Das mit dem „man“


Wie oft ich den Spruch „Man müsste …“ in meinem Leben wohl schon gehört habe? Ich habe leider nicht mitgezählt. Und auch nicht hinterfragt. Manchmal habe ich mich zuständig gefühlt, habe das, was vorgeschlagen wurde, erledigt. Die unzähligen anderen Male bin ich davon ausgegangen, dass derjenige, der „Man müsste …“ angesprochen hat, sich wohl darum kümmern würde. Oder eben ein anderer. In den vergangenen Wochen nehme ich mir das Recht heraus, zu hinterfragen. Wann immer die Feststellung „man müsste …“ kommt reagiere ich mit der Frage „Wer ist man? Also wer kümmert sich darum?“. Das nervt. Alle Beteiligten. Vor allem denjenigen, der ja lediglich eine Bemerkung machen wollte. Mich selber erst recht, denn ich fühl mich nicht sehr wohl in der Rolle. Und trotzdem behalte ich das „Klugscheißern“ bei. Denn wer ist dieser „man“? Der so viele Aufgaben hat? Und warum macht der das nicht? Denn häufig ist auch beim nächsten Gespräch im Kontext die Wiederholung der bereits bekannten Feststellung zu vernehmen: „Man müsste doch wirklich mal …“

Dann gibt es ja noch dieses andere „Man müsste mal wieder …“. Sich etwas gönnen. Sich was Gutes tun. Und so vieles mehr. Da ist ganz klar, wer man ist. Derjenige, der spricht. Also das ich. Wo genau liegt jetzt der Unterschied, zwischen diesen beiden „mans“? Zwischen diesem „man=ich“ sollte mir echt was gutes gönnen und dem „man=ein anderer“ soll sich drum kümmern …?

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17 Kommentare zu “Das mit dem „man“”

    1. Kann sein, ich muss immer wieder an die Sequenz mit einem Handwerker auf dem Bau denken. Er: „Man müsste …“. Ich: „Wer sollte das tun?“ Er: „Wie bitte?“ Ich:“Du sprichst von man – wer ist denn dafür zuständig?“ Er überlegt: „Hm???“ Ich: „Du hast doch eben gesagt, dass … erledigt werden muss, wer könte sich denn drum kümmern?“ Er: „Ja, also … das ist doch jetzt aber eine blöde Frage!“ Grinst mich etwas dümmlich an. Ich:“Dann frage ich einfach noch mal. Was meinst du, wer sollte … machen?“ Er: „Also, wenn ich so nachdenke – eigentlich sollte das mein Mitarbeiter längst erledigt haben.“ Ich: „Und warum hat er es nicht gemacht?“ Er:“Gute Frage, das hat er wahrscheinlich vergessen …“ Ich: „Und wer kümmert sich jetzt darum, dass es gemacht wird?“ 🙂

      1. Genau das ist es, je konkreter wir werden desto klarer ist die Verantwortung 🙂 .
        Bei „man“ fühlt sich doch niemand konkret angesprochen.

  1. So denke ich auch…
    man= ein Anderer, mag ich gar nicht, denn da sehe ich eine Abwälzung auf jemanden anderes und es wird nicht konkret ausgesprochen.
    Da hast du auch völlig recht, wenn du dich wehrst und nachfragst 😉

  2. Man – ist für mich Larifari. Keine Position, keine Verantwortlichkeit, keine Identität. Am schlimmsten ist für mich, wenn es um persönliches, emotionales geht und die / der -jenige ständig „man“ sagt, als gäbe es sie oder er gar nicht.
    Komm, wir stampfen beide mit den Füssen auf den Boden….

    1. Mit den Füßen fest auf den Boden stampfen tut soooo gut 🙂 Und da kann ich mich nur anschließen: eine Bekannte erwähnt permanent „man“, wenn sie über sich in ihrer Partnerschaft spricht. Finde ich hochalarmierend, immerhin sollte es doch um ihre Gefühle gehen? Aber wahrscheinlich interpretiere ich nur wieder zu viel hinein ….

  3. Du sprichst ein interessantes Thema an. Derjenige der „man“ sagt möchte, dass irgendetwas getan wird und zwar nicht durch ihn, sondern durch andere. Interessant wird es, wenn diese Aussage unter zwei Personen getroffen wird.

    Die Frage: „Wer ist man?“ fordert den Anderen konkret zu sagen, wer was machen soll.

  4. Ich hinterfrage das seit Jahren! Besonders beliebt bei Kollegen und Freunden ist mein: Frau auch 🙂
    Menschen verwenden „man“, damit sie nicht „Ich“ sagen und somit nicht wirklich zu ihrer Meinung stehen!
    „Aber“ ist genau so ein Füllwort. Mensch darf es weglassen und den Satz davor beenden. Geht ganz einfach .)
    Schönen Abend
    Gabs

  5. Mit der Frage „Wer ist das, ‚Man‘?“ als Retourkutsche auf die mit erhobenem Zeigefinger kund getane Belehrung „Das tut man nicht!“ habe ich als Kind und aufmüpfige Jugendliche – aber auch in späteren Jahren – meine Eltern, vor allem meine Mutter, ungezählte Male zur Weißglut getrieben. :mrgreen:

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