielen konnten. Als Hexen, so schön hässlich, mit Warzen und porofessionell geschminkt, scharze, vergammelte Zähne, richtig eklig! Und ganz auffällig waren wir als Rindviecher, lange vor den vielen lila Milka-Kühen. Das war ein legendäres Kostüm, weil wir einfach sehr authentisch waren.

Einfallsreichtum ist toll, ich finde den Fisch ganz besonders toll, passt auch super zum Motto im Kita-Fasching. Und als brave Tante hoff ich natürlich, dass sie bis dahin wieder gesund ist und ich und die Mama als Angler dem bunten Treiben im Meer geruhsam zuschauen können 🙂

Meine alte Freundin, die Diskokugel

An diesem Wochenende hat meine alte Kindergartenfreundin ihren Geburtstag gemeinsam mit ihrem Mann gefeiert. Die beiden sind beinahe gleich alt, knapp 20 Tage Unterschied. Im Telefonat eine Woche vorher hatte sie schon prophezeit: es wird bestimmt spiegelglatt oder total verschneit. So wars dann auch, was die Anreise – sagen wir mal – zumindest erschwert hat. Also auch meine, ich hab auch kurzzeitig mit dem Gedanken gespielt, abzusagen. Weil so im bayerischen Hinterland, mit den kleinen Straßen, Hügeln, überall Verwehungen … Mit 20 konnte uns das Wetter nicht davon abhalten, überall dahin zu kommen, wo wir hinwollten. Hm, selbst ich werde älter , … egal, ich hab mich trotzdem auf den Weg gemacht, es war stellenweise ganz schön glatt, aber ich bin heil angekommen.

Die Party fand ganz gediegenen, wunderschön dekorierten Raum statt. Nach draußen sanftes Licht, große Fenster, alles also gut einsehbar, sehl hell und einladend. Die beiden Geburtstagskinder standen zur Begrüßung in einem Meer von Sektkelchen, haben wirklich jeden Gast persönlich begrüßt. Im Raum dann 3 lange Tischreihen, sauber aneinandergereiht. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich innerlich schon auf einen langen, langweiligen Abend eingestellt habe, denn die anderen Gäste, die bereits brav Platz genommen hatten, und die Raumaufteilung hat eben schon eine gewisse, nennen wir es mal so, konservative Signalwirkung.

Zum Glück hab ich sie dann entdeckt: mitten im Raum, genau über der mittleren Tischreihe, funkelte und glänzte meine alte Freundin, die Diskokugel. Ich musste also nur das Essen und die anschließenden Stunden überstehen, bis das gesetztere Publikum sich verabschiedet hat – und dann wars wieder meine Welt: an der Bar, mit guter Musik, mit richtig netten Menschen, mit toller Stimmung.

Und am Ende bin ich wieder mal viel zu spät nach Hause gekommen (geschlittert, denn es war in den Morgenstunden dann tatsächlich spiegel-spiegel-glatt), nach einem Abend voll ganz außergewöhnlich schöner Überraschungen: ein tolles Gespäch mit einem seelenverwandten Musiker, eine wunderbare Wiederbegegnung mit der Cousine meiner Kindergartenfreundin, die eigentlich auf Mallorca lebt, aber gerade zu Besuch war, und das Kennenlernen des neuen Lebenspartners einer alten Bekannten, die sich für die Liebe und damit gegen Zuhause entschieden hat. Und jetzt in Tirol glücklich ist! Und dazwischen waren einfach so viele funkelnde, glänzende Augenblicke, so viele Momentaufnahmen, so viel Lachen, so viel Genuss, so viel Spaß. Ich freu mich immer noch, dass ich nicht abgesagt habe und dass ich mitgefeiert habe, denn vor allem die Stunden nach Mitternacht haben wir alle (auch und vor allem meine Kindergartenfreundin samt Ehemann) mit unserer gemeinsamen alten Freundin, der Diskokugel, einfach nur abgefeiert, wie in alten Zeiten! Bis zum nächsten Mal 🙂

