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Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 4 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Entwicklungschancen

Hatte gestern ein Seminar, wie so oft in Trainings geht es um Status, Stärken, Entwicklungschancen, Analysen, Auswertungen, praktische Übungen, Besinnung und Neuentdeckungen. Etwa zur Halbzeit, also bevor der lange Nachmittag startet und man, respektive ich, mit Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat, brachte die Trainerin einen Spruch, der bei mir einen Denkprozess in Gang gesetzt hat: „Jeder Erwachsene sollte diese Eigenschaften (also z.B. Denker oder Fühler) als Entweder-Oder haben. Natürlich kann man sich noch in die eine oder andere Richtung entwickeln, aber es ist nicht wie in der Kindheit, wo alle Optionen offen sind. Die Anlagen sind geprägt. Man muss sich aktiv und bewusst bewegen, um sich zusätzliche Eigenschaften anzueignen. Man sollte nicht vorhandene Eigenschaften dabei immer unter dem Aspekt betrachten, ob es von anderen als Schwäche ausgenutzt werden kann.“

Als Kind entwickelt man sich täglich, ohne Strategie, ohne Stärken-Schwächen, ohne Swot-Analyse, man wird von vielen Faktoren beeinflusst, aber beeinflusst die Entwicklung der wichtigsten menschlichen Grundanlagen wie Persönlichkeit und Charakter nicht nach Karriere- oder Performance-Zielen. Und trotzdem bewegt sich da richtig was. Wenn ich es so reflektiere, dann klappts bei den meisten Kindern ganz ordentlich? Auch unter Anleitung, die Eltern, Kindergarten, Schule, Lehrer, ältere Freunde, Geschwister …. Bei Erwachsenen – na ja. Kommt immer darauf an? Trainer und Coaches sind auch Wegbegleiter, hochbezahlt. Die über einen gewissen Zeitraum begleiten, führen, leiten, zum eigenen Weg verhelfen. Aber bleibt das Erlernte bestehen? Hab bislang selten Führungskräfte erlebt, die sich nach einem Coaching, nach Trainings und Seminaren wirklich langfristig und mit nachvollziehbaren Ergebnissen positiv weiterentwickeln konnten? Bewusstsein geschaffen ja, aber spürbar verbessert?

Ich bin heute zu fertig, hab nicht so die gedankliche Analysestaerke, deshalb vertage ich das Thema einfach, greife es bei passender Gelegenheit wieder auf – und sag für heute: einen schönen Tag euch allen. Und vielleicht hilft es oft am meisten, nicht nur seinen eigenen engsten Kosmos im Auge zu behalten, sondern offen für die Umgebung zu sein. Loslösen vom Kalender und von den Verpflichtungen – und auch mal kurz darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist? Kann man ja zumindest nie oft genug klarmachen, dass jeder Tag im Leben genau einmal stattfindet. Heute wird nicht so mein Tag werden, aber ich mach trotzdem das beste draus – oder?

Autofahren

Ich liebe Autofahren – aber erst, seitdem ich erwachsen bin und selbst der Fahrer bin. Als Kind hab ichs gehasst. Und zwar so richtig. Meine ersten Erinnerungen an Autofahren stammen natürlich aus einer Zeit, in der es keine Kindersitze gab. In der man auf der Rückbank liegen, sitzen, stehen – was auch immer  – konnte. Im alten Käfer meiner Eltern haben wir kaum weite Strecken zurückgelegt. Die Fahrt zu den Großeltern ein paar Kilometer, zum Einkaufen maximal 20 Kilometer. Vom Land nach München knappe 60 Kilometer. Und trotzdem mochte ich nicht gerne Autofahren – oder besser im Auto mitfahren.

Ich hatte als Kind alle Anzeichen von Reisekrankheit, mir war übel, ich bekam Kopfschmerzen, mir war schnell fad, ich mochte es nicht, dass man im Auto so ein Gefühl von eingesperrt sein hatte. Ich mochte den Geruch im Auto nicht, mochte aber auch kein offenen Fenster wegen dem Zug. Spätestens als meine Geschwister mit unterwegs waren war es selbstverständlich auch immer zu eng, wir mussten uns später anschnallen, irgendwann gab es erste Sitze … ich konnte unterwegs sein mit dem Auto nie wirklich leiden.

Wenn ich mir anschaue, mit welchem Komfort Kinder heute im Auto unterwegs sind – schon anders! Ein komplettes Bespaßungsprogramm an Spielzeug hängt vor den hochmodernen Kindersitzen, die auch noch bequem auf die Körpergröße abgestimmt sind, man sieht sogar nach draußen. Alles ist griffbereit, Essen, Trinken, Lieblingsstofftiere, Bücher. Und trotzdem glaube ich, dass ich, wäre ich heute Kind, genauso wenig gerne im Auto längere Strecken zurücklegen würde – wie meine Nichte, die nicht gerne im Auto fährt. Zumindest meistens. In dem Alter versteht man sicherlich nicht, dass der Weg zum Ziel führt, das Raum-Zeit-Verständnis fehlt. Klar steigt sie gerne ins Auto ein, wenns zu Oma und Opa geht – aber dann dauerts. Und man sitzt hinten drin und wartet. Die Vorfreude ist längst da, wann sind wir endlich da?

Und so ein Stück weit langweilig bleibt es aus Sicht eines Kindes wohl doch auch im modernen Zeitalter?

Aber – und das ist aus meinem ganz persönlichen Blickwinkel das Gute daran – heute liebe ich Autofahren. Seit ich den Führerschein habe fahre ich  wenn möglich selber, genieße es, das Tempo vorzugeben, die Route zu wählen. Mir wirds nur noch übel, wenn ich hinten mitfahren muss und jemand, na ja, nennen wir es mal so: nicht so gut Autofahren kann. Und heute genieße ich jede Sekunde, die ich fahren darf. Für mich ist der Weg das Ziel. Ich genieße die Strecke, die Ausblicke unterwegs. Das kann herrlich entspannend sein!

