Archiv der Kategorie: muss ich mir merken

Generationen-Modelle

In dieser Woche ist die Oma eines lieben Freundes gestorben. Zur Beerdigung haben sich die Enkelkinder mit einer Rede verabschiedet und ihre 1000 Erinnerungen an die Oma in Worte gefasst – Worte des Dankes, Worte der Liebe, Worte, die klar aussagen: wir sind in einem funktionierenden Generationsmodell aufgewachsen und sind sehr dankbar dafür. Die Oma im gleichen Haus, alle Abläufe innerhalb des 3-Generationen-Modells  aufeinander abgestimmt. Die Kinder wurden viel von der Oma versorgt, beide Eltern konnten so arbeiten, ein Teil der Erziehung lag ganz klar in ihren Händen, manchmal war sie vielleicht nachsichtiger und gütiger, als die eigenen Eltern, oft waren ihre Wertvorstellungen etwas antiquiert – aber alles in allem ist man als Kind dankbar, denn man findet immer jemanden, der sich um einen kümmert.

Ich bin selbst so aufgewachsen, meine Oma hat mit im gleichen Haus gewohnt. Ich habe einige Jahre mit ihr in einem Zimmer geschlafen, von ihr habe ich Rituale wie das Abendgebet kennengelernt, das für mich als Kind eine wichtige Rolle gespielt hat, mich in den Schlaf begleitet hat. Zwar hatte sie keinerlei Nachsicht, wenn man morgens mal am liebsten nicht gar so pünktlich aufgestanden wäre – aber zur Belohnung gab es täglich vor Kindergarten und Schule Kaba. Für mich immer ohne Haut obendrauf – denn eigentlich wollte sie auf so etwas wie Ekel keinerlei Rücksichten nehmen. „Wie kann man nur so heikel sein?“ Aber für die Enkeltochter wurde das dann selbstverständlich entfernt und mir mit einem missbilligenden, aber dabei so liebevollen Blick an den Tisch gestellt.

Mittags nach der Schule war es wieder die Oma, die uns das Mittagessen warmgmacht hat, die mit uns Hausaufgaben machte, die sich darum gekümmert hat, dass alles erledigt war, ehe Freunde zum Spielen auftauchten. Und sie war es auch, die uns Kindern beigebracht hat, dass man pünktlich zu Hause zu sein hat, dass man sich an Verabredungen zu halten hat – und nicht nur einmal ist sie mitten in einem so herrlich kunterbunten Spielenachmittag einfach aufgetaucht, um mich nach Hause zu pfeifen. Das war nicht immer so toll in dem Moment, eher peinlich. Aber so war sie eben.

Für sie gehörte es dazu, zu funktionieren. Das Mittagessen musste pünktlich auf dem Tisch stehen, mein Vater als Hausherr wurde verwöhnt, alles andere muste hinter den funktionierenden Abläufen zurückstehen. Auch eigene Krankheiten haben sie nicht davon abgehalten, aufzustehen und die Tagesaufgaben zu erfüllen. Nicht immer vernünftig, aber in ihrer Welt gehörte das eben dazu. Und muss deshalb anerkannt werden. Dieses „Funktionieren“ habe ich in meiner Teenagerzeit immer wieder sehr kritisch hinterfragt, mich damit auseinandergesetzt, es aus vielen Blickwinkeln überhaupt nicht toll gefunden. Denn wer von sich selbst so viel fordert erwartet auch von anderen viel, manchmal zu viel.

Heute bin ich der Oma dankbar, denn Funktionieren bedeutet auch, unwichtige Dinge ausblenden, Nebenschauplätze vernachlässigen, sich auf Ziele konzentrieren und diese verfolgen. Funktionieren bedeutet nicht, blind zu funktionieren, aber wer sich selbst realistisch einschätzen kann, kann auch in stürmischen Zeiten bestehen und wirft nicht gleich bei kleinen, im nachhinein belanglosen Problemen alles hin. Funktionieren bedeutet, dass man gut mit seinen Energien haushalten kann – und das wird in der heutigen Zeit wichtiger denn je.
Um noch mal auf die Oma meines Freundes zurückzukommen: sie war eine tolle Frau. Die ihre Familie zusammengehalten, ihre Kinder trotz des frühen Verlust des leiblichen Vaters zu einem guten Team zusammengeführt hat, ihre Enkel um sich geschart hat und auch diesen früh ein Gefühl für Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl mitgegeben hat, dabi mit viel Wärme und liebevoller Zunigung dafür gesorgt hat, dass sie ihren eigenen Weg finden und gehen können. Und immer wissen, wo sie zu Hause sind. Für viel mag die Vorstellung der Großfamilie eher befremdlich sein, in dieser Familie weiß jeder, was er von den anderen hat. Sie helfen sich gegnseitig, stehen füreinander ein, die Familienbande sind sehr freundchaftlich. Da vermischen sich auch ganz schnell mal die Generationen, Großtante beaufsichtigt die Enkelkinder des Bruders, der Großneffe kommt zum Gartenarbeiten vorbei, man feiert die Geburtstage gemeinsam. Ich finde: es ist sehr zu empfehlen, dieses Modell!

