Gerne per du


In Bayern nicht ganz ungewöhnlich, auch in meinem Alter als „Mädel“ bezeichnet und geduzt zu werden. Das hat nichts mit mangelndem Respekt zu tun, im Gegenteil. Es ist ein Zeichen sozialer Integration, „du“ bist eine bzw. einer von uns. Glaubt man alten Anekdoten, war sogar der geliebte „Kini“ für viele „Du, Majestät“. Ein schönes Beispiel haben die Macher der legendären Kultserie „Königlich Bairisches Amtsgericht“ in Person der richterlichen Obrigkeit eingebaut, die durch penetrantes Duzen oft auf eine harte Geduldsprobe gestellt wird …

Also: ich lebe in Bayern, bin hier geboren und aufgewachsen. Und biete deshalb allen Mitlesern von überall her ganz zwanglos „das du“ an. Selbstverständlich respektiere ich, wenn jemand das gerne anders halten möchte.

10 Kommentare zu „Gerne per du“

  1. Das mit dem „Du“ beim Märchen-Kini ist eine Legende, denn Ludwig II. stand seinem Volk in Wahrheit nicht grade wohlwollend und sogar sehr herablassend gegenüber. Daß Minister und der Bayerische Landtag, sowie Bismarck nach dem Krieg gegen Preußen 1871 die Macht des Monarchen stark beschränkten und er eigentlich nur mehr repräsentative Funktionen wahr zu nehmen hatte, hat Ludwig II. nie verwunden, er wäre nur zu gerne ein absolutistischer Herrscher von Gottes Gnaden wie z. B. Ludwig XIV. gewesen. 😉

    Liken

    1. Dass wir heute beim Kini nur mehr vom Märchenkönig sprechen liegt an seiner Popularität, tatsächlich haben die Bayern ihre Herrscher meines Wissens durchweg so angesprochen? Und auch wenn es lang her ist, ich bin mal den historischen Stadtspaziergang auf den Spuren der bairischen Könige mitgewandert, da hat der nette Stadtführer die Anekdote mit dem „Du Majestät“ zum Beispiel im Kontext mit den Jagdgehilfen erzählt, und mit einem Münchner Bürger, der den König auf Reisen getroffen hat und die Gunst der Stunde nutzte, um ein Anliegen loszuwerden? 😉

      Liken

      1. Ich seh‘ schon, ich muss auch mal so eine Stadtführung mitmachen. 😉
        Sehr reizen täten mich ja schon seit längerem jene, die von „Mystisches München“ angeboten werden.

        Liken

      2. War schon mehrfach mit dem Weißen Stadtvogel und mit der Vhs unterwegs, und einmal hab ich einen literarischen Spaziergang durch Schwabing mitgemacht, das ging damals von den Bayerischen Literaturwissenschaftlern aus. Kann ich alles nur wärmstens empfehlen, immer wieder was Neues, immer wieder sehr überraschend, was man alles dazulernen kann 😉

        Liken

  2. Im Prinzip gefällt es mir auch, muss ich sagen.
    Aber….. und jetzt kommt mein ABER:
    gestern war ich auf Shopping-Tour in der Stadt die keiner kennt. In einem Laden bin ich fündig geworden, gehe also an die Kasse. Dort bediente mich eine gleichaltrige Frau (das hab ich mal so eingeschätzt), Anfang bis Mitte 50. Sehr grell geschminkt, dunkles Make up, feuerrote Lippen, schwarz umrandete Augen, wasserstoffblond gefärbt.
    Nun ja. Ich gab ihr das cremefarbene Top zum Bezahlen rüber und fragte sie, ob ich das Make up, dass vorne im Stoff zu sehen war, bei der Wäsche wohl entfernen könnte.
    Sie war ein wenig patzig und duzte mich auch sofort. Normalerweise kein Problem für mich, aber da sie so patzig war, misfiel es mir sehr.
    Sie sagte, ich habe den Fleck nicht ins Shirt gemacht, daher weiß ich auch nicht was es ist und ob du es rausbekommst!
    Als ich sie dann ein wenig irritiert anschaute, sagte sie, bevor ich antworten konnte (ist ihr da wohl selber aufgefallen, wie unfreundlich sie reagiert hat): darum mache ich dir ja auch einen Vermerk auf den Kassenzettel. Wenn du es nicht rausbekommst, kommste wieder und ich tausche es dir um.

    Ich sagte danke, bezahlte und ging raus.
    Normalerweise bin ich ein sehr kommunikativer Mensch, halte gern Smalltalk, auch mit Verkäuferinnen, aber bei dieser Dame ging ich kommentarlos und war etwas angesäuert.

    Wie hättest du reagiert?

    Liken

    1. Keine schöne Situation, und definitiv kann ich dir nicht sagen, wie ich reagiert hätte. Ist auch von meiner eigenen Laune abhängig. In jedem Fall mindestens genauso verblüfft wie du – und ob ich noch ein Danke über die Lippen gebracht hätte? Bin nicht sicher. Das ist dann der Moment, wo duzen keinesfalls positiv ist, wo man sich mit der Gesamtsituation einfach unwohl fühlt … Hoffe, du hast den Fleck rausbekommen und musst nicht noch mal hin? Ganz liebe Grüße

      Liken

  3. Du hast übrigens recht mit der G’schicht vom Kini, gestern abend noch habe ich so etwas Ähnliches in Franz Herre’s Buch über Ludwig II. nachgelesen. Die Münchner, die Stadtbevölkerung waren es, die der Monarch bisweilen zutiefst verabscheute, und mit der er gar nicht gerne Umgang pflegte. In den Bergen bzw. auf dem Land war das etwas ganz anderes, mit den Bauern, den Dorf- und Bergleuten stand er wohl auf sehr vertrautem Fuß.
    Liebe Grüße!

    Liken

  4. Einst im Bayerischen Land gestrandet, als „Zuàgroàsdà“ bezeichnet und immer sofort mit DU angesprochen, hat mich das schon ein ganz klein wenig irritiert 😉

    Aber ich darf berichten, es ging sehr flott und ich konnte super damit umgehen !
    Besonders liab fand ich die Kinder, wie sie mit dem DU gegenüber Erwachsenen umgingen.

    Ein ehemaliger Chef von mir sagte mal, du Arschgaing klingt doch viel besser, als sie Arschgaing *sfg

    In diesem Sinne,
    bleiben wir beim DU und wünschen uns bald wieder Sonne 😉

    herzlichst Uschi ❤

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.