Alle Beiträge von meinesichtderwelt

Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 4 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Auf nach Berlin

Und jährlich grüßt das Murmeltier: ich werde wohl nie verstehen, warum die Tage und Wochen vor einer Messe verfliegen, unzählige Überstunden und sogar Nachtschichten anstehen. Ist und bleibt stressig, seit mehr als 10 Jahren immer wieder verfliegen Januar und Februar, als wärs maximal ein Monat. Stress pur, manchmal weniger, meist mehr. Und dabei dreht sich doch dieser Tage in Berlin alles rund um Freizeit, Erholung, Entspannen, Ausspannen, Ferien, Urlaub – Reisen. Aber wie auch manchmal beim Urlaub: Vorbereiten ist dann doch manchmal anstrengend? Egal, die nächsten 3 Tage bin ich in Berlin. Allerdings nicht zum Sightseeing, von der Stadt werde ich wieder mal den wunderschönen Flughafen Tegel sehen – hatte ich mich nicht letztes Jahr in aller Ruhe und mit der angebrachten Würde verabschiedet? Auch egal. Dann die Fahrt in die Stadt zum Hotel – je nachdem, wie das Wetter und der Taxifahrer so sind kann das durchaus nette Ausblicke verschaffen. Vom Hotel zur Messe – da sind es immer eher die Eindrücke aus der U-Bahn, die so anders sind, als wir das aus unserem kleinstädtischen München gewöhnt sind.

Und dann gehts tief rein in die Messehallen, weite Wege, schlechte Luft, Menschenmassen. Und trotzdem: tief im Inneren freu ich mich. Ok, noch nicht jetzt gerade, aber wenn ich dann da bin, auf den altbekannten Wegen durch die Messehallen laufe, unterwegs sieht man die bekannten Gesichter, die ganze Messewelt ein Dorf. Spätestens wenn man die trifft, die man wirklich nur einmal im Jahr sieht, entweder weil sich so selten Berührungspunkte ergeben – oder weil es sonst ja ausreicht, sich eine Mail zu schicken, zu telefonieren … Langsam (ich hab noch einiges vorzubereiten, hab aber eben eine mentale Pause und ein Durchatmen gebraucht, dazu ist Blog-Schreiben einfach perfekt) beginne ich, mich zu freuen!

Morgen – sehr früh – gehts dann los. Und ich hoffe, dass es wie immer ist: kurzweilig, mit vielen netten Begegnungen. Und: Inspirationen. Denn das schöne an der bunten weiten Welt der Touristik ist genau das, was im Alltag manchmal auf der Strecke bleibt. Diese Lust, etwas Neues zu sehen, weit weg zu reisen oder endlich mal etwas kennenzulernen, was ganz in der Nähe ist, aber dadurch vielleicht bislang nicht so auf dem Radar. Am meisten freue ich mich darauf, am Freitag zwischen nur noch 2-3 Terminen durch die Hallen zu gehen und wirklich an den Ständen Bilder aufzunehmen, mit Menschen zu sprechen – udn dabei vielleicht die ein oder andere Idee mit nach Hause zu nehmen. ITB 2013, morgen komm ich, übermorgen hab ich noch einen übervollen Terminplan, aber am Freitag, da werd ich dich so richtig genießen!

Spruch zum Wochenende: Freundschaft

Heute hat mich jemand gerüttelt, ganz sachte, einfach nur um sicherzustellen, dass alles ok ist. Und dafür kann ich nur Danke sagen. Und ihr meinen Spruch zum Wochenende widmen:

Freundschaft verzaubert, sie macht gute Zeiten noch besser und lässt uns die schlechten vergessen. (Quelle)
Ich habe gute Vorsätze, werde sie vielleicht nicht alle einhalten können, aber ich vertraue einfach ganz fest darauf, dass ich demnächst wieder mehr Zeit für alle habe, die mir wichtig sind. Und Punkt.
Schönes Wochenende

3096 Tage

Gestern abend saß ich mit hunderten von Menschen im Matthäser Kino und habe einen Film gesehen, über die Entführung eines zehnjährigen Mädchens, das sich nach 8 Jahren befreien konnte. Besonders nachdenklich stimmt mich, dass diejenige, deren Geschichte erzählt wird, mit im Kinosaal saß. Viele Gäste haben sich umgedreht, versucht einen Blick auf Natascha Kampusch zu erhaschen, die Frau zu sehen, die das alles erlebt hat. Ich habe auch geschaut, mich dann aber wieder nach vorne gedreht, in der Erwartung in den nächsten 109 Minuten ohnehin viel zu viel zu sehen, viel zu viel mitzufühlen – und trotzdem nicht nachempfinden zu können, was eigentlich geschehen ist.

