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Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 4 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Ur-Opa

Diese Woche haben mich zwei Bilder sehr berührt.

Einmal meine kleine Freundin Lena, die dem Ur-Opa bei schönem Frühlingswetter Gesellschaft auf seiner Bank vor dem Haus leistet. Da sitzen zusammen mehr als 100 Jahre auf der Bank, ein kleines, abenteuerlustiges Mädchen, das die Welt erobern wird. Und ein Junge, junger Mann, liebevoller Ehemann, Vater, Opa und mittlerweile Urgroßvater. Was da wohl durch seinen Kopf zieht, welche Erinnerungen er hat, an andere schöne Frühlings Tage seines Lebens? Gerade, wo die kleine Lena optisch viel von ihrer Oma haben soll? Was er ihr erzählt, welche Geheimnisse die beiden teilen? Und dazu kommen ihre Tagträumereien, Ideen, die Vorstellungen vom Leben … Mehr als 100 Jahre geballte Lebenserfahrung. Wie schön!

Im zweiten Bild, das ich beim Maifeiertagsspaziergang zufällig gesehen habe, sitzt ebenfalls ein gut über 90jähriger Ur-Opa auf einem Brunnen. Die ganze Familie ist beschäftigt, jeder hat seine Aufgabe: Urenkel 1 ist Handlanger, Urenkel 2 reinigt den Rasenmäher, Urenkel 3 planscht mit der Gießkanne. Enkel (Vater der 3) holt gerade den Rasenmähertraktor, der Opa pflanzt ein Erdbeerfeld, die Oma und Ur-Oma arbeiten in den Blumenbeeten, der Ur-Opa passt auf, dass Urenkel 3 nicht in den Brunnen fällt und nicht zu nass wird … Und da macht es nix, dass der Ur-Opa nicht mehr so fit ist und selbst nicht mehr zu langen kann. Jeder hat seine Aufgabe, ganz selbstverständlich. Toll, oder?

Die Brigitte…

Les ich durchaus sehr gerne, aber finde ich gerechtfertigt, dass sie jetzt garantiert vom NSU-Prozess berichten darf? Und will ich darüber in einem Frauenmagazin lesen? Wichtiger: will ich so viele Meinungen dazu lesen? Puh, so geht Schlagzeile heute! Und wie viel dazu wohl allein heute schon publiziert wurden? Wie viele heute abend wohl über Deutschlands wirklich wichtige Themen diskutieren? also: Darf Brigitte das? Und darf der Ulli Hoeness das? War gestern abend tatsächlich zum zweiten Mal Thema einer Runde bei Jauch, so illuster, dass ich gleich mal beschlossen habe, mich anderweitig berieseln zu lassen …
Mir fehlen heute etwas die Worte. Und Punkt.

Spruch zum Wochenende: Freunde

„Wer Freunde hat, lebt länger“. Gefunden habe ich heute zu meinem Wochenthema zwei Interviews mit dem Freundschaftsexperten Dr. Wolfgang Krüger, der erklärt hat, warum Freunde im Leben so wichtig sind: „Sie stehen sich bei, sind immer füreinander da, durchleben gemeinsam schwierige Zeiten und reden auch mal Klartext – das sind echte Freunde. Mit ihnen verbinden wir Ehrlichkeit, Vertrauen und viele gemeinsame Stunden.“ Demnach hat man im Schnitt 3 gute und ca. 12 „mittlere“ Freundschaften. Er beruft sich auf eine Studie, derzufolge Freunde für die Gesundheit genauso wichtig wie Bewegung sind. Und für ein langes Leben sorgen 🙂 Nachzulesen unter t-online.de.

Einen für mich gut nachvollziehbaren Vergleich habe ich auf stern.de gefunden: „Wenn wir keine Bindung haben, gleichen wir einem Weltraumfahrer, der außerhalb einer Kapsel hängt. Wir brauchen ein kleines soziales Dorf um uns herum – eine Partnerschaft und Freundschaften – um eine innere Stabilität zu erreichen und nicht unter Unsicherheitsgefühlen zu leiden.“

Ich habe die Artikel erst heute gelesen, finde aber viele meiner Gedanken zum Thema Freundschaft aus dieser Woche wieder, zum Teil wissenschaftlich belegt. Keine Frage: Freundschaften wollen gepflegt werden. Zum Beispiel dieses Wochenende?

