Ein Abend mit Elisabeth


#ElisabethMusical
#ElisabethMusical

Ihre Geschichte begleitet – bestimmt nicht nur mich – mein Leben lang: Elisabeth, Kaiserin von Österreich, genannt Sisi. Die Sissi-Filme zu Weihnachten war jahrelang gesetztes Programm für mich und meine Schwestern.

Elisabeth im Sternenkleid
Elisabeth im Sternenkleid

Das Musical habe ich zwar nie gesehen, die Musik aber kenne ich in- und auswendig. Der Komponist wohnt mit seiner Familie übrigens in der Hallertau, quasi „ums Eck“ von meinem Heimatort. Zum Komponieren für das erfolgreiche Musical hat ihn laut Medienberichten seine Frau überredet, die ein Faible für Elisabeth hat. In allen Facetten, keinesfalls romantisch verklärt wie im Film, in dem die hübsche Prinzessin Kaiserin und geliebte Ehefrau ihres Franzl wird. Wo die Film-Trilogie mit Happy End endet, legt sich das Musical erst richtig ins Zeug. Zeigt im Zeitraffer, wie unglücklich dieses majestätische Erbe sie machte.

In der Garderobe hat alles seinen festen Platz, beim Umziehen hat keiner Zeit, lange zu suchen ...
In der Garderobe hat alles seinen festen Platz, beim Umziehen hat keiner Zeit, lange zu suchen …

Wie wenig ihr am Ende das bedeutet hat, was eigentlich wichtig hätte sein können. Wie traurig sie war, wie sehr die Grabenkämpfe mit einer unbeugsamen Schwiegermutter und die Erwartungshaltung einer Gesellschaft sie ausgezehrt haben. Aber auch, was für ein Egoist sie dadurch wurde …

Der Blick in den Orchestergraben #DeutschesTheaterMünchen
Der Blick in den Orchestergraben #DeutschesTheaterMünchen

Jetzt habe ich das Musical zum ersten Mal live erlebt, auf Einladung des Deutschen Theaters. Beim #Tweetup. Eine Premiere für fast alle Beteiligten. Eine bunte Truppe von Menschen, die auf unterschiedlichen Kanälen online kommunizieren. Twitter, Facebook, Blogs – 10 wurden ausgewählt, ich gehöre dazu.

Partitur
Partitur

Ein paar große Fans, sogar echte Musical-Experten, die nicht nur diese Inszenierung in München schon gesehen hatten, sondern das gleich mehrfach. Die anderen Darsteller schon erlebt haben. Wow, da bleibt mir nur, meinen Eindruck wiederzugeben, für mich ist es eine Premiere.Hinter den Kulissen lagert alles, was im Verlauf des Stücks benötigt wird, etwa Sissis Reisegepäck

Hinter den Kulissen lagert alles, was im Verlauf des Stücks benötigt wird, etwa Sissis Reisegepäck

Im Vorfeld wurde auch Kritik geäußert, so eine Gruppe störe sicher das restliche Publikum, es gäbe einen Grund, wieso Aufnahmen verboten seien. Und was genau soll so eine Veranstaltung eigentlich bringen? Gute Frage. Hab ich mich im Vorfeld auch gefragt. Kann ich das? Also gleichzeitig erleben, alles aufnehmen – und das twittern? Wie oft? In welchem Abstand soll man…? Verpasse ich dann nicht wichtige Szenen?

Kitsch
Kitsch

Mein Eindruck war: es fühlt sich genauso an, wie wenn man als „normaler“ kritischer Berichterstatter eine Aufführung erlebt. Die Tweets sind nicht nur durch die 140 Zeichen ohnehin kurz, es ist, als ob man „sich“ ein paar Notizen macht. Bilder durften nur in bestimmten Szenen gemacht werden – und natürlich ohne Blitz. Das war also sicher nicht störend. Meine Aufnahmen sind zwar auch entsprechend unscharf, aber egal. Nach der Aufführung wurde ich übrigens von einer Zuschauerin angesprochen, die nachfragte, ob wir das offiziell machen. Und die fand es toll, „da wär ich auch gern dabei gewesen, schöne Sache“.

