Das mit der Landpomeranze


Kürzlich hat mich jemand als Landpomeranze bezeichnet. Das war in dem Moment weder charmant, keinesfalls nett und bestenfalls hat er schneller gesprochen als gedacht. Ehrlich gesagt hat mich sehr amüsiert, dass ein Herr mittleren Alters heute ein doch eher veraltetes Wort gebraucht. Aber einen Gedanken hab ich noch: woher kommt es, dass ein Mädchen vom Land weniger wert sein sollte? Bei der Recherche bin auf eine früher sogenannte Frucht, ein Obst gestoßen, das wohl einer Grapefruit ähnelte oder zumindest eine Art bittere Orange war.  Im süddeutschen Raum galt die Landpomeranze als Schönheit vom Lande, der es an Bildung, Benehmen, Anstand bzw. Weisheit fehlt. Unbeholfene Möchtegernschönheit hab ich auch irgendwo gefunden … Hm, nett? Naja, ich versuche dem Komplimenteverteiler gerade zu verzeihen – und verweise in dem Kontext auf meinen eigentlich immer frischen Teint, könnte ja durchaus sein, dass er meine roten Backen als Farbe der Pomeranze identifiziert hat?

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11 Kommentare zu “Das mit der Landpomeranze”

  1. ich finde der war einfach nur unverschämt, Gedanken hat der sich keine gemacht. ich bin auch vom Land. warum sollte jemand vom Land nicht genauso wertvoll sein wie jemand aus der Stadt. Also ich würde das nicht verzeihen. ganz ehrlich nicht. liebe grüsse und noch schönen Ostermontag

    1. Sehe ich genau wie du – und da ich sowohl Stadt- wie Landmenschen kennen darf, muss ich auch aus der Beobachtung sagen: es gibt überall solche und solche Exemplare. Insofern: keine Ahnung, als was mich der überaus charmante Herr gerne kategorisieren wollte …?

  2. Wenn das jemand zu mir sagen würde, läge mir was auf der Zunge, das da nicht liebenbleiben würde. Irgendwie ist der Begriff für mich negativ besetzt, aber ich fange auch jetzt erst an, darüber nachzudenken…

    Bauerntrampel geht da hoffentlich in eine andere Richtung, oder?

    1. Nein, ich denke nicht, dass Bauerntrampel sehr viel anders ist. Nur kann man das eindeutiger zuordnen. Ich vermute, da jeder das eindeutig verstehen würde, hat man es höflicher formuliert, Bauer=Land, Trampel=Pomeranze – und weil keiner mehr weiß, was das ist, war es definitiv eher abwertend gemeint …

  3. Ein mir völlig unbekannter Mensch, so etwa Anfang Sechzig, ging vorgestern ganz überraschend auf mich zu, warf einen kurzen Blick auf meinen Dienstausweis und grinste mich dann hämisch an: „Des is aba a oids Buidl, gell. Da bist jetzt aba scho ganz schee oid wordn.“ Wie aus der Pistole geschossen antwortete ich ihm: „Da gibt’s etwas, das man gemeinhin als Taktgefühl bezeichnet. Schon mal was davon gehört?“ Seine Frau meinte beschwichtigend: „Denken’s eana nix, der is allerweil so.“ Bevor mir die Bemerkung heraus rutschte, dass sie mir sehr leid tun würde, weil sie sich dann ja wohl sehr oft für ihren Mann fremd schämen müsse, drehte ich mich um und ging…

    1. Bin manchmal selbst schnell mit Worten, aber deshalb einen anderen Menschen geringschätzend abwerten? Da wäre zumindest eine kleine Entschuldigung angebracht. Oder eine Erklärung. Und da hilft auch kein „der ist so“, finde ich. Ich frag mich immer, wie viel Menschen, die so gut austeilen können, im Gegenzug einstecken können? Wie hätte dein Charmeur wohl reagiert, hättest du ihn mit einer ähnlichen Aussage konfrontiert …? Ganz liebe Grüße und einen guten Wochenstart

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