Alle Beiträge von meinesichtderwelt

Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 4 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Schneegedanken

Draußen schneit es, so richtig schön weiß – und drinnen mach ich mir mal wieder Gedanken, heute zum Thema: Warum uns manchmal so was von fiese Spitznamen für Menschen einfallen…? Meine Chefin zum Beispiel bezeichnen wir meistens als magersüchtiges Frettchen. Ja, das ist der Spitzname –  und die Aussage. Sehr treffend, allerdings kennt sie diesen Namen nicht. Ein Kollege von mir ist die Fahne im Wind, so viel hat er sich in all den Jahren in alle Richtungen gedreht, verbeugt und nie eine eigene Meinung kundgetan. Nicht sehr schmeichelhaft, weil wir anderen das erkannt und ihn damit belegt haben.

Aber ein Spitzname ist auch manchmal ganz anders gemeint, als es die Aussage vermuten lässt: Den Mann, der mir in meinem Leben öfter mal das Herz gebrochen hat und den ich heute eigentlich nur bedaure, manchmal auch so was wie verachte, bezeichne ich in Gesprächen als meinen Traummann. Eigentlich ein äußerst schmeichelhafter Spitzname? Aber eben ähnlich wie meine derzeitige Lieblingsschlagzeile zum TV-Bachelor: unecht, vielleicht was zum träumen, aber nicht realitätstauglich?

Es ist ja in der Regel so: manche Spitznamen verleiht man sich selber, würde gerne so genannt werden, ist stolz, wenn der Name quasi eine Auszeichnung ist, eine Fähigkeit oder eine Eigenschaft positiv belegt. Spitznamen oder Kosenamen können ja auch ein Kompliment ausdrücken. Nur gibts auch die fiesen Exemplare, die, die man jemandem heimlich verleiht, weil es eben passend ist – und alle genau wissen, was der Erfinder damit ausdrücken möchte. So wie beim magersüchtigen Frettchen, was einerseits eine körperliche Konstitution beschreibt, andererseits aber das Wesen skizziert, Eigenschaften eines putzigen Tierchens, das ganz schnell gefährlich werden kann.

Heimfahren mit dem Bobbycar

Gerade haben mich die Kids eines lieben Arbeitskollegen besucht, immer wieder eine sehr willkommene Unterbrechung kurz vor Feierabend. Die beiden sind gut erzogen mit einer  Spur von Frechheit. Ich mag Jona und Marit – und ich glaub, sie mich auch, sonst würden sie nicht so gerne Hallo sagen? Und beide testen ganz gerne Grenzen in alle Richtungen aus:

Schon erspäht Mr. Frechdachs die Bobbycars auf dem Schrank und möchte natürlich gerne damit fahren. „Ich will das Silberne haben!“ „Ich will aber das Silberne fahren …“ Hm, die stehen da gerade so schön ordentlich, und sind auch gar nicht so leicht runterzubekommen.und ich hab eigentlich gar nicht die geringste Lust, die jetzt für euch runterzuholen und später wieder aufzuräumen … Die erfahrere Frau Mama ist gut und schnell im Reagieren: „Wenn wir die runterholen, dann müsst ihr mit denen nach Hause fahren, denn wir müssen jetzt los. Und haben keine Zeit zum Spielen.“ „OK!“ „Wisst ihr denn, wie ihr mit den Bobbycars fahren müsst? Also: hier um die Ecke rechts, dann wieder rechts, über die Ampel und dann halb links halten, dann immer geradeaus. Alles klar – ich denke, das sind so 5-6 Kilometer, in so einer knappen Stunde könnt ihr da sein – also: tschüss!“

Erst haben beide noch einen Moment gegrinst und die Erwachsenen nicht ernst genommen, “ … ich will aber das Silberne haben“, „ok, dann nehm ich das Orange …“. Als Mama und Papa sich dann aber verabschiedet haben waren plötzlich auch die beiden Lütten mit aus der Tür. Und das, obwohl sie eine wirklich spannende Reise vor sich hätten: etwa die Hälfte an einer vielbefahrenen Hauptverkehrsstraße entlang, nach der Ampel gehts über eine breite Brücke über die Bahnschienen, hoch vielleicht etwas anstrengend, aber auf der anderen Seite gehts dafür hunderte von Metern schön bequem bergab. Und dann nur noch rein ins Wohngebiet, mit Sicherheit sehr ruhig. Ok, man sollte auf parkende Autos achten. Aber das ist doch für Kinder ein echt spannendes Abenteuer? So in der frühen Nacht, bei leichtem Schneefall? Versteh ich „gar nicht“, dass sich die beiden dieses spannende Abenteuer entgehen lassen und sich brav auf der Rücksitzbank der Familienkutsche eingefunden haben? 😉

