Archiv der Kategorie: Glückspilz-Momente

Freundschaft

Der vorgezogene Tauftermin fiel auf das Wochenende, das die beste Freundin mit ihrem Mann für endlich mal wieder ein paar Tage in Bayern gebucht hatten. Wenigstens ein paar schöne Stunden am Freitag Abend haben wir uns gestohlen – und üblicherweise sind die Nichten nicht so bereit, Tanten-Nichten-Zeit zu opfern. Meine Argumente haben sie dann aber zu gut verstanden: die beste Freundin und ich kennen uns schon mehr als die Hälfte unseres Lebens. Fast genau so lang müssen wir unsere Freundschaft auf Distanz leben. Das gelingt uns mal mit vielen Kontaktmöglichkeiten, mal weniger. Auch außerhalb von Corona …

In jedem Fall ist unsere Freundinnen-Zeit immer ein Geschenk von zwei Seiten. Das muss gepflegt werden. Und Gelegenheiten sind dazu da, genutzt zu werden. Auch wenn das bedeutet, dass es insgesamt nur wenig gemeinsame Zeit wird. Die muss dann eben effizienter genutzt werden.

Dann kamen am Folgetag die beste Freundin der bezaubernden Nichte mit Familie. Und wieder mal wird klar: auch die zwei haben die Chance, ihre Freundschaft fortzusetzen. Sie finden ihre Wege, die Distanz zu überbrücken. Aber sie haben sich so gern und machen immer da weiter, wo sie aufgehört haben. Und das überträgt sich sogar auf die jeweiligen Zweitgeborenen. So ist der 5jährige mit seiner 3jährigen Freundin händchenhaltend den Hang hoch gelaufen. Zum Abschied gabs ein Bussi – und dann noch eins 😍

Sommerzeit

BAE9C6D9-7153-423E-B9A8-E1BCBE8CE42EUnd jedes Jahr möchte ich es wiederholen: wie schön sind eigentlich diese heiß-heißer-am heißesten Sommertage? Früh am Morgen noch angenehm kühl, schon um 9 Uhr bin ich mehr als froh, auf der bald der Sonne abgeneigten Gebäudeseite arbeiten zu dürfen. Trotzdem ist das mit der Konzentration ein Ding der Unmöglichkeit – die Bewohner der südlichen Länder wissen schon, warum sie in den heißen Wochen einfach nicht arbeiten …

Auf der Heimfahrt dann die Frage: Fenster auf oder muss es doch die Klimaanlage sein? Und dann entspannt auslüften – am liebsten allein auf meinem Balkon. Aber auch meine wenig frequentierten Wanderstrecken funktionieren. Oder ein nicht zu voller Biergarten. Und sogar ich, die ich ja ein echtes Viel- und Lang-Schlafverhalten habe, hab aktuell lange und laue Abende. Und ab sofort werd ich Ausschau nach den Sternschnuppen halten – wenn sich schon der Komet vor mir bedeckt gehalten hat 😉

Ist das schön mit dir, Sommer, du darfst gern noch verweilen – ich mag auch den Sommer 2020 richtig gern ☀️🌤🌦🌈✨💫🌜

Feierliches Wiedersehen

Das Verständnis war groß, wenn nur das mit der wachsenden Sehnsucht nicht wär … und dann wurde inmitten des totalen Herunterfahrens ja auch noch eine neue Enkeltochter geboren. Ein runder Geburtstag und die Lockerungen waren jetzt auf jeden Fall dann mehr als genug gute Gründe für ein familiäres Wiedersehen. Beim Zusammenkommen bleibt die Runde zwar klein, aber alle Herzensmenschen auf einem Fleck. Und beim Aufeinandertreffen hat man an allen Ecken und Enden so was von gespürt, wie sehr das mit dem Vermissen und das Videotelefonieren jetzt auch mal langsam nervt? Und wie schön sich „in echt“ anfühlt.

Strahlende Kinder- und Großelternaugen sind schon was echt Besonderes. Und kreativ macht es auch, die Nichten haben selbst gebastelte, sogar selbst geschriebene Geschenke und Glückwunschkarten mitgebracht. Und spontan eine Einlage zu Besten gebracht: mit einigen wenigen Utensilien und sich verstellen haben sie jeden einzelnen so gelungen interpretiert, dass alle vor lauter Lachen gar nicht mehr raten konnten, wer da gerade parodiert wurde 😉

Das jetzt jüngste Familienmitglied ist einfach so im Pulk mitgelaufen … also leider ja noch nicht in echt. Aber jeder musste sie mal rumtragen. Und dabei bewundern. Und vergleichen. Und feststellen, wie groß sie schon ist. Und und und. Zum Glück ist Nichte 3.0 von zu Hause schon eine laute Kulisse gewöhnt, denn mit zwei lauten großen Schwestern …

Das Geburtstagskind? Hat alles sehr genossen. Die Familie. Das beim Wirtshaus geholte Essen. Sogar das Wetter. Und die Erholungsphase zwischendrin, denn typischerweise bleibt sie lieber daheim, wenn wir eine Runde Frischluft erlaufen. Auch da also alles beim Alten und „in Balance“.

