Short Stories: Umgebung


Umgebung, meine Straße, mein „Wohnort“. Ich lebe in der Stadt, in München. Genauer gesagt im Münchner Westen, gleich neben dem Nymphenburger Schlosspark. Als ich vor etwa 9 Jahren in meine aktuelle Wohnung in Obermenzing gezogen bin habe ich mich sehr schnell dafür entschieden, weil zwei wichtige Faktoren erfüllt waren: eine grüne Umgebung inmitten eines Wohngebietes. Nicht zu zentral, aber auch nicht zu weit ab vom Schuss, schnell auf der Autobahn. Ich hab vorher im 7. Stockwerk eines doch sehr großen Hauses im Zentrum des Stadtteils Neuhausen in einer WG gewohnt, wollte keinesfalls wieder in ein Hochhaus, keine Innenstadtlage und wieder allein leben. Meine Tür hinter mir schließen, ohne dass jemand in meinem Bereich „störend“ ist. Und sehr viel mehr wollte ich tatsächlich nicht. Von meinem Viertel bekomme ich als arbeitende Bevölkerung wenig mit. Von Freunden und Bekannten weiß ich, wie wichtig ihnen Einkaufsmöglichkeiten in Laufentfernung sind, ich hab Bäcker, Shops und Bio-Supermarkt ums Eck, trotzdem kauf ich meist unterwegs ein. Es gibt ganz nah einen Griechen und ein bayrisches Lokal mit Biergarten. Sind aber keine Stammlokale, bin ja abends eher selten in meinem Viertel. Was sich verändert hat: in den letzten Monaten ist es nicht mehr ganz so einfach, einen Parkplatz in meiner Straße zu finden, macht ein paar mehr Meter Bewegung morgens und abends. Meine Nachbarschaft? Kannte ich lange Zeit kaum. Mein direkter Nachbar ist ein sehr netter älterer Herr, den ich maximal einmal pro Monat sehe. Dann hab ich zwei tolle Nachbarinnen, wir sehen uns ebenfalls viel zu selten, aber wenn, dann ist es ein toller Abend mit viel Lachen, viel Reden, sich Austauschen. Besonders beliebt sind unsere zufälligen Gespräche im Treppenhaus, ja wir nutzen jede Gelegenheit. Die restlichen Hausbewohner sehe ich so gut wie nie. Die Straße und die Umgebung sind ok, ich glaube, es ist ein bunter Mix aus Hauseigentümern und vermieteten Wohnungen. Ein paar kennt man, begrüßt sich auch mal beim zufälligen Treffen auf der Straße. Andere wollen vollkommen anonym sein, schaun weder rechts noch links. Direkt um die Ecke ist ein kleiner Spielplatz, für mich nicht soooo wichtig. Ebenfalls um die Ecke eine kleine Pension, praktische Alternative, wenn man Besuch bekommt. Von Vorteil ist die Nähe zum Nymphenburger Schlosspark, vor allem an lauen Sommerabenden nutze ich die grüne Oase und tauche in die Natur, den Park und die Blicke ein. Und wundervoll ist mein Balkon, mit Blick ins Grüne. Sehr erholsam nach einem anstrengenden Arbeitstag. Eigentlich würde ich lieber raus aus der Stadt, auf dem Land leben. Und zwischendurch, wenn ich mich über so das ein oder andere ärgere, halte ich auch mal Ausschau. Aber unterm Strich bin ich ganz gern da, wo ich bin. Leben in der Stadt wird für mich immer ein Kompromiss bleiben, aber mit meinem Kompromiss bin ich zumindest meistens ganz glücklich.

Diesen Monat fragen Andrea und Bine nach Umgebung. Thema soll sein: „Deine Stadt, Deine Strasse, Dein Bezirk, Dein Veedel (Viertel), Deine Gegend, Deine Umgebung, Deine Welt…. Wo lebst Du? Warum lebst Du dort? Lebst Du dort gerne? Musst Du dort leben? Würdest Du lieber wo anders leben? Erzähl mal!“

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16 Kommentare zu “Short Stories: Umgebung”

      1. Ich hätte noch die Blutenburg, die Würm und die vielen schönen Stilaltbauten aufgezählt, die es ansonsten in München viel zu selten gibt. Ebenso die gute Verkehrsanbindung, sowohl ÖPNV als auch Autobahn.

