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Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 5 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Autofahren

Ich liebe Autofahren – aber erst, seitdem ich erwachsen bin und selbst der Fahrer bin. Als Kind hab ichs gehasst. Und zwar so richtig. Meine ersten Erinnerungen an Autofahren stammen natürlich aus einer Zeit, in der es keine Kindersitze gab. In der man auf der Rückbank liegen, sitzen, stehen – was auch immer  – konnte. Im alten Käfer meiner Eltern haben wir kaum weite Strecken zurückgelegt. Die Fahrt zu den Großeltern ein paar Kilometer, zum Einkaufen maximal 20 Kilometer. Vom Land nach München knappe 60 Kilometer. Und trotzdem mochte ich nicht gerne Autofahren – oder besser im Auto mitfahren.

Ich hatte als Kind alle Anzeichen von Reisekrankheit, mir war übel, ich bekam Kopfschmerzen, mir war schnell fad, ich mochte es nicht, dass man im Auto so ein Gefühl von eingesperrt sein hatte. Ich mochte den Geruch im Auto nicht, mochte aber auch kein offenen Fenster wegen dem Zug. Spätestens als meine Geschwister mit unterwegs waren war es selbstverständlich auch immer zu eng, wir mussten uns später anschnallen, irgendwann gab es erste Sitze … ich konnte unterwegs sein mit dem Auto nie wirklich leiden.

Wenn ich mir anschaue, mit welchem Komfort Kinder heute im Auto unterwegs sind – schon anders! Ein komplettes Bespaßungsprogramm an Spielzeug hängt vor den hochmodernen Kindersitzen, die auch noch bequem auf die Körpergröße abgestimmt sind, man sieht sogar nach draußen. Alles ist griffbereit, Essen, Trinken, Lieblingsstofftiere, Bücher. Und trotzdem glaube ich, dass ich, wäre ich heute Kind, genauso wenig gerne im Auto längere Strecken zurücklegen würde – wie meine Nichte, die nicht gerne im Auto fährt. Zumindest meistens. In dem Alter versteht man sicherlich nicht, dass der Weg zum Ziel führt, das Raum-Zeit-Verständnis fehlt. Klar steigt sie gerne ins Auto ein, wenns zu Oma und Opa geht – aber dann dauerts. Und man sitzt hinten drin und wartet. Die Vorfreude ist längst da, wann sind wir endlich da?

Und so ein Stück weit langweilig bleibt es aus Sicht eines Kindes wohl doch auch im modernen Zeitalter?

Aber – und das ist aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel das Gute daran – heute liebe ich Autofahren. Seit ich den Führerschein habe fahre ich  wenn möglich selber, genieße es, das Tempo vorzugeben, die Route zu wählen. Mir wirds nur noch übel, wenn ich hinten mitfahren muss und jemand, na ja, nennen wir es mal so: nicht so gut Autofahren kann. Und heute genieße ich jede Sekunde, die ich fahren darf. Für mich ist der Weg das Ziel. Ich genieße die Strecke, die Ausblicke unterwegs. Das kann herrlich entspannend sein!

So wie gestern, als ich aus dem etwas nebligen Norden in den supersonnigen Süden hineingefahren bin. Von München aus ein freier Blick auf die komplette Bergkette, herbstliche Wälder, der Sonneneinfall so, dass man rund um sich eine wunderbar bunte Landschaft zu sehen bekommt. Darüber zwei Heißluftballone, die Fahrer haben aus luftiger Perspektive den Spätsommertag genossen. Der Vorteil, wenn man an einem Sonntag erst spät in Richtung Berge fährt: man steht nicht im Stau, sondern genießt die freie Fahrt vorbei an den Rückkehrern vom Starnberger See. Dann nimmt man eine Ausfahrt und verlängert das Genießen noch um ein paar Kilometer beim Autofahren. Der Weg ist das Ziel – außer wenn man bei lieben Freunden ankommt, herzlich willkommen geheißen wird und sich einfach nur rundum wohlfühlt! Dann vereint sich Weg und Ankommen und Einfach-Da-Sein.

