Freunde oder Bekannte


Gestern abend war ich mit einer alten Freundin aus Studienzeiten unterwegs. Wir haben viel gequatscht und sie hat von einer Freundin erzählt, mit der sie bald unterwegs sein wird – und neugierig ist, wie sich die Beziehung verändert. Das hat mich an meine Gedanken rund ums Thema erinnert, und ich habe mal weitergedacht:

Manchmal trifft man Freunde von früher wieder und stellt fest: das ist, als ob wir uns gestern erst gesehen hätten. Es geht einfach weiter. Wir reden, Verstehen uns. Vielleicht verbindet uns nicht mehr genau dasselbe, was uns Jahre zuvor verbunden hatte? Egal, wir finden einen neuen Anknüpfungspunkt, eine neue Basis. Natürlich gibts das auch anders: man trifft Freunde von früher und es ist nichts mehr da. Manchmal trifft man im Leben Menschen, mit denen man sich früher nicht so gut verstanden hat, die man aber kannte – Kindergarten-Schul-Studienzeit-Bekannte. Und stellt fest, es hat sich nichts geändert, alles beim Alten. Wir kennen uns, mehr ist da aber nicht. Oder man trifft Bekannte von früher – und plötzlich hat man sich etwas zu erzählen, versteht sich, will mehr …

Muss man das immer so genau definieren? Ist es immer notwendig, jemandem ganz klar und deutlich zu sagen: du bist ein Freund – du „nur“ ein Bekannter? Ich meine nein, denn das wäre in vielen Fällen schon viel zu viel Denkarbeit. Anstatt einfach zu fühlen, sich mit jemandem gut oder eben weniger gut zu fühlen und es zu genießen. Oder eben nicht. Es gibt vertraute Menschen, Freunde, die ich über Jahre nicht sehe. Wir treffen uns und zwischen uns geht es einfach weiter. Es ist kein Bruch da, keine gefühlte Zeitspanne, die man durch Erläuterungen und Erklärungen überbrücken muss. Wir reden und es ist nicht wichtig, ob wir uns alles erzählt haben, ob jedes Detail erörtert wurde. Es ist einfach der Ist-Zustand, der zählt. Das kann auch bei einem neuen Freund passieren – was besonders schön ist, weil es zeigt, dass Vertrauen da ist.

Dann wieder trifft man Menschen, mit denen man früher unwahrscheinlich intensiv war, die gute Freunde in einer vergangenen Zeit waren. Und merkt: ich muss mein aktuelles Leben erklären. Ich muss mich und meine Entwicklung erklären. Das gegenüber hat entweder keine Aufmerksamkeit für mich oder einfach einen Status, dem ich längst entwachsen bin. Es ist nicht wichtig, denn Dinge entwickeln sich. Menschen verändern sich, auch wenn sie das nicht gerne hören. Wir alle werden älter. Es gibt Freundschaften, die mitwachsen, ganz leicht, egal, ob sie sehr nahe sind oder weit entfernt. Und es gibt das Phänomen der Bekanntschaft, leicht zu verwechseln mit Freundschaft: man kennt sich, hat sich aber vielleicht nicht wirklich erkannt. Oder es fehlt an Aufmerksamkeit oder Aufnahmefähigkeit für das Gegenüber? Witzig, denn im Zeitalter von Social Media sind das Menschen, die Posts auf Facebook kommentieren oder mir zum Geburtstag gratulieren. Einfach nur, weil die Technik sie darauf aufmerksam macht bzw. sie erinnert.

Schließen die Kinder und Jugendlichen von heute anders Freundschaften als wir? Verändert sich soziales Verhalten insgesamt durch Facebook & Co? Gute Frage, die ich nicht beantworten kann … Ich vermute, man sammelt im social web mehr Bekannte und weniger Freundschaften? Vielleicht ist aber auch dieser Gedanke schon wieder viel zu viel Denkarbeit und das muss gar nicht definiert werden?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.