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Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 4 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Freunde-Wochenende

Meine lieben Patenkinder,

wenn ihr im späteren Leben mal viel Stress habt und gefühlt alles auf der Strecke bleibt: lasst es nie so weit kommen, dass ihr keine Zeit findet, euch mit guten Freunden zu treffen. Selbst wenn so ein Wochenende vorher etwas zweispältig ist, weil ihr so viel zu erledigen hättet, eure Wohnung aussieht wie …, man auch mal wieder Zeit für sich allein haben möchtet, die Wäsche gewaschen werden muss, usw usw usw. Hoffentlich seht auch ihr es einmal so, dass gemeinsame Zit mit Freunden viel wertvoller ist, als eine sauber geputzte Wohnung oder andere Dinge, die man mal erledigen muss.

Ich hab mich am Wochenende mit zwei ganz lieben Freundinnen getroffen. Im Vorfeld hatte jede von uns viel um die Ohren, musste Pläne ändern, sicher hat die ein oder andere von uns in den letzten beiden Wochen auch mal gedacht: eigentlich hab ich gar keine Zeit für diese Freundinnen-Zeit. Das Schöne ist: sobald wir zusammen sind beweist es uns jedes Mal aufs Neue genau das Gegenteil. Wir plaudern, wir kommen zur Ruhe, wir tauschen uns aus. Wir merken, warum sich unsere Wege gekreuzt haben und parallel laufen, warum es uns so guttut, gemeinsame Zeit zu verbringen.

Und spätestens unser Spaziergang durch den verschneiten Park gestern früh auf dem Weg zum Frühstück hat auch einmal mehr bewiesen: eine herrliche Eigenschaft, die wir gemeinsam haben, ist, dass wir mit staunenden Augen durch diese Welt gehen. Es gemeinsam genießen können, uns wie Kinder über Schnee zu freuen. Wir konnten gemeinsam die herrlichen Bilder genießen, die dieser viel zu frühe Schnee im Oktober in diese Welt zaubert. In den gemeinsamen Stunden haben wir tatsächlich viel über das gesprochen, was unser Leben anstrengend oder stressig macht, und konnten es dabei ein Stück weit vergessen. Denn verstanden zu werden ist manchmal wichtiger, als sich mit einem Problem allein herumzuschlagen?

Ihr werdet im Leben unzählig viele Menschen kennenlernen, einige kreuzen euren Weg nur kurz, manche begleiten euch ein Stück, einige wenige sind Freunde für einen Lebensabschnitt oder noch viel schöner: ein Leben lang. Ich bin sehr glücklich und dankbar, sagen zu können, dass es in meinem Leben wertvolle Begleiter gibt, die ich Freunde nennen darf. Für die ich da sein darf, wie sie für mich da sind. Und ich bin ein sehr glücklicher Mensch, denn ich habe eine Menge davon. Am meisten genieße ich, wenn ich es geschafft habe, mit ihnen so viel Zeit zu verbringen, dass wir wieder ganz im hier und jetzt sind, ich weiß, wo sie stehen, was sie machen, planen, denken, fühlen. Aber das eigentlich wertvolle an meinen Freundschaften ist, dass es keine Regeln gibt, wie viel Zeit man miteinander verbracht haben muss oder man sich wieder über ALLES ausgetauscht haben muss – im Gegenteil: mit meinen Freunden kann ich immer wieder im Augenblick ansetzen.

Wir haben keinen Quantitätsanspruch, sondern genießen die Qualität des Zusammenseins. Wie die ganz besondere Qualität dieses Freunde-Wochenendes. Ich wünsch euch so sehr, dass ihr in eurem Leben unzählige solcher Gelegenheiten beim Schopf packt. Ich kann es euch nur empfehlen 🙂

