Archiv der Kategorie: muss ich mir merken

Kinderfasching

Wenn ich zurückdenke komme ich immer noch ins Schwitzen: Samstag war ich mit meiner Nichte im Kita-Fasching. Krass. Mir fällt kein anderes Wort dafür ein. Ich hab ja wirklich kein Problem mit lauten Massen, darf man als versierter Oktoberfestgänger und begeisterter Konzertgänger auch nicht haben. Aber schon beim Einlaufen in den Dorfkindergarten hab ich mit Kind auf dem Arm echte Beklemmungen bekommen …

Wahrscheinlich überträgt sich da die Sichtweise einer Zweijährigen auf die alte Tante? Keine Ahnung. Meine Erwartungshaltung war in jedem Fall ein paar Kinder mit ein paar begleitenden Erwachsenen. Aber: da waren Massen an Kindern, alle Altersstufen, von den ganz kleinen bis hin zu schon fast Teenagern. Hatte ich das Motto der Veranstaltung erwähnt? Auf dem großen weiten Meer – tummeln sich Cowboys mit Pistolen, Polizisten mit Pistolen, Indianer mit Pistolen, Spiderman mit Pistole, Superman mit Pistole, … es war so irre laut! Dass ich mich fast gefürchtet habe. Nicht zu vergessen die „anderen“ Zweijährigen (ich war da wirklich mit im Boot) rings um uns. Das dauert dann, bis die Minis auftauen, wenn überhaupt. Das Programm orientiert sich natürlich irgendwo in der Mitte, für die ganz Kleinen ist das noch eine Spur zu viel Trubel? Auch wenn sie sonst superfrech und mutig und ganz vorne dabei sind?

Dann das Highlight des Nachmittags: der Kasperl kommt! Der Raum für die gefühlt 500 Kinder und einige Begleiterwachsene: nicht mehr als 30 Quadratmeter! Meine Schwester, Mutter des Kindes, hat sich clever elegant aus der Affäre gezogen, die brave Tante sitzt natürlich mittendrin. Das Kasperltheater war – sagen wir mal ganz vorsichtig – in der Ansprache auch eher für Kinder gedacht, die den Kasperl schon kennen. Dann kam das Krokodil und hat die Prinzessin bedroht. Lautes Geschrei und Geschimpfe – und da waren die erlösenden Worte: Wo ist meine Mama? Wie gut, dass das Kind auf meinen Knien kurz geheult hat. So konnte ich die Schwitzkammer guten Gewissens pflichterfüllend mitten durch die Meute verlassen. Und draußen frische Luft schnappen. Und überleben 🙂

Nach diesem Ausflug bewundere ich alle, die in Faschings- und Karnevalsgesellschaften freiwillig einen Kinderball nach dem anderen absolvieren, einen Kindergarten nach dem anderen besuchen. Das ist wirklich eine Leistung, Hut ab!

Und ja, ich bin immer noch froh, dass wir danach bald heimgehen konnten und weiß seitdem Ruhe und frische Luft noch mehr zu schätzen!

Generationen-Modelle

In dieser Woche ist die Oma eines lieben Freundes gestorben. Zur Beerdigung haben sich die Enkelkinder mit einer Rede verabschiedet und ihre 1000 Erinnerungen an die Oma in Worte gefasst – Worte des Dankes, Worte der Liebe, Worte, die klar aussagen: wir sind in einem funktionierenden Generationsmodell aufgewachsen und sind sehr dankbar dafür. Die Oma im gleichen Haus, alle Abläufe innerhalb des 3-Generationen-Modells  aufeinander abgestimmt. Die Kinder wurden viel von der Oma versorgt, beide Eltern konnten so arbeiten, ein Teil der Erziehung lag ganz klar in ihren Händen, manchmal war sie vielleicht nachsichtiger und gütiger, als die eigenen Eltern, oft waren ihre Wertvorstellungen etwas antiquiert – aber alles in allem ist man als Kind dankbar, denn man findet immer jemanden, der sich um einen kümmert.

Ich bin selbst so aufgewachsen, meine Oma hat mit im gleichen Haus gewohnt. Ich habe einige Jahre mit ihr in einem Zimmer geschlafen, von ihr habe ich Rituale wie das Abendgebet kennengelernt, das für mich als Kind eine wichtige Rolle gespielt hat, mich in den Schlaf begleitet hat. Zwar hatte sie keinerlei Nachsicht, wenn man morgens mal am liebsten nicht gar so pünktlich aufgestanden wäre – aber zur Belohnung gab es täglich vor Kindergarten und Schule Kaba. Für mich immer ohne Haut obendrauf – denn eigentlich wollte sie auf so etwas wie Ekel keinerlei Rücksichten nehmen. „Wie kann man nur so heikel sein?“ Aber für die Enkeltochter wurde das dann selbstverständlich entfernt und mir mit einem missbilligenden, aber dabei so liebevollen Blick an den Tisch gestellt.

Mittags nach der Schule war es wieder die Oma, die uns das Mittagessen warmgmacht hat, die mit uns Hausaufgaben machte, die sich darum gekümmert hat, dass alles erledigt war, ehe Freunde zum Spielen auftauchten. Und sie war es auch, die uns Kindern beigebracht hat, dass man pünktlich zu Hause zu sein hat, dass man sich an Verabredungen zu halten hat – und nicht nur einmal ist sie mitten in einem so herrlich kunterbunten Spielenachmittag einfach aufgetaucht, um mich nach Hause zu pfeifen. Das war nicht immer so toll in dem Moment, eher peinlich. Aber so war sie eben.