Vereiste Spinnweben

Am Wochenende hab ich mit meiner Nichte etwas sehr besonderes entdeckt: eine vereiste Spinnwebe. An der „Wäschespinne“ im Garten – wie passend. Spinnweben kennt man, gefrorenen Tau kennt man – aber eine ganz zarte Spinnwebe, auf der Tau gefroren ist? Ist wahrscheinlich schon etwas Besonderes in dieser Jahreszeit? Im Winter sind dann entweder die Spinnweben durch den schweren Tau gerissen oder ich weiß es nicht. Im Frühjahr kommen die neuen Spinnweben ….

Wir beide haben uns in jedem Fall total über unsere Entdeckung gefreut. Das sieht sehr besonders aus, sehr zart, ganz leicht – es bewegt sich etwas im Wind. Und natürlich noch viel mehr, wenn wir unser Lieblingsspiel mit der Wäschespinne vollführen, also sie auf meinem Arm sitzt, eine der Wäscheleinen greift und wir uns um die Wäschespinne immer schneller drehen, es ist wie tanzen, wir lachen viel, beobachten den Himmel, der sich in unserem Laufen mitdreht, und wir beiden können uns so herrlich einfach an dieser Bewegung freuen.

„Mehr?“ Aber klar doch „mehr ….!“

 

Sich mal wieder wie 13 fühlen

Darf man, egal wie alt man ist. Macht am meisten Spaß mit einer lieben Freundin. Und am besten haben gerade alle beide Liebeskummer, sind frisch verliebt, schwärmen unsterblich für einen Musiker, Schauspieler, oder oder oder. Ganz wichtig ist: wenn man sich wie 13 fühlt ist nichts peinlich. Man kann gemeinsam lachen, sich alles vorstellen, alles ist möglich, alles kann passieren. Die Welt steht offen, es gibt keine Grenzen, der Phantasie wachsen Flügel. Man fühlt sich unschlagbar. Freundschaften werden für immer geschlossen. Das ganze Leben liegt vor uns, dennoch ist heute wichtiger als alles andere. Das Hier und Jetzt ist so unglaublich groß!
Wieder mal 13 sein ist wichtig, man sollte sich dafür nie zu erwachsen sein, im Gegenteil. Es tut irre gut, öfter mal alles zu fühlen, zu erleben, zu entdecken, wie mit 13.

Einen Vorteil hat es allerdings, sich wie 13 zu fühlen, auch wenn man etwas älter ist: die Elternentscheidungen verlieren an Einfluss 🙂

Eben entdeckt: eine Kolumne über das THEMA Wetter

Bin eben auf der Suche nach etwas ganz anderem über diese Kolumne gestolpert, musste sie lesen, nicken und dann auch gleich weiterempfehlen … Wie schön, dass mal jemand außer mir sich wundert, wie aggressiv sich Menschen rund um dieses Thema „entladen“ können. Meistens ja nicht wirklich über das Wetter, sondern über die Einstellung, Ansichten, das Empfinden, die Tendenz der Mitmenschen. Zitat aus der Kolumne:

„Irgendwann bleibe ich bei den Wetterprognosen hängen. Und staune. Es gibt tatsächlich Leute, welche Artikel übers Wetter, über Aussichten und Tendenzen, kommentieren. Da schreibt einer: «Zum Glück ist diese Affenhitze endlich vorbei!» Postwendend kontert ein anderer in gereiztem Ton: «Affenhitze? Die paar warmen Tage haben bei Ihnen wohl einen Sonnenstich ausgelöst! So himmeltraurig war der Sommer noch nie bei uns!» Das lässt jenen, der irgendwo auf einer Kanareninsel hockt, natürlich nicht kalt: «Was regt ihr euch so auf? Hier haben wir immer noch dreissig Grad und ihr in der Schweiz habt doch gar nichts anderes verdient, als Schnee und Regen!» Wie muss man das jetzt verstehen? Hockt dort auf Teneriffa ein Deutscher, der in irgendeinen Steuerstreit mit uns verwickelt ist? Oder warum findet er, dass wir Schweizer nichts Besseres als Sintfluten verdient haben?
Wie dem auch sei: Die Diskussionen übers Wetter spiegeln irgendwie die Lage der Nation. Was da an Aggressivität, Schadenfreude oder Gejammer ausgetauscht wird, nur weil es entweder zu heiss oder zu kalt, zu nass oder zu trocken ist, ist unglaublich. Nach der Lektüre der unzähligen Kommentare zum Artikel «Der Herbst ist da», staune ich einmal mehr über uns Menschen. Sind wir wirklich so elend beieinander, dass wir uns darüber ärgern können, dass einer Hitze mag und ein anderer Schnee schön findet. Die Tonalität der Kommentare ist dermassen von Wut geprägt, dass ich mich frage, ob die Leute jetzt wirklich böse aufs Wetter sind oder einfach ein Ventil brauchen, um ihren gesamten Lebensfrust loszuwerden. Denn was ändert das schon, wenn wir zu jeder Wettertendenz gleich rote Köpfe und dicke Hälse haben?“

Komplett nachzulesen unter http://www.wochen-zeitung.ch/index.asp?RubrikID=6&ArtikelID=32115

Danke an Verena Zürcher, die Kolumnistin, denn jetzt weiß ich, dass sich in der Schweiz auch jemand weniger Gedanken über das Wetter an sich, dafür aber um die oft so unerwarteteten Reaktionen darauf macht.

Und mal ganz ehrlich: muss man sich echt über etwas aufregen, das man nicht ändern kann? (Frage ich bei strahlend blauem Himmel mit ein paar Wolken und freu mich, dass die Vorhersage für die nächsten Tage positiv ist 🙂 …)