      2. Stimmt, ich hab die S-Bahn fast vor der Nase, die Tramnachtline quasi ums Eck, das ist echt toll. Aus Zeitgründen geh ich meist in den Schlosspark, aber die Blutenburg ist mir vorhin auch nachträglich noch eingefallen, genau wie der Alte Wirt und die Nähe zu den Badeseen – Lochhausen usw. Ich wohn schon in einem schönen Eck 🙂

  1. Liebe Doris,
    dieses Projekt hat auch was positives. Man erfährt einiges über seine Blog-Freunde. Und das ist schön.
    Liebe Abendgrüße
    Harald
    Wo bist Du denn abends wenn Du schreibst, dass Du eher weniger in Deinem Viertel unterwegs bist?

    1. Lieber Harald, ja, das ist so eine Sache: man trifft sich in München eher zentral, oder besser gesagt: Obermenzing hat jetzt nicht so die Kneipendichte. Das sind dann eher andere Stadtviertel, wie Schwabing, Glockenbach, Westend … dir einen schönen Tag, liebe Grüße von Doris

  2. Klingt gut deine Gegend und wenn ich was von *Grün in der Nähe lese, bin ich eh immer gleich begeistert. Freunde, die man in der Nähe hat, machen auch viel aus.

    Großstadt wäre allerdings nichts für mich 😉 .
    Da meine Tochter ein paar Jahre in München gelebt hat und ich jedes 2.Wochenende meinen damals noch kleinen Enkel besuchte, war ich jedes mal wieder froh, wenn das Ortausgangsschild hinter mir lag.

    Im Berufsverkehr durch München, ein wahrer Horror für mich und das nicht, wegen dem Fahren, nein, wegen der Zeit !!!

    Wünsche dir auf alle Fälle noch glückliche Jahre dort
    und eine gute Zeit…

    herzlichst Uschi

    1. Ja, ich hab ja auch schon öfter mal angedeutet: ich werde kein Stadtmensch werden. Aber ich habe einen Kompromiss gefunden, mit dem ich ganz gut leben kann – danke dir für deine wie immer so liebevollen Worte und die guten Wünsche, ganz liebe Grüße

  3. Oh wie schön! Eine gute Freundin ist jetzt quasi in deine Ecke gezogen. Da kann man sich wirklich wohlfühlen. Aber wer sind eigentlich diese Stadtmenschen? Irgendwie sagt jeder, dass er im Grunde ja gar keiner ist, dass ihm Grün und Natur wichtig ist und dass er gerne am WE in die Berge fährt. Ich schmunzle nur immer, denn was sagt es über uns aus Stadtmensch zu sein oder nicht… Meine Mama wohnt übrigens auch in einer Stadt. In einer Stadt mit ca. 12.400 Einwohnern (lt. Wikipedia 133 Einwohner je km²), sie ist da erst vor 4 Jahren hingezogen und sieht sich jetzt auch als Stadtmensch 😀 Ist es nicht schön, dass solche Sachen von jedem anders definiert werden können und das es trotzdem auf immer das Gleiche hinausläuft – nämlich, ob man sich da wo man ist gerade wohlfühlt.
    Danke für die Einblicke in deine Lebenswelt in Obermenzing.

    1. Was für eine tolle Definition von „dahoam“ du da geschrieben hast, kann mich gut eindenken. Und eine schöne Erinnerung hast du wachgerufen: ich hab mein Zehnerl-Eis auch beim lokalen Kramerladen gekauft, gibts jetzt zwar wieder, ist aber nicht mehr der Geschmack meiner Kindheit 😉 Liebe Grüße von Doris

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