Für sie gehörte es dazu, zu funktionieren. Das Mittagessen musste pünktlich auf dem Tisch stehen, mein Vater als Hausherr wurde verwöhnt, alles andere muste hinter den funktionierenden Abläufen zurückstehen. Auch eigene Krankheiten haben sie nicht davon abgehalten, aufzustehen und die Tagesaufgaben zu erfüllen. Nicht immer vernünftig, aber in ihrer Welt gehörte das eben dazu. Und muss deshalb anerkannt werden. Dieses „Funktionieren“ habe ich in meiner Teenagerzeit immer wieder sehr kritisch hinterfragt, mich damit auseinandergesetzt, es aus vielen Blickwinkeln überhaupt nicht toll gefunden. Denn wer von sich selbst so viel fordert erwartet auch von anderen viel, manchmal zu viel.

Heute bin ich der Oma dankbar, denn Funktionieren bedeutet auch, unwichtige Dinge ausblenden, Nebenschauplätze vernachlässigen, sich auf Ziele konzentrieren und diese verfolgen. Funktionieren bedeutet nicht, blind zu funktionieren, aber wer sich selbst realistisch einschätzen kann, kann auch in stürmischen Zeiten bestehen und wirft nicht gleich bei kleinen, im nachhinein belanglosen Problemen alles hin. Funktionieren bedeutet, dass man gut mit seinen Energien haushalten kann – und das wird in der heutigen Zeit wichtiger denn je.
Um noch mal auf die Oma meines Freundes zurückzukommen: sie war eine tolle Frau. Die ihre Familie zusammengehalten, ihre Kinder trotz des frühen Verlust des leiblichen Vaters zu einem guten Team zusammengeführt hat, ihre Enkel um sich geschart hat und auch diesen früh ein Gefühl für Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl mitgegeben hat, dabi mit viel Wärme und liebevoller Zunigung dafür gesorgt hat, dass sie ihren eigenen Weg finden und gehen können. Und immer wissen, wo sie zu Hause sind. Für viel mag die Vorstellung der Großfamilie eher befremdlich sein, in dieser Familie weiß jeder, was er von den anderen hat. Sie helfen sich gegnseitig, stehen füreinander ein, die Familienbande sind sehr freundchaftlich. Da vermischen sich auch ganz schnell mal die Generationen, Großtante beaufsichtigt die Enkelkinder des Bruders, der Großneffe kommt zum Gartenarbeiten vorbei, man feiert die Geburtstage gemeinsam. Ich finde: es ist sehr zu empfehlen, dieses Modell!

Vereiste Spinnweben

Am Wochenende hab ich mit meiner Nichte etwas sehr besonderes entdeckt: eine vereiste Spinnwebe. An der „Wäschespinne“ im Garten – wie passend. Spinnweben kennt man, gefrorenen Tau kennt man – aber eine ganz zarte Spinnwebe, auf der Tau gefroren ist? Ist wahrscheinlich schon etwas Besonderes in dieser Jahreszeit? Im Winter sind dann entweder die Spinnweben durch den schweren Tau gerissen oder ich weiß es nicht. Im Frühjahr kommen die neuen Spinnweben ….

Wir beide haben uns in jedem Fall total über unsere Entdeckung gefreut. Das sieht sehr besonders aus, sehr zart, ganz leicht – es bewegt sich etwas im Wind. Und natürlich noch viel mehr, wenn wir unser Lieblingsspiel mit der Wäschespinne vollführen, also sie auf meinem Arm sitzt, eine der Wäscheleinen greift und wir uns um die Wäschespinne immer schneller drehen, es ist wie tanzen, wir lachen viel, beobachten den Himmel, der sich in unserem Laufen mitdreht, und wir beiden können uns so herrlich einfach an dieser Bewegung freuen.

„Mehr?“ Aber klar doch „mehr ….!“

 

Sich mal wieder wie 13 fühlen

Darf man, egal wie alt man ist. Macht am meisten Spaß mit einer lieben Freundin. Und am besten haben gerade alle beide Liebeskummer, sind frisch verliebt, schwärmen unsterblich für einen Musiker, Schauspieler, oder oder oder. Ganz wichtig ist: wenn man sich wie 13 fühlt ist nichts peinlich. Man kann gemeinsam lachen, sich alles vorstellen, alles ist möglich, alles kann passieren. Die Welt steht offen, es gibt keine Grenzen, der Phantasie wachsen Flügel. Man fühlt sich unschlagbar. Freundschaften werden für immer geschlossen. Das ganze Leben liegt vor uns, dennoch ist heute wichtiger als alles andere. Das Hier und Jetzt ist so unglaublich groß!
Wieder mal 13 sein ist wichtig, man sollte sich dafür nie zu erwachsen sein, im Gegenteil. Es tut irre gut, öfter mal alles zu fühlen, zu erleben, zu entdecken, wie mit 13.

Einen Vorteil hat es allerdings, sich wie 13 zu fühlen, auch wenn man etwas älter ist: die Elternentscheidungen verlieren an Einfluss 🙂