Freunde oder Bekannte

Gestern abend war ich mit einer alten Freundin aus Studienzeiten unterwegs. Wir haben viel gequatscht und sie hat von einer Freundin erzählt, mit der sie bald unterwegs sein wird – und neugierig ist, wie sich die Beziehung verändert. Das hat mich an meine Gedanken rund ums Thema erinnert, und ich habe mal weitergedacht:

Manchmal trifft man Freunde von früher wieder und stellt fest: das ist, als ob wir uns gestern erst gesehen hätten. Es geht einfach weiter. Wir reden, Verstehen uns. Vielleicht verbindet uns nicht mehr genau dasselbe, was uns Jahre zuvor verbunden hatte? Egal, wir finden einen neuen Anknüpfungspunkt, eine neue Basis. Natürlich gibts das auch anders: man trifft Freunde von früher und es ist nichts mehr da. Manchmal trifft man im Leben Menschen, mit denen man sich früher nicht so gut verstanden hat, die man aber kannte – Kindergarten-Schul-Studienzeit-Bekannte. Und stellt fest, es hat sich nichts geändert, alles beim Alten. Wir kennen uns, mehr ist da aber nicht. Oder man trifft Bekannte von früher – und plötzlich hat man sich etwas zu erzählen, versteht sich, will mehr …

Muss man das immer so genau definieren? Ist es immer notwendig, jemandem ganz klar und deutlich zu sagen: du bist ein Freund – du „nur“ ein Bekannter? Ich meine nein, denn das wäre in vielen Fällen schon viel zu viel Denkarbeit. Anstatt einfach zu fühlen, sich mit jemandem gut oder eben weniger gut zu fühlen und es zu genießen. Oder eben nicht. Es gibt vertraute Menschen, Freunde, die ich über Jahre nicht sehe. Wir treffen uns und zwischen uns geht es einfach weiter. Es ist kein Bruch da, keine gefühlte Zeitspanne, die man durch Erläuterungen und Erklärungen überbrücken muss. Wir reden und es ist nicht wichtig, ob wir uns alles erzählt haben, ob jedes Detail erörtert wurde. Es ist einfach der Ist-Zustand, der zählt. Das kann auch bei einem neuen Freund passieren – was besonders schön ist, weil es zeigt, dass Vertrauen da ist.

Dann wieder trifft man Menschen, mit denen man früher unwahrscheinlich intensiv war, die gute Freunde in einer vergangenen Zeit waren. Und merkt: ich muss mein aktuelles Leben erklären. Ich muss mich und meine Entwicklung erklären. Das gegenüber hat entweder keine Aufmerksamkeit für mich oder einfach einen Status, dem ich längst entwachsen bin. Es ist nicht wichtig, denn Dinge entwickeln sich. Menschen verändern sich, auch wenn sie das nicht gerne hören. Wir alle werden älter. Es gibt Freundschaften, die mitwachsen, ganz leicht, egal, ob sie sehr nahe sind oder weit entfernt. Und es gibt das Phänomen der Bekanntschaft, leicht zu verwechseln mit Freundschaft: man kennt sich, hat sich aber vielleicht nicht wirklich erkannt. Oder es fehlt an Aufmerksamkeit oder Aufnahmefähigkeit für das Gegenüber? Witzig, denn im Zeitalter von Social Media sind das Menschen, die Posts auf Facebook kommentieren oder mir zum Geburtstag gratulieren. Einfach nur, weil die Technik sie darauf aufmerksam macht bzw. sie erinnert.

Schließen die Kinder und Jugendlichen von heute anders Freundschaften als wir? Verändert sich soziales Verhalten insgesamt durch Facebook & Co? Gute Frage, die ich nicht beantworten kann … Ich vermute, man sammelt im social web mehr Bekannte und weniger Freundschaften? Vielleicht ist aber auch dieser Gedanke schon wieder viel zu viel Denkarbeit und das muss gar nicht definiert werden?