Geplant sterben


Bildquelle: Pixabay
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Ich möchte nicht spekulieren, was Brittany Maynard mit ihrem  öffentlichkeitswirksamen Sterben bezweckt. Das weiß nur sie. Auch möchte ich nicht in die Diskussion über Sterbehilfe einsteigen. Ob  Selbstmord oder Folgen einer Erkrankung: der Tod ist unausweichlich. Aber einen Gedanken möchte ich notieren:

Als meine Schwester damals schwerstkrank im Koma lag, wollte unsere Familie, dass sie überlebt. Nur unsere Mutter hat an das, was ihr später bevorstünde, gedacht. An das, was nach der Krankheit gekommen wäre – und gezweifelt, ob ihr Kind, das so voll von Zukunftsplänen und Visionen war, verstümmelt und schwerstbehindert hätte weiterleben wollen. Auch meine Schwester hat irgendwann das Leben losgelassen. Bewusst oder unbewusst entschieden, nicht für die anderen weiterzuleben, die zurückbleiben. Ich glaube, dass auch sie erst bereit war, zu gehen, als der Weg zu schwer geworden ist.

Ich für meinen Teil bewundere den Mut dieser todkranken jungen Frau, die sich in nicht mal einem Jahr seit der Diagnose selbstbestimmt so viele Wünsche erfüllt hat – und jetzt friedlich für immer eingeschlafen ist, umgeben von ihren liebsten Menschen …

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7 Kommentare zu „Geplant sterben“

  1. Zwei Dinge, auch ich bewundere diese Frau, sehr sogar. Denn ich glaube zu diesem Schritt gehört eine Menge Mut und eine Familie die voll hinter einem steht. Sie hat ja sogar einen Umzug in einen anderen Staat gewagt, wo diese Art der Hilfe zum Sterben möglich ist. Die Entscheidung nicht bis zum Ende dahin siechen zu müssen, finde ich mehr als richtig, wenn wir hier diese Möglichkeit hätten und ich wäre in einer solchen Situation, ich würde sie ergreifen, ganz sicher.
    das Zweite ist mit deiner Schwester, ich denke in einer solchen Situation hofft man immer und bis zuletzt, so wie ihr auch. Und ihr habt bestimmt gewußt, daß es, auch wenn sie erwacht wäre, nie wieder so geworden wäre wie es war.
    Deshalb sollte man heutzutage sich absichern mit Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht usw. soweit wie man sich hier in Deutschland halt absichern kann.

    Liebe Grüße
    Doro

    1. Liebe Doro, ich bin mir zwar nicht so sicher, dass ich genauso mutig wäre, aber ich hoffe es! Und ich stimme dir zu: für einen nahen Menschen wird man immer hoffen, auch wenn das Unterbewusstsein längst den Tatsachen ins Auge blickt. Patientenverfügungen und Vollmachten sind mehr als sinnvoll, vor allem, wenn ich das heute entscheide – und nicht irgendwann später aus der Not heraus! Liebe Grüße von Doris

  2. In irgendeiner Zeitung habe ich gestern ein schönes Plädoyer dafür gelesen, dass Menschen in vergleichbaren Situationen nicht reisen müssen sollen und dürfen, um selbstbestimmt sterben zu dürfen. Der Bericht ging auch näher auf den „Sterbetourismus“ in die Schweiz ein.
    Es ist doch ein Unding, dass das im einen Land erlaubt, im einen Bundesstaat erlaubt, und im anderen nicht erlaubt ist. Mir gruselt auch schon wieder vor den ganzen Kommentaren der kirchennahen Christen.
    Für Menschen wie Frau Maynard hege ich in der Form Bewunderung, als dass ich über ihren Mut und Konsequenz staune. Ich hoffe, ich habe ihn auch, für den Fall dass … Ich lebe einfach zu gerne. Und hänge sicherlich auch daran. Empfehlenswert zum Thema: Unbedingt „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf.

  3. Ein großes und doch so schwieriges Thema !!!

    Ich habe meine Freundin über 5 Jahre im Wachkoma erlebt und danach eine ganz andere Sicht der Dinge bekommen,

    Wenn man so etwas von einer solch jungen Frau, wie der Brittany Maynard mit erlebt, sei es auch nur durch TV oder Internet, spielt meine Gefühlswelt immer verrückt.
    Meine Patientenverfügung ist schon ein paar Jahre ausgefüllt, denn nur von Maschinen am Leben gehalten zu werden, würde ich keinem in meiner Familie zumuten.

    Liebe Grüsse
    Uschi

    1. Eigene Erlebnisse im Umgang mit Sterbenden verändern den Blickwinkel . Vor allem die Erkenntnis, wie untätig man als Angehöriger im Zweifel sein kann, wenn man eben nicht mit Bestimmtheit weiß, wie es sich der Kranke durch eine Patientenverfügung gewünscht hätte … Gestern abend gabs eine Doku auf 3-Sat, die unter anderem auch Themen wie Beerdigung usw. in den Fokus rückt: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=46957
      Liebe Grüße an dich und ein schönes Wochenende

  4. Jede/r, der/die den Mut aufbringt zu sagen „So, jetzt reicht’s, jetzt habe ich genug gelitten!“ hat meinen vollsten Respekt. Ich weiß noch, wie ich vor ein paar Jahren, als die Nachricht von Gunther Sachs‘ Selbstmord durch die Medienwelt raste, gedacht hab‘: „Der hat Recht!“

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