Sommermärchen 2014


So, der 4. Stern ist da. Das Dreamteam Deutsche Fußballnationalmannschaft hat ihn sich geholt, hat das Sommermärchen, das 2006 mit den Worten „Es war einmal im eigenen Land“ anfing, zu Ende geschrieben. Es ist die Erfüllung eines Kindheitstraums. Nicht wenige aus meiner Generation haben sich gestern ganz bestimmt erinnert, was sie beim Endspiel 1990 erlebt haben. Die Älteren wissen vielleicht noch, wie es war, 1974 oder 1954 Weltmeister geworden zu sein? Und glaubt man diesem Artikel, dann gehören die großen Fußballmomente zur Kette der Erinnerungen, die unser Leben ausmachen! Ein irres Gefühl, heute ist jeder müde, glücklich, hat gefeiert oder auch nicht … Was war da die letzten Wochen eigentlich los? Glaubt man den Medien, dann haben sich Trainer und Berater den Millionen Coaches und Experten im Land gebeugt, was Aufstellung anging. Glaubt man den Medien, dann hat ein Ex-Kapitän dem aktuellen Kapitän Ego-Vorwürfe gemacht. Glaubt man den Medien, dann hat es gemüllert, Manu wurde zum Libero, Mertesacker und Klose wurden jeder auf seine Weise legendär, Schweinsteiger hat geblutet, Super-Mario hat die WM entschieden – und Poldi haben wir legendäre Bilder zu verdanken.

Bei einem Blick zurück wird schnell klar: das bleibt. Alles andere gerät zum Glück schnell in Vergessenheit. Hinter spektakulären Schlagzeilen und Titelbildern von heute verschwindet morgen ein Spiel oder sogar ein Team. Das scheint so ok zu sein, denn offensichtlich hat es diese spezielle Mannschaft nicht auseinander gebracht. Im Gegenteil. Im Vorfeld des Finales war ich fast schon erschrocken, wie sehr die argentinische Nationalspieler auf Messi reduziert wurden. Und in den vergangenen Wochen habe ich einmal mehr genossen, dass es bei Interviews kein Bashing gegeneinander gab, am Ende haben alle gemeinsam, mit Höhen und Tiefen etwas geschafft, was seit 1990 keine deutsche Nationalelf mehr konnte: eine Weltmeisterschaft gewonnen. Dazu gehört jeder einzelne Nationalspieler, jeder Betreuer, ob auf dem Rasen oder auf der Bank. Die haben sich so gefreut – und auch mal geschimpft. Wie es eben ist, alles ganz normal, einfach menschlich.

Und keine Frage: der 12. Mann stand gestern spätestens in den letzten 7 Minuten der Verlängerung geschlossen hinter der Mannschaftsleistung. Heute sind „wir“ alle Weltmeister und sagen Danke. Mal sehen, ob sich dieses wunderbare Gefühl in die Verlängerung und Vorfreude auf die nächsten Spiele übertragen lässt. In diesem Sinne: Glückwunsch und Dankeschön, ich hab mich einfach nur gefreut, das miterleben zu dürfen! Und wer sich die ganze WM in 4 Minuten anschauen möchte dem empfehle ich dieses Video – ganz schön viel Emotion!

6 Kommentare zu „Sommermärchen 2014“

  1. Ich bin vor einigen Minuten erst beim Zappen aus allen Wolken gefallen: Da diskutierten auf ZDF.info doch glatt zwei Sportreporter miteinander, ob die deutsche Mannschaft in vier Jahren den Titel wird verteidigen können! Ist das zu fassen! Solchen Medien-Fuzzies möchte ich am liebsten zurufen, daß sie gefälligst den Rand halten und dieses schöne Ereignis nicht zerreden, sondern genießen, sich freuen und den Rand halten sollen…

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  2. Das was diese beiden Reporter da gelabert haben, ist wirklich unmöglich. Aber so sind diese Sportreporter, die stellen manchmal so dämliche Fragen anstatt einfach nur die Bilder sprechen zu lassen. An 1974 kann ich mich noch sehr gut erinnern, fast als wäre es gerade erst vor kurzem gewesen, dagegen 1990 ist irgendwie die Erinnerung weg. Komisch.
    Liebe Grüße
    Doro

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    1. Da war doch was mit Bilder sagen mehr als 1000 Worte? 😉 Das mit deiner Erinnerung finde ich interessant, wie heute schon im ehemaligen Mitschülerkreis festgestellt: wir alle waren damals gemeinsam auf Klassenfahrt, aber jeder hat seine eigenen Erinnerungen – oder eben nicht. Das ist wohl so, nur du selbst weisst, ob es für dein Leben wichtig genug war, dich zu erinnern? Liebe Grüße von Doris

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  3. Ich kann mich an 1990 und 1974 noch sehr gut erinnern. 1974 war die Freude hier in München eigentlich noch eine sehr verhaltene. 1990 waren die Leute dann schon außer Rand und Band. Ich bin damals Oberkellnerin in einem schönen Hotel nahe Hauptbahnhof gewesen, und nach dem frühen Feierabend – ab 21:00 Uhr hatten wir keinen einzigen Gast mehr im Restaurant – mit meiner Truppe zum Feiern an die Leopoldstraße gefahren. Das heisst, das wollten wir. Doch etwa in Höhe der Schellingstraße mussten wir aus dem Taxi steigen und zu Fuß laufen, weil per Auto kein Weiterkommen gewesen ist. Die Straßen waren dicht, völlig verstopft mit feiernden und jubelnden Menschen. Beim übermütigen Tanzen in einer Disco habe ich mir dann den Fuß gebrochen – und dies erst am nächsten Morgen bemerkt. 😉

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    1. Hui, DAS nenn ich mal eine einzigartige Erinnerung? 😉 In meinem Fall: auf Klassenfahrt einfach in ein Auto (es war ein Cabrio und der Fahrer war süß) eingestiegen, das im Autokorso durch eine unbekannte Stadt fuhr. Vielen Menschen am Straßenrand zugejubelt, getanzt, gelacht, geschrien bis zur Heiserkeit … Zum Glück waren wir zu zweit, und trotzdem vollkommen orientierungslos: unsere Jugendherberge und den Rest der Mitreisenden haben wir nur mit viel Glück wiedergefunden. Aber war schon sehr schön! 🙂

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