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Perspektive

Heute war ich eingeladen – zu einem runden Geburtstag. Die Einladung kam zu einem Zeitpunkt, an dem man schon vorsichtiger mit Planen war. Statt „groß“ einzuladen wurde eine verkleinerte Runde der engsten Menschen in einer WhatsApp-Gruppe zusammengefasst. Und statt dem wahrscheinlich dem Anlass gebührenden eigentlich geplanten großen Happening war es ein minimaler, um nicht zu sagen fast schon kuscheliger Alternativplan: warm einpacken, wir feiern im Garten und es gibt viel warme, wärmende Suppe … Die positiven Rückmeldungen waren enorm, alle fanden die Idee einer Novemberfeier auf Abstand und Draußen grandios. In diesen Zeiten.

Anders als andere, die das jetzt trotzdem – mit weniger Gespür für Abstand und drinnen – machen würden, hat das Geburtstagskind konsequent abgesagt. Sie hält sich an Regeln, bringt nicht deutlich mehr als zwei Haushalte zusammen, auch nicht an der frischen Luft. Einfach, weil. Und das finde ich gut.

Auf die Absage haben übrigens alle sehr positiv reagiert – und mit viel Perspektive. Denn irgendwann ist das ein schöner Grund, vieles Nachzufeiern. Und darauf kann man sich auch mit gutem Gewissen vorfreuen … Liebe Mama der Münchner Patenkinder, lass dich heute in dem Kreis deiner Liebsten schön klein feiern. Mit großer Perspektive – auf weiterhin aufregende und abwechslungsreiche Lebenszeiten. Happy happy Birthday 🙂

Müde

Ich find den Begriff „Corona-müde“ schon SEHR zwei- bzw. vieldeutig. Dummerweise leiden nämlich all diejenigen im Bekanntenkreis, die im Frühjahr an Corona erkrankt sind, tatsächlich an einer ständigen, bleiernen Müdigkeit. Insofern ist die Formulierung für alle anderen, die das für sich in Anspruch nehmen, sich „Normalität“ zurück wünschen, ein bisschen oder besser fast schon auf skurrile Weise absurd …

Ein Gedanke, der mich gerade wirklich beschäftigt: Ja, die Politik versucht, auch diejenigen, die sich eben nicht an die sehr einfachen Regeln halten, irgendwie dazu zu bringen, andere nicht zu gefährden. Aber doch genau deshalb, weil sich, wie gerade geschrieben, einige nicht an die sehr einfachen und – zumindest mir so erscheinenden – Regeln halten: AHA+ L(+A) :

  • Abstand einhalten
  • Hygiene ernst nehmen (also Händewaschen gilt übrigens immer noch als recht probates Mittel – ich mein ja nur)
  • Alltagsmaske tragen
  • jetzt im Herbst/Winter wurde um regelmäßiges Lüften ergänzt
  • die Corona-Warn-App nutzen

Und ich bedanke mich hiermit bei allen, die sich wie ich daran halten.

Dummerweise erlebe ich gerade bei gar nicht mehr so wenigen Menschen in meinem Umfeld regelrecht asoziales Verhalten. Das geht von eigenen oder geteilten Hassreden in den sozialen Netzwerken über „Ich lasse mir nicht verbieten, zu feiern – wann, wie oft und mit wem ich will“ bis zu direkten, persönlich-verletztenden Angriffen auf „euch dumme Schlafschafe“, dass ich von meiner Anspannung diesen Verhaltensweisen gegenüber (und dem hoffentlich unmittelbar folgenden Entfreunden …) müde werde …

…?

Kürzlich hab ich bei einem Besuch im Krankenhaus ein Gespräch „belauscht“. Eine Frau in meinem Alter hat dem Krankenhauspersonal erklärt, dass sie „freiwillig“ auf den Mund-Nasenschutz verzichte. Weil wenn sie angesteckt werde, dann sei das schließlich ihre eigene Entscheidung. Die nette Dame am Empfangstresen, der sie bei ihrem wortreichen Vortrag über das Recht auf ihre ganz persönliche Meinungsfreiheit, das schließlich zu ihrem Leben fest dazugehöre, auch wenn die Regierung das derzeit überhaupt nicht einsehe, deutlich näher auf die Pelle rückte, als die noch deutlicher aufgezeichneten Abstandslinien, hat ihr dann – ohne Erklärung – den Zutritt verwehrt. Sie musste sich nicht mal die Hände beim Verlassen des Gebäudes desinfizieren … hat aber draußen trotzdem noch, bis ich um die Ecke war, vor sich hin geschimpft.

Hm. Da war ihre Informationslage ja eindeutig zweideutig. Oder besser ihre Auslegung? Impliziert das Wort Schutz in Mund-Nasenschutz vielleicht zu sehr, dass das Ego geschützt werden soll? Also in ihrer Interpretation jedenfalls nicht kranke Menschen, denn einen Gesunden wollte sie im Krankenhaus vermutlich eher nicht besuchen …?

Einheit

Heute früh hat ein Bekannter von mir gepostet:

Tag der Deutschen Einheit. Ich glaube wir waren nie weiter davon entfernt, ohne es bedeutungstechnisch auf Ost/West zu beziehen …

Um für mich zu sprechen: Geschwurbel, Verschwörungstheorien, Meinungsfreiheitsrecherchen, etc. Kann jeder halten, wie er will. Wir leben ja in einem freien Land. Zum Glück. Finde ich. Ich bin durch und durch Teamplayer, wer nicht mehr zum Team gehören möchte? Alles Gute.