Elstern vor dem Bürofenster

Seit etwa 10 Minuten fühlte ich mich etwas beobachtet, hab sogar immer mal wieder um mich gesehen, aber da war aber keiner. Dann entdeckte ich beim Blick aus meinem Bürofenster meine heimlichen „Spanner“: 2 wunderschöne Elstern. Die sich im Hof eine elegante, unaufgeregte Verfolgungsjagd lieferten. Und immer mal wieder auf einem Baum sitzen blieben oder sich auf die Brüstung zur Tiefgarage setzten – um neugierig in unser Büro reinzukucken. Das dauerte dann wohl schon etwas länger?

Spätestens, als ich neugierig zurückgucke wirds für die beiden aber offensichtlich langweilig, oder der Zauber des Heimlichen war verflogen? In jedem Fall gings noch ein oder zwei Runden durch den Hof, noch mal ein Zwischenstop, schnell ins Fenster schauen – Mist, die schaut immer noch! – und schon sind beide wie auf ein geheimes Zeichen um die Ecke davongeflogen. Hoffentlich haben meine Kollegen auf der anderen Seite des Gebäudes sie noch nicht entdeckt. Ich gönne den beiden dieses kleine unentdeckte Vergnügen, auch wenns mir gerade gut getan hat, mich diebisch mitzufreuen 🙂

Dreikönigstreffen

Wenn anderswo Parteifreunde aufeinandertreffen, reden, sich über politische Ideen, Vorschläge und auch sonst so allerlei austauschen kommen bei meinen Eltern alljährlich die Geschwister meines Vaters zusammen. Mit Ehefrau oder Ehemann im Schlepptau. Meine Mutter macht sich schon Wochen vorher daran, Kochbücher zu studieren, die liegen dann wie Prüfungsunterlagen kurz vor Termin mit Einmerkungen solange offen überall verstreut, bis sie sich auf ein Menü festgelegt hat. Das meistens noch ein paar Mal leicht abgeändert wird – zum Beispiel wurde die Anzahl der Beilagen von vier auf dann doch nur drei reduziert. Zwar nur zähneknirschend, aber nach mehrmaligen Hinweisen auf die Thematik des Seniorentellers meinerseits hat sie dann doch klein beigegeben. Und es wurde in diesem Jahr auch tatsächlich keine Suppe oder sonstige Vorspeise gereicht. In den vergangenen Jahren mussten die armen Tanten und Onkel dann doch das ein oder andere mal abwinken, ob der Massen an Nahrungsmitteln, die ihnen da nach den Weihnachtsfeiertagen auf den Teller geladen wurden. Und das findet dann sogar meine Mama schade, wenn was weggeworfen werden müsste …

Auch beim alljährlichenh Familientreffen wird politisiert, es werden Geschichten ausgetauscht … In einer Lautstärke, die kein Kindergeburtstag toppen kann, egal welches Alter, egal wie viele Kinder. Dennoch setze ich mich gerne dazu und höre etwas rein. Schließlich werden gerade bei solchen Anlässen manchmal wahre Schätze der Erinnerung aufgerissen, zufällig erzählt man sich alte Geschichten. Vieles davon kann ich mir dann auch tatsächlich merken. Vieles ist vielleicht heute nicht wichtig, aber später – wenn man nicht mehr fragen kann – dann wüsste man es gerne.

Ich hätte meine Großeltern gerne vieles gefragt, sie hätten sicher nicht alles erzählt, denn die Kriegsgeneration hat über manche Dinge einfach nur geschwiegen. Ich war und bin dennoch neugierig und durchs Zuhören erfährt man auch immer viel über den Erzählenden, über seine Sicht, seine Weltanschauung, die nicht immer die meine sein muss – die aber immer dafür sorgt, dass der eigene Blickwinkel erweitert wird. Insofern: ich werd auch bei den nächsten Driekönigstreffen dabei sein, auch wenns die nächsten Jahre noch lauter werden wird, irgendwie ist das Klingen in den Ohren trotzdem jedes Mal wert!