Die "Pferdchen" für die Lippizaner-Parade der Regierungsvertreter mit Erzherzogin Sophie
Die „Pferdchen“ für die Lippizaner-Parade der Regierungsvertreter mit Erzherzogin Sophie
Die Puppen aus dem Kinderzimmer - können nicht ersetzen, dass der kleine Rudolph seine Mama vermisst
Die Puppen aus dem Kinderzimmer – können nicht ersetzen, dass der kleine Rudolph seine Mama vermisst

Besonders waren die kleinen Zusatzprogrammpunkte, also die Erklärung der Bühne und der Blick hinter die Kulissen. Wir haben uns auf der Drehbühne im Kreis bewegt, in den Orchestergraben gespäht, die Bühnenbilder bewundert, waren in den Garderoben, haben Perücken und Kleider bestaunt … Und ja, es macht einen Unterschied, ob man die Puppen aus dem Spielzimmer des jungen Rudolph vorher schon mal nah gesehen hat. Oder weiß, wo der Schirm hängt, mit dem sich Elisabeth bei der Begegnung am Meer vor der Sonne schützt. Besonders beeindruckt waren wir alle von Elisabeths Haaren, die mehrfach gewechselt werden müssen, sehr schwer sind – und mit alten Heizscheren gelockt werden, weil moderne Lockenstäbe nicht heiß genug werden.

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Alles hat seinen Platz, damit später nur ein Handgriff notwendig ist – mit dem Schirm spaziert Elisabeth am Strand

Besonders in Erinnerung bleibt mir die Ensembleleistung, man merkt, wie sehr das ein Team ist. Keine Einzelkämpfer, einige können für jede Rolle flexibel eingesetzt werden. Wunderbar, wie die Darsteller das Altern, also andere Perücken, graues Haar, auch stimmlich umsetzen konnten. Die Stimme von Elisabeth ist zu Beginn mädchenhaft und wird immer schwerer, bei Franz Joseph dachte ich sogar, es wären 2 Schauspieler, das liegt natürlich auch an den Stücken. Ja, Gesang ist so sehr Geschmacksache, deshalb ganz kurz: mich hat jede einzelne Leistung sehr überzeugt. Etwas überraschend war „Boote in der Nacht“, das Duett des Kaiserpaares, mein absolutes Highlight, ein echter Gänsehautmoment.

Wenn der Dirigent im Spiegel zu entdecken ist
Wenn der Dirigent im Spiegel zu entdecken ist

Und gefreut habe ich mich, als ich während „Wenn ich dein Spiegel wär“ den Dirigenten im Spiegelbild entdeckt habe und für Minuten absolut im Takt war. Ein Lob an das Orchester, das auch in den schrillen Passagen nicht übermütig wird – und sich in der Lautstärke sehr dem Raum anpasst. Meine große Bewunderung gilt denen, die hinter den Kulissen für den reibungslosen Ablauf sorgen, Garderobe, Licht, Technik. Die Bühne des Deutschen Theaters ist nicht sehr groß, da muss jeder Handgriff sitzen. Das Publikum soll ja nicht sehen, wenn die Kulissen vorbereitet und wieder verstaut werden.

Kostüme, Kostüme, Kostüme - eine Unmenge an Kostümen
Kostüme, Kostüme, Kostüme – eine Unmenge an Kostümen

Und das mit den Kostümen und Perücken: Elisabeth wechselt allein 14 mal das Outfit. Die Ensemble-Mitglieder verwandeln sich in Hofdamen, Kaffehausgäste, Kammerzofen, Volk, Hofstatt, Regierung, Hochzeitsgäste, Reisegesllschaft … Da muss man sich blind aufeinander verlassen können. Und wissen, wo was liegt. Geordnete Handgriffe, sonst leidet das Stück.Zum Schluss hätte ich durch die angeregte Plauderei mit der Zuschauerin beinahe die beiden Hauptdarsteller Roberta Valentini und Mark Seibert an der Bühne verpasst – hab aber doch noch dazu gefunden. Wär schade gewesen, denn das Meet & Great war so richtig herzlich, offen, interessiert. Schön, dass wir hier zwei echte Stars zum Anfassen erlebt haben. War ziemlich sympathisch, dass sie sich Zeit für uns genommen haben. Dazu auch noch mal ein großes Dankeschön an das Team vom Deutschen Theater, das die Idee zum #Tweetup hatte, alles vorbereitet und uns durch den Abend begleitet hat. An Mona, die uns auf (und über) die Bretter, die die Welt bedeuten, geführt hat. Und ein riesengroßes Dankeschön an alle Darsteller, Musiker und diejenigen, die im Hintergrund wirken, es war ein ganz schön toller Abend. Den ich so schnell nicht vergessen werde! Das finde nicht nur ich, die anderen Teilnehmer waren ähnlich begeistert, wie ihr hier im Überblick nachlesen könnt.