Der erste Schnee

Heute oder spätestens morgen ist es soweit: der erste Schnee kommt. Für mich ist das jedes Jahr ein besonderes Erlebnis. Kann mich gut erinnern, als vor Jahren der erste Schnee der Jahres am 25. September ganz sacht vom Himmel fiel … Klar, das ist sogar mir zu früh. Und auch ich kann mich dann nicht ganz von dem Gedanken an schmierige Straßen, Sommerreifen, Staus und vielleicht auch überflüssige Unfälle freimachen. Aber spätestens wenn die Flocken da sind find ichs einfach nur faszinierend. Und ist euch schon mal aufgefallen, dass alles leiser wird, richtig ruhig ist die Welt, wenn Schnee fällt? Gerade beim allerersten Schneefall ist das so ein wirklich besonderes Gefühl, das einen überkommt. Das ist ganz so ein Empfinden von: die Welt hält jedes Mal bei Schnee ein Stück weit den Atem an, alles wird zugedeckt, alles verlangsamt sich, alles kommt ein Stück weit zur Ruhe.

Ich bin nicht dafür, dass der erste Schnee im September fällt, wie vor Jahren an besagtem Wiesn-Donnerstag, wo sich jeder eine höllische Erkältung eingeholt hat und vor allem die nassen Füße auf dem Heimweg einfach nur unangenehm waren.

Ich brauche auch noch keinen Schnee im Oktober, wenn meine Winterreifen noch nicht auf dem Auto sind und ich mich innerlich schon darauf einstelle, nicht nur langsam und vorsichtig zu fahren, sondern einmal mehr mit dem 360-Grad-Radar unterwegs zu sein, weil es zu viele Autofahrer gibt, die auch ohne winterliche Straßenverhältnisse besser einfach zu Hause geblieben wären.

Ich brauche auch noch keinen Schnee im November, da möchte ich gern noch etwas den Herbst verlängern, ich hätte gerne Sonnenschein, klare Tage und kühle, sternklare Nächte.

Aber im Dezember, da mag ich Schnee. Gerne viel, so dass er eine Chance hat, liegenzubleiben. Es darf ein paar Tage richtig durchschneien, so wie in dem Jahr, in dem meine fabelhafte Nichte geboren wurde. In einer richtig winterlichen Zeit war das. Mit viel Schnee, sogar Eis, die Welt war leise und ruhig, viele sind gern zu Hause geblieben, der Rest stand im Stau. Das hab ich in meiner Erinnerung ganz tief abgespeichert, es war einfach ein toller Winter. Ich hab mich irgendwann mal auf den Weg zu meiner Schwester und Familie gemacht, als echtes Schneechaos herrschte – aber ich mag sowas. Und bei der Ankunft gabs tiefblauen Himmel und Sonnenschein – und eine herrlich glitzernde Schneelandschaft 🙂

Das ist nämlich das Tolle am Schnee: wenn es auch ein paar Tage chaotisch ist, weil alle Räumfahrzeuge trotz Wettervorhersage ganz unerwartet mit dem Schnee zu kämpfen haben und die meisten Verkehrsteilnehmer schlicht nicht unterwegs sein sollten: sobald die Straßen frei ist, der Schnee über der Landschaft liegt, die Temperaturen kalt bleiben und die Sonne scheint: was bitteschön ist gegen eine tiefverschneite, herrlich ruhige Landschaft einzuwenden? Und das darf von mir aus gerne den ganzen Winter dauern, also von Dezember bis März.

PS: in meiner Kindheit waren die Winter ein herrliches Abenteuer, mit richtig viel Schnee! Höhlen graben, Schneemänner bauen, Schneeballschlachten an der Bushaltestelle, Schlittenfahren, Engel fliegen lassen …. ja, ja, ja, weiß schon: das wird nach dem ersten Schnee dieses Wochenende nicht klappen, aber da tuts auch etwas warm eingemummelt durch Schneegriesel zu stapfen und die Ruhe zu genießen? Den Rest planen wir dann, wenn es richtig Winter ist!!!!

Geschwister-Duett

Liebe Patenkinder,

eben hat mir euer Papa zur Einstimmung auf den heutigen Abend ein kleines Video geschickt, darauf zu hören und zu sehen: ihr zwei beim nachmittäglichen Geschwister-Duett.

