A Leich zur Hopfenzupf


Für Familien ist diese ganze Organisation einer Beerdigung direkt nach dem Tod eine „willkommene“ Ablenkung vom Trauern – nur bleibt trotzdem dieser Moment des Abschieds vor versammelter anteilnehmender Gemeinde. Und dann kommen die Gefühle oft knüppeldick …  Ein Tipp von einer, die schon auf sehr vielen Beerdigungen gesungen hat und sehr genau weiß, was Musik bewirken kann: sie holt die Emotionen aus der Tiefe hervor … kurz: die Beerdigung heute war ein Meer der Tränen für die engste Familie. Aber ich vermute, es hat gut getan, dass sie endlich fließen konnten? Vor allem bei s’is Feierabend, das die 5 Bläser nicht ganz so gut hinbekommen haben, wie diese Damen – und nur weil das Klugscheißer-Ich heute mal geforscht hat: ist zwar zwischenzeitlich bavarisiert worden, aber die Meldodie und vor allem der zugehörige Text haben keinerlei alpenländischen Hintergrund, sondern stammen aus dem Erzgebirge:

Ich war erkältungsbedingt nicht so recht auf dem Damm. Die letzten 2 Tage waren sehr gedämpft, umso mehr habe ich heute die Fahrt durch die Hallertau genossen, den Geruch der Hopfenzupf tief eingeatmet. Und da die kleine Kirche sowieso viel zu voll war, bin ich gleich im Halbschatten hinter dem – übrigens vollkommen unerwartet im Westen stehenden – Kirchturm geblieben. Und habe aufmerksam beobachtet, wie sich die Landbevölkerung auf die Situation einstellt, dass sowieso nicht alle im Kircheninneren Platz finden: die einen kommen von Haus aus später, die anderen suchen sich die „besten Plätze“ aus. Alles ganz selbstverständlich, schön fand ich, dass die Hopfenzupfer pausiert haben – wobei das selbstverständlich ist, denn auf dem Dorf geht noch jeder zu einer Beerdigung.

 

9 Kommentare zu „A Leich zur Hopfenzupf“

  1. Bei uns geht auch noch fast das ganze Dorf auf eine Beerdigung. Das ist so etwas wie ein bedeutender gesellschaftlicher „Event“. Meine Mutter erzählt mir nach jeder „Leich'“, wen sie dort getroffen, was diejenigen angehabt und erzählt haben…
    *Lieb-drück* ❤

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    1. Der Spruch „auf den Beerdigungen kommen wir zusammen“ trifft eben überall zu? Meine Mutter und die Tanten haben gestern übrigens das Pro und Contra von luftigen Sommerkleidern diskutiert, lautstark und noch am Friedhof 😉

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      1. Als vor gut zwanzig Jahren meine Großmutter mütterlicherseits starb und in Grassau beigesetzt wurde, traf ich nach langer, sehr langer Zeit endlich einmal wieder meinen Lieblings-Cousin. Es war grad im Vorfeld einer Fußball-WM, und wir diskutierten ziemlich temperamentvoll die Chancen unserer Nationalmannschaft – bis wir endlich, nach einer geraumen Weile, die entsetzten und verärgerten Blicke und das Getuschel der umstehenden zahlreichen Verwandtschaft mitbekamen. 😆

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  2. Dabei wurde es dann, beim Leichenschmaus, noch so richtig lustig. Meine Oma ist ein Original gewesen, die nach der Vertreibung aus Sudetendeutschland alleine sieben Kinder groß gezogen hat. Es gibt zahllose Anekdoten über sie. Man hatte den Saal einer Wirtschaft in Grassau angemietet, da die Verwandtschaft überaus zahlreich gewesen ist. Grad nach dem Essen hat mein ältester Onkel, ein wahrer Scherzbold und Barockmensch vor dem Herrn, angefangen, G’schichten von der Oma zu erzählen, und es dauerte nicht lange, und jeder hatte Lachtränen in den Augen, und unser dröhnendes Gelächter hallte im Saale wider…
    Noch heute denke ich mir, wenn ich mich daran zurück erinnere, dass das die schönste Beerdigung gewesen ist, an der ich teilgenommen hatte.

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      1. Ja, genau… Ich kann mich an einen alten, weißbärtigen Bauern erinnern, weit über achtzig Jahre alt, der eines Abends am Stammtisch erzählte, wie er sterben wolle: In seiner Lieblingswirtschaft zwei dunkle Bier und einen Enzian trinken, gemütlich heim wandern, eine deftige Brotzeit machen, noch ein wenig mit seiner Frau ratschen, und sich dann ins Bett legen, und einfach in die Anderwelt hinein schlafen. Das hat nur wenige Tage gedauert, dann ist der Vogei Sepp genau so gestorben, wie er sich das gewünscht hatte. Zur Beerdigung kam beinahe das ganze Dorf – und niemand hat geweint. 😉

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