Achso, ja: mein Geldbeutel mit allen Ausweisen und Karten und so ist dummerweise mit den Nichten nach Hause gefahren … da muss er jetzt mal ein paar Tage bleiben. Obwohl Nicht 2.0 ja gestern beim Abschied schon vorgeschlagen hat, dass ich heute gleich zu Ihnen kommen soll. „Ich muss doch arbeiten.“ „Warum?“ …

Viele gute Gründe, von Herzen dankbar zu sein

Ich hab mich von der lieben Freidenkerin inspirieren lassen, meine Dankbarkeit aufzuschreiben und finde, es gibt keinen besseren Tag dafür:

1. ich bin gesund und zwar so, dass ich über Wehwehchen klagen kann

2. meine liebsten Menschen sind gesund oder dürfen heilen

3. ich habe mehr als einen Ort, an dem ich ein Dach über dem Kopf habe und an dem ich mich zu Hause fühle

4. ich kann gut alleine sein und fühle mich selten isoliert

5. es gibt Menschen, denen ich am Herzen liege

6. es gibt Menschen, die mir am Herzen liegen

7. ich habe lesen und schreiben lernen dürfen, kann Bücher lesen und verstehen – und ich darf meine Gedanken und Erlebnisse aufschreiben

8. ich durfte eine Schulausbildung genießen

9. ich durfte studieren und mich weiterbilden

10. ich habe einen Beruf gefunden, der mich erfüllt

11. der Beruf ist nicht systemrelevant und ich darf dennoch weiterhin arbeiten, mein Arbeitgeber ist engagiert, uns als Mitarbeiter zu unterstützen

12. durch meine berufliche Auszeit und den Wechsel in eine andere Branche weiß ich, dass ich sehr wenig „brauche“, um klarzukommen

13. ich komme mit Veränderung gut klar (auch wenn ich sie für mich durchdenken muss)

14. ich kann mich an Regeln halten

15. ich weiß zu schätzen, wenn andere sich an Regeln halten

16. ich darf in Bayern leben und weiß meine Umgebung inklusive der darin lebenden Mitmenschen sehr zu schätzen

17. ich bin in einem freien Land und ohne Einschränkungen aufgewachsen

18. ich erkenne verantwortungsbewusste und -volle Politik

19. Solidarität ist mir wichtig, nicht nur in Krisenzeiten

20. ich bin mehr Wir- als Ich-Mensch, ein Teamplayer – lieber gemeinsam stark

21. viel von meinem großen Glück liegt im Augenblick, im Erkennen von kleinen Glücksmomenten

22. ich weiß den Wert von Freizeit zu schätzen

23. ich kann anpacken und Dinge lernen, die ich noch nie gemacht habe

24. ich bin das Gegenteil von einem Mathe-Genie, aber ich beherrsche die Grundrechenarten und weiß, wem ich den Rest der Zahlenweltherrschaft überlasse, also wen ich bitten kann, mir zu helfen

25. ich habe im Lauf meines Lebens gelernt, alles trotz Unsicherheit erst mal anzunehmen und damit umzugehen, statt mich von der Angst lähmen zu lassen

26. ich habe Menschen, die ich um Rat fragen kann

27. ich bin umgeben von Technik, die mir ermöglicht, soziale Distanz so zu überbrücken, dass ich mein eben nicht Gegenüber nicht nur stimmlich, sondern sogar Lächeln sehen kann

28. ich darf Lächeln

29. ich darf das Gute erkennen und mich darüber freuen

30. ich habe in meinem Leben nur gelesen, dass Frauen nicht gleichberechtigt sind und musste mich noch nie unterordnen

31. ich musste noch nie unter Hunger leiden, stolpere eher immer mehr über den Überfluss an Nahrungsmitteln

32. mein Luxus hat mit Zeit zu tun und ich bin sehr dankbar, dass mir die letzten Wochen einmal mehr klargeworden ist, dass ich da durchaus weniger rücksichtsvoll sein werde, weil ich Zeit mit den liebsten Menschen einfordern darf (Danke an die beste Freundin für dieses Impuls)

33. ich fühle mich sicher

34. ich schätze mein Heimatland für diese Absicherung

35. ich erkenne politische Besonnenheit und kann radikale, populistische „Argumentation“ einordnen

36. ich mag es nicht, wenn sich Menschen in Krisen in den Vordergrund positionieren, darf aber bemerken, wenn jemand im Hintergrund tatkräftig Besserung schafft

37. ich werde täglich überinformiert und darf mir die Informationen entnehmen, die mich interessieren

38. ich kann über verschiedenste Kanäle frei meine Meinung formulieren, es aber auch bleiben lassen

39. ich bekomme Antworten, wenn ich frage

40. ich darf mich freimachen von Verschwörungstheorien und sonstigen beklemmenden Angstzuständen

41. ich darf mich klein und unwichtig fühlen

42. ich bewege mich in der Gesellschaft und entscheide innerhalb von gesetzlichen Regeln, wie konform ich mich anpasse

43. ich habe schon viel von der Welt gesehen und erkenne immer mehr, dass es weniger darum geht, weit, fern und mit viel Trara zu reisen, sondern immer wieder neue und alte Wege zu gehen

44. mir ist klar, dass ich nichts besitze, sondern meine „Besitztümer“ nur meine Lebenszeit begleiten

45. ich wertschätze dieses mein eines Leben sehr, genauso wie es ist

46. ich komme in unserer schnelllebigen Zeit klar, aber genauso gut mit dem aktuellen Zustand des völligen Ausgebremstwerdens

47. ich habe das große Glück, dass ich das alles erkennen und verstehen darf – und dankbar dafür sein kann.

… was immer ich vergessen habe, es steckt sicherlich irgendwo in diesen 47 guten Gründen, die mir für heute ausreichen sollen 🙏