So wie gestern, als ich aus dem etwas nebligen Norden in den supersonnigen Süden hineingefahren bin. Von München aus ein freier Blick auf die komplette Bergkette, herbstliche Wälder, der Sonneneinfall so, dass man rund um sich eine wunderbar bunte Landschaft zu sehen bekommt. Darüber zwei Heißluftballone, die Fahrer haben aus luftiger Perspektive den Spätsommertag genossen. Der Vorteil, wenn man an einem Sonntag erst spät in Richtung Berge fährt: man steht nicht im Stau, sondern genießt die freie Fahrt vorbei an den Rückkehrern vom Starnberger See. Dann nimmt man eine Ausfahrt und verlängert das Genießen noch um ein paar Kilometer beim Autofahren. Der Weg ist das Ziel – außer wenn man bei lieben Freunden ankommt, herzlich willkommen geheißen wird und sich einfach nur rundum wohlfühlt! Dann vereint sich Weg und Ankommen und Einfach-Da-Sein.

Danke für die Einladung an Claudia&Andi, es war ein so schöner, intensiver Abend, Lenas BIld hat schon einen Ehrenplatz bekommen 🙂

Spätsommerwochenende

Es hilft alles nichts, ich muss wenigstens ein paar Worte verlieren wie herrlich dieser Tag heute war. Zwar sitze ich arbeitend im Büro, aber draussen vor meinem Fenster blitzt ein herbstlich gefärbter Baum im Sonnenlicht. Vor fast strahlend blauem Himmel. Gibts eigentlich was Tolleres? Ja, ich habe ein Faible für diese Jahreszeit – vielleicht, weil ich ein Frühlingskind bin und wahrscheinlich zum ersten Mal in meinem Leben Herbstfarben gesehen habe? So mit einem halben Jahr fängt man doch an, wirklich zu sehen?

In jedem Fall ist es zwar nicht gerade förderlich für mein Arbeitspensum, aber ich kann mich in diesem Baum und in allen anderen gerade so richtig verlieren. Könnte stundenlang schauen, staunen, bewundern, mich an den Farben, den Nuancen, den Schattierungen, dem Glitzern, der Stille erfreuen. Hat man nicht alle Tage, dass die Farben und das Wetter im goldenen Oktober so perfekt miteinander überienstimmen?

Und das tollste an allem ist: das Wochenende soll so weitergehen. Sonnig, warm und schön. Das bedeutet: ich plane ununterbrochen draußen zu sein. Und das sollte klappen. Vielleicht lass ich Sonntag sogar mal wieder einen alten Drachen steigen? Das war doch schon als Kind perfekt für die herbstzeit? Und es fasziniert mich heute wie damals: wie man ewig braucht, bis man den Dreh raus hat, dass der Drachen dann auch wirklich mal von der Luft getragen wird, wie man laufen muss, nicht zu langsam, nicht zu schnell. Wie es irgendwann klappt und man vollkommen eins mit den Bewegungen des Windes wird. Und wie abhängig man auch genau davon wird, denn der wunderschöne Drache, der eben noch elegant in der Luft schwebte, ist auch ganz schnell und ohne Eleganz auf den Boden zurückgesaust, wenn es eben nicht mehr passt? Träume gerade von einem Spätnachmittag auf einem Hügel irgendwo im Alpenvorland mit netter Begleitung – na, das sollte doch machbar sein? 🙂

Euch allen, die mitlesen, ein schönes Spätsommerwochenende!

Bilder aus der Kindheit in meinem Kopf

Witzig, was man in seinem Kopf alles abgespeichert hat, ohne es bewusst abzuholen – war heute in der Mittagspause draußen unterwegs und hab die bunten Blätter an den Bäumen betrachtet. Da schießt mir plötzlich ein Bild aus meiner Kindheit in den Kopf: ein Garten, den es heute gar nicht mehr gibt, denn dort steht jetzt das Haus meiner Tante. Als ich klein war stand da noch der uralte Obstgarten meiner Großeltern. Ich bin immer nicht ganz sicher, ob ich mir einbilde, dass da noch eine Art Hühnerhaus drin war? Oder ein Taubenschlag? Oder ein Bienenstock. So weit reicht meine Erinnerung leider nicht – aber an die Farben kann ich mich gut erinnern.

Wenn die Sonne hinter dem alten Schulhaus durchgeblitzt ist, dann hat sie die wenigen Blätter an den Bäumen in strahlende Farben versetzt. Die meisten lagen aber schon unten auf dem Boden. Ich an der Hand meiner Oma, oder Tante, oder Mama. Mit Gummistiefeln? Weiß ich nicht mehr – auf jeden Fall kann ich mich an den Spaß erinnern, wenn ich durch das Laub geraschelt bin. So sicher stand ich noch nicht auf den Beinen, ich hab auch keine Laute mehr im Ohr. Aber das Aufleuchten der Farben, dieses wunderbare Glitzern in der Sonne, das Blitzen, wenn der Wind die Blätter dreht.

Durchs Herbtlauf laufen mach ich übrigens heute genauso gern wie damals, früher mit Hund – heute hin und wieder mit einem meiner Patenkinder. Und ich kann mich immer nicht entscheiden, wer den größten Spaß dabei hat? Hab eben den Wetterbericht gelesen: das Wochenende soll traumhaft schön werden und ich hab Sonntag ein Date mit meiner Nichte – ich hoffe doch sehr, wir gehen Laubrascheln? Und sie hat später mal Bilder mit mir im bunten Laub in ihren Kindheitserinnerungen? 🙂