Danke für die Einladung an Claudia&Andi, es war ein so schöner, intensiver Abend, Lenas BIld hat schon einen Ehrenplatz bekommen 🙂

Spätsommerwochenende

Es hilft alles nichts, ich muss wenigstens ein paar Worte verlieren wie herrlich dieser Tag heute war. Zwar sitze ich arbeitend im Büro, aber draussen vor meinem Fenster blitzt ein herbstlich gefärbter Baum im Sonnenlicht. Vor fast strahlend blauem Himmel. Gibts eigentlich was Tolleres? Ja, ich habe ein Faible für diese Jahreszeit – vielleicht, weil ich ein Frühlingskind bin und wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben Herbstfarben gesehen habe? So mit einem halben Jahr fängt man doch an, wirklich zu sehen?

In jedem Fall ist es zwar nicht gerade förderlich für mein Arbeitspensum, aber ich kann mich in diesem Baum und in allen anderen gerade so richtig verlieren. Könnte stundenlang schauen, staunen, bewundern, mich an den Farben, den Nuancen, den Schattierungen, dem Glitzern, der Stille erfreuen. Hat man nicht alle Tage, dass die Farben und das Wetter im goldenen Oktober so perfekt miteinander überienstimmen?

Und das tollste an allem ist: das Wochenende soll so weitergehen. Sonnig, warm und schön. Das bedeutet: ich plane ununterbrochen draußen zu sein. Und das sollte klappen. Vielleicht lass ich Sonntag sogar mal wieder einen alten Drachen steigen? Das war doch schon als Kind perfekt für die herbstzeit? Und es fasziniert mich heute wie damals: wie man ewig braucht, bis man den Dreh raus hat, dass der Drachen dann auch wirklich mal von der Luft getragen wird, wie man laufen muss, nicht zu langsam, nicht zu schnell. Wie es irgendwann klappt und man vollkommen eins mit den Bewegungen des Windes wird. Und wie abhängig man auch genau davon wird, denn der wunderschöne Drache, der eben noch elegant in der Luft schwebte, ist auch ganz schnell und ohne Eleganz auf den Boden zurückgesaust, wenn es eben nicht mehr passt? Träume gerade von einem Spätnachmittag auf einem Hügel irgendwo im Alpenvorland mit netter Begleitung – na, das sollte doch machbar sein? 🙂

Euch allen, die mitlesen, ein schönes Spätsommerwochenende!

Bilder aus der Kindheit in meinem Kopf

Witzig, was man in seinem Kopf alles abgespeichert hat, ohne es bewusst abzuholen – war heute in der Mittagspause draußen unterwegs und hab die bunten Blätter an den Bäumen betrachtet. Da schießt mir plötzlich ein Bild aus meiner Kindheit in den Kopf: ein Garten, den es heute gar nicht mehr gibt, denn dort steht jetzt das Haus meiner Tante. Als ich klein war stand da noch der uralte Obstgarten meiner Großeltern. Ich bin immer nicht ganz sicher, ob ich mir einbilde, dass da noch eine Art Hühnerhaus drin war? Oder ein Taubenschlag? Oder ein Bienenstock. So weit reicht meine Erinnerung leider nicht – aber an die Farben kann ich mich gut erinnern.

Wenn die Sonne hinter dem alten Schulhaus durchgeblitzt ist, dann hat sie die wenigen Blätter an den Bäumen in strahlende Farben versetzt. Die meisten lagen aber schon unten auf dem Boden. Ich an der Hand meiner Oma, oder Tante, oder Mama. Mit Gummistiefeln? Weiß ich nicht mehr – auf jeden Fall kann ich mich an den Spaß erinnern, wenn ich durch das Laub geraschelt bin. So sicher stand ich noch nicht auf den Beinen, ich hab auch keine Laute mehr im Ohr. Aber das Aufleuchten der Farben, dieses wunderbare Glitzern in der Sonne, das Blitzen, wenn der Wind die Blätter dreht.

Durchs Herbtlauf laufen mach ich übrigens heute genauso gern wie damals, früher mit Hund – heute hin und wieder mit einem meiner Patenkinder. Und ich kann mich immer nicht entscheiden, wer den größten Spaß dabei hat? Hab eben den Wetterbericht gelesen: das Wochenende soll traumhaft schön werden und ich hab Sonntag ein Date mit meiner Nichte – ich hoffe doch sehr, wir gehen Laubrascheln? Und sie hat später mal Bilder mit mir im bunten Laub in ihren Kindheitserinnerungen? 🙂