Der große Bruder: Text und Melodie

Die kleine Schwester: Percussion und 2. Stimme

Sooooo süß! Das war eine wunderbare Idee an einem Tag, an dem ich trotz Traumwetter nicht so richtig in meinen Tag gefunden habe. Und jetzt freu ich mich auf den Abend, auf hoffentlich tolle Stimmen, nette Überraschungen und wunderbare Musik! Dankeschön an euren Papa, der mich damit auch an einen Sommernachmittag im letzten Jahr erinnert hat: auf eurer Terrasse mit Blick über den Genfer See, wir alle drei ausgerüstet mit einem dicken Buch voll mit Kinderliedern. Das hat – zumindest mir – riesengroßen Spaß gemacht. Sollten wir bald mal wieder in Angriff nehmen? Und da ihr in der Schule nur französische Lieder singt müssen wir schließlich auch mal die deutschen Highlights üben? 🙂

Ach ja, nicht zu vergessen: der Mont Blanc war damals nicht zu entdecken und ich halte es weiterhin für ein Gerücht, dass man den von eurer Terrasse aus sieht. Da hilft auch Photoshop nicht wirklich!

Und jetzt einen schönen Abend an alle, unabhängig davon, ob ihr mit mir The Voice kuckt oder nicht!

Entwicklungschancen

Hatte gestern ein Seminar, wie so oft in Trainings geht es um Status, Stärken, Entwicklungschancen, Analysen, Auswertungen, praktische Übungen, Besinnung und Neuentdeckungen. Etwa zur Halbzeit, also bevor der lange Nachmittag startet und man, respektive ich, mit Konzentrationsschwierigkeiten zu kämpfen hat, brachte die Trainerin einen Spruch, der bei mir einen Denkprozess in Gang gesetzt hat: „Jeder Erwachsene sollte diese Eigenschaften (also z.B. Denker oder Fühler) als Entweder-Oder haben. Natürlich kann man sich noch in die eine oder andere Richtung entwickeln, aber es ist nicht wie in der Kindheit, wo alle Optionen offen sind. Die Anlagen sind geprägt. Man muss sich aktiv und bewusst bewegen, um sich zusätzliche Eigenschaften anzueignen. Man sollte nicht vorhandene Eigenschaften dabei immer unter dem Aspekt betrachten, ob es von anderen als Schwäche ausgenutzt werden kann.“

Als Kind entwickelt man sich täglich, ohne Strategie, ohne Stärken-Schwächen, ohne Swot-Analyse, man wird von vielen Faktoren beeinflusst, aber beeinflusst die Entwicklung der wichtigsten menschlichen Grundanlagen wie Persönlichkeit und Charakter nicht nach Karriere- oder Performance-Zielen. Und trotzdem bewegt sich da richtig was. Wenn ich es so reflektiere, dann klappts bei den meisten Kindern ganz ordentlich? Auch unter Anleitung, die Eltern, Kindergarten, Schule, Lehrer, ältere Freunde, Geschwister …. Bei Erwachsenen – na ja. Kommt immer darauf an? Trainer und Coaches sind auch Wegbegleiter, hochbezahlt. Die über einen gewissen Zeitraum begleiten, führen, leiten, zum eigenen Weg verhelfen. Aber bleibt das Erlernte bestehen? Hab bislang selten Führungskräfte erlebt, die sich nach einem Coaching, nach Trainings und Seminaren wirklich langfristig und mit nachvollziehbaren Ergebnissen positiv weiterentwickeln konnten? Bewusstsein geschaffen ja, aber spürbar verbessert?

Ich bin heute zu fertig, hab nicht so die gedankliche Analysestaerke, deshalb vertage ich das Thema einfach, greife es bei passender Gelegenheit wieder auf – und sag für heute: einen schönen Tag euch allen. Und vielleicht hilft es oft am meisten, nicht nur seinen eigenen engsten Kosmos im Auge zu behalten, sondern offen für die Umgebung zu sein. Loslösen vom Kalender und von den Verpflichtungen – und auch mal kurz darüber nachdenken, was wirklich wichtig ist? Kann man ja zumindest nie oft genug klarmachen, dass jeder Tag im Leben genau einmal stattfindet. Heute wird nicht so mein Tag werden, aber ich mach trotzdem das beste draus – oder?