Das mit dem Stolz


Ich habe eine Freundin. Seit 1999. Wir haben uns in einer sehr intensiven Zeit kennengelernt. Unsere Freundschaft ist mal enger, mal weniger eng. Aber unsere Verbindung hält. Ein Bindeglied ist ganz sicher die Musik, die uns immer wieder einen Anlass für gemeinsames Erleben schenkt. So wie gestern abend, ich durfte im Publikum sitzen, während sie mit ihrem Acapella-Chor aufgetreten ist. Fast 3 Stunden, Haindling, Münchner Freiheit, Queen, Revolverheld, Michael Jackson und die von mir sehr geschätze Ina Müller waren da unter anderem zu hören. Für mich schon fast legendär das  Arrangement eines bairischen Volkslieds, das die bezaubernde Nichte auswendig kann, weil ihre Mama ihr das vorsingt, seit sie auf der Welt ist: „Springt da Hirsch übern Bach, brockt si drei driedoppelte schene, greane, braune Brombeerblätterbladl ob von da Staudn. Sagt da Hirsch, des is a Mo, der si drei driedoppelte, schene, greane, braune Brombeerblätterbladl obbrocka ko.“ Ohne ein einziges Instrument, lebendig dargebracht von knapp 30 Sängern. Wie alles andere, was sich an diesem Abend sicher nicht immer so anhörte, wie viele es kennen.

Besonders für mich aber war der Moment, in dem ich seit vielen Jahren mal wieder die Stimme dieser Freundin solistisch hören durfte, zu „Turning Tables“ von Adele. Nicht leicht, das zu singen, umso größer meine Gänsehaut, denn es war ein perfekter musikalischer Moment. Und wie schön, dass ihre ganze Familie dabei war. Eltern, alle Geschwister, auch der Bruder, der sein Leben jetzt so weit von zu Hause lebt, alle Nichten und der Neffe. Ihre gerade 14 gewordene Tochter. Eigentlich jeder aus dem Dorf, in dem sie aufgewachsen ist. Und so viele Bekannte. Was war ich stolz, über das viele Lob, das sie bekommen hat. Sie so strahlen zu sehen, zu wissen, wie sehr sie die Musik liebt …

Wie hab ich mich über ihre strahlenden Eltern gefreut, so stolz auf die gelungene Aufführung im neu erbauten Bürgerhaus der Feuerwehr, das bis zum letzten Platz ausverkauft war. Was hab ich mich gefreut, als ihr zweiter Bruder, der tagsüber einen Termin am Starnberger See hatte, pünktlich nach der Pause kam und belagert von seinen 3 Mädels den zweiten Konzertteil genießen konnte. An ihrer Seite im Chor die große Schwester, die zwei hört man stimmlich so was von raus. Und die Bühnenpräsenz haben sie geerbt, ganz klar. Was für eine wunderbare Musikerfamilie das ist.

Und wie schade, dass ihr Mann das nie mit erlebt. Er fehlt. Oder auch nicht. Das ist jetzt eine Frage der Sichtweise, denn wer weiß, ob es ihr nicht die Freude trüben würde, wenn er dabei wäre, aber wie schon früher völlig verständnislos neben ihr stehen würde. Und zum baldigen Heimgehen drängen würde. Nein, ohne ihn kann sie nach einem gelungenen Konzert bleiben, mit den anderen Musikern zusammensitzen, lachen.

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5 Kommentare zu „Das mit dem Stolz“

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