Jedem geht mal „die Vernunft aus“

Als Kind hatte ich oft mal den Eindruck, nicht gerecht behandelt zu werden: immer Verbote, immer geschimpft werden, nie meinen Kopf durchsetzen. Auch – oder natürlich gerade dann – wenn ich recht hatte. Aus meiner heutigen Perspektive muss ich sagen: Kinder wissen nicht immer, was gut und richtig ist. Aber es gibt auch Situationen, in denen eure Eltern, die Großeltern oder die lieben Tanten und Onkel einfach mal mit der Situation überfordert sind. Das kann einfach dadurch passieren, dass der Tag lang und anstrengend war, dass man sich gerade gestritten hat, dass man sich über etwas geärgert hat. Kurz: auch Erwachsene halten sich nicht immer an die selbst gesetzten Regeln, sind nicht immer gerecht, nicht immer fair. Es passiert jedem, dass er mal nicht gut agiert, sich über etwas ärgert, nicht mehr souverän sein kann und sogar ein Stück weit die Kontrolle verliert.

Wichtig ist für Erwachsene und Kinder zu verstehen, dass das in der Situation zwar so ankommt, aber keinesfalls böse gemeint ist – ja, das ist manchmal schrecklich ungerecht! Und als nichterziehungsberechtigte Tante sitze ich dann nebendran und denke: soll ich mich einmischen? Kann ich mich einmischen? Was kann ich sagen, ohne die Situation noch weiter zu eskalieren? Passiert mir in beide Richtungen: denen die Vernunft ausgeht – Kinder, die unvernünftig provozieren.

In diesem Jahr saß ich mal mit den Eltern meiner Patenkinder gerade glücklich in der Sonne, um uns rum Trubel, aber wir waren gerade so schön im Moment angekommen. Erwachsene mögen sowas – als Kind ist das langweilig. Deshalb die Frage „Wer spielt jetzt mit mir?“ Die kleine Schwester ist noch zu langweilig und es sitzen da 3 Erwachsene, jeder ein potentieller Kandidat. „Wir sitzen jetzt erst mal 10 Minuten, lass uns einfach mal in Ruhe.“ Nach gefühlt 30 Sekunden „Aber jetzt gehts lohohos, los, wer spielt mit mir!“ Darauf gabs dann keine klare Antwort, kein einfaches Nein, sondern einen bombastischen Anpfiff. Der aus Sicht des betroffenen 6jährigen und aus meiner nicht wirklich gerechtfertigt war. Etwas zu sehr Anpfiff, etwas zu aggressiv in der Situation – aber passiert. Und es wäre schrecklich, wenn ein Kind sein ganzes Leben lang denkt, das wäre persönlich gemeint gewesen – oder es hätte etwas verkehrt gemacht. Er hat sich so ungerecht behandelt gefühlt, Schnute, „aber ich hab doch gar nix verekhrt gemacht ….!“

Man kann von einem 6jährigen nicht verlangen, die Welt mit den Augen eines gestressten Erwachsenen zu sehen. Und man kann von einem Erwachsenen nicht immer verlangen, dass er Verständnis für alle Bedürfnisse eines Kindes hat. Und trotzdem: die Welt ein bisschen unbeschwerter nehmen, den Stress abschütteln, Dampf an den richtigen Stellen ablassen, sich Zeit für die Kinder nehmen, wenn sie wach sind, das ist alles immer dann möglich, wenn die Energiereserven aufgeladen sind.Wenn die Batterie leer ist sieht es anders aus …

Es gibt keinen Wegweiser für Mama und Papa, Oma und Opa, Tante und Onkel, was wann wie zu tun ist, wenn die Vernunft mal ausgeht. Und auch das muss man wahrscheinlich lernen, gehört zum Prozess des kindlichen Begreifens dazu. Solange es bei Ausrutschern bleibt, alle sich ansonsten an die gesetzten Regeln halten, ist es wahrscheinlich ok. Das Maß sollte es aber nicht werden. Und was ich nie akzeptieren möchte, ist etwas an einem Kind auslassen, nur damit es einem als Erwachsenem besser geht. Was ich nicht toleriere ist Gewalt. Aber ich weiß, dass auch meinen Eltern immer mal wieder die Hutschnur geplatzt ist. Vor allem mit mir als der Ältesten, die sich nicht immer an die Regeln gehalten, häufig die Grenzen ausgetestet und generell immer dagegen geredet hat. Und heute verstehen wir uns so gut – so sollte es sein, oder?