Das Musical ist übrigens noch bis 7. Juni 2015 im Deutschen Theater in München zu sehen, danach geht es nach Linz, Frankfurt, Berlin und Hamburg, Karten bei den bekannten Verkaufsstellen.

 

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27 Kommentare zu „Ein Abend mit Elisabeth“

  1. Das muss ein wunderbares Erlebnis gewesen sein. Ich erinnere mich genau, dass ich damals bei den Sissi-Filmen auch geschmachtet habe und sie mehrmals gesehen habe 😉 .

    1. es war einfach wunderschön, und bei Sissi mitschmachten mach ich immer noch, wenn es mal wieder im Fernsehen kommt (morgen läuft es im ARD-Nachmittag, aber das werd ich wohl nicht schaffen …) – liebe Grüße

  2. Oh, wie mich das freut, dass du so einen wunderbaren Abend hattest! 🙂 Und so ein Blick auf und hinter die Bühne ist stets faszinierend ohnegleichen.
    Liebe Grüße!

    1. Absolut, bin immer noch vollkommen im Elisabeth-Fieber, hab den Nachmittag auf der Baustelle mit Summen verbracht (die halbe Stunde in schwindelerregender Höhe auf dem Gerüst mit wackligen Knien und „bloß nicht nach unten schauen“ mal ausgenommen) – schöne Pfingsten für dich

  3. Wow! Wie toll du das (mal wieder!) beschrieben hast. Ich hab gleich Gänsehaut. Vielen Dank fürs Mitnehmen. Das ist wie dabei zu sein. Und liebe Grüße von Mama, die überlegt jetzt sich noch schnell Tickets zu kaufen, weil du so vorgeschwärmt hast 😉

  4. Liebe Doris,
    vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar auf meinem Blog! Ich freue mich riesig, wenn ich erfahre, wer denn hinter den Klickzahlen steckt und auf meinem bescheidenen Blog ab und zu vorbei schaut! 🙂 ELISABETH hat mich wirklich sehr berührt und ich laufe seit Samstag natürlich mit den verschiedensten Ohrwürmern aus dem Musical herum! 😉
    Den Beitrag über deine Hinter-den-Kulissen-Einblicke habe ich gerade begeistert gelesen! Das war sicher ein unvergessliches Erlebnis, wow! Mich hat schon immer interessiert, was hinter solchen Shows und Inszenierungen so passiert. Ich bin zugegeben ein kleinesbisschen neidisch! 🙂
    Dein Blog scheint insgesamt genau meinen Ton zu treffen. Ich hab ihn mir gleich mal in meiner Lese-Liste gespeichert und werde hier in Zukunft sicher öfter reinschauen und in deinen Beiträgen stöbern! 🙂
    Die Idee, den Blog als Quasi-Brief an deine Patenkinder aufzuziehen, finde ich großartig! Ich bin auch vierfachte Tante und dreifache Patentante und habe leider auch nicht so viel Zeit für die Knirpse wie ich gern hätte! Mach das mit dem Blog unbedingt weiter so! Deine Patenkinder werden sicher mal total gespannt lesen, wie ihre Tante „früher“ so war! 🙂
    Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche!
    Claudi

    1. Liebe Claudi, ich freu mich – über die tollen Worte, vor allem aber auch, weil es mir ja genauso geht: find mich bei dir auch immer sehr wieder. Und les gerne mit! Und ein liebes Dankeschön für en Kommentar zu meiner Blog-Idee – ich denke auch immer, es gibt keine Garantie dafür, dass ich Ihnen Geschichten persönlich erzählen kann (vor allem, weil ich mir ja so schon die Hälfte nicht merken kann ;-)). Mal sehen, wie sie das später finden werden, der Große liest jetzt schon hin und wieder mit – und grinst dann verschmitzt! Dir auch einen guten Start in die Woche und bis demnächst, liebe Grüße von Doris

  5. Das Musical war vor einigen Jahren in Essen zu Gast und ich konnte endlich einmal hin, da es nicht zuuu weit weg war. Ich habe es genossen! Und ich oute mich, ich bin Sisi-Fan. Ist so und bleibt auch so 😀

    Ganz liebe mitfühlende Grüße, Emily

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