Küssen

Jungs ab einem gewissen Alter finden es – vielleicht gar nicht mal so wirklich – total eklig. Und wollen sich von Mama und Papa in jedem Fall keinesfalls in der Öffentlichkeit vor ihren coolen Freunden küssen lassen. Später werden sie dann im Gegenteil wieder ganz verschmust. Allerdings nicht mehr mit den eigenen Eltern, sondern wenn sie verknallt sind …

Dabei ist Küssen echt sooooo toll. In jeder Lebenslage. Es soll sogar helfen, das Immunsystem auf Vordermann zu bringen. Es kann ein deutliches Zeichen setzen. Es kann irre Spaß machen. Oder trösten. Es kann kurz sein oder lang. Es ist eine wunderbare Geste zur Begrüßung. Oder zum Abschied. Wer Stunden knutschend im Auto verbracht hat weiß: es kann ganz schön heiß hergehen. Wer schon mal mit einem Dreitagebart geknutscht hat weiß: es kann wehtun, vor allem am nächsten Tag. Wer schon mal weit weg von seinem liebsten Menschen war, der weiß: man kann es so sehr vermissen. Und wer viele unterschiedliche Menschen geküsst hat weiß: es ist immer anders, mit manchen Menschen macht Küssen noch viel mehr Spaß …

Es gibt so viele gute Gründe zum Küssen, die fallen mir ad hoc natürlich nicht ein. Auch vollkommen egal, Hauptsache ist nämlich: ich muss in dem Moment gar nicht drüber nachdenken, warum ich gerne küssen möchte, sondern ich küsse einfach und es ist ein schönes Gefühl! So gehts mir zumindest!

Schönen Valentinstag 🙂

Kinderlogik zur Fastenzeit

Als Kind hab ich mir die Welt einfach selbst so zurechtgelegt, dass es für mich Sinn gemacht hat. Das hatte gar nichts damit zu tun, dass ich nicht schon als Kind so lange nachgefragt hätte, bis ich etwas verstehen konnte – aber manchmal, und das ist heute immer noch so, gibts einfach keine passende Begründung, also zumindest keine, die man mit Kinderlogik nachvollziehen kann. Ein Klassiker: die Fastenzeit.

Meine Oma war eine strenggläubige Frau, die Fastenzeit wurde bei uns also sehr ernst genommen und in jedem Fall eingehalten. Wenn sich sonst in der Speisekammer immer ein Stück Schokolade oder Bonbons finden ließ: ab Aschermittwoch war nicht mal die Frage zulässig, ob etwas Süßes im Haus zu finden sei. Wehe, sie hätte einen von uns mit Süßkram erwischt. Da gabs kein Pardon! Nur wie kann man einem Kind jetzt erklären, was das genau ist, diese Fastenzeit?

Wenn ich mich zurückerinnere, dann wurde nie von 40 Tagen gesprochen? Und ich kann mich auch nicht an das Argument erinnern, dass es nach der ganzen Völlerei jetzt auch mal guttue, mit Maß zu essen? Und da ich auf Süßes eh nicht so erpicht war fand ich den Aspekt, auf Schokolade verzichten zu müssen, auch damals gar nicht mal erschreckend. Es war eher das radikale Element, das mich geängstigt hat, dieses: wir müssen jetzt von einem auf den anderen Tag alles anders machen, als noch gestern. Gestern haben wir uns den letzten Krapfen gegönnt, heute ists damit Schluss. Manche der sogenannten Fastenspeisen treffen die Geschmacksnerven von Kindern wie ein Glas Spülwasser den erlesenen Geschmack eines Weinkenners. Das essen zu müssen war für mich als Kind gleichbedeutend mit: jetzt musst du hungern … Wenn ich zurückdenke hab ich es mir wohl so zurechtgelegt, dass es einfach gar nichts Gutes mehr zu essen gibt. Und das war in meiner kindlichen Vorstellung eher wegen einer Hungersnot (auch wenn ich nicht so genau wusste, was man sich darunter vorstellen sollte) als wegen eines religiösen Zeitraums. Es schien in jedem Fall wie eine Katastrophe – und das mitten im Überfluss.

Der Aspekt des bewussten freiwilligen Verzichts, damit konnte ich als Kind so gar nichts anfangen. Meine Kinderlogik war in jedem Fall, dass man zur Enthaltsamkeit gezwungen wird und dass es jemanden gibt, der jeden Verstoß akribisch ins Sündenregister notiert.