Sobald der Film lief war eine fast greifbare Stille im Raum, eine seltsame Ergriffenheit. Bei diesem Stoff bleibt niemand unberührt, jeder auf seine eigene Weise, ich vermute, dass jeder Kinobesucher aufgrund seines eigenen Erfahrungshintergrunds andere Schlussfolgerungen zieht, sich mit unterschiedlichen Gedanken und Eindrücken befasst und seine Sicht der Dinge hat. Vielleicht ist das der Grund, warum Regisseurin und Produzent klargestellt haben, dass sie eine Geschichte zum Film gemacht haben, die auf wahren Begebenheiten beruht. Aber eben auch eine Filmgeschichte ist.

Es ist schwierig, ein Urteil abzugeben, denn „gefällt mir“ ist definitiv nicht passend. Ich fand den Film berührend, er stimmt nachdenklich, macht in vielen winzigen Sequenzen aufmerksam, wie wenig der Mensch beobachtet, wie wenig wir darauf vorbereitet sind, Situationen, die eigentlich „ganz normal“ erscheinen, zu hinterfragen. Im Unterschied zu den zahlreichen Kritikern finde ich mutig, sowohl diese sehr eigene Geschichte als Stoff in einen Film fließen zu lassen, daran mitzuarbeiten und hinterher inmitten eines Publikums zu sitzen, das erwartet, danach alle Antworten auf „offene“ Fragen zu bekommen, als auch, Fragen schlicht nicht zu beantworten. Für alle, die auf der Suche nach Antworten sind ist der Film nichts – er erzählt eine Geschichte. Eine erschreckende Geschichte, die bedrückt, beklemmt, ängstigt … Nicht mehr und nicht weniger.

Ich bin dennoch froh, den Abend mit dem Film verbracht zu haben. Er hat mich zum Nachdenken gebracht, mich dankbar gemacht, für die Fenster in meinem Kinder- und Jugendzimmer, die immer offenen Türen nach draußen, die frische Luft, Sonne, Schnee, Garten, Wiesen und Wälder … Ich bin sehr still und noch ein Stück bewusster aus dem Film herausgegangen. (Und war irritiert, dass es Menschen gibt, die beim Abspann sofort anfangen zu plappern – aber das ist wohl eine mögliche Übersprungsreaktion? Egal!) Das Klavier im Abspann habe ich als unwahrscheinlich schön empfunden, traurig und melancholisch, aber gleichzeitig positiv – sehr passend.

Für mich das Motiv des Films: die blaue Decke, die der Entführer seinem Opfer im Wagen überwirft, um sie zu verbergen, taucht am Ende wieder auf, als die Polizei die Befreite vor neugierigen Blicken und Fotografen schützen will. 8 Jahre später, nach 3096 Tagen …

Eine gute Kritik steht heute auf Merkur Online, dieser in der Rheinischen Post online kann ich mich nicht anschließen, aber das sind zwei Meinungen, die zeigen, wie sehr das Thema polarisiert.

 

Mei oh mei

Kinder sind aufmerksame Beobachter – und halten uns Erwachsenen dadurch gar nicht selten einen Spiegel vor, den wir nicht vorgehalten bekommen wollen. Der nachweist, dass trotz allen Coolseins, das man sonst für die eigene Person in Anspruch nimmt, uncoole Sprüche wie „Mei oh mei“  aus dem eigenen Mund kommen.

Oder das bei Eltern so beliebte S-Wort … Meine zweijährige Nichte kann super S… sagen (und weiss spitzbübisch ganz genau, dass sie’s nicht sagen soll). Mei oh mei kommt mittlerweile nicht nur nach Gesprächen mit der Oma zum Einsatz – sie saugt alles auf, also auch die Aussprüche, die gar nicht für sie gedacht sind!

Dieser Spiegel, manchmal einfach nur witzig, grade wenn’s spezifische Woerter sind, die nicht so häufig im Einsatz sind, die man nur in der Familie nutzt. Wir „schnabulieren“ gerne, wenn’s um leckeres Essen geht, sind in jeder Lebenssituation „schnell“, auch beim Warten und von unserem Herrn Papa haben wir Kinder schon früh gelernt, dass „Kreizkruzifix“ einfach nur ein Begriff ist, für jede Lebenssituation passend einsetzbar. Weshalb meine Schwester ihn aktiv in die Erziehung ihrer Tochter einbindet …

Gar nicht mal so einfach, in der Sprache des heranwachsenden Kindes so häufig gespiegelt zu werden? 😉